Sperrkette von Konstantinopel

Dieses Thema im Forum "Das Byzantinische Reich" wurde erstellt von Xander, 27. Juni 2011.

  1. Xander

    Xander Aktives Mitglied

    Hallo,

    in einer kürzlich gesendeten Doku wurde von einer Sperrkette von Konstantinopel berichtet, welche die Einfahrt zum Goldenen Horn versperrte.

    Die Kette muß eine Länge von ca. 500 m gehabt haben. Hat jemand aktuelle Infos darüber, wie diese tonnenschwere Kette gespannt wurde?

    In der Doku wurde vermutet, dass die Kette mittels eines Floß- oder Bojensystem gespannt wurde.

    Zu einer den osmanischen Angriffen auf konstantinopel im Jahr 1453 heißt es jedoch:

    "... Zum Ärger des Sultans konnte die osmanische Flotte nicht in den Hafen von Byzanz eindringen da die Sperrkette über die Einfahrt zum Hafen des Goldenen Horns zu stabil war. ..."

    [http://homepage.ruhr-uni-bochum.de/moritz.gopon/konstantinopel.html]

    Ein Floß- oder Bojensystem sollte man doch durchbrechen können? :grübel:

    Gibt es neue Erkenntnisse bezüglich der Kette?

    Gruß
    Andreas
     

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  2. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    Hoi Andreas

    Das „Kettenhaus“ gibt es noch. Es steht der Galata-Seite, rechts von der Galatabrücke. Die Kette war hier eingelagert und konnte bei Bedarf mit Hilfe von Flössen übers Goldene Horn gezogen und drüben verankert werden. Sie musste ja oben „schwimmen“, sonst hätten die Angreifer einfach drüber fahren können.
    Die Kette ist im Armeemuseum ausgestellt.

    Gruss Pelzer

    .
     
  3. Xander

    Xander Aktives Mitglied

    Moin Pelzer,

    das mit den Flößen leuchtet ja einerseits ein, aber andererseits kann es doch nicht sooo schwierig gewesen sein, diese zu zerstören!? :grübel:

    Wenn erst mal ein paar Flöße fehlen, macht das Gewicht der Kette doch den Rest?

    Grüßle
    Andreas
     
  4. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    Hoi Andreas

    Wenn ich Konstantinopler wäre und so eine Sperrkette konstruieren müsste... Ich würde die Flosse aus einfachen Baumstämmen bauen. Die Baumstämme können nicht sinken oder versenkt werden. Und die Kette würde ich von unten an die Baumstämme befestigen. So liegt sie schön unter dem Wasserspiegel und der Angreifer kommt kam dran, um sie zu versenken.
    So würde ich es machen, wäre ich ein Konstantinopler-Sperrketten-Konstrukteur! :grübel:

    Gruss Pelzer

    .
     
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  5. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Auch wenn es zum Teil OT ist.

    Die Engländer hatte die Dock`s in Chatham auch mittels einer Kette über den Medway gesichert. De Ruyter ist durchgebrochen mit sehr schweren Schiffen, eventuell sogar Brandern. Second Anglo-Dutch War - Wikipedia, the free encyclopedia
    Um eine Kette zu durchbrechen muss man bereit sein Schiffe zu opfern. Und man braucht sehr schwere Schiffe. Da die Schiffe keine große Geschwindigkeit hatten, braucht man Masse um eine Kette zu sprengen.
    In La Rochelle sieht man auch ein Tor im Hafen. Und einer der Türme wird Kettenturm genannt, mit welchem eine Kette in der einfahrt gespannt werden konnte.
    Die Ketten würde ich auch mittels Baumstämme oder Balken an der Oberfläche halten. So hat man auch einen grösseren Wiederstand gegen anfahrende Schiffe.
    Zum Goldenen Horn. Weiss jemand was für Schiffe seitens der Osmanen eingesetzt wurden? Galeeren sind leicht gebaute Schiffe, ob die Verbände einen Rammstoss auf eine Kette aushalten konnten?

    Apvar
     
  6. LordNelson

    LordNelson Neues Mitglied

    Ich habe mal (bei Pemsel) gelesen, das 1453 osmanische Schiffe über Land geschleppt wurden, um eben diese Kette zu umgehen?!? Wenns stimmt, dann können sie nicht sehr schwer gewesen sein. Und was schwereres als eine Dhau oder eine Galeere kommt mir bei den Osmanen momentan auch net in den Sinn.

    PS: Der Nil wurde einstmals auch per Kette gesichert:
    Kettenturm von Damiette ? Wikipedia
     
  7. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Die Kette soll übrigens 5 mal in der Verteidigung Konstantinopels bzw. prophylaktisch benutzt worden sein: 717, 821, 969, 1203, 1453.

    Bei der Belagerung 1453 wurde sie durch 10 größere Schiffe, die sich bei der Einschließung im Hafen befanden, geschützt (u. a. aus Genua und Kreta).
     
  8. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    Natürlich nicht von so einem gewaltigen Ausmaß wie die Byzanzer Sperrkette, aber als effektiv erwiesen sie die Tiberketten im Gotenkrieg.

    Stimmt die bei Wiki angegebene Kettenlänge in Byzanz mit 300m?
    Theodosianische Mauer ? Wikipedia

    Bzgl. der Stabilität gilt zu bedenken, dass im 19.Jh. z.B. die Elbschiffahrt stromaufwärts mittels Ketten betrieben wurde (die Boote zogen sich stromaufwärts an Ketten) Kettenschifffahrt ? Wikipedia
     
  9. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Der Hafen von Rhodos hatte auch eine Kette die zwischen dem Naillac-Turm und dem Franzosenturm gespannt war.

