Wieso gibt es nicht mehr Bundesstaaten?

Dieses Thema im Forum "USA | Kanada" wurde erstellt von Griffel, 2. Juli 2021.

  1. Griffel

    Griffel Mitglied

    Ich möchte das Wochenende nutzen um mich mal wieder "schlau zu machen". Wieso gibt es in den USA eigentlich nicht mehr Bundesstaaten? Ich weiß natürlich, dass es im Laufe der amerikanischen Geschichte immer mal wieder Umformungen oder besser gesagt Neugründungen von Bundesstaaten gab.

    Und dennoch gibt es heute Gebiete der USA, welche faktisch Kolonien sind! Puerto Rico, ist die wohl bekannteste und größte von Ihnen. Obwohl die Einwohner Bürger der USA sind, haben sie dennoch nicht die vollen Rechte.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Puerto_Rico

    Es gibt ja auch Menschen die meinen, dass die Insel ein eigener Staat werden sollte. Daneben gibt es ja noch die verschiedenen assoziierten Gebiete der USA. Die amerikanischen Jungferninseln, Amerikanisch Samoa usw. Wieso fällt es einem so fortschrittlichen Land wie den USA so schwer hier für juristische Klarheit zu sorgen?
    Rhode Island, ist ja auch kleiner als Kalifornien. Also an der Größe alleine kann es nicht liegen.
    Freue mich auf eure Antworten.
     
  2. Traklson

    Traklson Aktives Mitglied

    Naja, wir haben mit den Republikanern in den USA eine Partei, deren gemäßiger Flügel versteckt rassistisch und deren extremer Flügel offen rassistisch ist.
    Warum haben die Bewohner von Washington D.C. kein Wahlrecht bei Kongress- und Senatswahlen? Erst seit 1964 haben dürfen sie den Präsidenten wählen.
    Washington ist eine demokratische Hochburg und die Republikaner werden all ihre politische Macht nutzen, um die Bewohner Wasingtons auszuschließen.

    Bei Puerto Rico dürfte die Situation ähnlich sein. Erst vor wenigen Tagen hat die Kongressabgeordnete Marjorie Taylor Greene AOC als keine echte Amerikanerin bezeichnet. AOC hat Wurzeln in Puerto Rico. Eine ganze Insel Dunkelhäutiger am politsichen Prozess zu beteiligen, das ist das Gegenteil von dem, was die Republiker wollen. Im Gegenteil: In den bestehenden Bundesstaaten werden immer wieder Maßnahmen ergriffen, Minorites auszuschließen. (Z.B. Schließen von Wahllokalen in entsprechenden Bezirken.)

    Neben der Frage der Territorien sind sicher Gerrymandering und das Wahlmännersystem Punkte, wo das politische System der USA dringend reformbedürftig ist. Besonders würden aber die Republikaner politische Macht verlieren. Sie werden also alle Reformen blockieren.
     
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  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Sagen wir mal so, seit Nixon sind die Republikaner immer radikaler geworden. Aber ob man die Partei als rassistisch bezeichnen kann? Sie ist sicher unter Obama und Trump rassistischer geworden, aber sie hat auch People of Color und v.a. Latinos in ihren Reihen. Man denke an Bushs Beraterin Condoleeza Rice oder an Bushs ersten Außenminister Colin Powell oder auch an den Hardliner Ted Cruz. Diese Leute sind sicher keine Vertreter einer rassistischen GOP. Und schließlich und endlich ist die republikanische Partei die Partei des Abolitionismus. Dass sie heute für White Supremacy steht, ist eine Entwicklung, die wohl vor allem auch in der Obama-Zeit stattgefunden hat - eben weil es da gegen einen "schwarzen" Präsidenten mit arabischen Vornamen ging. Da ist die Basis der Partei erheblich umgebaut worden. Was heute den Nichttrumpisten, deren Felle wegschwimmen, auf die Füße fällt.
     
