1939 - Der Krieg der viele Väter hatte

Dieses Thema im Forum "Die Zeit zwischen den Weltkriegen" wurde erstellt von Naphae, 13. August 2008.



  1. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied

    Es lohnt sich nicht wirklich, darüber zu reden / schreiben. Geschichtsrevisionismus pur. Man muss sich nur die "Freunde" dieses Mannes und seine Aussagen zum Bundesverfassungsgericht u.a. Personen und Instanzen unserer Demokratie anschauen, um zu wissen, wes Geistes Kind er ist ... oder auch, wie er zu bestimmten anderen Publikationen steht.
     
    silesia gefällt das.
  2. Legat

    Legat Aktives Mitglied

    Ohne direkte Gegenbeweise finden Leute wie er aber immer mehr Anhänger.
     
  3. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Das würde unterstellen, dass er Beweise für seine Sichtweise vorgelegt hätte. Hat er aber nicht. Und das Zitieren eines dtv-Atlas als Quelle ist auch nicht gerade wirklich überzeugend.

    Sämtlich relevante Literatur, wie unter Link aufgeführt, hat er tunlichst vermieden. Ist auch gut so, da "Revisionisten" sowiso nicht korrekt zitieren können.

    http://www.geschichtsforum.de/blogs/thanepower/268-die-entfesselung-des-zweiten-weltkriegs-1939.html


    Dieses Buch, "1939. Der Krieg der viele Väter hatte." von Schultze-Rhonhof und in der Darstellung die Periode von ca. 1914 bis 1939 bearbeitet, ist vor allem eines, eine politische Kampfschrift und keine auch nur halbwegs angemessene historische Analyse dieser Periode!

    Der Inhalt bedient im Wesentlichen eine nationalkonservative Sichtweise auf die Entstehung der beiden Weltkriege, denn Schultze-Rhonhof liefert, eher en passant, im Rahmen der "Vorgeschichte" zum Zweiten Weltkrieg auch noch einen Interpretationsansatz für den Ersten Weltkrieg mit.

    Formal ist zu diesem Buch zu sagen, dass Schulze-Rhonhof auf 595 Seiten, unterteilt in 6 Teile sich seinem Thema nähert. Die Anzahl der Seiten nähert die Vermutung, dass es sich um eine kompetente Darstellung der komplexen Thematik handeln würde. Ein Blick auf das Quellenverzeichnis dämpft diese Vermutung deutlich! Und man kommt zu dem niederschmetternden Befund, dass die umfangreiche wissenschaftliche Diskussion über die europäischen Beziehungen zwischen den Weltkriegen an Schultze-Rhonhof komplett vorbeigegangen ist!

    Liest man die einzelne "Teile", sprich die Kapitel des Buchs, durch, dann wird im Rahmen der Argumentation von Schultze-Rhonhof diese Vermutung sehr drastisch bestätigt. Seine mangelhafte historische Kenntnis wird dann aber auch zur Stärke für seine Argumentation. Er blendet alle Argumente aus, die nicht in seine politisch inspirierte Darstellung passen. Und so entsteht ein in sich schlüssiges, sehr konstruiertes Universum der damaligen Zeit, allerdings behaftet mit dem Schönheitsfehler, dass es sich im wahrsten Sinne um eine fiktive Rekonstruktion handelt, die mit der damaligen Realität wenig zu tun hat.

    Diese Vorgehensweise durch Schultze-Rhonhof rechtfertigt es, dem Buch jeglichen Anspruch einer angemessenen historischen Darstellung abzusprechen und es lediglich als eine politische Kampfschrift zu interpretieren.

    Die Thesen des Buchs provozieren zum Widerspruch und fördern den Wunsch, eine ausführliche Gegendarstellung zu schreiben, allerdings liegen diese bereits vor.

