Drei Schiffe aus der Eisenzeit, an der israelischen Mittelmeerküste, im Hafen von Dor
Aus der spanischen
National Geographic, ein Artikel vom 24.10.2025, von
Sarah Romero:
"In den seichten Gewässern der Dor-Lagune, auch bekannt als
Tantura-Lagune, hat ein internationales Team von Archäologen der University of California, San Diego (USA) und der Universität Haifa (Israel) drei Schiffswracks aus der Zeit zwischen dem 11. und 6. Jahrhundert v. Chr. freigelegt.
Diese Entdeckung stellt den ersten direkten Nachweis von Schiffswracks aus der Eisenzeit dar, die in einem bekannten Hafen der südlichen Levante gefunden wurden. Abgesehen von ihrer offensichtlichen Seltenheit schreiben diese Wracks die Geschichte des Seehandels in einer Zeit neu, die von geopolitischen Umbrüchen, dem Zusammenbruch von Zivilisationen und der anschließenden Neugestaltung von Handelsrouten geprägt war."
"Die antike Hafenstadt
Dor, die am Fuße des Karmel im heutigen Israel liegt, war über mehr als tausend Jahre hinweg ein Handelszentrum. In der Bronzezeit gegründet, erlebte sie nach dem Zusammenbruch der großen Mittelmeerkulturen um 1200 v. Chr. einen Wiederaufschwung und blühte in der Eisenzeit unter der abwechselnden Herrschaft von Phöniziern, Israeliten, Assyrern und Babyloniern erneut auf. Bislang stammte ein Großteil unseres Wissens über ihre wirtschaftliche Rolle aus landgestützten Quellen. Deshalb verändern diese Schiffswracks die Spielregeln grundlegend."
"Die drei Ladungen wurden übereinander liegend gefunden, als hätte der Meeresboden die Schichten in einer Art Zeitkapsel bewahrt.
Jedes Schiffswrack steht für eine andere Phase der maritimen Entwicklung der Region. Das erste ist
Dor M (11. Jahrhundert v. Chr.): die älteste gefundene Ladung, die zu einem Schiff gehört, das während der Eisenzeit I sank, nur ein Jahrhundert nach dem Zusammenbruch der späten Bronzezeit. Archäologen fanden hier Amphoren zur Aufbewahrung von Lebensmitteln, Ballaststeine und einen Anker mit Inschriften in der zypriotisch-minoischen Schrift, die auf Zypern und in den umliegenden Regionen verwendet wurde."
"Das Vorhandensein dieser Inschrift [
escritura --> eher: dieser Schrift] sowie die Keramiktypologie lassen auf Handelsbeziehungen zu Ägypten, Zypern und der phönizischen Küste schließen. Interessanterweise fallen diese Objekte zeitlich mit der im ägyptischen Text „Die Geschichte von Unamon“ geschilderten Reise zusammen, der eine Seeexpedition nach Dor und anderen kanaanitischen Städten beschreibt, die im Sommer des fünften Regierungsjahres des letzten Pharaos der 20. Dynastie, Ramses XI., aufbrach."
Das zweite Schiffswrack ist
Dor L1 (aus dem 9.–8. Jahrhundert v. Chr.), aus einer Zeit, als Dor unter der Herrschaft des Königreichs Israel stand. Die Ladung bestand aus Gefäßen im phönizischen Stil und gewöhnlichem Geschirr, wie beispielsweise dünnen, zweckmäßigen Keramikschalen. Einige Stücke wiesen sogar Reparaturlöcher auf, was auf eine lange Nutzungsdauer der Gegenstände an Bord hindeutet. Im Gegensatz zur vorherigen Ladung wurden keine Spuren ägyptischer oder zypriotischer Importe gefunden, was auf einen Rückgang des internationalen Handels hindeutet. Das Vorhandensein des Steinankers bestätigt jedoch, dass es sich um ein echtes Schiffswrack handelte und nicht um Treibgut. Experten vermuten, dass dieses Schiff wahrscheinlich zur Versorgung regionaler Häfen im Rahmen einer eher lokal begrenzten Wirtschaft eingesetzt wurde.
Das dritte Schiffswrack schließlich ist
Dor L2 (das dem 7. bis 6. Jahrhundert v. Chr. entspricht). Es handelt sich hierbei um die jüngste Ladung, die aus einer Zeit stammt, als Dor unter assyrischer oder babylonischer Herrschaft stand, wenn auch weiterhin von den Phöniziern verwaltet wurde. Die Forscher stießen auf Amphoren im zypriotischen Stil mit Korbhenkeln, von denen einige Traubenkerne und Harz enthielten, was darauf hindeutet, dass sie möglicherweise zum Transport von Wein oder Konservierungsmitteln dienten. Der auffälligste Fund waren jedoch neun
vorgeschmolzene Eisenblöcke mit Schlacke, die einen direkten Beweis für den Metallhandel im industriellen Maßstab liefern. Darüber hinaus wurden vulkanische und Quarz-Ballaststeine aus weit entfernten Regionen identifiziert, was bestätigt, dass das Schiff das Mittelmeer überquert hatte, bevor es in der Bucht sank."
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Was ich besonders finde:
- drei Schiffe aus unterschiedlichen Phasen einer Epoche, bei unterschiedlichen Herrschaftsverhältnissen, mit wechselnden Handelspartnern, in einem Hafen, also eine Zeitreihe
- Den Nachweis von schlackehaltigen Eisenbarren, die als Halberzeugnis zur weiteren hochwertigen Ausschmiedung z.B. für Waffen dienen. Also Fernhandel von Metall bzw. Eisenerz¹.
¹ als kleiner Junge hatte ich eine heimatliche Stahlwerksbesichtigung mit der Schule genutzt, um aus einem Eisenbahnwaggon ein faustgroßes Stück Eisenerz aus dem schwedischen Kiruna zu stibitzen: oben die hellgraue Schlacke, unten das buntschillernde und glitzernde reine Erz, das ganze geformt wie das Matterhorn. Schlackeseite nach unten: Der schönste Briefbeschwerer den ich je hatte...