Schlachtfeld am Granikos - gefunden?

Ich sehe es aber genauso wie @Ravenik : Eine touristische Ausschlachtung sehe ich als kaum lukrativ.

Wie gesagt, alles eine Sache des Marketings. Obwohl die Türkei natürlich hinreichend Touristenmagneten abseits des Freizeittourismus hat. Es zieht ja auch nicht alles, was zu verkaufen versucht wird. In Bayern oder im Erzgebirge wollte irgendein windiger Bürgermeister Stonehenge nachbauen, wohl in der Hoffnung, dass das nachgebaute Stonehenge ein ähnlicher Touristenmagnet würde, wie das originale.
 
Wie gesagt, alles eine Sache des Marketings.
Auch Marketing braucht aber einen Aufhänger.
Man kann versuchen, (z.B. mit sog. "Influencern") einen "Hype" zu erzeugen. Aber "Hypes" sind meist nicht langlebig. (Außerdem stelle ich mir einen "Hype" um ein unspektakuläres Flüsschen schwer vor, auch wenn sich irgendwelche C-Promis vor ihm räkeln.)
 
Zum Vergleich: Die Schlacht im Marchfeld 1278 zwischen Rudolf von Habsburg und Ottokar von Böhmen war für die weitere Geschichte Österreichs und Mitteleuropas von höchster Bedeutung. Trotzdem ist sie sogar in Österreich kaum bekannt, und die touristische Bedeutung des Austragungsortes ist vernachlässigbar.
Da ist jetzt aber nicht der Mythos Alexander der Große mit verbunden.

Wenn es am Granikos denn etwas zu sehen gäbe, könnte ich mir schon vorstellen, dass das einige Touristen anlocken könnte. Sicher würden nicht viele Leute deswegen in die Türkei reisen, aber wenn man ohnehin schon da ist, ist das sicher etwas anderes. Istanbul ist ja nicht so weit weg. Das Problem ist, dass es bei antiken Schlachtfelder ja meistens nicht viel zu sehen gibt. Aber notfalls kann man dem ja auch abhelfen, in dem man z. B. ein Denkmal oder ein Erlebniszentrum baut.

Das Hermannsdenkmal in Detmold sollen jährlich mehr als 500.000 Leute besuchen. Und das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig ist sicher auch ganz gut besucht.

Zum Vergleich: die Alte Nationalgalerie in Berlin haben 2019 376.000 Menschen besucht, das Pergamonmuseum 804.000 Menschen.


Die Frage bleibt natürlich, ob die Türkei ein Interesse daran hat, einem griechischen bzw. mazedonischen Herrscher ein entsprechendes Denkmal oder eine anderweitige Erinnerungsstätte zu errichten.
 
Wie gesagt, alles eine Sache des Marketings.

Mir fällt kein Beispiel ein, wo ein archäologischer "Normalfund" mittels Marketing zu einer Touristensensation hochgepusht wurde.
Erst recht keiner ohne Befunde, wie hier.

Nur sensationelle Anlagen wie die Akropolis oder die Pyramiden machen überhaupt Geld.

Irgend ein Tal, wo eine Schlacht stattfand, von der 95% der Weltbevölkerung noch nie gehört hat, zur Touristenattraktion hochpushen:
Keine Chance.

Mich erinnert das ein wenig an jemanden, der der Meinung ist, ein Drususmuseum an der Weser wäre ein Renner.

Marketing kann nur bestehende Bedürfnisse befriedigen.
Es kann keine neuen Bedürfnisse wecken.

Wem Alexander der Große schon immer am Allerwertesten vobei ging(und das werden fast alle Menschen sein), der wird auch durch Marketing kein Interesse daran finden.
 
Aber notfalls kann man dem ja auch abhelfen, in dem man z. B. ein Denkmal oder ein Erlebniszentrum baut.
Das müsste aber schon sehr spektakulär sein, z.B. eine Alexanderstatue in Hermannsdenkmal-Format. Mag sein, dass ein solches Denkmal Touristen anlocken würde. Allerdings wäre dann primär das Monument der Touristenmagnet, nicht das Schlachtfeld.
 
Ich muß gestehen, dass mir die Schlacht von Granikos überhaupt nichts gesagt hat. Bei Alexander dem Großen fallen mir natürlich direkt Begrifflichkeiten wie der gordische Knoten oder die Schlacht von Issos (wichtiger ist der Merkspruch als die Schlacht selber) ein. Dann natürlich ein Weltreich, das das östliche Mittelmeer umfaßte und bis nach Indien reichte (und dann natürlich die Verfilmung aus den frühen 2000er Jahren).

