Berechnung der Qibla

Dieses Thema im Forum "Der Islam und die Welt der Araber" wurde erstellt von Elin, 10. November 2008.

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  1. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Die Almohaden konnten es anscheinend nicht richtig, sie wollten es wohl aber gerne als strenggläubige Puristen tun, denn du kannst im Norden des letzten Links meiner Karte oben sehen (Kutubiyya in Marrakesch), dass vor der jetzigen Moschee ein gleicher Bau gefertigt wurde (nun nur Fundamente), der ein wenig eine andere Achsenausrichtung hatte, und aus ungeklärten Gründen abgerissen wurde, und gleich südlich davon eine zweite Moschee errichtet wurde. Als Grund wird in der Literatur spekuliert, dass eben die Qibla nicht so richtig getroffen wurde. Aber genaues weiß man wohl nicht. Erstaunlich, dass die Richtung bei den Almohaden nicht genauer berechnet werden konnte/wollte. Denn in meinen obigen Links steht ja, dass es doch schon in diesen Jahrhunderten genauer hätte gehen können.
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Gerade die späteren Almohaden hatten immer Gelehrte am Hof, wie Ibn Ṭufaīl oder Averröes (die natürlich immer unter dem besonderen Druck der mu'minūn - dem engsten Beraterkreis der Almohadenkalifen und Gelehrte in der Almohadendoktrin, des tawḥīd - standen). Am nicht rechnen können, kann's nicht liegen.
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Nicht zu vergessen das portugiesische Mértola.
    Die Moschee ist das Gebäude mit dem weißen Dach zwischen der R. Dr. Serrão Martins und der R. Dr. Alfonso Costa.
     
  4. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    ich dachte, ich hätte bei meiner recherche gestern gelesen, dass die Richtung schon weeeeesentlich exakter bestimmbar sei, als das man Richtung Mali betet, wie man es so grob in googlemaps erkennen kann. Und die Kutubiyya in Marrakesch zeigt vielleicht, dass sie selber unsicher waren, welcher Methode sie nun trauen sollen, wenn die Qibla denn der Grund ist...
     
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Shit, das war ein Irrtum. Die Moschee bzw. Kirche kann nicht das Gebäude mit dem weißen Dach sein:

    Foto der Moschee

    Plan der Moschee, Nordpfeil befindet sich unten links, Miḥrab (portugiesisch Mirabe) oben.

    Die Moschee von Mértola bei Google-Maps, diesmal korrekt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. November 2008
  6. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Ähm, ist zwar nicht so wichtig, aber wenn ich mir das Foto anschaue, und den roten Pin in deiner Karte, dann passt es wieder nicht.... Das Foto wurde von der westl. Ecke der Kirche aufgenommen, dass kann nur das größere Gebäude ein paar Meter weiter nördlich sein, mit dem Platz drumherum, mit dem Schatten des Kirchturmes, usw. Oder haste selber nicht den Pin gesetzt? Man muss leider bei google immer noch aufpassen mit den Pins, besonders denen, die von Usern gesetzt wurden, da ich in der Türkei feststellen musste, dass z.B. röm. Ruinen oder Moscheen, etc. zu einem Drittel mind. falsch angegeben wurden, was man schnell merken kann, wenn man selber schon mal da war. Es kommt sicherlich nicht nur wegen Unkenntnis zustande, sondern bes. bei den Ruinen auch, weil es vor einigen Jahren / Monaten noch keine hochauflösenden Fotos gab und man die Ortung entweder anhand der Topographie schätzen musste oder auf GPS Koordinaten zurückgreifen musste, wollte man es genau haben. Schade, dass deSilva sich zurückgezogen hat, denn er war in Technikgeschichte, Mathe, Astronomie, etc. sehr fit.
     
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Der rote Pin markiert nur die "Kirchstraße" (Rua da Igreja).

    Richtig, bei meinem Link ungefähr in der Bildmitte - wobei ich vom Kirchturm keinen Schatten sehe (bzw. das bisschen Schatten den Kirchturm nciht erkennen lässt).
     
  8. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Achso. Kapiert. (Den Schatten siehste in der südlichen Ecke der Kirche aufm Dach, in ähnlicher Dicke, wie der Schatten an den nördlichen Mauern erkennbar ist.)
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

  10. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Ich nehme aber mal an, dass heute z.B. in Marokko die Gebete in den alten Moscheen weiterhin Richtung Mali statt Mekka geschehen, oder haben sie den Mihrab inzwischen versetzt?
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Zuletzt bearbeitet: 14. November 2008
  12. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Nicht? Ich dachte Marokko ist da relativ liberal? Ich schaue mal am Wochenende nach Aufnahmen vom Inneren der Moscheen Marokkos, da müsste man anhand der Gebetsteppiche leicht feststellen können, ob diese versetzt sind, so ähnlich wie in türkischen Moscheen in ehemaligen byzantinischen Kirchen, interessante Raumwirkung. ;)
     
  13. Elin

    Elin Neues Mitglied

    Habt Ihr's gesehen? Diese Moschee wurde ganz exakt nach Südosten gebaut, also weiter nach Osten ausgerichtet als die bisher erwähnten - außer der von Madinat az-Zahra', die nach Ostsüdost gebaut wurde.


