Die slawischen Heere - vom 4. Jahrhundert bis zum Ende des Mittelalters

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von SergejKorolev, 13. Juli 2008.


  1. Seid gegrüßt im neuen Slawen-Thread!

    Ich möchte hier das ganze Wissen des Forums lagern und zusammentragen.

    Ich möchte hier die Entwicklung der Armeen der einzelnen Slawen (Südslawen, Ostslawen, Westslawen) dokumentieren, und zusammenfassen.

    Über Beiträge würde ich mich extremst freuen, und auch über mehrere Informationen.

    Grüße

    SK


    So, und jetzt geht es los:

    Die slawischen Armeen am Anfang Ihrer Ausbreitung:

    Am Anfang waren die slawischen Armeen absolut ident, was die Ausrüstung und die Taktiken betraff.

    Sie glichen von von der Ausrüstung her den Markomannen, denn Ihre bevorzugte Waffe waren das Schild, Axt und Speer. Es gab außerdem kaum Reiterei.

    Von der Taktik her glichen sie auch den Markomannen. Sie kämpften meistens in den Wäldern, und griffen aus Hinterhalten an. War das Glände sumpfig und Tümpel in der Nähe, so hatten sie einen großen Trumpf im Ärmel: Sie versteckten sich in den Tümpeln, mit Ihren Köpfen Unterwasser. Die Luft bekamen sie durch Schnorchel, die sie aus Schilfrohr gebastelt hatten. So war das Überraschungselement meistens auf ihrer Seite.
     

    Anhänge:

  2. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Erlebt man nicht selber unangenehme Überraschungen, wenn man sich in einen Tümpel im Sumpf stellt?
    Und selbst wenn man herauskommt, sieht man dann überhaupt den Feind oder tropft einem dafür nicht zuviel Schlammwasser in die Augen?
     
  3. deSilva

    deSilva Neues Mitglied


    Klingt im Moment ein bisschen wie das Konzept für ein neues Computerstrategiespiel...

    "Du bist der Kommandeur einer Gruppe urslawischer Soldaten. Ihr steht alle untergetaucht in einem Sumpf und atmet durch Luftrohre. Du selbst hast das Periskop ausgefahren und erblickst in der Ferne einen Trupp verirrter Kreuzritter heranreiten. Sie haben seit Tage nichts mehr gegessen und würden auch Menschenfleisch nicht verachten. Was willst du als nächstes tun?"
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Juli 2008
  4. Die haben mWn Spähtruppen gehabt, die sich gut versteckt hatten. Als sich der Gegner genähert hatte, haben es die Spähtruppen den Frontkräften gemeldet, und die haben sich dann in Tümpeln versteckt. Das haben Sie zB bei den Byzantinern gerne angewendet.

    Ah ja. Das Spiel würde dann entweder Battlefield Slavs oder Call of Duty - Slavic Invasion heissen...
     
  5. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Bei unangenehmen Überraschungen dachte ich an Sachen wie Versinken und Ertrinken.
     
  6. Das Heer der Bulgaren und Serben

    Das Heer der Bulgaren

    Als 681 die Protobulgaren zusammen mit den Slawen Donaubulgarien gründeten und sich dann zunehmendst vermischten, hatte sich das Kriegswesern der dortigen Slawen drastisch gewandelt. Die Kavallerie bekam großes Gewicht, und der Reflexbogen wurde eingeführt (vorher hatten sie Langbögen verwendet). Auch die Byzantiner hatten großen Einfluss auf das Heer. Das Heer war zum Großteil mit Bulgaren besetzt, aber auch mit Wallachen und Kumanen.

    Kavallerie:

    Die Kavallerie war das Erbe der Protobulgaren. Sie waren zumeist mit Schwert, Lanze, Schild und Reflexbogen ausgerüstet. Viele Manuskripte zeigen, dass die Bulgaren bis ins späte 14. Jahrhundert hinein als berittene Bogenschützen kämpften das bedeutet, der Bogen blieb ein wichtiger Bestandteil ihrer Reiterei. Ein Teil der Kavallerie bestand aber auch aus Söldnern. Diese Söldner waren zumeist Kumanen, aber auch Alanen waren dabei. Beide kamen zumeist als leichte Kavallerie zum Einsatz, während die schwere Kavallerie den Bulgaren vobehalten war.

    Infanterie:
    Die Infanterie war demjenigen der Byzantiner ähnlich. Auch die Schilder waren von den Byzantinern beeinflusst, aber sie verwendeten auch noch später Rundschilde, als die Umgebung bereits vollständig mit Drachenschildern versehen waren. Ihre Waffen waren Schwert, Speer und Axt. Bei den Bogenschützen war (wie bei schwerer und leichter Kavallerie), der Reflexbogen im Gebrauch.


