Benno Ohnesorg vom Stasi-Spion erschossen

Dieses Thema im Forum "BRD | DDR" wurde erstellt von Arne, 21. Mai 2009.

  1. R.A.

    R.A. Neues Mitglied


    Krass.
    Ist bekannt, was vor dem Todesschuß genauer passierte?
    Ist es möglich, daß Kurras die Personalien kontrollierte, den Studenten für den "Verräter" hielt und deswegen schoß?
     
  2. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Manchmal ist wirklich schwer zu verstehen, was Du ironisch meinst und was ernst.

    Insbesondere wenn Du dann schreibst:
    Gibt ja bisher keine Hinweise für "hinzu gedichtet".
     
  3. R.A.

    R.A. Neues Mitglied


    Es waren wohl eher die Ermittlungen (Vertuschungen), die skandalös waren.
    Der Freispruch war dann die rechtstaatlich zwingende Folge, weil keine Beweise gefunden (gesucht) wurden.

    Deiner Charakterbeschreibung würde ich zustimmen - der Rest ist aber pure Vermutung.

    Äh wie?
    Die übliche Schlußfolgerung wäre, daß er Kommunist war, weil er in der SED war.
     
  4. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Ich verstehe mich manchmal selber nicht.
    Nimm es als gegeben hin.

    Ich meine, was ist denn so besonderes an Kurras? (Nur weil heute jemand rausgefunden hat, er war bei der Stasi?)
    Über den Agenten, Guiliome, oder wie der hiess, bei Willy Brand wusste man Bescheid. Wer hat denn nun mehr Schaden angerichtet?
    Und, wie gesagt, umgekehrt war es auch nicht anders.
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Juni 2009
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Es geht hier um das Selbstbild der 68er und um jede Menge Politik.
    Für die 68er hatte "der faschistische Schweinestaat" bzw. sein Handlanger Kurras einen friedlichen Studenten erschossen. Das ist eine Wahrheit, die 42 Jahre Bestand hatte, auf die sich Terrorgruppierungen beriefen. Plötzlich, im Mai 2009, ist diese Wahrheit anscheinend nicht mehr das Papier eines Flugzettels wert, weil der Schütze ein "Kommunist" war. Das erfordert von den ehemaligen 68ern zumindest eine Revision der Ereignisse und führt natürlich zu einem genüßlichen Händereiben ihrer Gegner (allen voran der Axel-Springer-Verlag) die damit nun ihrerseits versuchen zu beweisen, dass an '68 alles ein Irrtum war. Dabei wird natürlich die eigene Rolle heruntergespielt. Insofern mag der Kurras vielleicht so oder so ein kleines Licht gebleiben sein, der von ihm angerichtete Schaden mag, gegenüber dem durch Guillaumne angerichteten - global gesehen - sich in Grenzen halten (persönlich gesehen, wo es um ein Menschenlebengeht, sieht das wieder anders aus), aber für die Bewertung der Ereignisse von 1967 bis 1977 in Westdeutschland ist das möglicherweise schon von Bedeutung. Ich persönlich bin allerdings der Meinung, dass SED-Mitgliedschaft und Stasi-Mitarbeit des Polizisten Kurras wenig an der Bewertung der geschichtlichen Ereignisse ändern werden. Es wird ein kurzes Rauschen im Blätterwald bleiben.
     
  6. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Der Gedanke kam mir natürlich auch.
    Der Spiegel-Artikel gibt das aber nicht her.

    Es verspricht auf jeden Fall noch interessant zu werden.


    Flo: Es gibt überhaupt nur 2 Umstände unter denen Geheimdienstoperationen bekannt werden.
    1. Das Ding ging schief.
    2. Der Auftraggeber-Staat bricht zusammen.
    Also wunder Dich nicht, dass Du nichts, bis überhaupt nichts über BRD-Geheimoperationen liest und lesen wirst.
     
  7. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Zustimmung

    Interessant wäre, wenn sich zB mal mein Altersgenosse Chr. Klar dazu äußern würde. Oder einer der heute noch inhaftierten.


    Nee, das ging doch noch viel länger, der Knast in Weiterstadt ist doch erst in den 90ern hochgegangen.


    Das wage ich zu bezweifeln.
     
