Römerstädte in Deutschland

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von diekelope, 19. Oktober 2010.

  1. diekelope

    diekelope Neues Mitglied

    Hey Ho,
    Hätte gerne mal gewusst, welche Gründen es damals gab sich in Deutschland anzusiedeln?
     
  2. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Was denkst du denn, welche Gründe es für die Römer gegeben haben könnte? :grübel:
     
  3. diekelope

    diekelope Neues Mitglied

    ich hätte da gedacht an..handlungswegen, kriege.

    Aber warum bei Trier, Augsburg oder Köln?
     
  4. Mummius Picius

    Mummius Picius Premiummitglied

    Nun, meistens blieben sie da, wo schon andere waren: Trier war schon eine zentrale Siedlung der (keltischen) Treverer, Köln eine der (germanischen) Ubier, bevor die Römer diesen Städten größere Ausbauprogramme zukommen liessen (wobei Trier nie in den Status einer Colonia erhoben wurde, auch mit Kaiserpalast nicht - d. h. da war es schon nicht mehr relevant).
    Augsburg war eine militärische Anlage, die allerdings einen großen zivilen Zuzug verzeichnen konnte (wie z. B. auch Regensburg und Mainz). Über die Via Claudia war sie ein wichtiger Punkt im römischen Logistiknetz, später dann Hauptstadt der Provinz Raetia.
     
  5. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Ich glaube, die ursprüngliche Fragestellung greift weiter - Warum blieben die Römer nicht gleich am Tiber.:heul:
     
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  6. flavius-sterius

    flavius-sterius Aktives Mitglied

    Bei Wikipedia ist es hinsichtlich des rechtlichen Status von Augusta Treverorum anders beschrieben und als Zeuge wird Tacitus aufgeführt:

    Augusta Treverorum ? Wikipedia

    Kennt jemand entsprechende Inschriften, welches das Colonia an der Mosel belegen würden?

    Damals gab es noch kein Deutschland und die Römer kamen während des Gallischen Krieges an den Rhein. Warum Cäsar Gallien erobert hat, ist eine eigene Geschichte, auf die ich nicht eingehen will. Wichtig ist nur, dass Gallien für die Römer wirtschaftlich interessant war. Ein wichtiger Aspekt dabei war, dass die Kelten (darunter fallen auch die Gallier) schon eine Urbanisierung erfahren hatten. Diese hatten stadtähnliche Zentren, welche von Caesar als Oppida bezeichnet wurden. Im Mittelmeerraum waren Städte die Basis der staatlichen Ordnung. In Gallien konnten die Römer an diese mediterrane Tradition anknüpfen.

    Rechtsrheinisch war diese Oppida-Kultur (kannst Du unter La Tène googeln) bei Ankunft der Römer kaum mehr existent. Dazu war die ganze Struktur der Landwirtschaft anders gestaltet als in Gallien. Caesar entschied daher den Rhein zur Grenze der neu gewonnenen Provinz Gallien zu machen. In einem Prozess über mehrere Jahre wurden (mit zunehmender Romanisierung der Kelten) die als Besatzungstruppen in Gallien stehenden römischen Legionen mehr und mehr an den Rhein verlagert. Diese Soldaten brachten in dieser Ecke des römischen Machtbereiches nun erhebliche Kaufkraft und hatten natürlich Bedürfnisse nach römischer Lebensart. Da die römische Ordnung auf Städte basierte und es in dieser Ecke eigentlich keine bestehenden Städte gab, bauten die Römer auf der grünen Wiese Planstädte. Die hier wie dort anzutreffenden ortsgleichen Vorgängersiedlungen hatten zuvor keine bedeutende Rolle gespielt. Manchmal wurden noch bestehende Oppida auf den Höhen zu Wüstungen und die Bevölkerung wohl in die neue Planstadt im Tal umgesiedelt (Dünsberg/Waldgirmes sowie Magdalenberg/Virunum könnten solche Verlagerungen sein, dies ist aber nicht unumstritten). Beide Vorgänge (Städteneugründung und die Kaufkraft der Soldaten) profitierten voneinander.