    Der Hafen von Akkon ebenfalls.

    In Sevilla wurde der Guadalquivir angeblich auch durch eine Kette auf der Höhe der "Torre del Oro" gesperrt, die 1249 bei der Belagerung der Stadt durch die Kantabrischen Schiffe der Kastilischen Flotte unter Ramon de Bonifaz durchbrochen wurde. Dieses führte zur endgültigen Isolierung und schliesslich zum Fall der Stadt, die damals eine der größten Westeuropas war.
    Auf dem Kantabrischen Wappen ist diese Szene dargestellt. Die Historiker sind aber heute überwiegend der Meinung, dass es eine mit Ketten gesicherte Schiffsbrücke war. So ist zumindest aus den Cronicas von Alfons 10. zu entnehmen.

    http://es.wikipedia.org/wiki/Torre_del_Oro
     

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    Zuletzt bearbeitet: 29. Juni 2011
  10. Xander

    Xander Aktives Mitglied

    Moin

    Habe hier (Theodosianische Mauer ? Wikipedia) noch mal ein Bild von einer Sperrkette Konstantinopels gefunden.

    Im Bild sind auch Hölzer zu sehen, bei denen ich aber nicht weiß, ob sie die Auftriebskörper darstellen sollen?! :grübel:

    Schönen Tach auch

    Andreas

    Edit: Sorry, hab eben erst den Beitrag von Dekumatland entdeckt!
     

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  11. Mirtos

    Mirtos Mitglied


    Hier zu sehen Belagerung von Konstantinopel (1453) ? Wikipedia

    hab ich auch erst vor einer Woche entdeckt.

    Mirtos
     
  12. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Mich wurmt daran nur, dass der Haken auf dem Bild nicht zu einer Sperrkette passt.

    Er sieht eher wie ein "Wolf" aus:

    Wolf
     

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  13. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    Hoi zäme

    Ich würde mal von einer Zweitverwendung der Kette ausgehen. Die wurde damals bestimmt nicht weggeworfen...

    Ich habe mir noch einmal die Hafenkette von Konstantinopel angeschaut. Und ich habe ein Bild der Kette gefunden. Allerdings so, wie das da abgebildet wurde, kann es nicht funktioniert haben. Die Kette würde viel zu sehr durchhängen. Die Distanz übers Goldene Horn beträgt an dieser Stelle 440 Meter.

    Gruss Pelzer

    .
     

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    Zuletzt bearbeitet: 1. Juli 2011
  14. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Warum ist denn da eine zweite Kette im Hintergrund dargestellt?
     
  15. Patroklos

    Patroklos Neues Mitglied

    @Bdaian: Das Bild scheint mir eine zeitgenössische Darstellung Konstantinopels zu sein: eventuell ist die 2. kette im Hintergrund so eine Art Propaganda oder Fake eines Chronisten und/oder Illustrators. So nach dem Motto: "seht her das mächtige Konstantinopel hat sogar 2 Ketten! Harrr!":D
    Ich habe zwar schon von der Kette gehört mich aber nie eingehend damit beschäftigt und meine rein hypothetische Annahme ist das es eine massive Verankerung auf der einen und eine große Winde auf der anderen Seite des goldenen Horns gegeben haben könnte....diese befand sich wahrscheinlich im "Kettenhaus" auf der Galata-Seite und wurde mit Lasttieren (Ochsen, Pferden) unter spannung gesetzt. Aber bevor dies geschehen konnte wurde die lose Kette von der winde abgewickelt und gleichzeitig über das goldene horn zu ihrer Verankerung in Konstantinopel geschleppt (mit einer Dromone oder einem kahn der von anderen Ruderbooten geschleppt wurde).....erst dann erfolgte die "spannung" der kette auf einer höhe die es schiffen unmöglich machte das goldene Horn hinaufzusegeln....so jetzt ist meine Fantasie mal eben mit mir durchgegangen..:p
     
  16. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Im 15. Jh. waren die Osmanen noch ziemliche Landratten, die über keine besonders seetüchtige Schiffe und erfahrene Seeleute verfügten. Ihre kleinen Galeoten hätten keine Kette durchbrechen können. Erst Chaireddin Barbarossa ließ 1533/34 für den Sultan eine schlagkräftige Galeerenflotte bauen. Diese Schiffe waren nach italienischen Vorbild gebaut worden und wurden von erfahrenen Korsaren befehligt.

    Die zweite Kette wird ein zusätzliches Hindernis gewesen sein. Falls der Feind die erste durchbrach stand ihm die gleiche mühevolle Arbeit noch einmal bevor.
     
  17. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    Das mit dem Wolf ist gar keine so dumme Idee. Richtig verankert, greift er nämlich bei Zug immer fester zu und ist so kaum zu lösen. Das muß keine Zweitverwendung sein, sondern kann auch so gedacht sein. Ich habe aber leider kein Vergleichsbeispiel parat.
     
  18. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Der Meinung bin ich auch. Die Schleppzange am Ende der Kette wurde um einen massiven Pfeiler gelegt. Fuhr ein Schiff gegen die Kette krallte sich die Zange noch fester gegen diesen. Lösen ließ sie sich sehr einfach indem man den Zug verringerte.
     
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  19. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

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