Wie finden es denn die Österreicher, dass sie sprachwissenschaftlich bairisch ( mit i ) reden?

ad deku:
gerade letztes Monat gelesen; keine BIldungslücke entlarvt ;-)

ad linde:
das mußte ja kommen...

Vor ein paar Jahren festgestellt, daß ich "sprachwissenschaftlich" bairisch sprehe; etwas konsterniert zu Kenntnis genommen, aber aus der Historie als nicht unlogisch gefunden.
Würdest du in Ö. eine Straßenumfrage machen ("Sie sprechen bairisch?"), wäre wahrscheinlich Unverständnis die häufigste Reaktion. Ja, Österreicher (Vorarlberger jetzt und im folgenden Beitrag einmal ausgenommen) haben keinerlei Problem die bayrische Mundart in ihren Untervariationen gut zu verstehen und als sprachverwandt zu definieren. Die Behauptung, sie selbst sprächen bairisch (mit "i" oder auch mit "y") hielten sie in ihrem Alltagsverständnis allerdings wahrscheinlich mehrheitlich für falsch: Der ordentliche Österreicher, sprächen sie, spricht österreichisch, und auch wenn das sprachlich nahe ist, nicht bayrisch. Grenzleute (die am unteren Inn etwa), würden besonders darauf verweisen, daß der Niederbayer nicht einmal ordentlich "Österreicher" sagen kann (tatsächlich sagt er "Esterreicher"), was "tierisch nervt", wenn man auch nur kurzfristig den Inn überschreitet.
Trotz vieler Unterschiede (die in Österreich gesprochenen Mundarten sind durch die jahrhundertelange Mitgliedschaft in der Habsburger-Monarchie mit einer erklecklichen Anzahl an Lehnwörtern aus slawischen Sprachen und dem Ungarischen angereichert) sind die gemeinsamen Wurzeln nicht verleugbar, allerdings liegt die emotionle Abneigung gegenüber der Aussage, man spräche bairisch, hauptsächlich wahrscheinlich in der Nationalitätsfrage. Als (mehrheitlich) Deutschsprechende in einem Staat außerhalb Deutschlands spielen Fragen der Eigen-Identität und der Selbstdefinition immer eine Rolle (ohne es zu wissen, vermute ich eine ähnliche Problematik bei den alemannischen Deutsch-Schweizern). Die "Benamsung" der eigenen Mundart nach einer doch "ausländischen" Entität ( die "y" oder"i" Frage ist hier sekundär) kann als "eingemeindend" empfunden werden.
Auch wenn ich nicht erwarte, daß sich die deutsche Sprachwissenschaft nach meinen persönlichen Befindlichkeiten richtet, wären mir Bezeichnungen ala "südwestdeutsche" und "südostdeutsche" Dialekte doch deutlich symphatischer gewesen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Sicher ähnlich, wie wenn man den DeutschSchweizern mit Alemannisch kommt?

Wir können jetzt noch die Mazedonen, Montenegriner, Kosovaren und Dutzende anderer Sprachen durchdeklinieren und kommen immer wieder zu dem Schluss, dass Sprachen leben, Sprachen von Menschen gesprochen werden, Sprache meist dem Zweck der Kommunikation dient.
Dass Geschichte lebt und dass die Dinge sich verändern.

So interessant die Beschäftigung mit Geschichte ist, statische Linien ziehen zu wollen scheitert immer.
 
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