  8. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Ist ok ;-)

    Nun ja, das ist eine spaßige Frage für einen Geschichtsinteressierten.
    Die ganze Kurras-Ohnesorg-Geschichte ist zeitgeschichtlich zentral wichtig, da diskutieren wir hier im Forum zu 90% vergleichsweise nebensächliche Sachen.

    Guillaume oder Kurras - wäre mal eine interessante Frage.
    Viel geben sich die Beiden in ihrer Bedeutung nicht!

    Wenn Du damit die oft angedeutete Tätigkeit von West-Geheimdiensten meinst - da hätte ich gerne mal konkrete Beispiele.
    M. E. beschränkten die sich im wesentlich auf Informationsbeschaffung.
    Die zahlreichen Einsätze, mit der die StaSi die innenpolitische Entwicklung Westdeutschlands beeinflußt hat, hat wohl keine umgekehrte Entsprechung.
     
  9. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Ja.

    Das ist der auffälligste Effekt.

    Aber man wird wohl auch einen anderen Aspekt diskutieren müssen: Wie kann es eigentlich sein, daß so ein (zugegeben heftiger) Einzelpunkt so eine zentrale Bedeutung für das Weltbild der 68er hatte?

    Die sie zum Kampf motivierende Analyse vom "Schweinesystem" hätte ja eigentlich von so einem zufällligen Ereignis ziemlich unabhängig bleiben müssen.
    Wenn die BRD wirklich umfassend ein "Schweinesystem" war, dann braucht man sich über ein solches Detail gar nicht groß aufzuregen, wäre ja nur ein Mosaikstein gewesen.

    Der Fall Kurras war deswegen so zentral für die Protestbewegung, weil sie ansonsten eigentlich kaum belegen konnte, daß ihr "Widerstand" nötig und legitim gewesen wäre.

    Das glaube ich aus den genannten Gründen nicht. Es hängt so viel an diesem Ereignis, jede leichte Bewertungsverändung hat heftige politische Folgerungen.
     
  10. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Wie Guntbot schon sagte, die Guten haben den kalten Krieg gewonnen, was immer das auch heissen möge.
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Geschenkt. Aber da hatten die meisten 68er schon längst bürgerliche Existenzen.

    Was genau?
    a) die Bewertung der Ereignisse wird sich durch die nun bekannte SED-Mitgliedschaft und Stasi-Mitarbeit des Polizisten Kurras nicht oder nur wenig verändern,
    b) es wird ein kurzes Rauschen im Blätterwald bleiben oder
    c) beides.

    Nur zu a): Die SED-Mitgliedschaft und Stasi-Mitarbeit des Todesschützen Kurras ändert nichts an der Wahrnehmung der damaligen bundesdeutschen Gesellschaft und genauso wenig am Verhalten der Polizei ("Leberwursttaktik", Gerücht vom niedergestochenen Polizisten) am 2. Juni 1967.
     
  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Dieser Text von 1970 kann natürlich nur das Stimmungsbild post mortem Ohnesorg und Dutschke bieten:

     
  13. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Man möge mich zerreißen, aber in meinen Augen haben die 68iger das "Schweinesystem" nicht wirklich beseitigt. In späteren Zeiten habe sich viele von ihnen sogar hervorragend mit diesem System arrangiert. War wohl doch nicht so schweinemäßig(?).
    Sehr wichtig waren die 68iger allerdings dafür, dass der alte Muff raus kam. Da musste endlich mal die Unterwäsche gewechselt werden. Der olle Schlüpper stank doch schon recht erbärmlich.
     
  14. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    SDS, APO, Kommune I gab es alles vor dem 2. Juni 1967. Der Mord(?) an Ohnesorg war für viele letztlich die Bestätigung, dass der Staat ihnen ans Leder wollte, nicht erst der Anlass, dies zu glauben. Die Grundstimmung war vorher schon da.
     
  15. Repo

    Repo Neues Mitglied

    SDS gab es lange vor dem 2. Juni 1967, war ja ein SPD-Ableger.
    Die APO war die Reaktion auf die damalige "Große Koalition". Haben wir jetzt auch, und die Reaktion?

