Warägergarde

Dieses Thema im Forum "Das Byzantinische Reich" wurde erstellt von Fylgja, 26. November 2004.

  1. Ich würde es eher so aufreihen:

    Das römische Reicht teilt sich auf und ein oströmisches Reich entsteht. (Westrom existierte noch geraume Zeit paralell)

    Das weströmische Reich geht unter, das oströmische bleibt bestehen.

    Unter Justinian erfolgt eine gewissen Restauration und das oströmische Reich dehnt sich wieder aus.

    Es folgt ein langer und furchtbarer Krieg gegen die Sassaniden (=Perser) und die Pest bricht aus. In der Folge beginnt sich das noch antike, lateinische Reich zu ändern und das griechische wird immer dominanter. Das Antike geht verloren.

    Dann kommen die Araber und der Islam und das oströmische Reich geht fast unter, Konstantinopel wird mehrfach belagert.

    Durch diesen Fast Untergang wandelt sich das bis dahin lateinische oströmische Reich in ein griechisches mittelalterliches byzantinisches Reich.

    Dieses byzantinische Reich dehnt sich wieder aus und erobert große Gebiete zurück. Es überschreitete seinen Höhepunkt und verliert die Schlacht von Mantzikert, die Turkvölker brechen in das Reich ein.

    In Folge dessen rufen die Byzantiner die Kreuzfahrer zur Hilfe, in der Folge der Kreuzzüge wird ihr Reich aber immer noch weiter geschwächt und 1204 geht das mittelalterliche Byzanz mit dem Fall der Stadt unter.

    Es entstehen: das Lateinische Kaiserreich (mit den de facto unabhängigen Staaten Kgr Thessalonike, Hzm Athen und Fsm Achaia. Das Hzm Naxos fällt an die Venezianer die die ganzen Inseln besetzen. Dann das Kaiserreich von Nikaia und das Kaiserreich von Trapezunt, sowie das Despotat von Epiros. Alle drei Kaiserreiche behaupten die rechtmäßigen Kaiser von Byzanz zu sein.

    Es setzt sich das Kaiserreich von Nikaia durch und erobert sowohl das Lateinische Reich als auch Epiros bis zum Jahre 1261 vollständig zurück. Mit Hilfe Genuas das daraufhin Gebiete und Inseln in Konkurenz zu Venedig erhält.

    1321 bis 54 bricht dann ein Bürgerkrieg aus und seit 1349 breiten sich langsam die Osmanen im byzantinischen Territorium aus.

    1453 am 29.5. wird Byzanz von den Osmanen erobert. Das noch immer unabhängie Kaiserreich Trapezunt hält sich noch einige Jahre bis 1461, ebenso das Gebiet um Mistra auf dem Peloponnes. Desweiteren gibt es Angehörige des byzantinischen Kaiserhauses die im Ausland als Exilanten die letzten Reste ihres Reiches noch einige Jahre weiter leiten, bis auch diese den Osmanen in die Hände fallen.
     
  2. Imperator

    Imperator Premiummitglied

    Das Despotat Epirus war kurzzeitig übrigens auch ein Kaiserreich und zwar wird es h eute als "Kaiserreich Thessaloniki" bezeichnet. Im Übrigen wehre ich mich immer noch dagegen, von einer Reichsteilung zu sprechen; es wurde offiziell nie geteilt, nur die Herrschaft zwischen zwei Kaisern...
     
  3. Pyrrhos

    Pyrrhos Neues Mitglied

    Und nicht zu vergessen, das sich die ""Byzantiner" selbst immer als Römer sahen und ihr Reich "Romania" nannten. Die Wörter "Byzanz" und "byzantinisch" stellen von der Moderne geprägte Begriffe dar, die dazu dienen sollen, das römische Reich des Mittelalters vom antiken römischen Reich abzuheben.
     
  4. Tianying

    Tianying Neues Mitglied

    Die Axtgarde im Byzantinischen Reich

    Hallo, ich möchte gerne Informationen über Wikinger in Byzanz sammeln. Ich habe gelesen das die Byzantiner Wikinger gerne als solcher Axtgarde aufstellen . Es sind häufig schwere Infanterie, die als neutrale Söldner den Kaiser beschützen. (sowie der christliche Garde bei den Araber).

