falls man "Karthagerfrieden" als Synonym für Diktatfrieden versteht, stehen die Chancen, von vorn bis hinten weniger Unsinn zu verzapfen, um einiges günstiger
Falls man es nur als Synonym für "Diktatfrieden" versteht, verliert der Begriff allerdings seinen Sinn, denn ein Diktatfrieden ist erstmal jeder Frieden, der kein Kompromissfrieden ist.
Der Friedensvertrag, den Italien 1947 aufgebrummt bekam, war zweifelsohne ein Diktat, denn zu verhandeln hatten die Italiener da nicht viel. Allerdings kam Italien recht glimpflich dabei weg. Es verlor seine Kolonien, wobei Somalia de facto bis 1960 unter italienischer Kontrolle blieb, dazu den Großteil von Istrien (ohne Triest) einige Inseln in der Adria und zwei Ortschaften an der Grenze zur Provence, kam sonst territorial aber weitgehend ungeschoren davon.
Noch krasser sind die Beispiele Bulgariens und Rumäniens, die trotz Niederlage und Friedensdiktat am Ende des 2. Weltkrieges Territorialgewinne verbuchen konnten.
Bulgarien in Form der der südlichen Dobrudscha ohne Constanța, die vor dem 2. Weltkrieg zum benachbarten Rumänien gehört hatten. Rumänien war demgegenüber die bereits vor seinem Kriegseintritt abgetretenen Territorien in Bessarabien und der Dobrudscha endgültig losgeworden, konnte aber im Zug des Seitenwechselns und Friedensschlusses, obwohl militärisch selbst Verlierer des Krieges und obwohl ihm der endgültige Verzicht auf Besarabien und die Süddobrudscha aufgebrummt wurde, immerhin das vor dem Krieg auf Betreiben Hitlers an Ungarn abgetretene nördliche Transsilvanien mit Cluj/Napoca und dem Kreischgebiet zurückgewinnen.
Auch Frankreich bekam nach Napoléons endgültiger Niederlage 1815 den Frieden diktiert und hatte anders als im Jahr zuvor nichts mehr auf Augenhöhe mit den anderen Großmächten zu verhandeln. Dabei wurde es auch einige terrotiriale Errungenschaften der 25 Jahre seit Ausbruch der Revolution wieder los, wie etwa Landau, bekam aber erneut einige Territoriale Zugewinne der vorherigen Dekaden in der Provence, im Elsass und in Lothringen auch bestätigt.
1797 hatte Napoléon den Österreichen in Campo Formio faktisch den Friedensschluss diktiert, bei dem Österreich seine Territorien in den Niederlanden verlor und in Mailand, dafür allerdings relativ großzügig mit den Gebieten der ehemaligen Republik Venedig in Norditalien und an der dalmatinischen Küste entschädigt wurde.
Rein von der Bevölkerungszahl und wirtschaftlichen Leistung dürfte Österreich hierbei zwar Verluste gemacht haben, dafür waren Venezien und Dalmatien allerdings wesentlich einfacher zu verwalten und zu verteidigen, als das ferne Belgien.
Sachsen hatte im Rahmen des 4. Koalitionskrieges zusammen mit den Preußen bei Auerstedt und Jena gegen die Franzosen gekämpft und verloren, bekam aber im Rahmen des Posener Friedens, den es im gleichen Jahr von Napoléon aufdiktiert bekommen hatte, die Anwartschaft auf den preußischen Kreis Cottbus und sein Monarch die Erhebung zum König von Sachsen zugesprochen. Die Anwartschaft auf Cottbus konnte im folgenden Jahr dadurch, dass Preußen das Friedensdiktat von Tilsit über sich ergehen lassen musste, dass Napoléon und Zar Alexander ausgekungelt hatten, auch realisiert werden konnte.
Zusätzlich wurde der "karthagisierte" Friedrich August III, nunmehr als König Friedrich August I. dann nach Tilsit auch prompt noch mit dem neu geschaffenen "Herzogtum Warschau" in Personalunion bedacht.
Alles Beispiele dafür, dass der Umstand eines Diktatfriedens, nicht unbedingt eine erhebliche Schwächung im Vergleich zu vorher bedeuten muss und dass manch einer sogar das Glück hatte, nachdem ihm der Frieden aufdiktiert worden war, territorial besser darzustehen, als vorher.
"Karthago-Frieden" oder "Karthagerfrieden", macht als bloßes Synonym für einen "Diktatfrieden" keinen Sinn, sondern allenfalls als Synonym für einen Diktatfrieden, mit Bedingungen, die so harsch waren, dass sie mittelfristig auf die vollständige Marginalisierung oder Zerstörung des Akteurs hinaus lief, der sie zu ertragen hatte und dieser Gestalt war aus deutscher Perspektive, weder der VV noch die durch die Pariser Vorortverträge bestimmte Nachkriegsordnung.
Aus österreichischer oder türkischer sicht, machte die Bezeichnung "Karthago-Firieden" vielleicht Sinn, denn diese Imperien wurden ja weitgehend liquidiert und gerieten denn auch prompt In Territorialstreitigkeiten mit den Nachbarn, die sich zu offenen Konflikte auswuchsen (im Fall Österreichs mit dem neuen SHS-Staat um die Grenzziehung zwischen Kärnten, Steiermark und Slowenien).
Aber aus der Perspektive Deutschlands ist der Sinn einer solchen Betrachtung einfach nicht da. Das ist die überzogene Rhetorik aus der zeitgenössischen Perspektive.