    Anders als am Rhein und Mosel verhält es sich mit Augsburg und den Alpenraum. Irgendwann hatten die Römer erkannt, dass eine Verbindung Rom - Lyon - Köln ein ziemlicher Umweg war. 15 vuZ unternahm Augustus den Alpenfeldzug und eroberte das Alpengebiet, soweit es nicht schon in römischen Händen war ( = siehe Noricum). Wie Mummius Picius schon oben aufführte, lag das römische Augsburg sehr verkehrsgünstig und die Verlegung von Verwaltungsbehörden von Windisch nach Augsburg brachte einen weiteren Aufschwung.

    Als Fazit: Die Römer kamen nicht nach "Deutschland" wie zum Beispiel die Gastarbeiter vor 50 Jahren. Die Römer fanden kein attraktiveres Lebensumfeld als zuhause vor. Die Römer mussten eigentlich für ihren Lebensstil fast alles aus der Erde stampfen und selbst die Nutzpflanzen brachten sie zum großen Teil aus ihrer Heimat mit. Der römische Legionär und der Militärlieferant an sich war wohl wenig angetan von der neuen Wohngegend. Aber Befehl ist Befehl und man machte das beste draus.
     
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  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Um Tacitus darf man, was Titulaturen angeht, nicht viel geben. Allerdings gibt es mindestens eine Inschrift, in der von Trier als Colonia die Rede ist:
    CIL 13, 03641 ("In h(onorem) d(omus) d(ivinae) / Genio aren[a]/riorum con/sistentium / col(onia) Aug(usta) Tre(verorum) / Axsillius Av/itus sive Sa/cruna / d(onum) d(edit)").
     
  8. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Wobei es noch eine weitere Colonia gab, seit Trajan. Die Colonia Ulpia Trajana, welches aus der Zivilsiedlung des Legionslagers Vetera entstanden ist. Diese Colonia soll auch die einzige in Europa sein, welche später keine grössere Stadt geworden ist.
    Vetera hat auf Linksrheinischem Gebiet die Lippemündung bewacht. Was mich eigentlich interessiert in dem Zusammenhang ist, warum wurden manche Städte zur Colonia erhoben, und andere wichtige Städte, wie das heutige Mainz zum Beispiel nicht? Gibt es dazu eigentlich Erkenntnisse?

    Apvar
     
  9. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Bekanntlich war der höchste Status, den eine Ansiedlung außerhalb Italiens erreichen konnte, der einer colonia, der zweithöchste der eines municipiums. Ich könnte mir denken, dass die strategische und erhoffte wirtschaftliche Bedeutung bei einer Siedlungsgründung dafür maßgebend war, ob sie künftig eine colonia sein, oder lediglich die Rolle einer Landstadt, eines municipiums, spielen sollte. Im Lauf der Jahrhunderte entwickelten sich einige Siedlungen jedoch anders als geplant, sodass z.B. Mogontiacum über die ursprüngliche Funktion und Bedeutung eines municipiums hinauswuchs, ohne dass man indes nach Jahrhunderten den Status noch geändert hätte.

    Übrigens sind auch Trier, Augsburg und Carnuntum coloniae, ohne dass sich das im römischen Namen zeigt.
     
  10. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Hey Ho,
    zu den oppidae zu Wüstungen wurden,hätte ich als Beispiel das oppidum auf dem Donnersberg,das ohne kriegerischen Anlaß ungefähr bei Ankunft der Römer aufgegeben wurde,während gleichzeitig in Mainz ubd Worms Römerstädte entstanden.
    Wenn man sich die Römerstädte unter diesem Aspekt betrachtet,so könnten sie auch dazu gedient haben, eine lokale Stammesbevölkerung nebst ihrer Führungsschicht dort zu konzentrieren und durch die entsprechende örtliche Garnison zu kontrollieren und zu romanisieren.
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Oktober 2010
  11. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Da korrigiere ich: es gibt noch mehr Coloniae, die irgendwann verlassen wurden oder nur kleine Nachfolgesiedlungen hatten. Carnuntum ist ein gutes Beispiel dafür, weitere gibts im Balkanraum.
     
  12. flavius-sterius

    flavius-sterius Aktives Mitglied

    Vielen Dank.
    :winke:
    Ich bin jedoch zu doof, sie in der Datenbank zu finden. Ich bekomme nur einen Wasserspeier aus Baden-Baden ausgeworfen.
    :cry:

    Mich hätte die zeitliche Einordnung interessiert.

    Inzwischen bin ich aber auf eine Fußnote in der Literatur gestoßen, wonach noch CIL XIII 1949, 2669, 3695, 4152, 4153, 4154 und 4251 ebenfalls die Colonia-Titulatur für die Moselmetropole belegen sollen. Dort ist aber auch die 3641 erwähnt.

    Thomas Fischer gesteht Mogontiacum nur den Status eines canabae legionis zu. Auch für Augsburg backt er kleinere Brötchen, dieses bezeichnet er als Municipium, zu welchem es um 121 durch Hadrian ernannt worden wäre.

    Eine weitere Stadtgründung nach latinischem Recht ist Arae Flaviae, das heutige Rottweil. Obwohl hier Anspruch und Wirklichkeit wohl nicht so recht harmoniert haben. Ihrem rechtlichen Status wurde wohl die Realität in Stein und Marmor nicht gerecht.
     
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  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich hoffe der Link funzt*: http://oracle-vm.ku-eichstaett.de:8888/epigr/epiergebnis_de

    Ansonsten http://oracle-vm.ku-eichstaett.de:8888/epigr/epigraphik_de
    Unter Beleg "CIL 13, 03641" eingeben, oder bei Ort "Trier" eingeben (rechts in der Liste scrollen, das manuelle Eingeben von Ortsnamen macht Probleme) und z.B. "col" in einem der beiden Suchtextfelder eingeben.

    Dazu sagt die Datenbank leider nichts.

    *Edit: Er funzt natürlich nicht, war ja klar....
     
  14. Mummius Picius

    Mummius Picius Premiummitglied

    Ich habe noch einmal nachgesehen, welcher Floh im Ohr mir einflüsterte Trier nicht unter die Coloniae zu rechnen: Charles-Marie Ternes, Das römische Deutschland (1986). 1986 ist zwar schon ein Weilchen her und der Autor schreibt auch nur "Den Titel Colonia hatte sie sich vermutlich selbst verliehen", aber ich möchte das hier zumindest angeführt haben.

    Die als Beweis angeführte Inschrift zu datieren wäre sicher leichter, wenn man ein Bild hätte; ich habe mal nach dem Begriff "Domus Divina" gespürt und gesehen, dass dieser im 2. Jh. aufkam (als auch die Stadt deutlich wichtiger wurde) und das auch insbesondere in Germanien und der Belgica. Richtig zum Sprachkanon der Kaiserverehrung gehörte Domus Divina in der Spätantike. Deshalb folgende Überlegung:

    Ich würde tippen dass die endgültige "Colonialisierung" von Augusta Treverorum entweder (nach Tacitus) zu Zeiten des Claudius, der aber sonst seinen Coloniae peinlich genau seinen Namen anhing, weshalb dieser dann als Colonia Claudia Augusta Treverorum hätte irgendwo auftauchen müssen – oder eben per "Vereinnahmung" unter Commodus bzw. nachfolgenden Kaisern (unter Commodus war dieser Titel schon korrumpiert, unter Caracalla wurde er irrelevant, unter Diokletian letztendlich sogar berechtigt wegen der eminenten neuen Rolle der Stadt).
     

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