Übersetzung Cassius Dio

Oder ganz einfach falsch. Der Übersetzer kann einen Es einen Anmerkungsteil nutzen, oder Fußnoten, es gibt eckige Klammern, es gibt Hinweise auf mögliche Textlücken.

Wir sehen ja allein schon in unserem kleinen Geschichtsforum, was eigenwillige, oder eher: eigenmächtige (Fehl-)Übersetzungen anrichten.
 
Die Editio Maior von Boissevain ist ja bereits gemeinfrei, die verlinkte Stelle beginnt in Vol 2 S. 531 Cassii Dionis Cocceiani Historiarvm romanarvm qvae svpersvnt edidit Vrsvlvs Philippvs Boissevain : Cassius Dio Cocceianus : Free Download, Borrow, and Streaming : Internet Archive
(Zu den Textstellen von στράτευμα und στρατηγός gibt es keine Varianten)

Den Begriff Legion gibt es auch gräzisiert ἡ λεγεών, den auch Cassius Dio an anderen Stellen verwendet. στράτευμα ist hier besser als allgemein die Gesamtheit der Truppen (die neben den Legionen ja auch Auxiliartruppen [drei Alen, sechs Kohorten lt. Paterculus], und wahrscheinlich Vexilationen enthielten, außerdem der übliche Ziviltross [Impedimenta] von dem Cassius berichtet er war so hinderlich bei der Katastrophe) zu verstehen, die Varus aufteilte.

Hugh Mason, Greek Terms for Roman Institutions

στρατηγός - praetor, commander; Varus war ja Legatus Augusti pro praetore. Cassius Dio verwendet den Begriff wahrscheinlich um an klassische griechische Literatur anzuklingen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Seit einiger Zeit bemühe ich mich, die Texte von Dio, die mir nur geringfügig vorliegen, zu interpretieren(Internet-Portal, "Westfälische Geschichte", Arminius-Varus, 9. Quellen...wie ich das in #276 schon einmal versucht habe.

Griechisch, weder alt noch neu, beherrsche ich nicht. Meine Frage mit der Bitte um Antwort:
Die dort vorliegende Übersetzung(Portal s.o.), läßt sich für Interpretationen nutzen, da sie wörtlich bzw. sinngemäß dem griechischen Original entspricht?
Wenn Ihre Englischkentnisse es gestatten, wäre die Loeb-Übersetzung vielleicht hilfreich, jedenfalls eine zweite Übersetzung (Dio Cassius Roman History (Loeb Classical Library in 9 volumes) : Ernest Cary : Free Download, Borrow, and Streaming : Internet Archive ).
 
Seit einiger Zeit bemühe ich mich, die Texte von Dio, die mir nur geringfügig vorliegen, zu interpretieren(Internet-Portal, "Westfälische Geschichte", Arminius-Varus, 9. Quellen...wie ich das in #276 schon einmal versucht habe.

Griechisch, weder alt noch neu, beherrsche ich nicht. Meine Frage mit der Bitte um Antwort:
Die dort vorliegende Übersetzung(Portal s.o.), läßt sich für Interpretationen nutzen, da sie wörtlich bzw. sinngemäß dem griechischen Original entspricht?
Im Münchner Digitalisierungs Zentrum gibt es eine ältere deutsche Übersetzung von Tafel ('cassius dio's römische geschichte. 10' - Digitalisat | MDZ ).
Sie können sich den Band 10 runterladen:


Download-Symbol anklicken (rechts in der Titelleiste)
Wählen Sie : Gesamtes Digitalisat
JA anklicken
PDF SOFORT-Download
-warten-
PDF-Datei usw klicken

MDZ hat hervorragende Scanqualität.
 
HIer noch eine Übersetzung von Wagner, auch älter: 'dio cassius römische geschichte. dritter band' - Digitalisat | MDZ

Ich kann zwar leidlich Alt-Griechisch, aber das reicht nur, um Übersetzungen einigermaßen zu überprüfen.
In den Übersetzungen von Tafel und Wagner fällt sofort das Wort „Deutschland“ auf.
Als Hermann und Varus sich kloppten, wußten die Germanen nicht, was „deutsch“ überhaupt war. Das dauerte noch einige Jahrhunderte, bis der Begriff auftauchen sollte.
 
Na so schlimm ist das nicht. Das ist eine Frage der Übung (so wie das Lesen von Fraktur).

Ich würde auch nicht sagen, dass heutige Übersetzungen generell besser sind. Besser sind sie allenfalls insofern als sie vielfach auf besseren Editionen des Originaltextes beruhen.
Aber dass Übersetzungen Fehler enthalten oder allzu frei sind, kommt auch heute vor. Egal ob alt oder neu – es empfiehlt sich immer, den Originaltext nebenher mitzulesen (wenn man seine Sprache versteht).
(In einer Rezension der Diodor-Übersetzung von Otto Veh wurde gar der Verdacht geäußert, er habe teilweise gar nicht aus dem griechischen Original übersetzt, sondern aus der englischen Loeb-Übersetzung.)