    Wird mich freuen wenn jemand hierein schreibt.:winke:
     
  5. Tianying

    Tianying Neues Mitglied

    Die Wikinger in Byzanz.

    Bei der Warägergarde in Byzanz handelt es sich um eine der ganz wenigen Söldnereinheiten, deren Geschichte nach Jahrhunderten gerechnet werden kann. Möglicherweise wird die Dauer ihres Dienstes und die Anzahl der von ihr bestandenen Schlachten nur von den Schweizern in französischem Sold übertroffen. Doch während die Schweizer lediglich ins benachbarte Frankreich ziehen mussten, in Zeiten, in denen es bereits feste Postverbindungen und diplomatische Vertretungen gab, mussten die Nordmänner bis ans Ende der ihnen bekannten Welt reisen. Für die Byzantiner kamen sie aus dem fernen Thule, von dem nur Sagen und Legenden berichteten.

    [​IMG] Bereits im 9. Jahrhundert waren schwedische Wikinger entlang der Flüsse in das Gebiet des späteren Russland eingedrungen. Sie kamen als Händler oder als Räuber, je nachdem wie sie die Möglichkeiten eines guten Gewinns einschätzten. Bald errichten sie erste befestigte Handelsplätze und begannen damit die einheimische Bevölkerung zu unterwerfen. Um 850 hatten sie u.a. in Nowgorod und Kiew eigene Fürstentümer errichtet, in denen die Wikinger jedoch nur eine dünne Oberschicht stellten, die sich zudem zur Sicherung ihrer Macht schnell mit slawischen Adelsfamilien verschwägerten. Die Slawen nannten die Nordmänner "Rus", und bald wurde dieser Name für das gesamte unter der Führung Kiews vereinte Reich benutzt. Oft wurde jedoch auch die Bezeichnung "Waräger" verwendet, womit entweder ein Fremder, der Kriegsdienst genommen hat, gemeint war, oder ein Mann, der zu einer Vereinigung von Händlern oder Kriegern gehörte. Manchmal wurden zwar beide Begriffe synonym verwendet. Mit der Zeit bezeichnete man mit Rus jedoch die fest ansässige Adelsschicht, die sowohl skandinavische wie auch slawische Wurzeln hatte, und mit Waräger die aus Skandinavien stammen Krieger, die weiterhin ins Land kamen, um Handel zu treiben, oder ihre Schwerter an die Rus zu vermieten.

    Bei ihren Kriegen und internen Fehden warben die Fürsten der Rus bevorzugt neue Kämpfer aus dem Norden, was durch die bestehenden Handelsrouten und alte Verwandtschaftsbeziehungen ermöglicht wurde. Da die Rus ursprünglich als Händler und Piraten gekommen waren, lag es in der Natur der Sache, dass sie von Kiew den Dnjepr weiter hinab fuhren, das schwarze Meer durchquerten und im reichen Byzanz das wirklich lohnende Objekt ihrer Begierde erblickten. Den ersten Angriff unternahmen sie bereits 860, weitere folgten bis zu dem letzten großen 1043. Zwischen diesen erfolglosen Angriffen trieben die Kiewer Fürsten jedoch in bester Wikingertradition fleißig Handel mit Byzanz, heirateten byzantinische Prinzessinnen und lieferten Söldner. Und so erstaunt es nicht, dass die Daten über die Verwendung "russischer" Söldner in byzantinischen Diensten noch häufiger sind als die russischer Überfälle. Wenn man den anderen nicht berauben konnte, so trieb man eben mit ihm Handel oder nahm sein Geld als Söldner.

    In Byzanz trafen die Waräger zudem auf den einzigen Staat in Europa, dessen Finanzwesen es noch erlaubte, Söldner regelmäßig zu bezahlen. Neben den von den einzelnen Militärdistrikten - den Themen - aufgebrachten Truppen, beschäftigten die Byzantiner zahlreiche Fremde: Normannen, Ungarn, Türken, Lombarden, Georgier, Armenier, Araber, Slawen und viele andere. Die ersten "russischen" Krieger werden 902 bei einer Expedition nach Kreta erwähnt. Da die überlieferten Namen alle nordischen Ursprungs sind, kann man davon ausgehen, dass es sich bei dieser 700 Mann starken Hilfstruppe hauptsächlich um Waräger handelte. Weitere folgten und die Waräger scheinen schnell ein fester Bestandteil im byzantinischen Vielvölkerheer geworden zu sein.

