Spätmittelalter, Westmünsterland, "Domus Lantinc" bei Lohn

Soetenborn

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Hallo Forum,

ich suche Informationen zu "Domus Lantinc" und folgendes kleine Schnippsel habe ich gefunden:

1304 - Domus Lantinc.jpg

Daraus gehen eher weitere Fragen als Antworten hervor. Wie soll ich mir so einen Bauernhof bildlich vorstellen?
Gibt es weitere spätmittelalterliche Nennungen, eventuell eine Entstehungsgeschichte?
 
Hallo Forum,

ich suche Informationen zu "Domus Lantinc" und folgendes kleine Schnippsel habe ich gefunden:

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Daraus gehen eher weitere Fragen als Antworten hervor. Wie soll ich mir so einen Bauernhof bildlich vorstellen?
Gibt es weitere spätmittelalterliche Nennungen, eventuell eine Entstehungsgeschichte?
Dieser Textschnippsel ist ein Regest, hier allerdings von einem kommerziellen Anbieter.
Sutlohn ist wohl Südlohn?
Wieso Bauernhof? (Also nicht, dass ich ein Problem damit hätte, so eine Erbmännerburg war meist kaum mehr als ein befestigter Bauernhof, aber ich lese da nichts von einem Bauernhof).
 
Ich habe Sonntagabend noch ein Wenig gesucht nach Erwähnungen des Ortes/ Gutes in alte Schriften - sofern die von Google gefunden wurden. Folgende (wenige) Ergebnisse fand ich:

1221 "Lantinc"
Nennung in einem lateinischem Text zu dem Thema "Das Stifft Vreden kauft mehrere Zehnten von drei Rittern zurück"

1287 "Domus de Lensinck"
Nennung in einem lateinischem Text "Hermann van Lon weist dem Kloster Gross-Burlo eine Kornrente aus einem seiner Güter bis zu dem Zeitpunkt der Übergabe eines demselben verkauften Zenhtes an"

1304 "Domus Lantinc"
Aus dem Schnipsel bei #1

1308 "Güter Lansink"
Aus einem Text aus dem 19. Jahrhundert "Im selben Jahre übertrug Ritter Sasse dem Kloster seine Güter Lansink"

1375 "Gut Lancsinch"
Aus einem anderen Text aus dem 19. Jahrhundert "Evert van Wullen gestattet mit seiner Frau Mette dem Arend dem Beyer, Alhyet seiner Frau, Styne seiner Tochter binnen 6 Jahre das Gut Lancsinch mit 50 Mark zurückzukaufen"

Wieso Bauernhof? (Also nicht, dass ich ein Problem damit hätte, so eine Erbmännerburg war meist kaum mehr als ein befestigter Bauernhof, aber ich lese da nichts von einem Bauernhof).

Laut weitere (und für mich kaum verifizierbare) Angaben aus dem www lag der Bauernhof "Lansing (Lensing)" in der Bauerschaft Wessendorf, südlich von (Stadt)Lohn. Zur Wessendorf gehörten ursprünglich neben den Hof Lohn (bisschoflicher Ambtshof, Schulzenhof) die Höfen Avering, Eising und Ronneboem sowie die Güter Claushues, Wenning, Upgang, Döbbelt, Kamphues, Hilbert, Sahlmer, Hueske, Lansing, Vardebrecht, Bülsing, Garwert, Konert, Wilmer und Imming.

OK, das is alles sehr fragmentarisch. Ich versuche eine halbwegs geschlossene Zeitlinie bis in das späte 16e Jahrhundert zusammenzustellen. Ab da kann ich über Pachtregister, Sensus und Taufbücher bis um etwa 1800 voran.




Kleiner Nachtrag: Ich bin nicht vom Fach und habe so gut wie keinem Zugang zu historischen Daten und Quellen, daher diese unbeholfene Bitte um Informationen (oder Quellen).
 
Zuletzt bearbeitet:
Das "Lohn" in Stadtlohn und in Sudlohn stammt vom Geschlechternahmen der Herren van Loon,
das "Lohn" in Haus Lohn soll auf einem Menschen namens "Loan" zurück gehen.

Ohne Kenntnis meinerseits: Behalt mal im Auge, dass derselbe Name verschiedene Schreibweisen gefunden haben kann. Loon, Lohn, Loan und Loen kann alles der Versuch sein, ein langes /o:/ graphisch abzubilden. Und auch Lon und sogar Lonn (entgegen heutiger Schreib- und Lesegewohnheiten, nach denen der Doppel-Konsonant Kurzvokal anzeigt) wären mögliche Varianten ein und desselben Namens. Wie gesagt, ohne Kenntnis meinerseits, will heißen, kann so sein, muss aber nicht zwingend.

Wir haben ein Dokument zuhause, da wird der Name eines Vorfahren von mir von demsleben Verfasser drei Mal anders drin geschrieben. Nun stell dir verschiedene Verfasser verschiedener Herkunft und Bildung vor.... Der Advocatus, der in Köln gelebt hat, der Advocatus der in Münster gelebt hat und derSchreiber, der auf einer Domschule war, aber nie an der Universität seinen Magister gemacht hat, die schreiben alle anders.
 
In Weseker Heimatblätter 2002 wird im Kirchspiel Weseke ein Hof Lensing als abgabepflichtiger Hof des Stifts Vreden erwähnt, der anders als z.B. der Hof Boiking (Böing) direktes Abteigut war.
Im von dir erwähnten Dokument des Stifts Vreden von 1221 wird ja Lantinc neben Boikinc aufgeführt, so dass man annehmen könnte, dass es sich bei Lantinc um das Lensing im Kirchspiel Weseke handelte.
Dominus Hinricus cum suo filio et herede acceptis V marcis ab ecclesia resignans ecclesie decimam Lantinc sive III maltia scilicet et Boikinc I malt scilicet cum minuta decima utriusque domus et omni utilitate sicud ipse ha buerat cum suo herede Ludolpho eo videlicet pacto quod si ante Pascha ecclesie prefata pecunia non restituitur fructus illius anni et omnem proventum decime ecclesia possideat sicut ante.

Doch in Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde wird ein Lantinc als Stiftsgut von Vreden im Kirchspiel Wessum verortet.
Gab es vielleicht zwei Höfe mit ähnlich klingenden Namen?
 
Das liegt alles nah beieinander, Wessum ist heute Ahaus. Ggf. haben sich auch einfach Zugehörigkeiten geändert. In der Urkunde zum obigen Regest geht es ja auch um Gebietsanpassung durch Gebietstausch.
Da kann auch mal eine Abspaltung vorgenommen worden sein.
 
Gab es vielleicht zwei Höfe mit ähnlich klingenden Namen?
Lensing, Lansing und Varianten gibt es haufig im West-Münsterland und in den anliegenden Niederlanden.
"Urhöfe" gab es so fern ich weiß bei Hengelo (NL) ind Stadtlohn (D). Auch in Vreden wurden im 19. Jahrhundert mehrere Höfe mit Lansing erwähnt.


(Kärtchen zugefügt)
 

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