Ein aus gutem Grund bekanntes
spätrömisches Schiffswrack aus Mallorca:
Das Ding liegt übrigens 65 m vom Strand, in 2 m Tiefe.
Aus der
National Geographic vom 8.5.2024, ein Artikel des Journalisten J.M. Sadurni, über die Ergebnisse einer Forschungsgruppe der Universität von Cádiz:
historia.nationalgeographic.com.es
"Das spätrömische Schiffswrack, das 2019 ganz in der Nähe eines der belebtesten Touristenstrände der Insel Mallorca,
Ses Fontanelles, zufällig entdeckt wurde, wird von Forschern als außergewöhnlicher Fund angesehen – nicht nur wegen seines hervorragenden Erhaltungszustands, sondern auch wegen der Art der Ladung, die in seinen Laderäumen gelagert war.
"Zu den ersten Gegenständen, die von den Unterwasserarchäologen, die das Schiffswrack untersuchten, geborgen wurden, gehört eine Sammlung spätromanischer Amphoren aus dem späten 3. bis zum 6. oder 7. Jahrhundert, die alle mit Verschlüssen versehen waren, auf denen ein Chrismon, ein
Anagramm des Namens Christi, eingraviert war. Experten zufolge könnte dieses Element, das zur Kennzeichnung von Alltagsgegenständen verwendet wurde, in diesem Fall auch dazu gedient haben, die Qualität des Inhalts der Amphoren hervorzuheben oder darauf hinzuweisen, dass die Gefäße unter der Kontrolle einer kirchlichen Autorität standen."
Tatsächlich haben petrographische Analysen der in Ses Fontanelles gefundenen Amphoren den wahrscheinlichen Ausgangsort des Schiffes ergeben: die Gegend um
Cartagena.
Einzigartig im Mittelmeerraum
"Die archäozoologische Untersuchung des Inhalts der Amphoren (deren Typ als „
Ses Fontanelles I“ bezeichnet wurde) sowie der Inschriften (
tituli picti) bestätigt, dass die Gefäße eine Fischsauce namens
liquaminis flos enthielten, die hauptsächlich aus Sardellen und gelegentlich aus Sardinen hergestellt wurde. Dieselben Inschriften identifizieren die Hersteller der Amphoren als
Ausonius et Alunni und zeigen, dass die Ladung auch Olivenöl, in einer aus Trauben gewonnenen Substanz konservierte Oliven sowie Wein in vier verschiedenen Arten von Amphoren umfasste."
"Andererseits zeigt die Untersuchung des für den Rumpfbaus verwendeten Holzes, dass für die Längsstruktur Kiefernholz verwendet wurde, während für kleinere Teile wie Stifte [clavijas], Zapfenlöcher [mortajas] (in die Kanten der Planken gebohrte Löcher), und Zapfen [espigas] (aus den Zapfenlöchern herausragende Holzstücke) härtere Hölzer wie Wacholder, Olivenbaum oder Lorbeer zum Einsatz kamen. Um die Ladung während der Reise zu schützen, verwendete die Schiffsbesatzung zudem Weinreben und andere Pflanzen als Füllmaterial."
"Dank des hervorragenden Erhaltungszustands des Rumpfes, der Ladung sowie der bereits erwähnten Inschriften auf den Amphoren wird dieses Schiffswrack von Experten als einzigartiger Fund im Mittelmeerraum angesehen, da es äußerst wertvolle Erkenntnisse über die Handelsaktivitäten in der Spätantike geliefert hat. Für die Zukunft ist eine wesentlich umfassendere Untersuchung geplant, die die vollständige Ausgrabung der Fundstelle sowie eine detailliertere Untersuchung der baulichen Konstruktion des Schiffes und seiner Ladung umfasst."
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Wir immer, Superlative. Mir gefällt dennoch einiges:
- Ein gut erhaltenes und dokumentiertes Schiffswrack aus einer Zeit, in der wir nicht so viele Funde haben.
- Ein neuer Typ der Amphoren ("Ses Fontanelles I"), der sich nach Inhalt und Produzent zuordnen lässt, und den man vielleicht auch andernorts finden wird.
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Es gibt noch einen anderen Bericht dazu:
historia.nationalgeographic.com.es
"Darüber hinaus gilt der Fundbestand dieses Schiffswracks bereits als die umfangreichste Amphoren-Sammlung, die jemals in Spanien entdeckt wurde, und als eine der interessantesten aus der Römerzeit. Es handelt sich zweifellos um einen Fund, der Mallorca sowohl in wissenschaftlicher als auch in akademischer Hinsicht auf die internationale archäologische Bühne bringen wird."
¹ ein richtiger Modename, so eine Art Kevin der Spätantike