    Viele Grüße,

    Elin
     
  14. Elin

    Elin Neues Mitglied

    Ich bin mir nicht sicher, ob El Salvador genau auf den Fundamenten der Moschee gebaut wurde. Wie dem auch sei, die unterschiedlichen Ausrichtungen beider Gebäude sind sehr gut zu erkennen. Die neue Moschee ist sehr viel mehr nach Osten ausgerichtet, auch mehr geostet als die von Madinat az-Zahra'. (Habe mir heute einen ganz einfachen Schul-Winkelmesser gekauft, um dem Problem besser zu Leibe rücken zu können.)


    Viele Grüße,

    Elin
     
  15. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Also hier scheint mir nicht die lange Seite die Qiblawand zu sein, die wäre dann nämlich nach SüdsüdWEST gerichtet, also eher nach Mauretanien, sondern die Schmalseite ist hier vielleicht die Qiblawand, die nämlich nach Ostostsüd eher Mekka trifft. Ich nehme auch mal an, dass Googlemaps Karten alle winkeltreu sind?
     
  16. Elin

    Elin Neues Mitglied

    @ lynxxx:

    Etwas OT, aber vielleicht nicht ganz uninteressant:

    Die Marokkaner sind wie alle Maghrebiner und Westafrikaner Malikiten (mit Ausnahme der Charidjiten in Algerien und den nicht zugereisten Bewohnern der tunesischen Insel Djerba), und die sind hinsichtlich des Moscheebesuches durch Nichtmuslime mitnichten liberal. Nach malikitischer Auffassung dürfen Nichtmuslime Moscheen grundsätzlich nicht betreten (d.h. auch nicht im Beisein muslimischer Freunde).

    Es gibt seltene Ausnahmen: Z.B. man kennt den Wächter (und zeigt sich evtl. erkenntlich). War mir noch nicht vergönnt, habe aber trotzdem zwei Moscheen von innen gesehen:

    a) Die Große Moschee von Djenné in Mali, um 1989.
    Bald darauf war sie nicht mehr für Nichtmuslime geöffnet, da angeblich einmal ein italienischer Modefritze da drin seine Models für Aufnahmen halbnackt herumlaufen ließ. Nach einer anderen Version war es ein Amerikaner. Dieselbe Geschichte gibt es zu anderen Moscheen. Tatsache ist aber, dass die Moschee von Djenné nicht ohne Moscheeführer betreten werden konnte, der genauestens aufpasste, dass man sich anständig benahm. So war das jedenfalls, als wir dort waren. Ich halte die Geschichte für unwahr und zu dem Zweck erfunden, die eigene Intoleranz zu Lasten der Westler zu vernebeln. Soviel ich weiß, haben die Malikiten den entsprechenden Grundsatz erst vor einigen Jahrzehnten wiederentdeckt. Vielleicht hat es etwas mit der Zunahme des Tourismus zu tun, dass man die vielen Touristen nicht in den Moscheen haben will.

    b) Die Hauptmoschee (glaube ich) von Tripolis, vor etwa sechs Jahren.
    Natürlich auch wieder mit einem Moscheeführer. Selbstverständlich sind die Libyer auch Malikiten, aber damals konnte von Tourismus keine Rede sein, dementsprechend wenige Westler wollten die Moschee sehen. Der Führer antwortete auf meine Frage hinsichtlich der malikitischen Vorschriften, man sei in Libyen in diesen Dingen offener und wolle, dass die Fremden, die das Land besuchten, sich gut informieren könnten.


    Viele Grüße,

    Elin

    P.S.: Das hatte ich vorhin schon einmal geschrieben, und als ich den Text abschicken wollte, hieß es, ich sei nicht autorisiert! :motz: Hoffentlich bin ich's jetzt.:S
     
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  17. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Zumindest ist der ṣaḥn aus dem 11. Jhdt. noch erhalten. Die Aussagekraft des Verhältnis des Ṣaḥn zur Qibla ist natürlich nur begrenzt, kann uns nur Tendenzen anzeigen.
    Die Privatmoschee der Naṣriden-Emire.
     

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  18. Elin

    Elin Neues Mitglied


    Ausrichtung genau Südost, also auch nicht korrekt. Müssen sie gewusst haben. Warum sie und die Almohaden sowie Mariniden dauernd "falsch" gebaut haben - und zwar anscheinend bewusst, ist mir ein absolutes Rätsel.

    Ein schönes Bild hast Du beigefügt. War zwar schon x Mal auf der Alhambra, bin aber nie in den Gebetsraum gekommen.


    Viele Grüße,

    Elin


    P.S.: @ Quijote als Admin: Warum muss ich mich immer noch einmal extra anmelden, wenn ich antworten will? :S
     
  19. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Drinnen war ich auch noch nie. Aber man kann hineinschauen.
     
  20. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Hmm, googlemaps scheint nach Mercator-Projektion seine Himmelsrichtungen ausgelegt zu haben, also winkeltreu auf jedem Punkt der Karte.
     

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