  4. Traklson

    Traklson Aktives Mitglied

    O.K., das kann man relativieren. Ich hatte bei verstecktem Rassismus besonders an die Technik der dogwhistle gedacht. Und auch schon vor Obama, aber zugegeben besonders unter Obama, wurde versteckte Botschaften an die Rassisten in der republikanischen Partei gesendet, die aber den normalen Wähler nicht abschrecken sollten. Trump war diese Methode zu subtil, er war offen rassistisch. Und das wurde vom Großteil der Partei eher begrüßt als kritisiert. Ted Cruz zum Beispiel beteiligt sich im Moment an der Propaganda gegen die critical race theory, die im Moment en vogue ist. Da sind mir seine Äußerungen rassistisch genug.
    Wie viel haben Republikaner wie John Kasich denn in der Partei noch zu melden?
    Man findet aber zB bei Fox News immer wieder dunkelhäutige Menschen, die (für Geld) rassistische Positionen einnehmen. Wenn ein Schwarzer es auch sagt, kann das ja kein Rassismus sein. Dieses Argument zieht bei mir nicht mehr. Das halte ich nur für einen Trick.
     
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Du hast völlig recht. Mich störte nur die Zweiteilung der Partei in einen offen und einen versteckt rassistischen Teil. Das mag zwar der Weg sein, auf dem die Partei sich befindet, wird aber vielen ihrer alten Mitglieder einfach nicht gerecht.
     
  6. Traklson

    Traklson Aktives Mitglied

    Ich habe oben relativieren geschrieben, meinte aber differenzieren. Dein Einwand ist sicher richtig und hat seine Berechtigung.
     
  7. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Um zur Eingangsfrage zurückzukehren:
    Ein Punkt ist, dass jeder Bundesstaat, unabhängig von seiner Einwohnerzahl, zwei Senatoren stellt. Durch jeden neuen Bundesstaat können sich also die Machtverhältnisse im Senat verschieben. Die Gründung vieler kleinerer Bundesstaaten würde bewirken, dass sie bzw. ihre Senatoren weit überproportional viel Macht gegenüber den bevölkerungsreichen Bundesstaaten gewinnen. (Gerade ein Großteil der Außengebiete ist von der Bevölkerungsgröße her winzig.) Das mutmaßliche Wahlverhalten der Einwohner eines potentiellen neuen Bundesstaates spielt somit natürlich auch eine Rolle.
    Das ist einer der Gründe, wieso die Aufnahme neuer Bundesstaaten (oder auch die Teilung bestehender) ein politisch heikles Unterfangen ist.
     
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  8. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Ich möchte mich dem, was bereits gesagt wurde im Wesentlichen anschließen.

    Machte man Puerto Rico, die Jungferninseln, Guam und was die Amerikaner im Pazifik heute sonst noch so haben, zu eigenen US-Bundesstaaten, würden das 4-X Senatssitze mehr bedeuten, die am innenpolitischen Gleichgewicht ganz massiv rütteln könnten.
    Das davon vor allem die Demokraten profitieren würden, stünde da auch zu erwarten, so dass es vor allem im republikanischen Interesse sein dürfte, dieses zu verhindern.

    Eine salomonische Lösung könnte theoretisch darin bestehen, diese Terrirotien bereits bestehenden Bundesstaaten zuzuschlagen. Die nächstgelegenen wären dann Hawaii und Florida.

    Das Problem mit Florida ist, dass dieser Staat ja schon jetzt ziemlich entscheidend für die Präsidentschaftswahlen ist und dass er bei jeder Wahl auf der Kippe steht.
    Käme hier Puerto Rico mit seinen knapp 4 Millionen Einwohnern hinzu, dann müssten die an Florida gebundenen Wahlmännerstimmen weiter erhöht werden und außerdem würde der Staat dann, gerade bei der Ausrichtung der Republikaner in jüngerer Zeit, dann mit einer sehr deutlichen Tendenz bei den Präsidentschaftswahlen an die Demokraten gehen.

