Unterschied von Haus und Adelsgeschlecht

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von algarius, 22. Februar 2013.

  1. algarius

    algarius Neues Mitglied

    Hallo zusammen

    Ich habe eine Frage betreffend Unterschied von Haus und Adelsgeschlecht.

    Warum spricht man vom Haus Anjou, Habsburg, York usw.
    Aber bei den Ottonen, Karolingern, Staufer nicht bsp. von einem Haus Staufer, Haus Ottonen ?

    Waere froh wenn mir dies jemand erklären kann

    Vielen Dank
     
  2. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Zu den Habsburgern:
    Radbot von Klettgau erbaute um 1020/30 im Zuge der Herrschaftsbildung und der Nähe zum Kloster Muri die Habsburg oder Habichtsburg. Die Burgherren nahmen schon bald den Namen der Burg als Familiennamen an, dies war im Mittelalter gang und gäbe.

    Hier ist es noch ausführlicher beschrieben:

    http://www.geschichtsforum.de/f73/abstammung-der-habsburger-11555/
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Februar 2013
  3. algarius

    algarius Neues Mitglied

    ja das ist mir schon klar, wegen den Habsburgen. Danke dir.

    aber warum sagt man
    Haus York und nicht Adelsgeschlecht York
    und warum sagt man Adelsgeschlecht Ottonen und nicht Haus Ottonen ?
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Lancaster, York, Habsburg sind nach Ortsnamen der Stammsitze benannt.
    Ottonen, Liudolfinger, Karolinger, Pippiniden etc. sind nach Leitnamen benannt, also nach Namen, die in der Dynastie besonders gerne benutzt wurden (Leitnamenkontinuität).
     
  5. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Ich weis zwar nicht ob es in den Hilfswissenschaften jemals genau kodifiziert worden war (ich glaubs eher nicht), aber ich unterscheide in der Regel ein "Haus" als ein Seitenzweig eines "Geschlechts". Am Beispiel des französischen Königsgeschlechts der Kapetinger kann man das besonders gut festmachen, das sich ja in den tausend Jahren seines Bestehens in diverse Nebenlinien (Häuser Valois, Anjou, Bourbon ect.) aufgeteilt hat.

    Aber das liese sich auch auf zig deutsche Adelsgeschlechter (Wettiner, Hohenzollern, Wittelsbacher, Habsburgern ect.) anwenden. Andererseits wird aber hier auch häufig von "Haus Wettin", "Haus Hohenzollern" ect. geredet.

    Früh- und Hochmittelalterliche Dynastien werden in der Regel, wie El Quijote bereits schrieb, der Leitnamenkontinuität nach benannt. Andernfalls müsste man wohl umständlich vom "Haus Karls des Großen" oder "Haus des Luitdolf" schreiben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Februar 2013
  6. Strupanice

    Strupanice Neues Mitglied

    Die Bezeichnungen Haus und Adelsgeschlecht sind ja eher neuerem Ursprung und sind nicht ganz konsequent eingesetzt.
    Einerseits benutzt man diesen Namen um den Unterschied zwischen Herkunft und Funktion zu trennen. So z.B. die verschiedenen Markgrafen, die sich nach der Markgrafschaft nannten, aber einem bestimmten Adelsgeschlecht entstammen, so z.B. die Markgrafen von Meißen aus dem Hause Wettin. Da die Funktion in vielen Fällen erblich wurde, wurde sie auch fester Bestandteil des Namens.

    Im anderen Falle wurde es bei vielen Adelsfamilien notwendig, weil sich die Linien teilten und die Teile auf unterschiedlichen Schlössern saßen. So z.B. in Thüringen die Herren von Tümpling aus dem Hause Bergsulza z.B. und die Herren von Tümpling aus dem Hause Heiligenkreuz.....
     
  7. White_Wolf

    White_Wolf Neues Mitglied

    Ich glaube diese Begriffe lassen sich am besten so verstehen, wie es Joinville sagte.
    Ein Haus ist ein Zweig eines Geschlechtes.
    So sind nach meiner Interpretation z.B. Das Haus "Hohenzollern-Sigmaringen" sowie sowie das "Haus Preussen" Zweige der Hohenzollern (Adelsgeschlecht)

    Das Haus Moundbatten-Windsor (aka Saxe-Coburg and Gotha) ist ein Zweig der ernestinischen Wettiner (Adelsgeschlecht)

    Ein "Adelsgeschlecht" umfasst mehrere Familien, wohingegen ein "Haus" lediglich eine Familie des Geschlechtes darstellt.
     
  8. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Adelsgeschlecht, wie auch die diversen -onen, -anen, -aden etc., die von Historikern in Schubladen gesteckt wurden, ist eine relativ objektiv-distanzierte Bezeichnung aus der Außenperspektive. Haus ist die metaphorische Bezeichnung, wenn die Mitglieder der Großfamilie von dieser reden (ähnlich dem in letzten Tagen öfter erwähnten "Stuhl Petri"). Der "Sippenälteste", der, gäbe es die Monarchie noch, der Monarch wäre, heißt demgemäß auch "Chef des Hauses".
     

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