    Das Heer der Serben

    Wie alle anderen Slawen, zeichneten auch Sie sich durch die aussergewöhnliche Anpassungsfähigkeit aus. Ihre Armee wurde sowohl von den Byzantinern, als auch von den Bulgaren, Ungarn und den westlichen Ländern stark geprägt.

    Kavallerie:
    Die Kavallerie der Serben wurde von zwei, scheinbar widersprüchlichen Strömungen beeinflusst. Ihre Schwere Kavallerie, entsprach von Ihrer Ausrüstung her betrachtet derjenigen der Westeuropäer, also schwere Rüstung, Schild, Lanze und Schwert (kein Bogen). Ihre leichte Kavallerie war durch die Ungarn und die Bulgaren stark geprägt worden. So kämpften diese zumeist als berittene Bogenschützen.

    Infanterie: Die serbische Infanterie war stark an der westlichen Infanterie angelehnt, was ihre Rüstung und Bewaffnung betraff. Unterschiede gab es lediglich bei den Bogenschützen, die den im Balkan dominierenden Reflexbogen eingeführt hatten.

    Bulgaren und Serben in byzantinischen Diensten (aus Osprey Publishings "Byzantine Armies: AD1118 - 1461":

    Bilderklärung:

    Bulgaren1.jpg=Bulgarische Soldaten des zweiten Zarenreiches
    Scannen0001.jpg=Aus Manuskripten entnommene Darstellungen von serbischer (links) und bulgarischer (rechts) Kavallerie.
    Scannen0002.jpg=Bulgarische und Serbische Truppen
    Scannen0003.jpg=Russen greifen die Bulgaren an, aus dem Manuskript, erstellt im Auftrag von Zar Ivan Tih Assen
    Bulgari shield.jpg=Bulgarischer Infanterist

    Quellen:

    Ian Heath "Byzantine Armies AD 1118 - 1461" von Osprey Publishing, MAA 287
    David Nicolle "Hungary and the fall of Eastern Europe 1000 - 1568" von Osprey Publishing, MAA 195
    "Velikite Bitki na Bulgarite pres Srednovekovieto"
    Andrè Grabar "Die Mittelalteriche Kunst Osteuropas" vom Holle Verlag, ISBN 3-87355-190-X
     

    Anhänge:

    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 13. Juli 2008
  7. Gut, in Sümpfen selber haben sie sich nicht versteckt, aber in Tümpeln haben sie sich gut verstecken können. Auch kannten sie sehr gut das umgebende Gelände.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 13. Juli 2008

  8. Ein Bild, damit du man sich das besser vorstellen kann.
     

    Anhänge:

  9. Das Heer der Russen

    Das Heer der Russen: Der wehrhafte russische Bär

    Russland war und ist der größte Staat slawischer Natur, dessen Heer bereits im Mittelalter außergewöhnlich stark war. Auch hier haben sich die Slawen schnell an die umgebenden Völker und an die topografischen Begebenheiten angepasst. Scheinbar zwei absolut widersprüchliche Strömungen haben das Heer der Russen stark beeinflusst.

    Kavallerie: Die Kavallerie der Russen war stark durch die die Umgebenden Steppenvölker geprägt und beeinflusst worden. Die Reiterei war zumeist mit Lanze, Schwert, Schild (zumeist in Drachenform) und Reflexbogen ausgerüstet, ua. auch Äxte, also derjenigen der Bulgaren sehr ähnlich. Das besondere an den russischen Reitern ist allerding ihre Rüstung. Hier war nämlich der Einfluss der umgebenden Turkvölker wie Tataren, Petcheneggen, Wolga-Bulgaren etc. am stärksten zu spüren. Sie verwendeten voll-Gesichtsmasken oder Helme, bei denen der zusätzliche Schutz durch ein Kettengeflecht bis unter die Augen reichte. Dies hatte den Effekt, das eventuelle weiche Gesichtszüge versteckt werden konnten, und so der Schreck-Effekt besonders stark war. Die Russen scheuten allerdings auch nicht, Söldner als Kavalleristen einzusetzen (ua Kumanen und Kasachen)

    Infanterie:
    Die Infanterie der Russen wurde im wahrsten Sinne des Wortes "aus einer anderen Himmelsrichtung" beeinflusst. Die russische Infanterie war das Erbe der Waräger. Allerdings war auch Ihr eigenes, slawisches Erbe noch deutlich spürbar. Sie verwendeten Axt, Schwert, Speer und Rundschilder.

    Die Russen in byzantinischen Diensten:

    Anm: Über zusätzliche Infos und falls notwendig, Korrektur würde ich mich freuen.
     

    Anhänge:

    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 14. Juli 2008
  10. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Siehe auch im Film:

    "Schatz im Silbersee"
     
  11. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Mir erschließt sich nicht der Sinn dieser Aussage.
     