    Einen schnellen Überblick über die Gesamtthematik verschafft beispielsweise das 1. Kapitel: London 1940, S. 25 von Kershaw in:
    - Kershaw: Wendepunkte oder
    - die Einleitung bei Overy, Die letzten zehn Tage, S. 9ff

    Und ausführlicher beispielsweise bei:
    - Hofer: Entfesselung
    - Niedhart (Hg.),Kriegsbeginn 1939
    - Hildebrand u.a. (Hg.), 1939. An der Schwelle zum Weltkrieg

    Das Buch von Schultze-Rhonhoff provoziert aber auch durch sehr globale Aussagen, die durchaus schnell am Stammtisch formuliert werden können (und diesen Kreis auch als Zielgruppe bedienen möchte), die jedoch einer gewissen Fundierung durch entsprechende Quellen bedürfen, sofern es um eine kritische Bewertung seiner Thesen geht.

    Die Argumentationsweise von Schultze-Rhonhof orientiert sich im Wesentlichen an der Sichtweise von A.J.P.Taylor (The Origins oft he Second World War und "Erneute Betrachtungen", S. 29 ff in: Kriegsbegin 1939, Niedhart Hg.) wie sie bereits durch Bullock, (Hitler und die Ursprünge des Zweiten Weltkriegs, S. 337, in: Grundfragen der Deutschen Außenpolitik seit 1871, Ziebura Hg.) systematisch eingeordnet worden ist.

    In Anlehnung an Taylor führt Schultze-Rhonhof dem geneigten Leser einen Hitler vor, der in der Konstanz und der Normalität deutscher Politik steht und lediglich durch die Perfidie der anderen Mächte, allen voran durch Großbritannien (dem Lieblingshassobjekt aller revisionistischen Autoren), zum Äußersten getrieben wurde. Und stellt via Teil 1 eine direkte Beziehung her zu Kaiser Wilhelm II. und dem angeblichen "Hineinschlittern" in den Ersten Weltkrieg.

    Vor diesem Hintergrund wird Hitler zum deutschen "Robin Hood" verklärt, der das durch den Versailler Vertrag geknechtete und entrechtete Deutsche Reich lediglich wieder zur erneuten Blüte führen möchte, die es ihm, laut Hitler, eigentlich gebührt. Hitler wird primär als Staatsmann, als Politiker und als genialer Feldherr von Schultze-Rhonhoff portraitiert.

    Schultze-Rhonhoff ist immerhin so scharfsinnig durchaus Fehler in der Hitlerschen Politik zu erkennen, wie beispielsweise bei der endgültigen Vernichtung der Rest-Tschechei. Sofern er jedoch Fehler erkannt hat, macht er sich viel Mühe zu erklären, dass Hitler eigentlich gar nicht anders hat handeln können und somit werden immerhin auch diese kleinen "Schönheitsfehler relativiert.

    Dass das Lebensraummotiv, eine sozialdarwinistische Sichtweise und ein militanter auf Vernichtung abzielender Antisemitismus bei Hitler als treibende Motive seiner Politik vorhanden sind und die programmatische Voraussetzung für die Entfesselung des Zweiten Weltkriegs bildet, erkennt Schultze-Rhonhoff nicht. Ebenso erkennt er nicht die zentrale Bedeutung des "Vierjahresplans" im Rahmen der Aufrüstung und die strategische Bedeutung der Großraumwirtschaft und der damit verbundenen Autarkiebestrebungen Hitlers.Verwendet jedoch einigen Aufwand, die Liebmann- bzw. die Hoßbach-Niederschrift als wertlose Dokumente zu enttarnen und so glaubwürdige Zeitzeugen wie Reader anzuführen.

    Für ein angemessenes Verständnis hätte er beispielsweise zusätzlich Meinck (Hitler und die Deutsche Aufrüstung; Milward: Die deutsche Kriegswirtschaft; Carrol: Design for Total War; Petzina: Autarkiepolitik im Dritten Reich und Volkmann: Ökonomie und Expansion) als Monografien heranziehen müssen, natürlich neben vielen anderen Quellen, um nur ansatzweise das Hitlersche Eroberungs- und Vernichtungsprogramm im Osten, sprich primär in der Sowjetunion, zu verstehen.

