Söldner

Dieses Thema im Forum "Das Byzantinische Reich" wurde erstellt von Mittelwalter, 17. Februar 2012.

  1. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Von welcher Zeit sprichst Du konkret? Die Privatarmeen der Feldherrn verschwanden schon am Ende der Spätantike. Später gab es zwar noch Bucellarii, allerdings war das jetzt keine Privatarmee mehr, sondern das reguläre Aufgebot aus dem Thema Bukellarion in der Gegend von Ankara. Söldner spielten (ausgenommen berittene Bogenschützen) in der Zeit vom 8. bis zum 10. Jhdt. auch nur eine geringe Rolle, allerdings wurden in die kaiserlichen Tagmata auch Ausländer aufgenommen.

    In der Zeit um 750 bestand das byzantinische Heer also hauptsächlich aus den kaiserlichen Tagmata und den Stratioten aus den Themen. An der Ostgrenze entstanden ab dieser Zeit außerdem die Akritai, eine Art Grenzmiliz
     
  2. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    ist das alles nicht um weitere barbarische Kontingente zu ergänzen (slaw., avar. usw. Truppenteile und Anwerbungen)? das byzantinische Militär bot wie zuvor das spätantike mannigfaltige Aufstiegschancen. Ansonsten hatte ganz kurz gefasst bissel zur Entwicklung des röm.-byz. Militärs geschrieben (hoffentlich nicht gar zu falsch)
     
  3. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    In der Zeit vom 8. bis zum 10. Jhdt. wurden meines Wissens kaum Söldner angeworben, ausgenommen berittene Bogenschützen. Allerdings dienten, wie erwähnt, in den kaiserlichen Tagmata auch Ausländer. Ab dem 9. Jhdt. wurde außerdem die Hetaireia aufgestellt, eine aus Ausländern (anfangs hauptsächlich Chasaren und Araber, später auch Ungarn und "Franken") bestehende kaiserliche Leibwache und Verfügungstruppe mit etwa 1.200 Mann.
     
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  4. Robert Guiskard

    Robert Guiskard Neues Mitglied

    Diese ganzen Milizen und leichten Infanterie- und Kavallerieverbände muss man aus dem Konzept der Kriegsführung der Byzantiner im Frühmittelalter verstehen, einem indirekten Ansatz, mit einem hohen Anteil von Kleinkrieg und Partisanenkrieg.

    Ravenik:

    Die entstanden meines Wissens nach erst später. Es gab jedoch sehr ähnliche Verbände die als Vorläufer der Akritai gelten können, beispielsweise die im Jahr 677 begründeten Mardaiten, eine über lange Jahr sehr erfolgreiche Miliz aus den Bergen des Libanon. Diese setzten den Muslimen im Nahen Osten derart zu, dass diese dazu übergingen Tribute direkt an die Mardaiten zu zahlen, um sie ruhig zu halten. Später, als die Gebiete unhaltbar geworden waren, siedelte der Basileios die Mardaiten teilwweise auf den Peleponnes um. 881 schlugen sie von dort in einer entscheidenden Seeschlacht eine islamische Flotte.

    Zu den Akritai: in diesen dienten ebenfalls Söldner aus allen Herren Länder. Die Akritai waren daher zwar vom Typus her eine Art Miliz, aber sie standen im Endeffekt jedem offen. Gerade in dieser Einheit aber fand eine starke Gräzisierung statt und die Akritai assimilierten die ihre Reihen eingetretenen Kämpfer anderer Völker regelrecht.

    An den Ostgrenzen gab es vergleichsweise viele Söldner. Man muss sich allerdings von diesem Bild stehender geschlossener Söldnereinheiten lösen. Das waren einzelpersonen oder kleine Gruppe, die in die vorhandenen regulären Einheiten integriert wurden und sich zum Teil auch kulturell assimilierten.

    Ebenso in den Provinzarmeen. Dass diese zum großen Teil aus Wehrbauern und Milizen bestanden, täuscht immer darüber hinweg, dass auch Ausländer im Dienste dieser Einheiten kämpften. Diese wurden auf die gleiche Weise mit Land bezahlt, wurden also ebenfalls Wehrbauern. Gerade bei den Akritai gab es einen hohen Anteil solcher Kämpfer mit ausländischen Wurzeln.

    Um ein richtiges Bild davon zu haben, muß man sicher von dem klassischen Bild eines Söldners lösen: das waren keine Söldnerkontingente, sondern reguläre Armeeeinheiten, in denen eben auch Ausländer bzw Söldner als regulärer Teil der Einheit dienten.
     

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