Naresuan
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Mir geht es ähnlich.Es scheint hier eine Geschichte zu geben, die dunkler ist und ein grossflaechiges Problem aufzeigt. Und leider habe ich mehr Fragen als Antworten
Die Schwabenkinder waren ein lokales Phänomen, das die angrenzenden Gebiete Vorarlberg, Teile der schweizerischen Kantone Graubünden, St. Gallen, Thurgau und Appenzell, sowie das Tirol umfasste. Das restliche Berggebiet muss mit der Armut und seinen Kindern also anders umgegangen sein, als sie im Sommer weg zu schicken.
Auch das Verdingen kam nicht in der ganzen Alpenregion vor.
Zu den Schwabenkindern gibt es noch einen Beitrag von Linus Bühler in "Schweizerisches Archiv für Volkskunde" von 1984: Die Bündner Schwabengänger und die Tessiner Kaminfegerkinder
Er sieht bei den Schwabenkindern gegen Ende deren Auftretens einen gewissen Anteil an Freiwilligkeit, so dass teilweise Kinder aus nicht armen Schichten daran teilnahmen.
Auch heute noch bietet der "Landdienst" (inzwischen umbenannt in "Agriviva") Jugendlichen die Möglichkeit freiwillig in der Landwirtschaft tätig zu werden.
So meldete ich mich mit 14 dafür an und durfte 2 Wochen im Waadtland Trauben ernten. Mit Romantik hatte das nichts zu tun, denn ich stamme aus einer ländlichen Region, wo für Kinder in den Ferien das freiwillige Helfen bei der Ernte der Bauern normal und willkommene Abwechslung war. Der Landdienst war für uns Teenager eher ein erstes Abenteuer in der "Fremde" und machte sich auf jeden Fall bezahlt. Nicht mit Geld, als Lohn gab es gerade mal eine Flasche Wein, die wir nicht einmal selbst trinken durften.
Genaue Statistiken zur Altersverteilung der Schwabenkinder wird es für das 17. und 18. Jh. kaum geben, aber die Meisten dürften im Teenager-Alter gewesen sein.
Was die Hütekinder anbelangt, sehe ich eine Diskrepanz zwischen der Heidi- und Geissenpeter-Idylle und der Berichterstattung aus heutiger Sicht.
Bergbauernkinder sind bis zu einem gewissen Grad immer eingebunden in den Alltag auf dem Hof und wenn es nur das Füttern von Hühnern ist. Es fällt mir schwer, dies als Ausbeutung zu betrachten.
Es gibt noch ein anderes verwandtes und dunkles Kapitel in der Schweizer Geschichte: das Kindervertragen.
Dabei handelt es sich um das Transportieren von meist unehelichen Säuglingen über den Gotthard in die Findelhäuser von Como und Mailand. Es betraf vor allem die Zentralschweiz. Die im 18. Jh. etablierten Findelhäuser in Norditalien waren eine Institution, die auch eheliche Kinder aus armen Verhältnissen vorübergehend aufnahm und an Bauern vermittelte.
Vielleicht eine der gesuchten "Alternativen".
Dazu der Aufsatz "Kindervertragen" von Markus Lischer, 1996, in "undKinder"