Aber interessant ist doch eigentlich, wie Körpe dazu kommt, genau an der Stelle den Schlachtort zu verorten. Die Arbeit von 2011 von ihm habe ich in der Deepl-Übersetzung auf Englisch überflogen, aber so richtig schlau bin ich hinsichtlich der Lokalisierung nicht geworden. Ich hätte erwartet, dass anhand der Quellen und der Topographie eine schlüssige Beweisführung erfolgt, warum genau dort die Schlacht stattgefunden hat, aber da bin ich ein wenig enttäuscht worden. Merkwüridgerweise gibt es von Körpe auch keine neueren Arbeiten zu dem Thema. Wenn es seit 2011 keine neuen Erkenntnisse gibt, stellt sich die Frage, warum gerade jetzt dies durch die Presse geht.
 
Die Steilheit der Ufer wurde vermutlich übertrieben, und die Beschaffenheit eines Flussbettes (und -verlaufes) kann sich in über 2000 Jahren natürlich ändern.
Körpe meint wohl, dass es da ein hohes Ufer gab, an dem die Perser standen, und dem gegenüber ein flacheres gab, an dem Alexanders Truppen Aufstellung bezogen hatten. Diese Frontkonstellation in der Länge von 2,5 km dürfte es nicht so viele entlang des Flusses geben, wobei fast egal sein dürfte, wo dieser früher floss. Dass die Perser auf dem östlichen hohen Ufer Position bezogen hatten, erscheint als logisch, denn anstürmen über den Fluss und dann gegen höher gelegene Gegner ist immer schwer. Alexander umging das teilweise, weil er mit seiner Reiterei am rechten Flügel weiter südlich den Fluss überquerte und den Persern dann in die Seite bzw. Rücken fiel, was deren Ordnung zerstörte und deren Infanterie in den Fluss trieb, wo sie von seiner Infanterie erwartet wurden. Der linke makedonischer Flügel bewegte sich angeblich während der Schlacht nicht oder kaum – band aber trotzdem die gegenüberliegenden persischen Truppen.

Eine touristische Ausschlachtung sehe ich als kaum lukrativ.
Man kann sich sicherlich einiges tun, um den Standort einer Schlacht angenehm und interessant für Touristen zu gestalten: Schon ein gemaltes Panoramabild kann das leisten. Von Troia, dem Anziehungspunkt par excellence in der Gegend, ist der Ort der Schlacht am Granikos weniger als 100 km entfernt. Und wenn man in Troia darauf hinweist, dass Alexander unmittelbar vor dem Marsch an den Granikos in Troia gewesen ist, um den griechischen Helden seine Aufwartung zu machen – und weitere Griechen für sich zu gewinnen! –, dann dürften nicht wenige bereit sein, hinzufahren. Denn wer sich Troia anschaut, hat womöglich auch eine Affinität zur Geschichte Alexanders.
 
Körpe meint wohl, dass es da ein hohes Ufer gab, an dem die Perser standen, und dem gegenüber ein flacheres gab, an dem Alexanders Truppen Aufstellung bezogen hatten. Diese Frontkonstellation in der Länge von 2,5 km dürfte es nicht so viele entlang des Flusses geben, wobei fast egal sein dürfte, wo dieser früher floss.
Wieso das denn? Da die Schlacht am Fluss stattfand, ist für die Lokalisierung doch von zentraler Bedeutung, wo er floss.

Für die genauere Lokalisierung ist natürlich auch von Bedeutung, wo es damals steilere Ufer, flachere Stellen und Furten gab. *
Solange man all das nicht genau rekonstruieren kann, dürfte eine zuverlässige Lokalisierung kaum möglich sein.

* Das alles immer noch vorausgesetzt, dass der antike Schlachtbericht, auf den man sich stützt, überhaupt zuverlässig ist.

Für eine Lokalisierung anhand literarischer Quellen brauchen wir also:
- einen zuverlässigen Schlachtbericht **
- eine zuverlässige Rekonstruktion der topographischen Gegebenheiten 334 v. Chr.
- eine Übereinstimmung dieser Gegebenheiten mit dem Schlachtbericht (die nur dann sinnvoll beurteilbar ist, wenn der Schlachtbericht hinreichend präzise Angaben macht, was bei den Berichten zur Schlacht am Granikos nicht der Fall ist)
... und trotzdem wäre das Ergebnis ohne archäologische Funde nur eine (wenngleich gut argumentierbare) Spekulation.

** Ob er zuverlässig ist, lässt sich kaum zuverlässig feststellen.

Leider wissen wir nicht, wie zuverlässig die überlieferten Schlachtberichte sind. Selbst wenn es einer ist, macht keiner Angaben, die über vage "steile Ufer, flache Stellen, Furten" - alles ohne genauere Angaben - hinausgehen.

Für eine zuverlässige Lokalisierung führt an eindeutigen Bodenfunden kein Weg vorbei.
 
Zuletzt bearbeitet:
- eine zuverlässige Rekonstruktion der topographischen Gegebenheiten 334 v. Chr.
Gab es denn da schonmal Untersuchungen am Granikos, weiß das zufällig jemand? Sonst schaue ich mal, wenn ich nächste Woche wieder in der Bibliothek bin, was wir da haben. Für einige Küstenabschnitte und Flüsse gibt es ja detaillierte geologische Untersuchungen der früheren Verläufe.
 
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