    Zu einer festen Institution wurden die Waräger jedoch durch die Machtkämpfe in Kiew. Wladimir der jüngste von drei Brüdern hatte zuerst "übers Meer" (nach Schweden ) fliehen müssen und war dann mit zahlreichen Warägern zurückgekehrt und hatte den Thron erobert. Danach stand er wahrscheinlich vor dem Problem, dass er seine Verbündeten auf Dauer nicht bezahlen konnte, diese aber noch wenig Lust verspürten, in ihre Heimat zurückzukehren. Ungestüm sollen sie von ihm verlangt haben, ihnen den Weg nach Miklagard - der großen Stadt wie sie Byzanz nannten - zu zeigen. 987 schickte Wladimir dann 6.000 dieser unruhigen Krieger Unter Kaiser Basileos II wurden die Waräger dann zur "Axt tragenden Wache", zum Kern der kaiserlichen Leibgarde. In dieser Position blieben sie bis zur Eroberung von Konstantinopel durch die Kreuzfahrer 1204.
     
  6. Arik-Buka

    Arik-Buka Neues Mitglied

    Anscheinend sollen auch Männer aus dem Norden (Wikinger?) mit Berserker-Veranlagung in byzantinischen Armeen gekämpft haben.
     
  7. Nakharar

    Nakharar Neues Mitglied

    Um hier mal wieder etwas Leben reinzukriegen: Wie kann man sich das Aussehe eines Warägers vorstellen?
    Damit meine ich Bewaffnung, Rüstung und Auftreten (Sprache, Frisur, Bart etc.)
    Ich glaube nicht das sich der Basileos sich von einer Horde metsaufender Nordmänner mit Zweihandaxt und behörnten Helmen bewachen ließ. :rofl:
    Andererseits: So ein Anblick hinterließ bei vielen Besuchern bestimmt einen bleibenden Eindruck.....
     
  8. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    s. Schweizer Garde und die Beef-Eater
     
  9. Mike Hammer

    Mike Hammer Neues Mitglied

    Diese rohen Gesellen wurden natürlich hübsch eingekleidet.
    Rohe wilde Gesellen mit hohem Alkoholkonsum, Äxten und einer unerschütterlichen Loyalität blieben sie aber trotzdem :pfeif:
     
  10. elysian

    elysian Neues Mitglied

    Gibt es zuverlässige Legenden ihrer Kampfeinsätze?
     
  11. Mike Hammer

    Mike Hammer Neues Mitglied

    Soweit ich weis ja.

    Ich habe noch vor kurzem Infos darüber in einigen Osprey Bänden gelesen. Über Byzanz haben sie einige Bände, insbesondere die Reihe Men-at-Arms und Essential History ist gut. Für einzelne Truppentypen gibt es die Warrior und die Elite-Serie, keine Ahnung, ob die Warägergarde einen Band hat.
     
  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Zuverlässig und Legende, das sind m.E. Widersprüche in sich...

    Es gibt aber einige bekannte Angehörige der Warägergarde. Z.B. Harald Sigurdson (Heimskringla, norwegische Königschronik (englisch)) oder Roussel de Bailleul (Alexiade (englisch) der byzantinischen Kaisertochter und Historiographin Anna Comnena).
     
  13. Nakharar

    Nakharar Neues Mitglied

    Um nochmal auf meine Frage zurückzukommen: Wie kann ich mir einen Warägergardisten vorstellen? Trug er byzantinische oder nordische Rüstungen und Waffen?
    Auf diesem Bild (Google-Ergebnis für http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/0/03/Skylitzis_Chronicle_VARANGIAN_GUARD.jpg/180px-Skylitzis_Chronicle_VARANGIAN_GUARD.jpg
    scheinen sie ja mit byzantinischen Klibanions ausgestattet zu sein, während sie auf anderen Bildern mit Brillenhelmen und Kettenhemden erscheinen.

    P.S.: Wie setze ich hier einen Hyperlink ein?
     

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