Söldnertum im Islam

Dieses Thema im Forum "Der Islam und die Welt der Araber" wurde erstellt von Arsacides, 22. November 2011.

  1. Arsacides

    Arsacides Neues Mitglied

    Wie stark war eigentlich das Söldnertum in den islamischen Gebieten ausgeprägt? In Europa gab es nahezu ganze Völker, welche an allen Orten der Welt für die Interessen anderer kämpften (Schweizer, Iren etc.), gab es Vergleichbares im islamischen Mittelalter? Ich las auf wikipedia einmal, dass die Daylamiten ein solches "Söldnervolk" gewesen sein und von Spanien bis hin zum Nordosten gegen die Waräger weit verstreut gekämpft haben sollen.

    Gibt es auch dokumentierte Fälle europäischer Söldner/Abenteurer, die in islamischen Heeren ihr Brot verdienten (ohne zum Islam zu konvertieren und den Namen zu ändern!)?
     
  2. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Im Zusammenhang mit dem Militärwesen islamischer Reiche sind natürlich vor allem die Militärsklaven, z. B. die türkischen Leibgarden der abbasidischen Kalifen im 9. Jhdt., die Mameluken oder auch die vornehmlich aus Schwarzen bestehenden Sklavensoldaten im islamischen Spanien zu erwähnen, allerdings kann man sie nur bedingt als Söldner bezeichnen, da sie sich nicht freiwillig verpflichteten.
    Sklavensoldaten - Mameluken Janitscharen Saqaliba und Ministeriales
    Die Saqaliba - Der Aufstieg der Sklavensoldaten in al-Andalus
    Die Türken - Sklaven, Söldner und Eroberer

    Siehe z. B. hier: Johannes Schiltberger ? Wikipedia
    Hans Schiltberger kämpfte für die Türken Bayazids und Mongolen Tamerlans
    Zu erwähnen sind vor allem auch die europäischen Geschützgießer und Kanoniere in osmanischen Diensten, z. B. dieser Mann: Belagerung von Konstantinopel (1453) ? Wikipedia
    Mehmed der Eroberer und seine Kanoniere
     
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  3. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Ich hätte da noch ein paar Beispiele:

    - Zur Niederschlagung des Aufstandes von Baba Ishak ( Babai-Aufstand ? Wikipedia ) wurden auch "fränkische", also westlich-christliche, Söldner eingesetzt.

    - In der Frühphase des Osmanischen Reiches im 14. Jhdt. heuerten osmanische Sultane wie Orchan auch gerne christliche Söldner, vor allem Infanteristen, an, um von den sehr selbstbewussten und auf Mitsprache bedachten traditionellen türkischen Kriegern, die hauptsächlich als Kavallerie dienten, weniger abhängig zu sein. Durch die Einführung des Janitscharentums erübrigte sich das dann allmählich.

    - Das Khanat Kokand stützte sich auf eine Söldnerarmee: Khanat Kokand ? Wikipedia.
     
  4. Jochen12

    Jochen12 Neues Mitglied

    Hall Arcasides,

    soweit mir bekannt ist hatten die Osmanen viele Söldner in ihren Truppen gehabt. Es gab die sogenannte Knabenlese, bei der als Steuer ein männliches Baby einer Familie genommen wurde. Es handelte sich dabei i.d.R. um Serben, Bosniaken etc. also Menschen aus dem Balkan. Man nannte diese Menschen später Janischaren. Sie wurden direkt dem Sultan unterstellt und galten als Elitesoldaten. Als die Janischaren im Reich immer mehr an Einfluss gewannen ließ Sie ein späterer Sultan im 18 Jahrhundert vernichten. Ich hoffe, dass ich dir ein paar nette Infos geben konnte.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 6. November 2013
  5. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Janitscharen sind keine Söldner, Söldner kämpfen um Geld und sind freiwillig dort. Freiwillig waren die Janitscharen erst nach dem Ende der Knabenlese Janitscharen und selbst da waren sie keine Söldner im klassischen Sinn.
     
  6. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Während des Mittelalters in Spanien hatten beide Seiten, Christen und Moslems, wenig Kontaktängste und dienten oft bei der Gegenseite als Söldner.

    Sogar der Cid verdingte sich bei dem muslimischen Herrscher von Zaragoza, nach dem der König von Kastilien ihn ins Exil schickte.
     
  7. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Das war im 19. Jhdt.

    Im Übrigen stimme ich Zoki55 zu: Als Söldner kann man die Janitscharen nicht bezeichnen. Zu den von ihm schon genannten Abgrenzungskriterien für den Begriff "Söldner" kommt oft noch, dass Söldner nicht Bürger des Landes sind, für das sie kämpfen, und dass sie nicht Teil der regulären Streitkräfte sind.
     
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