England - Britannien

Dieses Thema im Forum "Die angelsächsischen Reiche" wurde erstellt von Zar Alexander, 1. November 2007.



  1. Zar Alexander

    Zar Alexander Neues Mitglied

    Hi,:winke:

    seit ein paar Tagen brennt mir eine Frage auf der Seele, die ich mir selbst noch nicht beantworten konnte.
    Warum wird England auch Britannien genannt???
    Ich weiß, dass ursprünglich die ganze Insel England heißt und ich weiß auch, dass im fünften Jahrhundert viele Waliser in die Bretgne gezogen sind.

    Grüße
    euer Zar Alexander
     
  2. Themistokles

    Themistokles Neues Mitglied

    Wann soll ganz Großbritannien England geheißen haben sollen?
    Müsste ja nach der angelsächsischen Einwanderung (oder Eroberung?) gewesen sein und selbst da war der Norden keltisch geprägt und hieß deshalb bestimmt nicht England.
    Britannien ist die ältere Bezeichnung und umfasste mWn tatsächlich auch mal die Bretagne, dies müsste um 500 der Fall gewesen sein.
     
  3. Adri2

    Adri2 Neues Mitglied

    meines wissens kommt die bezeichnung von den römern...
    sie benannten die einheimische bevölkerung glaub ich nach ihrer blauen bemalung .heißt iwi bemalt auf lateinisch,weiß aber nicht ganz genau wie
     
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  4. timotheus

    timotheus Neues Mitglied

    Bringen wir das Ganze einmal grob in die richtigen Zusammenhänge und Abfolgen...

    Britannia nannten die Römer ihre Provinz, welche in etwa England und Wales umfaßte, nicht jedoch die ganze Insel!
    Vgl. dazu http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/66/Roemischeprovinzentrajan.png
    Der Name England ist bedeutend jünger als diese Bezeichnung, denn er geht zurück auf das westgermanische Volk der Angeln (altengl. englas), als diese gemeinsam mit (ebenfalls westgermanischen) Sachsen und Jüten ab etwa 450 dort Land nahmen (Reich der Angeln und Sachsen bzw. Angelsachsen). Die bis dahin in der Provinz Britannia ansässige keltische Bevölkerung - eben die Briten - wich nach Wales, Schottland, Cornwall und der Bretagne aus!
    Großbritannien wiederum bezeichnet zum einen geographisch die größte der Britischen Inseln (neben Irland und der Isle of Man) und steht zum anderen für die Bezeichnung des Königreichs ab 1707, da es fortan England, Wales und Schottland umfaßte - übrigens wiederum nicht zu verwechseln mit der Bezeichnung Vereinigtes Königreich, welches neben den genannten Landesteilen zudem noch Nordirland einschließt!
    Vgl. dazu folgendes Schema: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/2/2c/Britische_Inseln_Venn_Diagramm.png
     
  5. TGDarmstadt

    TGDarmstadt Neues Mitglied

    @timotheus

    Weißt du auch, woher der Begriff "Britannia" kommt? Ist das ein original lateinischer Begriff oder geht er auf einen keltischen oder griechischen Begriff zurück? Hat er eine tiefere Bedeutung (wie z.B. England = Land der Angeln?)
     
  6. timotheus

    timotheus Neues Mitglied

    Meines Wissen ist Britannia selbst ein lateinischer Begriff - siehe auch imperium-romanum.com - Geografie - Provinz Britannia
    Allerdings geht dieser wohl auf einen nichtlateinischen Begriff zurück.
    Woher er jedoch ursprünglich stammt, ist offenbar nicht geklärt - die einen sagen, er stamme vom altirischen brith/breith (bedeutet mW svw. "tätowiert" oder "bemalt") ab, die anderen sagen, er stamme vom ägyptischen preton (bedeutet mW svw. "Zinn") ab.
    Steht so übrigens auch hier: Britannien - Wikipedia

    EDIT(Nachtrag): Im entsprechenden englischen Artikel steht noch was anderes - dort geht der lateinische Name auf das griechische Pretannia zurück - s.a. Britannia - Wikipedia, the free encyclopedia
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. November 2007
  7. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Ich habe es auch so gelesen, dass die Bezeichnung von ägyptisch, ich habe gehört phönizisch für zinn abstammt. Wegen des Zinns segelten die Phönizier jedenfalls schon sehr früh nach Britannien.
     
