Widukind Mythos-wahre Geschichtsschreibung?

Dieses Thema im Forum "Die Franken" wurde erstellt von WiduRic, 10. Juli 2012.

Schlagworte:
  1. WiduRic

    WiduRic Gast

    Hallo Zusammen,

    ich wende mich zum ersten Mal an diese Art von Forum bzw. Kommunikation und hoffe ihr seid nachsichtig mit mir, was falls es jenes Thema o.Ä. bereits gibt.

    Ich werde eine Hausarbeit über die Geschichtsschreibung der Ottonenzeit schreiben.
    In diesem Fall soll mein Thema "Widukind v.C. und die Sachsengeschichte" sein.
    Ich möchte untersuchen, ob er eher ein Mythos war oder dahinter wahre Geschichtsschreibung steckt, zumal ja wirklich viele Fragen immer offen sind zu Widuking.

    Ich bin nur noch irgendwie ratlos, wie ich die Hausarbeit gliedern/aufbauen sollte.Woran kann ich schließlich verdeutlichen dass es entweder ein Mythos oder wahre Geschichtsschreibung ist?!

    Ich wär euch sehr dankbar über einige hilfreiche Hinweise.

    MfG
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    So recht werde ich aus deiner Fragestellung nicht schlau. Warum sollte Widukind ein Mythos sein? Und verwechselst du evtl. Widukind von Corvey mit seinem Urururgroßonkel*, dem Sachsenherzog zur Zeit Karls des Großen?


    *die Menge der Ur habe ich nicht auf Richtigkeit überprüft.
     
  3. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Ich habe die Frage eher so verstanden, dass es darum geht, ob es sich bei Widukind von Corveys "Sachsengeschichte" um ein zuverlässiges Geschichtswerk handelt oder ob er darin eher Sagenhaftes erzählt. Sicher bin ich mir allerdings nicht.
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Dann halte ich a) die Fragestellung für schlecht gewählt (entweder... oder...) und b) auch den Begriff des Mythos für eher ungünstig. Mythische Elemente findet man allenfalls in den ersten Kapiteln des ersten der drei Bücher. Was Mythen angeht (Anschluss an die Troja-Sage, Anschluss an die biblische Geschichte) ist Widukind gegenüber anderen mittelalterlichen Historiographen eher zurückhaltend. Er sucht eher Anschlüsse an die ältere Geschichtsschreibung, wie Flavius Josephus und Beda, die z.T. nicht ganz korrekt sind. Und die sächsische Landnahme muss man natürlich hinterfragen.

    Dann ist natürlich, wie bei jeder Quellenarbeit, die innere Q-Kritik anzuwenden. Für wen schrieb Widukind, welche Interessen verfolgte er, was ließ er aus und was glättete er bzw. wo ist seine Darstellung tendenziös. Solche Fragen sind - außer bei textimmanenten Widersprüchen - natürlich hauptsächlich durch die Parallellektüre mit anderen Quellen (die ebenfalls quellenkritisch gelesen werden müssen!) zu beantworten und manchmal muss eine Frage auch schlicht offen bleiben.
     
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  5. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Vielleicht würde bei der Klärung deiner Fragen Matthias Springer, Die Sachsen (Stuttgart: Kohlhammer, 2004) weiterhelfen können. Ich finde es sehr empfehlenswert, wenn seine Thesen manchmal auch ziemlich radikal klingen. Insgesamt beleuchtet er die Geschichte der Sachsen von deren spätantiken Frühgeschichte bis zur frühen Karolingerzeit sehr kritisch. Gemäß Stichwortverzeichnis kommt Widukind v. Corvey als Geschichtsschreiber freilich auch häufig genug zur Besprechung.
     
  6. Widuric

    Widuric Gast

    Schlecht ausgedrückt

    Hallo,

    ich danke schonmal für eure Antworten!
    Vllt habe ich mich etwas unklar ausgedrückt.
    Es handelt sich wirklich um Widukind.
    Fakt ist, dass er Geschichtsschreibung gemacht hat, und zwar ist auch von ihm fast das meiste überliefert.
    Manchmal fragt man sich jedoch, was ist nun wahre Geschichtsschreibung, was ist er erdacht bzw. besonders ausgeschmückt.
    Darum soll es auch in meiner Hausarbeit gehen. Ich stelle das mal kurz ein bisschen vor.

    - was passt zu seinem Weltbild/was nicht?
    - was beschreibt er sehr viel/was nicht?
    - wovon er faktisch eigentlich viel wusste, berichtet er nicht viel, wovon er wenig wusste (weil er z.B. selbst nicht da war, als Person A zu Person B etwas am Sterbebett gesagt hat) berichtet er viel, anschaulich und schmückt die Situation total aus(obwohl er ja selbst nichtmal da war)

    Bsp: -> Sachsengeschichte (wird sehr stark beschrieben)
    -> Geschichte zu seinem Vater (wenig beschrieben)

    Kernpunkt: aufzeigen, dass gewisse Dinge nur Mythos sein können, weil er z.B. selbst nicht da war, anders ist sicher wahre Geschichtsschreibung auch vorhanden
    -> anhand von Beispielen

    - bestimmte Ereignisse rauspicken!
    z.B. warum der Krieg nicht aufgegriffen wurde

    Ich will quasi untersuchen (anhand von Beispielen), was wohl wirklich so gewesen sein könnte, bzw. was zum Teil ggf. erdacht sein kann.

    Könnt ihr mir hierzu einige Beispiele seiner Geschichtsschreibungen nennen? Auch was dann wahrscheinlich wahr/was falsch ist?!

