Pardela_cenicienta
Aktives Mitglied
Wir (zumindest ich) sind geneigt, die Clades Variana als singuläres und vor allem als isoliertes Ereignis wahrzunehmen.
Die deutsche humanistische und später die völkisch-nationale Geschichtsschreibung neigte dazu, das Ganze nur als militärisches Ereignis und als identitätsstiftenden Volksaufstand wahrzunehmen.
Ich möchte einige andere Dinge herausstellen:
Ich denke, man muss die in dieser Zeit (6 n. Chr. bis 9 n. Chr.) sehr begrenzten militärischen Ressourcen der Region betrachten:
Aber:
Die deutsche humanistische und später die völkisch-nationale Geschichtsschreibung neigte dazu, das Ganze nur als militärisches Ereignis und als identitätsstiftenden Volksaufstand wahrzunehmen.
Ich möchte einige andere Dinge herausstellen:
- Die von Augustus eroberten Regionen waren mit der Finanzierung der Legionen die wirtschaftliche Basis des Machterhaltes
- die Konstruktion einer Bedrohungslage war nicht erst seit Caesar die Legitimation der Unterhaltung dieser Truppen
- Zugleich spielte die Außenverteidigung eine Rolle bei der Schaffung und Legitimierung des Kaiserhauses. Deutlich wird das mit der angestrebten Nachfolgeregelung mit Drusus, Gaius Lucius, Germanicus und dann Tiberius
- Die potentiellen Nachfolger sollten sich an den Außengrenzen bewähren, sie wurden mit Münzprägungen und Denkmälern legitimiert.
- Das System der verpflichtenden Loyalität in der Besetzung der militärischen Schlüsselpositionrn war fein austariert.
- Die Legionen waren so weit entfernt von Rom, dass eine putschartige Machtergreifung nicht möglich war,
- und so nah, dass jeder Aufstand unterdrückt werden konnte.
Ich denke, man muss die in dieser Zeit (6 n. Chr. bis 9 n. Chr.) sehr begrenzten militärischen Ressourcen der Region betrachten:
- Da war einmal die Vorbereitung des Angriffskrieges gegen Marbod, organisiert von Tiberius.
- Vom Main aus zogen 2-3 Legionen unter Saturnius nach Böhmen.
- Es kam zum pannonischen Aufstand, der eingeleitete Feldzug gegen Marbod wurde abgebrochen, im Rahmen des pannonischen Aufstands wurden 15 Legionen eingesetzt.
- Es gab einen Aufstand in der Provinz Africa, die Getreidelieferungen nach Rom wurden eingeschränkt.
- Im gesamten römischen Reich wurden die Steuern massiv erhöht, was wiederum zu erneuten Aufständen führte.
- Der Krieg war verlustreich.
- Nach der Unterwerfung des aufständischen Bato in Pannonien, mit Friedensschluss am 3. August des Jahres 8 n. Chr., kehrten einige der Legionen an den Rhein zurück, darunter vermutlich auch Arminius. Germanicus sollte den Aufstand des namensgleichen Batus in Illyrien beenden.
- Das ging schief, der dalmatische Batus ermordete den verräterischen namensgleichen pannonischen Batus, Germanicus kam nicht zurecht, Tiberius wurde zurückgerufen, er beendete erfolgreich aber verlustreich den Krieg.
Aber:
- Er hatte ausgedünnte Truppen (@Sepiola wird sicherlich davor warnen, Faktoide zu erzeugen),
- er wurde gezwungen die Steuern zu erhöhen,
- er hatte die Aufgabe, "an der Heimatfront für Ruhe zu sorgen",
- die Provinzialisierung vorwärts zu treiben,
- die Infrastruktur auszubauen,
- die wirtschaftlichen Ertrag durch direkte Ausbeutung durch Einheiten des Militärs (z.B. Bleiproduktion bei Brilon oder Bensberg, oder Erzgewinnung am Dünsberg) und Lizenzvergabe an selbständige Unternehmer ("Plumbum Germanicum") zu erhöhen,
- und all das bei einer für diese Region völlig unzureichenden personellen Ausstattung.
Zuletzt bearbeitet: