Römische Minen in der Germania Magna

Zum laténezeitlichen Montanrevier Hintertaunus. ich hatte in zwei Beträgen hier (#74, 81) auf das neu entdeckte laténezeitliche Montanrevier Hintertaunus hingewiesen, und eine Pressemitteilung zum Fund eines neuen Rennofentyps verlinkt. Bei Recherchen zum Thread "Die Römer in Mittelhessen" Die Römer in Mittelhessen ¹ fand ich einen ausführlicheren Artikel der Hessenarchäologie zu Grabungen bei Niederselters: G. Gassmann / S. Schade-Lindig / S. Sosnowski,Ein Rennofenbefund mit zentralerSchlackengrube aus Selters-Niederselters,Lkr. Limburg-Weilburg. hessenArch. 2022,2023, 93 – 99.

Die Grabungen bei Niederselters/Gemeinde Selters fanden vor vier Jahren statt. Die Verantwortlichen sprechen von weiteren nachgewiesenen 369 Rennofenverhüttungsplätzen im Hintertaunus, die untersucht werden können. Gassmann und Schade-Lindig fasssen zusammen, welche Forschungsziele sie für die Zukunft sehen:
"Ob sich durch weitere Grabungen ältere Ofentypen ermitteln lassen, anhand derer sich angesichts der zahlreichen bekannten Anlagen die zu erwartende zeitliche Tiefe nachweisen ließe, ist ebenso offen wie der Umstand, dass wir bislang auch noch keine Informationen zur Gesamtbetriebseinheit der Eisengewinnung haben. So sind nicht nur die Ofentypen selbst von Interesse, sondern deren Anzahl an einem solchen Platz, außerdem Einrichtungen wie Erzdepots, Holzkohledepots, Materialdepots mit Lehm und Kaolin für den Ofenbau, Erzaufbereitung wie Poch- und Röstplätze oder auch ein Grobschmiedebereich, in dem die Luppen im heißen Zustand grob verdichtet wurden.
In den kommenden Jahren gibt es demnach noch zahlreiche Fragestellungen, denen es nachzugehen lohnt."


Ob die Forschungen im Hintertaunus inzwischen weitergingen? Ich werde beizeiten der Frage nachgehen.
 

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Es ist wichtig, dass diese Projekte federführend vom Deutschen Bergbaumuseum in Bochum geleitet werden, das seit Jahrzehnten fachübergreifend die Forschung vorangetrieben hat. Es ist Montanarchäologie vom feinsten.

Ich bin ja begeistert von der Zusammenarbeit des Bergbaumuseums in Bochum mit den Außenstellen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL).

Ist Niederselters nicht auch Kerngebiet der Mattiaker?
 
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Es ist wichtig, dass diese Projekte federführend vom Deutschen Bergbaumuseum in Bochum geleitet werden, das seit Jahrzehnten fachübergreifend die Forschung vorangetrieben hat.

Ich bin ja begeistert von der Zusammenarbeit des Bergbaumuseumsin Bochum mit den Außenstellen des LWL.

Ist Niederselters nicht auch Kerngebiet der Mattiaker?
Niederselters liegt wie das neu entdeckte Prunkgrab im Goldenen Grund, ja, daher kommt ursprünglich das Selters-Wasser. Zur Civitas Mattiacorum gehörte Niederselters nicht mehr, es lag dann im Limes-Vorfeld. Das nächste Kastell ist das Kastell Alteburg bei Heftrich, Kastell Alteburg – Wikipedia , das einen Altweg ins Limburger Becken überwachte, den Alten Mainzer Weg. Niederselters ist 17 km vom Numeruskastell in Heftrich entfernt.

P.S. auf dem Kastellgelände findet heute ein Markt an drei Tagen im Jahr statt, jeweils nach Pfingsten, Jakobi und Bartholomä. Grund ist wahrscheinlich einfach die verkehrsgünstige Lage an wichtigen Verkehrswegen. Gesichert nachgewiesen aus Schriftquellen ist der Markt im 18.Jahrhundert.
 
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Es gab ja zum enen die selbstverwaltete Civitas Mattiacorum, und es gab zum anderem eine erweiterte Wirtschaftsregion.
Das steinerne Kastell Alteburg hatte Vorläuferbauten in Holz-Erde-Technik.

Es gab also wirtschaftliche Aktivitäten jenseits des Limes bzw. unmittelbaren Kontrollbereichs:
  • Kneblinghausen und die Briloner Hochfläche: reine Bleigewinnung
  • Bensberg / Bergisch Gladbach: Blei und Buntmetalle
  • Bad Ems, Silberbergbau im Limesvorfeld
  • Wetzlar-Dalheim, Verhüttungsplatz, meines Wissens auch nach 16 n. Chr.
  • Sandsteingewinnung im Odenwald, Transportweg über den Main.
 
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