  12. Da bist du nicht alleine...
     
  13. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Leute, Ihr müsst auf eine umfassende Bildung achten.:cool:

    Karl May beschreibt in einem seiner Bücher das Atmen durch Schilfhalme, und im "Schatz im Silbersee" findet das seinen Niederschlag im Film.
    Ein "guter" taucht weg, atmet durch Schilf, und eine Ganove spuckt genau auf den Schilfhalm! unbewußt, aber dadurch ja noch infamer!:still:

    Und dann gibt es noch den Pennälerspruch der 60er des. 20. Jahrhunderts, vom "Unterwassermarsch siebzehnhundertzwetschgenneunzig als man durch die Gewehrläufe atmete".
    Als Reaktion auf die Sprüche von den "Kämpfen im Kessel hinter Waschlavoir"
    die einem die alten Herren immer wieder aufs neue erzählen wollten.:cry:


    Nur als Hinweis, dass ich die "Schnorchelkämpfer" mehr in Richtung der Anekdote schieben würde, weniger in die ernsthafte Historie.
     
  14. aha.

    Tja, da wird doch die ganze Sache klarer.

    Tja, wer weiß was, oder besser wen, ein Ahnungsloser Byzantinischer Soldat getroffen hat, als dieser Ahnungslos seine Notdurft verrichtete...
     
  15. Mike Hammer

    Mike Hammer Neues Mitglied

    Schöne Infos, gefallen mir. Ich meisten Bilder kenne ich von den Osprey-Büchern, sehen den byzantinischen Rüstungen frapierend ähnlich. Der Einfluss von Byzanz scheint zeitweise sehr groß gewesen zu sein.

    Zu den Serben vielleicht noch ein Wort. Meines Wissens waren die Serben lange Jahre Vasallen der Osmanen und haben in vielen Schlachten auch für sie gekämpft. Während zu Anfangs die Serbischen Verbände eher "byzantinisch" aussahen (Waffen + leichtere Rüstungen) haben sie wohl zu späterer Zeit eher die westeuropäische Rüstungsmode übernommen, den Plattenpanzer.

    Zwei Schlachten von denen ich weis dass sie auf Seiten der Osmanen mitgekämpft haben waren Nikopolis, wo sie die Schlacht zu Gunsten der Osmanen entschieden. Und die Schlacht von Ankara, als sie auf Seiten der Osmanen gegen die Mongolen kämpften. Angabegemäß sollen die Serben die erfolgreichsten Truppen gewesen sein, die Schlacht ging dennoch verloren. Mehr weis ich aus dem Kopf leider nicht.
     
  16. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Diesmal ernsthaft.
    Ich habe mal genau darüber ein Statement gelesen,
    durch so ein dünnes Röhrchen kriegst Du nur wenige Zentimeter unter der Wasseroberfläche genug Luft. Wo man Dich auch im bewegten oder sumpfigen Wasser noch sieht, ...
    musst Dich in der richtigen Tiefe festhalten...
    dann musst Du ausatmen, gibt jede Menge Luftblasen. Und schon massakriert Dich der Byzantiner.
    Also, ist nicht.

    Liest sich schön in Romanen, das wars dann aber auch.
     
  17. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Wer "schnorchelt" darf mitreden :)
     
  18. Ich dachte immer, dass die Janitscharen in Nikopolis entscheidend waren, aber ich lerne gerne dazu.

    Vielleicht haben die andere Pflanzen verwendet?

    Sollte ich mal einen Tümpel finden, der nicht mit Wasserschlangen übersät ist, könnte ich mal über einen Test nachdenken...oder ich maile an die Mythbusters
     
  19. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Aufgrund des Wasserdrucks auf den Brustkorb ist es unmöglich, durch lange Schilfhalme zu atmen, abgesehen davon dass sie nicht durchgängig hohl sind. Ein Schnorchel darf 40 cm nicht überschreiten, sonst kann das böse ausgehen.
    Schnorchel ? Wikipedia
     
  20. Mike Hammer

    Mike Hammer Neues Mitglied

    Ich habe letztens den sehr ausführlichen Osprey-Band dazu gelesen. die französischen Ritter wurden von der flüchtenden leichten Reiterei der Osmanen in das Zentrum der Osmanen gelockt. Dort erlitten sie durch die dort postierten Janitscharen und Azabs Verluste, wären aber beinahe durchgebrochen. Wenn denn nicht die an den Flanken postierte osmanische Reiterei sowie die Serben massiv angegriffen und die Franzosen vernichtet hätten. Die Walachen hauten ab, die Ungarn konnten den Tag auch nicht mehr retten... Damit war der letzte Kreuzzug gescheitert.

    Bei Wiki ist es einigermaßen beschrieben, Osprey stellt den Verlauf der Schlacht natürlich sehr detaillierter dar.

    Wie auch immer, die Serben waren zu der Zeit als schwer gepanzerte Reiterei gefürchtet. Nachdem sie ihren Vasallenstatus verloren und eine Provinz des Osm. Reiches wurden, blieb davon nicht viel übrig.
     

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