    Florida hat derzeit etwa 21.500.000 Einwohner und kam bei der letzten Wahl auf 29 Wahlmännerstimmen. Machen wir eine Milchmädchenrechnung auf, dann kämen mit Puerto Rico und den Jungferninseln etwa 4 Millionen Menschen dazu. Wenn man grob über den Daumen davon ausgeht, (die Zahlen für Florida zu Grunde gelegt), bedeutete das, dass der Staat vermutlich um 5-6 weitere Wahlmämmer aufgewertet würde, bel gleichzeitigem Anstieg der wahlberechttigten Bevölkerung um etwa 20% die dann mit Ansage eine Tendenz hätte Demokraten zu wählen.

    Das würde bedeuten dass noch mehr Wahlmännerstimmen für eine Präsidentsschaft notwendig sind und würde auf diesem Weg gleichzeitig zur Entwertung der kleineren, tendenziell eher die Republkaner wählenden Bundesstaaten führen.

    Im Hinblick auf Hawaii und einen Anschluss der kleineren Pazifikinseln würde sich die Frage stellen, in wiefern es Sinn machen würde, wenn das Gebiet dieses Bundesstaates sich dann auf Inseln erstrecken würde, die mitunter ein paar 1.000 Km auseinander liegen.

    Administrativ, die Verschiebung der politischen Gewichte bei Senatoren und Wahlmännerstimmen mal außenvor gelassen, würde sich andererseits die Frage nach der Verhältnismäßigkeit eines eigenen Bundesstaates bei diesen Territorien, meiner Meinung nach schon stellen:

    Außengebiet_der_Vereinigten_Staaten

    Da reden wir dann immerhin von Territorien mit einer Gesamteinwohnerzahl von weniger als 300.000 Einwohnern und das noch ziemlich chaotisch verteilt.
    Wir haben ja in der Bundesrepublik immer wieder Diskussionen darüber, ob bei den Bundesländern unsere Stadtstaaten eigentlich Sinn ergeben.
    Von diesem Standpunkt her kann ich verstehen, dass man mit solcher Kleinstaaterei in den USA nicht anfangen will, was den Kram im Pazifik angeht, dieser hätte Einwohnermäßig nichtmal die Größe von Bremen. Braucht man dafür einen eigenen Bundesstaat?
    Weiß ich nicht. Wenn man, auch wegen der Schwierigkeit das Gebiet auf Grund seiner Ausdehnung als ganzes zu regieren, hier auf den Bundesstaat verzichtet und daraus ein spezielles Bundesterritorium machte, das direkt von Washington mitregiert wird, hielte ich das schon für nicht ganz unsinnig.

    Die eine zusätzliche Wahlmännerstimme, die man da im Pazifik vielleicht zusammen bekäme, wäre hinsichtlich der innenpolitischen Gewichtsverteilung wahrscheinlich auch kein wirkliches Hindernis. Anders sieht es aber mit Puerto Rico und den anderen Territorien in der Karibik aus, deren, 4 Millionen Einwohner, kämen sie zu Florida oder andarweitig zu den USA durchaus Gewicht hätten.

    Das Problem mit den Senatssitzen an und für sich, wäre wahrscheinlich lösbar, wenn man das etwas kreativ anginge und sich anderswo in den Staaten für eine zeitgleiche Reform erklärte, bei der entweder 2 kleine Bundesstaaten die ohnehin eindeutig Demokraten wählen, zusammenlegte und dadurch 2 Senatssitze aufheben würde, die man dann Puerto Rico und den anderen karibischen Terrirorien zuschlagen könnte, oder in dem man einen traditionell republikanisch wählenden Bundesstaat teilte und auf diese Weise dann nicht 2 neue Senatssitze schaffen würde, sondern glleich 4, wobei 2 an einen Staat gingen, der tendenziel demokratisch und einen der tendenziell republikanisch dominiert ist, gehen würden.

    Das würde administrativ möglicherweise sogar Sinn machen. Man könnte von diesem Standpunkt her sicherlich etwa Rhode Island und Conneticut zusammenlegen.
    Oder alternativ könnte man Texas so teilen, dass es republikanischen Interessen nicht schadet, oder Kalifornien so, dass dabei ein kleinerer, eher republikanisch dominierter Staat heraus käme, nebem den verbleibenden Kalifornien, das ja ohnehin demokratisch wählt.