Auch dass Begriffe allzu leichtfertig eingedeutscht werden, findet man noch heute.
Ich denke da etwa an eine noch vergleichsweise neue Gesamtübersetzung der Reden Ciceros, die anscheinend recht gut aufgenommen wurde, aber nicht nur fallweise eher frei und interpretierend ist, sondern vor allem krampfhaft wirklich fast jeden Fachterminus verdeutscht. So werden aus „Municipium“ „Landstadt“ und aus „Colonia“ „Siedlung“. Municipium und Colonia bezeichneten aber bestimmte Rechtsformen von Städten. Nicht jede „Landstadt“ war ein Municipium, und unter einer „Siedlung“ stelle ich mir eher ein kleines Dorf vor. Aus dem „Flamen“ wird ein „Sonderpriester“. Ich hätte die Beibehaltung der lateinischen Ausdrücke besser gefunden.

Zurück zu Cassius Dio:
Bei den Übersetzungen sollte man immer aufpassen, ob kenntlich ist, was wirklich von Cassius Dio stammt, was nur eine Epitome des Xiphilinus ist und allenfalls auch was gar nur von Zonaras ist.
 
Ich würde auch nicht sagen, dass heutige Übersetzungen generell besser sind. Besser sind sie allenfalls insofern als sie vielfach auf besseren Editionen des Originaltextes beruhen.
Aber dass Übersetzungen Fehler enthalten oder allzu frei sind, kommt auch heute vor. Egal ob alt oder neu – es empfiehlt sich immer, den Originaltext nebenher mitzulesen (wenn man seine Sprache versteht).
Wie es mit der Quellenbenutzung aussieht, ist ja an den Unis in den letzten Jahrzehnten aufgeweicht worden, der durchschnittliche Geschichtsstudent kann heute nicht mehr hinreichend Latein und Griechisch. Gut, für Lehrämtler mag das egal sein und für Neuzeithistoriker teilweise auch. Aber wer sich als Mediävist oder Althistorker betätigt, sollte Latein (und Griechisch) können. Weil die Übersetzung eben immer eine Vorinterpretation notwendigerweise vornehmen muss. Manche Übersetzer schreiben immerhin in den kritischen Apparat ggf. noch Übersetzungsvarianten.

Das Problem bei Übersetzungen ist dann auch, dass es einen Konflikt zwischen Ziel- und Originalsprache gibt. Da gibt es semantische Unterschiede zwischen Sprachen. Man kann also nicht immer Vokabel 1:1 übersetzen, manche sind in der Originalsprache semantisch enger, manche semantisch weiter gefasst, als in der Zielsprache. Z.B. ist im Rumänischen sowohl der Neffe als auch der Enkel nepot.
Grammatische Strukturen lassen sich nicht immer 1:1 übersetzen, manche Sprachen haben Artikel, andere nicht, manche Sprachen haben 7 oder 8 Fälle, andere nur 3 oder gleich gar keine, manche Sprachen verfügen über Indikativ und Konjunktiv (oder Subjunktiv) und ein ganzes Wirrwarr an unterschiedlichen Zeiten, andere kennen nur Perfekt und Imperfekt, wobei das Imperfekt dann i.d.R.. für den Präsens gebraucht wird.... Es gibt Sprachen, da gibt es Worte die nur von Männern bzw. nur von Frauen benutzt werden.
Im Spanischen arbeitet man viel mit sogenannten Verbalperiphrasen, beispielsweise: "Acabo de llegar" - "ich bin gerade angekommen" wäre eine adäquate Übersetzung. Wortwörtlich aber: "Ich beende anzukommen" (und da habe ich im Deutschen den zu-Infinitiv).


Bei Übersetzungen ist daher immer auch darauf zu achten, was das Ziel der Übersetzung ist. Manche Übersetzungen sind eher Nacherzählungen des Ursprungstextes, andere versuchen, wissenschaftlichen Ansprüchen zu genügen, was dann aber oft zu Lasten der Leserlichkeit der Übersetzung geht. Es gibt Übersetzungen, die achten mehr auf den Ton des Originals und andere, die achten mehr auf den Inhalt. Oft - insbesondere bei metrischen Texten - lässt sich das in einer Übersetzung nicht miteinander vereinbaren. Entweder man übersetzt metrisch, das geht dann i.d.R: zu Lasten des Inhalts, oder man übersetzt inhaltlich, das geht dann zu Lasten der Form.
 
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