    Folgt man dem Titel des Buchs, dann ist das Kernanliegen von Schultze-Rhonhof, die multiple Vaterschaft am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zu beschreiben bzw. zu analysieren. Im 6. Teil, der "Schlussbetrachtung" versucht er die eigentlich nie vorhandenen losen Enden seiner Argumentation zusammen zu binden und den finalen "Vaterschaftstest" durchzuführen. Er scheitert, weil seine gravierende Unkenntnis der jeweiligen Innen- und Außenpolitik der untersuchten Mächte, lediglich allgemeine Plattitüden zulässt, um die multiple Vaterschaft auch nur ansatzweise zu begründen.

    Er entwickelt zu keinem Zeitpunkt ein angemessenes Verständnis für die Politik Großbritanniens, Frankreichs, der USA , der UdSSR oder von Polen. Wie der Versuch aussehen könnte, den Rüstungswettlauf in den dreißiger Jahren angemessen darzustellen, zeigt die neueste Studie von Maiolo: Cry Havoc.

    Im Gegensatz dazu hat Schultze-Rhonhof es noch nicht einmal geschafft, die Vaterschaft Hitlers schlüssig darzulegen! Mir persönlich wäre es peinlich gewesen, ein derartiges Buch zu schreiben!
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Juli 2013
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  4. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    zu 1: wie das?
    thanepower hat doch nachgewiesen, dass von "fehlenden Gegenbeweisen" nun wirklich nicht die Rede sein kann. Dazu gibt es reichlich quellengestützte Literatur, die ihn widerlegt.

    Um das zu testen, müsstest Du eine der mutmaßlich unwiderlegten Thesen vorstellen.

    zu 2: die stören sich - sattsame Diskussionserfahrung - auch nicht an Gegenbeweisen zu solchen politischen Kampfschriften. Ob es immer mehr werden, weiß ich nicht. Ist das irgendwo nachvollziehbar?
     
  5. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Stimmt! Die ideologischen Vorreiter der Neuen Rechten und auch der alten sind völlig immun gegenüber jeglichen Formen von Diskussionen bzw. auch den entsprechenden Ergebnisse der internationalen Forschung. :motz:Für die steuern die "Illuminaten" (die USA; CIA, Churchill, Stalin, KGB, die Queen etc.) sämtliche seriöse Geschichtsschreibung inklusive dem umfangreichen Umschreiben von Quellen.

    Dieses Projekt ist noch geheimer wie Prism und besonders bemerkenswert ist, dieses Projekt bzw. diese umfangreiche Verschwörung kennen nur die "eingeweihten Rechten". :rofl:

    Nachvollziehbar: Bestenfalls ansatzweise. Erschrocken hat mich, dass seine neueste Auflage (alleine das ist bereits erschreckend) dann im Bereich "Weimarer Republik" auf dem Platz 1 der Verkaufscharts liegt. Da muss man sich nicht über das merkwürdige Geschichtsbild von manchen Leuten wundern. :grübel:
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Juli 2013
  6. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    Wir können hier kein Oberseminar zur Geschichte des I. WK, der Zwischenkriegszeit und der Geschichte des II. WK abhalten, aber darum geht es auch nicht, ganz einfach, weil der moderne Forschungsstand einfach nur und jetzt kommt der Punkt: Nicht zur Kenntnis genommen wird, von kritischer Auseinandersetzung ganz zu schweigen.

    Denen könnte man Akten aus den Archiven vorzeigen, inklusive naturwissenschaftlicher Nachweise über das Alter des Papiers, der Farbe der Schreibmaschinendurchschlagsfarbe, der behördeninternen Ablageordnung, Kontrasignaturnachweise etc., vergiß es!

    Im schlimmstenfall hätten Adepten den MI6, der CIA oder wen auch immer beauftragt, ganze lfd. Regalmeter in den Archiven perfide zu fälschen inkl. aller Querverweise in den Referenzbeständen. :rofl:

    Das der Mann es in die Chartliste geschafft hat, ist eher ein Punkt zur Resignation. :weinen:

    M.
     
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  7. swie

    swie Aktives Mitglied

    Diese Menschen haben ein festes Weltbild und unterfüttern dieses dann mit konfusen "Beweisen". Richtig ist: Aus "Wissen" ergibt sich eine Meinung, nicht umgekehrt. Und was denen nicht ins Weltbild passt, wird ignoriert oder als Lüge dargestellt.
     

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