    Die Kommune 1.
    auch ein Thema.
    Bei Kommune 1 müsste ja sofort die Heidi Klum der 60er genannt werden. Und, vergleicht mal Uschi Obermaier mit Heidi Klum. Irgendwie ist mir die Uschi sympathischer, aber OK

    Mein Filius erklärt mir auch, sooft er mich am Kopf sieht, was die 68er alles für einen Scheiß gebaut haben.
    Dass aber damals eine unter 21jährige beim Arzt keine Pille verschrieben bekam, weiß keiner mehr. (Mit roten Ohren zum Automaten auf der Bahnhofstoilette geschlichen...:motz:)
     
  16. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Die war doch überhaupt der positivste Aspekt der ganzen Bewegung ;-)

    Dein Sohn hat recht - auch wenn ich die Formulierung "am Kopf sieht" nicht verstehe.

    Ja und - die veränderten Arzneimittelgesetze können sich die 68er wohl wirklich nicht auf die Fahnen schreiben.
     
  17. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Linke Bashing leicht gemacht

    Gab ja mal einen Bundeskanzler, der mehr Demokratie wagen wollte. Und dieser Zeitgeist wurde durch Viele verkörpert. Auch durch die Tätigkeit und auch durch die Erfolge der APO bei der Hinterfragung des Muffs unter den Talaren.

    Und es soll in der Folge ja auch gewisse "Neue Soziale Bewegungen" gegeben habe, die auch ohne die APO und ihre Theoretiker nicht denkbar gewesen wären.

    Die letzte Modernisierung des Parteiensystem ist ebenfalls eine Spätfolge der 68er.

    Auch das eine Reihe von neuen politischen Aspekten auf die politische Agenda und von dort in die Parteiprogramme der etablierten Parteien eingeflossen sind.

    Man mag das politisch alles ablehnen und eine Reihe von Teilnehmern des Forums machen auch keinen Hehl aus ihrer politischen Beurteilung.

    Aufgrund der oben sehr kursorisch angeführten Aspekte empfinde ich die etwas "plumpe" Verunglimpfung der "68" schon etwas merkwürdig und analytisch dem Gegenstand nicht angemessen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Juni 2009
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  18. Repo

    Repo Neues Mitglied


    optisch auf alle Fälle

    kein Problem, trachten, üben, lernen ... bist ja n0ch jung;)

    Du scheinst mehrere Dinge nicht zu verstehen, aber nicht verzagen, siehe oben:D


    Neeeee R.A. nix Arzneimittelgesetz,
    Moral und so, Kuppeleiparagraph ...
    Unverheiratete haben keine Hormone zu haben.

    Aber das ist nun verdammt weit OT


    TT:
    Zu den Geheimdiensten, Kinkel als ehemaliger Chef des Verfassungsschutzes ist 1990 zur Tochter des hingerichteten Volksmarineoffiziers (Baumann?) gefahren, da er sich zumindest moralisch in der Mitverantwortung sah.
    Ich denke Gehlen und seine Schlapphüte verstellen Euch da die Sicht etwas auf die Behörde Verfassungsschutz. Die Affäre John sagt keinem mehr etwas?
     
  19. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Ja und nein. Der Kurrasmord war einerseits nur ein Mosaikstein aber auch so etwas wie der ultimative Beweis, der Sündenfall. Und wahrscheinlich fällt es heute schwer das nachzuvollziehen.

    Das ist absolut richtig und danke für den Degenhard-Text, hatte ich auch vergessen.

    Die 68er-Bewegung war ja nicht nur politisch, im Gegenteil, was bei den etwas später Geborenen und den Nicht-Studenten ankam, war gar nicht unbedingt die politische Aussage, sondern eine breite Palette von Möglichkeiten, Freiheiten und Verbesserungen der sozialen Situation. Ob das unmittelbar ein Verdienst der 68er war oder nur mittelbar durch die folgende SPD-Brandt-Regierung ist letztlich nicht entscheidend. Sie haben eine Veränderung des Zeitgeists ausgelöst und das war eine Massenbewegung.
     
  20. Arne

    Arne Premiummitglied

    Raum für neue Spekulationen....

    "Die Bundesanwaltschaft hält einen Teil der Stasi-Akten über den Todesschützen des Studenten Benno Ohnesorg unter Verschluß. Band 17 der Akte über den früheren West-Berliner Polizisten Karl-Heinz Kürras sei derzeit nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, sagte gestern ein Sprecher der Bundesanwaltschaft."
    Quelle: dpa
     

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