    Mein Thema wird dann in etwa so lauten: Die Rezeption positiver und negativer Begebenheiten bei Widukind von Corvey

    Hört sich aber irgendwie noch nicht wissenschaftlich genug an;) könnt ihr da was zu sagen?

    Ich wär euch sehr dankbar über Antworten und bedanke mich schonmal herzlich bei euch!:)
     
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wie gesagt, Mythos ist etwas anderes. Was die wörtliche Rede angeht, so sind diese als Stilmittel zu lesen; es ist nicht die Absicht mittelalterlicher oder antiker Geschichtsschreiber, wenn diese die wörtliche Rede in einen Text einflechten, zu suggerieren dass es tatsächlich so war. Der attische Historiograph Thukydides hat dafür in seiner Geschichte des peloponnesischen Krieges eine Art Poetik der Historiographie erstellt, welche die Historiographen in seiner Nachfolge fast alle berücksichtigten. Und dazu gehörten nun mal auch die lateinischen und über diese die mittelalterlichen Geschichtsschreiber.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Juli 2012
  8. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Widukind wird bei kaum einem berichteten Ereignis selbst dabei gewesen sein, aber das macht es doch noch nicht zum Mythos. Da er im 2. und 3. Buch eine Zeit darstellte, die er selbst miterlebt hatte, wird er sich wohl vor allem auf mündliche Berichte und Briefe gestützt haben. Die meisten Ereignisse stellt er ohnehin nur grob im Überblick dar, ohne ins Detail zu gehen, also z. B. X erhebt sich, Otto belagert ihn in einer Stadt, X ergibt sich und Otto gewährt ihm Verzeihung. Solche ganz oberflächliche Informationen wird auch Widukind in relativ zuverlässiger Form erhalten haben; ganz von der Außenwelt abgeschnitten lebte man auch damals nicht, vor allem nicht als Mönch in einem bedeutenden Kloster. Mit der Kaisertochter Mathilde scheint er ohnehin in Kontakt gestanden zu haben.
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wobei Widukind nicht unkritisch mit der sächsischen Frühgeschichte ist:
    "...sola pene famam sequens in hac parte, nimia vetustate omnem fere certitudinem obscurante."
     
  10. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    die ehemaligen Gymnasiums-Lateiner werden Fama und obskur erkennen - aber ob alle Mitleser hier kleines oder großes Latinum und gar Kenntnisse des Mittellatein haben? ...da wäre eine Übersetzung entgegenkommend :winke:

    mit den Quellen zur sächsischen Frühgeschichte, dabei natürlich besonders mit Widukind, geht Matthias Springer in Die Sachsen (Kohlhammer, Stuttgart 2004) sehr kritisch um - ich halte das für sehr lesenswert
     
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  11. Water

    Water Neues Mitglied

    Die Dinge müssen nicht mythisch sein, nur weil er nicht dabei war. Viel Geschichtsschreibung hat zeitlichen Abstand und ist trotzdem völlig ok. Das ist ja in der Zeit auch so, dass wir leider nicht so viel Auswahl haben... wenns z.B. keinen Zeitgenossen gibt, dann muss man einen nehmen, der später schrieb. ;)

    Der muss sein Zeugs aber wo herhaben, da kann man z.B. mal in die Einleitung schauen (da wird oft die Absicht des Geschichtswerkes erklärt) oder gucken, ob der irgendwelche anderen - evtl. verlorenen - Geschichtschreiber zitiert. Oder auch Leute, die persönlich vor Ort waren.

    Ansonsten, wie die Vorschreiber schon sagten: andere Quellen suchen und vergleichen.

    "Geschichtsschreibung der Ottonenzeit" ist dein Thema? Da gibt es noch mehr als Widukind von Corvey, z.B. die Fortsetzung des Regino (googel mal danach) oder Liudprand von Cremona, der glaub ich auch eine Art "Otto-Biographie" geschrieben hat (ich kenne bisher nur die Gesandtschaftsberichte, wo er in Byzanz war, aber bild mir ein, es gab auch was über Otto direkt... und die Gesandtschaftsberichte sagen ja auch viel darüber aus, wie toll Otto war ^^). Wenn du ein allgemeines Buch über Otto oder die Ottonen nimmst (z.B. von Hagen Keller oder Gerd(?)Althoff), dann müsstest du darin auch eine Menge Quellenangaben über die Ottonen finden. Oder such eine Einführung in die mittelalterliche Geschichte, da sind auch oft Quellen für die verschiedenen Zeiten aufgelistet.

    Also ich würde empfehlen, erstmal in irgendwelche Otto-Biographien zu schauen. Meistens wird da auch was zu den Quellen erklärt und es gibt da massig Bücher extra für Studenten. So mach ich das auch, ich hab ja sonst keinen Plan... :scheinheilig:
     
  12. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Na dann will ich mal:
    Der erste Satz des 2. Kapitels des 1. Buches lautet: "Et primum quidem de origine statuque gentis pauca expediam, solam pene famam sequens in hac parte, nimia vetustate omnem fere certitudinem obscurante."
    Auf deutsch: "Und zuerst werde ich wenigstens weniges über den Ursprung und den Zustand des Stammes berichten, wobei ich in diesem Teil beinahe allein der Sage folge, da zu großes Alter fast alle Gewissheit verdunkelt."
     
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  13. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Ich lese gerade in einem von mir einst eröffnete Thread nach und bin gerade selbst überrascht, daß die gegenwärtige Sachsenforschung nach wie vor über den historischen Kern von Widukinds Sage über die Landung der Sachsen bei Handeln ernsthaft diskutiert: http://www.geschichtsforum.de/370857-post10.html
     

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