    Auf die Weise könnte man mit der Kleinstaaterei im Nordosten ein wenig aufräumen, (wäre da nicht die erste Änderung von Staatsgrenzen, man denke an Maine und West Virginia) oder alternativ die richtig großen Brocken mal etwas verkleinern ohne das innenpolitische Gleichgewicht zu sehr zu tangieren.

    Der Knackpunkt wären, so wie ich das sehe, nicht die Senatssitze, das ließe sich machen, sondern die Wahlmännerstimmen, denn die gehen ja durchaus nach dem Proporz der Bevölkerung und da kann man nicht einfach mit ein paar administrativen Neugliederungen den Status Quo erhalten.

    Und da bin ich bei @Traklson das machen die Republikaner und republikanisch dominierten Staaten nicht mit. Selbst wenn es keine Änderung im Verhältnis bei den Senatssitzen gäbe, muss man sich einfach mal die Zielgruppen der Parteien anschauen, die demographische Entwicklung und die Wahlergebnisse bei den letzten Wahlen.

    Die Republikaner konnten seit der Jahrtausendwende 3 Präsidentschaftswahlen gewinnen. Aber schauen wir uns mal an, wie:

    Bush Jr. gewann 2000 die Wahl gegen Al Gore, aber mit 500.000 Stimmen weniger in der Popular Vote und erst nach großem Hin und Her wegen des Wahlergebnisses in Florida.
    Die Wahl 2004 gewann Bush einigermaßen überzeugend.
    Die beiden darauf folgenden Wahlen haben die Republikaner beide klar verloren.
    Herr Trump konnte auf Grund des antiquierten Wahlsystems zwar seine erste Wahl gewinnen, unterlag in der popular vote aber mit mehreren Millionen Stimmen.
    Die Wahl im vergangenen November ist auch eigentlich viel klarer ausgefallen, als das auf Grund des Verlaufs den Anschein machte.
    Wirklich spannend wurde die eigentlich nur durch den Delay durch die Briefwahlstimmen, die sehr stark die Demokraten begünstigenten. Ohne einen derartig hohen Briefwahl-Anteil und gleichzeitiger Auswertung des Löwenanteils der Stimmen hätte es keine 2-3 Tage so ausgesehen, als wenn Trump die Wahl tatsächlich noch gewinnen könnte.

    Die Realität ist, in den 6 Wahlen seit der Jahrtausendwende konnten die Republikaner nur ein einziges mal in der popular vote gegen die Demokraten gewinnen, das war die 2. Wahl von Bush II.

    Daraus, auch daraus, dass sie die demographischen Gewichte verschieben und die Bevölkerungsanteile der Hispanics und der Afro-Amerikaner weiter wachsen, die ja ohnehin eher den Demokraten zuneigen und nach der Radikalisierung der Republikaner allerspätestens unter Trump, lässt sich ohne weiteres herleiten, dass die Republikaner mittlerweile eine eindeutige Minderheitenpartei sind, die gegen die Demokraten nur gewinnen können, wenn ihnen die Eigenheiten des Wahlsystems und die entsprechende Gewichtung behilflich ist und wenn sie möglichst verhindern können, dass das Klientel der Demokraten an die Wahlurnen geht, sonst kann ganz schnell das passieren, was im November in Georgia und Arizona passiert ist.

    Insofern wird sich in der Sache so schnell nichts tun, weil Puerto Rico für republikanische Präsidentschaftschancen der knock-out wäre. Nicht unbedingt wegen der Senatssitze, das könnte man in den Griff bekommen, aber die Wahlmännerstimmen werden eine zu große Hürde sein.
    Im Pazific, wie gesagt, kann man sich bei der größe durchaus die Frage stellen, ob ein eigener Bundesstaat oder eine Angliederung an Hawaii Sinn machen würden.
     
  9. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Es gab ja die Idee Kalifornien aufzuteilen wegen seiner gewaltigen Bevölkerung, dass wäre für die Republikaner ein Supergau.
     
