Rot des Färberkrapps

Dieses Thema im Forum "Alltag im Mittelalter" wurde erstellt von Artefakt, 15. März 2012.

  1. Artefakt

    Artefakt Mitglied

    Hallo Forum,

    ich habe eine sehr spezielle Farbe:

    Rot wurde früher aus den Wurzeln des Färberkrapp gewonnen (Krapp/Echte Färberröte/Rubia tinctorum L.)
    Es gibt einen interessanten Link dazu:

    Rot aus einer Pflanzenwurzel: Krapp: Farbimpulse

    Krapp war einmal ein hohes Handelgut. Karl der Große hat den Anbau des Färberkrapp breitflächig angeordnet - habe ich gelesen.

    Nun endlich zu meiner Frage:
    Mit Krapp wurden Stoffe rot gefärbt. In den Wurzeln stecken- je nach Behandlung/ verschiedene Rottöne, von Orange bis tief Dunkelrot.

    Wer durfte mit Krapp gefärbte Stoffe tragen?
    Auf Bildern von Brueghel sieht man Bauern in Roten Hosen, Hemden, Kappen tanzen. - War das vielleicht Bauern in den Niederlanden/bei den Flamen erlaubt - und in unseren Breitengraden nicht?
    Was sah die Kleiderordnung in unserer Region vor?
    Ich habe gelesen, das rot generell nur Adel und Klerus vorbehalten war. Aber stimmt das? Wenn Krapp so häufig angebaut wurde, muss die Farbe doch auch massenhaft verkauft worden sein.
    War Krapprot in der Kleidung Bauern vielleicht an Feiertagen erlaubt? -
    Vielleicht das tiefdunkle rot/fastschon braun?

    Angeblich wurde die Kleiderordnung mit der Französischen Revolution aufgehoben.

    Freue mich auf eure sachkundigen Antworten
    Grüße
    Arti
     
  2. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Naja, Kleiderordnungen gab es sehr viele, nur Bauern gab es keine/kaum;-)
    Wie auch , wenn fast die ganze Gesellschaft von der Landwirtschaft lebt.

    Die Gleichschaltung großer Teile der Landbevölkerung als "Bauern" ist frühe Neuzeit.
    Und auch unter der Landbevölkerung gibt es starke soziale Unterschiede.
    Selbst unter den zehntpflichtigen, den Hörigen und den Leibeigenen Landbesitzern.

    Kam drauf an, wer Eigentümer war.

    Breughel malt Landbevölkerung.
    Solche Aussagen wie Schwarz ist nur der Klerus, oder Bauern tragen kein Blau usw. kann man getrost erstmal in das Reich der Fabel verweisen. Dazu gehört immer eine Gebietsangabe und eine damals übliche Standesangabe (Mägde von .... dürfen)
     
  3. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    @Artefakt

    Leider habe ich mich mit frühen Kleiderordnungen nicht beschäftigt.
    In der Regel scheinen sie nach meiner Erfahrung schlichtweg ignoriert worden zu sein. Ich habe schon verschiedene Kleiderordnungen gelesen, aber die Verfolgung der Vertstöße gegen dieselben war doch eher selten.

    Ich weiß leider nicht wie es im Mittelalter aussah, aber im 17. und 18.Jh. gab es schon regional spezifische Kleidung - nicht überall, aber nach meinem Dafürhalten häufig.

    Die Kleiderordnungen verschwanden in der 2. Hälfte des 18.Jh.. Die Gründe sind wohl unterschiedlich, in der Regel aber wohl darin zu suchen, dass sie wirkungslos waren. Was sich die Bauern/Bäuerinnen leisten konnten, das kauften sie sich auch. Mir ist noch nicht aufgefallen, dass die Französische Revolution da eine Zäsur in irgendeiner Form darstellen würde.
     
  4. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Wegen der Farben in Gemälden, würde ich das ohnehin nicht so eng sehen. Oft sind Farben hier eher Stimmungsträger, sollen Aufmerksamkeit wecken, den Blick lenken et.pp.

    Anders gesagt: Ein Bild das z.B. "Bauernhochzeit" heisst, wäre doch nur in Brauntönen recht langweilig, oder?

    Vor allem Brueghel arbeitet sehr gern mit "Rot". Mal rote Hosen, mal rote Jacken, oder Hüte ...
     
  5. Artefakt

    Artefakt Mitglied

    Hallo Caro,
    ich habe die roten Kleidungsstücke in den Bildern der Brueghels auch nicht als Beweis genommen. Aber ich finde, man darf das auch nicht gleich als künstlerische Freiheit abtun.
    Brueghels haben zu dem in den Niederlanden/Flandern gelebt. Dort werden die Kleiderordnungen auch grundsätzlich anders gewesen sein...waren es ja schon von hier Ort zu Ort. Die Niederlande war damals berühmt für den Krapp - hab ich nzwischen gelesen...Also von daher war der rote Stoff vielleicht auch nicht so unerschwinglich teuer - und konnte von der Landbevölkerung an Feiertagen getragen werden.

    Danke erstmal für eure Gedanken.
    Vielleicht fällt euch ein Museum ein...eine forschende Einrichtung, die zum Thema etwas sagen könnte?
    Wir werden im Mai zum Thema Pflanzenfarben eine Ausstellung machen. Der historische Teil soll natürlich stimmen. Vor allem wollen wir nicht die ewigen Klischees wederholen...vor allem nicht, wenn sie falsch sind.

    Schöne Grüße
    Arti
     

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