Ebnete die Appeasement-Politik den Weg in den 2. Weltkrieg?

Dieses Thema im Forum "Die Zeit zwischen den Weltkriegen" wurde erstellt von Mik1994, 16. Juni 2013.



  1. Isleifson

    Isleifson Gesperrt

    Wie hat man sich eine solche Weichenstellung,denn konkret vorzustellen?GB beobachtete das Treiben von Briand und Stresemann ja schon mißtrauisch.
     
  2. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Das war allgemein zu verstehen. Du kannst es auch durch "Ereignisse" ersetzen.
     
  3. swie

    swie Aktives Mitglied

    @thanepower: Ich denke, das wird es sein. Die Früchte von Weimar ernten, wie auch bei der Wirtschafts- und Rüstungsfrage geschehen. Die von Dir aber in Beitrag #46 genannten Punkte 0, 1, 3, 4, 5, 11 und 12 waren ja schon in gleicher oder ähnlicher Form in den 20er Jahren, bzw. vor Hitlers Regierungsantritt, Realität. Tatsächlich scheint man gerade gegenüber Hitler aber eher zu Zugeständnissen bereit gewesen zu sein, weil man wusste, dass er sich noch weit weniger als die demokratisch legitimierten Weimarer-Politiker würde einengen lassen. Zumindest ist das mein persönlicher Eindruck. Der Entschluss zum Umdenken, Deutschland allmählich wieder in die Reihe der gleichberechtigten Mächte aufzunehmen, war aber bereits 1930 gefallen, wie Du schon schriebst.
     
  4. Isleifson

    Isleifson Gesperrt


    Hitler ein Produkt der Weltwirtschaftskrise?Oder mal so-die Krise macht der Weimarer Republik den Garaus und erlaubt so den Aufstieg von Hitler?
     
  5. Rodriguez

    Rodriguez Aktives Mitglied

    Na, so einfach war das sicher nicht. Hitler war vor allem ein "Produkt" (wenn man dieses Wort mal gelten lassen will) aus der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg, den daraus resultierenden Reparationen, die dem deutschen Reich bedingungslos auferlegt wurden (Versailler Vertrag), den wiederum vermeintlich daraus resultierenden wirtschaftlichen Bedingungen, unter denen Deutschland (und hier besonders die Kriegsveteranen u. -versehrten) zu leiden hatte, etc.
    Für all diese Umstände schafften die Nationalen bzw. explizit die Nationalsozialisten ein Feindbild bzw. einen Schuldigen: Juden, Grosskapitalisten, vor allem die Nationen der im Versailler Vertrag begünstigten, u.s.w.u.s.f, ...

    Wenn man den Terminus "Produkt" bezüglich Hitler verwendet, dann war Hitler vor allem ein Produkt seiner Zeit! Nicht so sehr ein Produkt der Weltwirtschaftskrise oder der Weimarer Republik, das wäre zu kurz gegriffen ;) ...



    Saludos!
     
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  6. corto

    corto Aktives Mitglied

    da stimme ich zu, es war nicht die schlechte Situation an sich...

    Die meisten Wähler Hitlers kamen ja aus der Mittelschicht, waren also nicht die die am meisten unter der Wirtschaftssituation litten - aber sie hatten die größte Angst davor genau diese Schwelle nach unten zu überschreiten. Diese Angst begünstigt extremes Wahlverhalten.
     
  7. hatl

    hatl Premiummitglied

    Frankreich

    dazu vielleicht auch interessant eine fundierte und lesenswerte Publikation des SSI:
    http://www.strategicstudiesinstitute.army.mil/pdffiles/pub622.pdf
    Da haben wir einerseits eine bemerkenswerte politische Instabilität, die ihren Ausdruck auch in 16 Koalitionsregierungen in nur 8 Jahren von 1932 - 1940 findet..
    (Seite 7)

    Und andererseits, folgt man dieser Quelle, gab es eine nicht überbrückbare Kluft zwischen der militärischen Doktrin und den diplomatischen Ansprüchen.
    (Seite 17)
    Die offenkundig defensive Ausrichtung des französchen Militärs zur fraglichen Zeit diskreditierte demnach nicht nur die Bündnisfähigkeit Frankreichs, sondern untergrub auch die Fähigkeit auf die Rheinlandbesetzung zu reagieren.
    Gleiche Quelle Seite 17/18

    Nun kann man sagen Frankreich habe "gekniffen" oder war nicht bereit allein zu handeln,
    ich frage mich aber,
    ob es überhaupt im Bereich der Möglichkeit Frankreichs lag, angesichts einer anhaltenden Instabilität, anders zu reagieren.
    Und paradoxerweise, waren die Franzosen der Gefahr unmittelbarer ausgesetzt und sich dieser deshalb auch wohl bewußter.
     
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  8. Turgot

    Turgot Neues Mitglied

    Anzumerken ist, das die Weltwirtschaftskrise aber der Katalysator schlechthin für Hitler und seine Verbrechergenossen gewesen war. Bis zu dem Zeitpunkt nämlich spielte die Nazipartei nämlich keine Rolle, was schon an den Ergebnissen der Reichstagswahlen abzulesen ist.
     
  9. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Das ist m.E. sehr richtig. Die Kritiker der Appeasementpolitik übersehen, dass sowohl Frankreich als auch GB sich aus vielfältigen Gründen gar nicht in der Lage sahen.

    Appeasement folgte einer Reihe von ideologischen (anti-Bolschewismus) und pragmatischen bzw. sehr rationalen Überlegungen (kein Krieg in Zentraleuropa mit Beteiligung durch GB).
     
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  10. Waterpolo

    Waterpolo Neues Mitglied

    Interessant ist in Bezug auf die Appeasement-Politik, dass diese auf die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurückgeführt werden kann. Zu dieser Zeit besaß Großbritannien eine beträchtliche Anzahl an Kolonien. Um ihren Weltmachtstatus zu diesem Zeitpunkt nicht zu gefährden (wenn ein oder mehrere Konflikte in den jeweiligen Kolonien und dann noch an verschiedenen Orten ausgebrochen wären --> Chaos) haben die Briten schon zu dieser Zeit eine Appeasement-Politik geführt.

    Speziell verwendet die hauptsächliche Mehrheit diesen Begriff für die Zwischenkriegszeit. Jedoch kann man diese Verwendung der Politik der Zugeständnisse schon vorher beobachten.
     
  11. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Das ist eine interessante Sichtweise.

    Die Folgen des Great Game in Asien zwischen RUS und GB, die britischerseits vermutete Bedrohung Indiens über den Nordwesten, die Aufgabe der splendid isolation und Bündnispartnersuche (1902 mit JAP in einem antirussischen Bündnis), und die Interessenausgleiche 1904 mit FRA und 1907 (RUS), die Haltung gegenüber den USA sowie die Marinegespräche 1912/14 mit RUS und zuvor mit FRA kann man in der Richtung interpretieren.

    Alles in Konsequenz des Endes der Pax Britannica, deren Ende wiederum (auch) als ökonomische Folge des langen 19. Jahrhunderts.
     
  12. Waterpolo

    Waterpolo Neues Mitglied

    Gottfried Niedhart bestätigt in seinem Aufsatz Appeasement: Die britische Antwort auf die Krise des Weltreichs und des internationalen System vor dem Zweiten Weltkrieg die oben anfangs und darauffolgenden genannten Ausführungen:

    In drei Sätzen gut zusammengefasst, welcher ebenfalls das 18. und 19. Jahrhundert optimal miteinschließt:

     

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