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  10. Griffel

    Griffel Mitglied

    Soweit schon mal danke! Ich habe mir die Frage gestellt weil, ich es eigentlich für ziemlich peinlich halte, dass ein entwickelter Staat bis heute sein Territorium nicht vollständig geordnet hat. Dass die Bewohner dieser Gebiete, bis heute nicht die gleichen Rechte haben, wie die Einwohner der Festlandstaaten, ist ein Armutszeugnis in jeder Hinsicht.
    Wenn, ich euch richtig verstanden habe, dann läuft alles darauf hinaus, dass die beiden Parteien in Washington, alles andere ihren Interessen unterordnen.

    Kein Wunder, dass immer mehr Menschen sich von ihrem politischen System abwenden. Dringende Reformen im Land, werden seit Jahrzehnten verschleppt weil, man sich um sein Scherflein sorgt. Traurig aber wahr.
     
  11. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Das kommt drauf an, wie man teilen würde.
    Das letzte Wahlergebnis in den Bezirken in Kalifornien sah so aus:

    Ergebnisse der US-Wahl 2020 in California | Amerikas Wahl

    Da gibt es im Norden ja durchaus ein paar rote bezirke. Wenn man die und die beiden blauen Enklaven und vielleicht die beiden nördlichen Bezirke an der Küste zusammenfasst und vom übrigen Kalifornien abtrennte, wäre das für die Republikaner ein Gewinn, weil da hätten sie Chancen einen solchen Staat tatsächlich zu gewinnen, während ihre Anhängerschaft komplett untergeht, wenn das bei Kalifornien bleibt.

    Wenn an an anderer Stelle teilt oder mehr abteilt, so dass der Zuschnitt anders ist, hast du natürlich recht, dann wäre es für die Republikaner eine Katastrophe, weil dann einfach noch 2 Senatssitze dazu kämen, die die Demokraten gepachtet hätten.
    Würde man aber nur die Roten und ein paar Bezirke im Norden und Nordosten abtrennen, wäre es für die Republikaner ein gewinn, denn dann wären dass ihre Senatssitze und ihre Wahlmänner, oder sie hätten jedenfalls Chancen auf beides, während sie die mindestens hinsichtlich der Wahlmänner nicht haben, so lange Kalifornien eine Einheit bleibt.
     
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  12. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Erstens sind die USA kein Einzelfall. Es gibt auch noch andere Staaten mit Überseeterritorien, die oft nicht voll ins "Mutterland" integriert sind (im Gegenzug aber oft weitreichende innere Autonomie genießen).
    Zweitens: Ist denn überhaupt gesagt, dass die Einwohner der US-Außengebiete wirklich wollen, dass ihre Territorien in Bundesstaaten umgewandelt (oder gar bestehenden Bundesstaaten angeschlossen) werden? Nehmen wir Puerto Rico: Dort gab es schon mehrmals Referenden über die Umwandlung in einen Bundesstaat, die Beibehaltung des Status quo oder die Unabhängigkeit. 1967 und 1993 gab es noch Mehrheiten für den Status quo. Erst in jüngerer Vergangenheit hat sich das geändert. Die meisten US-Außengebiete genießen eine mehr oder weniger weitreichende Selbstverwaltung. Ob ihre Einwohner sie wirklich aufgeben wollen, um mit anderen Außengebieten, mit denen sie eigentlich nichts zu tun haben, zu einem Bundesstaat zusammengelegt oder im schlimmsten Fall einem Bundesstaat, in dessen Rahmen sie völlig minorisiert wären, angeschlossen zu werden?

    Es ist nicht unbedingt so, dass diejenigen, die für "Reformen" eintreten, das völlig uneigennützig machen. Welche Reformen überhaupt notwendig sind, ist ohnehin Ansichtssache.

    So eindeutig ist das nicht in allen Territorien. Auf den Nördlichen Marianen und in Guam sind die Parteipräferenzen durchaus wechselhaft, in ersteren mit Tendenz eher zu den Republikanern.
     
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  13. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Nur fielen mindestens bei den Präsidentschaftswahlen die pazifischen Territorien doch gar nicht ins Gewicht im Vergleich mit Puerto Rico, das eine 10 x so große Bevölkerung hat.

    Demgegenüber bliebe die Frage, wie sinnvoll ein eigener Bundesstaat im Pazifik wäre, bei der Raumaufteilung und weniger als 300.000 Einwohnern insgesamt.

    Wenn man aber die pazifischen Territorien als Bundesstaat organisieren wollte, würde man wahrscheinlich auch rechtfertigen müssen, warum man das bei diesen Gebieten tut, bei Puerto Rico aber nicht.
    Und sobald wir von Puerto Rico reden, gleich ob als eigener Bundesstaaat oder potentieller Teil von Florida, rührt das ganz empfindlich an den innenpolitischen Gewichten.

    Die einzige andere Möglichkeit, Puerto Rico irgendwie unterzubringen ohne das zu verschieben, wäre es einem Bundesstaat anzugliedern, der fest in republikanischer Hand ist. Aber was käme da in Frage?

    Florida und Georgia stehen bei den meisten Wahlen so sehr auf der Kippe, dass ein solcher Zusammenschlus einen ganz gewaltigen Impact haben könnte.
    Bei Alabama, Missisippi, Louisiana und South Carolina, käme ein Zusammenschluss mit Puerto Rico einer Verdopplung der Bevölkerung gleich mit entsprechenden Konsequenzen für die innenpolitischen Gewichte.
    North Carolina und Virginia stehen ähnlich auf der Kippe wie Florida und Georgia und sind außerdem bereits extrem weit von Puerto Rico weg.

    Der einzige deutlich republikanische Staat, dem man Puerto Rico mutmaßlich anhängen könnte, ohne die traditionellen politischen Gewichte vollständig außer Kraft zu setzen, dürfte Texas sein und ob das administrativ Sinn machte, das dürfte sehr fraglich sein.
     
  14. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Die Beteiligung an den letzten Präsidentschaftswahlen zeigen eigentlich keine Abwendung vom politischen System, sondern ganz das Gegenteil.
     
  15. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Würden die Marianen allein oder gemeinsam mit Guam in einen Bundesstaat umgewandelt, hätte die Republikaner aber vermutlich ganz gute Chancen, die Senatssitze abzustauben.

    Ehe man sich weiter in solche Gedankenspiele vertieft, ist die Frage doch eher, ob die Einwohner Puerto Ricos überhaupt Interesse hätten, an einen anderen Bundesstaat (in dem sie kaum Einfluss hätten) angeschlossen zu werden oder ob sie dann nicht doch lieber ein assoziierter Staat bleiben würden.
     
  16. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Dazu hat es im vergangenen Jahr ein Referendum gegeben, dass Ergebnis fiel wenigstens einigermaßen deutlich dafür aus:

    2020 Puerto Rican status referendum - Wikipedia

    Ich würde meinen, dass das aussagekräftig genug ist um das ob und das wie durchaus weiter zu diskutieren.


    Bekämen die Republikaner aber nicht einseitig durch den Congress, zumal nachdem die Bevölkerung Puerto Ricos sich belastbar dafür ausgesprochen hat vollwertiger Teil der Vereinigten Staaten zu werden.

    Einseitig die pazifischen Gebiete aufzunehmen, wenn nicht auf der anderen Seite Puerto Rico noch aufgenommen wird, machen die Demokraten nicht mit. Und nach der Sitzverteilung im Repräsentantenhaus geht in Sachen in denen der gesamte Congress mitzureden hat, gegen die noch weniger als gegen die Republikaner.

    Einer Aufnahme beider Territorien werden die Republikaner nicht zustimmen. Da würden die Senatssitze sich wahrscheinlich die Wage halten, aber die Konsequenzen für das Electoral College und wem das zugute käme ist ja bereits angesprochen worden.
     
  17. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Ich verstehe die Ausgangsfragestellung nicht so richtig. Die Anzahl der US-Staaten und der Territories sind das Ergebnis von Jahrhunderten politischer Entwicklung, in denen teils Gebiete in Bundesstaaten umgewandelt wurden, teils aber auch beigetreten sind, dann wurden Gebiete gekauft, aber auch erobert. Im einzelnen kenne ich mich aber nicht gut in der Geschichte der USA aus, als dass ich bei jedem Bundesstaat oder Territory ohne Recherche sagen, wann und wie sie Teil der USA wurden.

    Wie Ravenik schon schrieb, ist es bei vielen Staaten so, dass sie mehr oder weniger weit vom Mutterland entfernte Gebiete haben, die mehr oder weniger zum Staatsgebiet gehören. Witzigerweise befindet sich übrigens die einzige Landgrenze zwischen Frankreich und den Niederlanden auf der Karibikinsel Saint-Martin bzw. Sint Maarten.
     
  18. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Der Unterschied besteht aber, jedenfalls was Frankreich betrifft, bei den Niederlanden weiß ich es nicht genau, dass im Falle Frankreichs die Überseeterritorien allesamt in Departements organisiert sind und in den Parlamenten vollwertig vertreten, inklusive entsprechender Partizipationsrechte ihrer Bevölkerung, während dass bei den Überseegebieten der USA nach wie vor eine Art halbkolonialer Status ohne Partizipationsrechte in nationalen Angelegenheiten ist.
     
  19. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Da war die Fragestellung aber, ob Puerto Rico ein eigenständiger Bundesstaat werden soll, nicht ob es an einen anderen Bundesstaat angeschlossen werden soll.

    Bei Frankreich gibt es verschiedene Formen, wie die Überseeterritorien organisiert sind. Bei einigen (wie Französisch-Guyana) handelt es sich tatsächlich um Überseedepartments. Bei anderen wie Französisch-Polynesien und Neukaledonien nicht. Vertreter im französischen Parlament haben aber tatsächlich alle.
    Ähnlich bei den niederländischen Gebieten in der Karibik. Teils handelt es sich um niederländische Gemeinden, teils nicht, sind aber weitgehend autonom.
    Die britischen Überseegebiete wiederum sind überhaupt nicht ins Mutterland integriert, haben aber weitreichende innere Autonomie.
     
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  20. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Die Idee, dass zwischen den Bundesstaaten ein Gleichgewicht geben müsse, ist sehr alt. Anfang des 19. Jahrhundert war US-Politiker darum bemüht eine Stimmengleichheit zwischen Sklavenhalterstaaten und abolitionistischen Staaten zu erhalten. Die Machtkämpfe um Aufteilung der Territorien Kansas und Missouri gehören zur Vorgeschichte des amerikanischen Bürgerkrieges

    Der jüngste Bundesstaat der USA ist Hawai.
    Das Territorium Hawai unterschied sich von allen bisherigen Bundesstaaten nicht durch seine Lage ganz weit draußen im Pazifik, sondern auch dadurch, dass es dort keine "weiße" Bevölkerungsmehrheit gab. Die Mehrheit bildeten hawaianische Ureinwohner und Migranten aus Asien und deren Nachfahren, inbesondere Japaner und Chinesen. Japan zählte im 2. Weltkrieg zu den Feinden der USA und China galt als aktuelle Bedrohung im Kalten Krieg. Auf dem amerikanischen Festland zeichnete sich der Konflikt zwischen der Bürgerrechtsbewegung und ihren rassistischen Gegnern ab und ein "mixe race state" mitten im Pazifik hatte Auswirkungen auf die gesamte USA.

    1959 wurde zuerst Alaska zum 49. Bundesstaat, obwohl es viel dünner besiedelt und weniger entwickelt war als Hawai war - aber immerhin war die Bevölkerungsmehrheit Alaskas "weiß". Ein paar Wochen später wurde beschlossen, dass Hawai ein Bundesstaat werden darf.

    Hawais Weg zum Bundesstaat gilt als durchaus vergleichbar mit der Siuation Puerto Ricos.
    https://www.smithsonianmag.com/history/what-puerto-rico-learn-hawaii-180963690/
     
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