  8. Zar Alexander

    Zar Alexander Neues Mitglied

    Uups,

    da war ich wohl auf dem Holzweg. Also, ich habe es jetzt so verstanden, Korrigiert ich bitte:
    Die Insel wurden von den Römern Britannien getauft und waren von Kelten besiedelt, bis die Angeln und Sachsen nach Britannien zogen und ihr Königreich England gründeten, was nach den Angeln benannt war. Daraufhin verzogen sich die Kelten in andere Gebiete, wie zum Beispiel die Bretagne.

    Danke für die Unterstützung,
    Zar Alexander
     
  9. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Korrekt.
    Wobei natürlich die Kelten auch auf Britannien verblieben. Im heutigen Wales gründeten sie die Königreiche von Gwyneed, Deheubarth und Powys. Im Nordwesten der Insel das Königreich Alt Clut (Strathclyde).
    Nördlich des Hadrianswall befand sich das Königreich der Pikten (Fortriu). Dies wurde ab ca. 500 von den aus Irland eindringenden Kelten (Skoten) bedrängt die das Königreich Dál Riata gründeten. Aus der Vereinigung dieser beiden Reiche unter Cináed MacAlpin (+858) ging Schottland hervor.
     
  10. Bartek

    Bartek Aktives Mitglied

    Um 350 v. Ch. hat der griechische Kaufmann Pyteas von Massalia (heute Marseille) eine grosse Reise nach Norden organisiert. Er ist zuerst nach Atlantik geflossen, entlang der Kusten der heutigen Portugalien, Spanien und Frankreich. Er hat sich nur in den Nachte bewegt, um die Krigsschiffe der Phonizier nicht zu treffen, die dieses Gebiet kontroliert haben.
    Dann hat er Britische Inseln (die er umgeflossen ist), Irland und Schettlanden erreicht. Sein Ziel war aber die mitische "Ultima Thule" (Skandinavien). Er hat endlich bis Laba Mundung gewandert.

    Pyteas hat nach Ruchkehr sein einziges Werk Perí Okeanu geschrieben, das so unglaublich fur seinen Gegenwertigen war, dass viele Authoten des Altertums (Strabon) seine Informationen nur fur die Kwatsche gehalten wurden. Pytas hat u.a. als der erste die Erscheinung "Eis-Gries" beschreibt, die er auf dem Ozean bei dem Nordengland beobachtet hat und "die Tage, die 20 Stunden dauern".
    Pyteas war nicht nur der Reiser aber auch einwunderbarer Kartographer - er hat die Lokalisation der Massalia bis zum 40 georgaphischen Sekunden beschreibt (nur mit den "kalibrierten Gnomon" !).
    Ein neues Land wurde zuerst mit seiner Name genannt "Pyteannia", die spater latenisiert wurde - "Britannia".

    Also die Name der keltischen "Britten" kommt aus Begriff "Britannia".
     
  11. timotheus

    timotheus Neues Mitglied

    Was ich oben ebenfalls bereits ausgeführt hatte:
    Ergänzend zu den notwendigen Präzisierungen bzgl. Wales und Schottland, welche Joinville dankenswerterweise vorgenommen hatte, ist noch zu sagen, daß Cornwall von den Angelsachsen nie erreicht wurde, sondern keltisch besiedelt blieb. Auch unter der später folgenden normannischen Herrschaft blieb diese kornische Identität erhalten, wiewohl es als Grafschaft mit Sonderstatus (nachweislich ab König Edward III. - reg. 1327/77) ins Königreich England eingegliedert wurde.
    Diese eigene kornische Identität bedingte, daß Cornwall oft auch als Wirkungskreis des sagenhaften König Artus respektive seines historischen Vorbildes (sofern es eines gibt) angesehen wird. In diesem Kontext steht auch die Verortung seiner Burg nach Tintagel Castle/Kastell Dintagell.
     
  12. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Anmerkung zur Bretagne: Diese war nie Teil Britanniens (als geographischer Begriff); der Name lautet ursprünglich wolh Klein-Britannien und geht auf keltische Siedler zurück, die um 500 (ganz, ganz grob geschätzt) das unruhige Britannien verließen,um sich im relativ ruhigen Gallien niederzulassen.

    EDIT: Zu Cornwall: die ahtten sogar ne eigene Sprache (eine keltische), das Kornsiche, das inzwischen aber mehr oder minder ausgestorben ist.
     
  13. Bartek

    Bartek Aktives Mitglied

    "Wales" ist auch keine keltische Name. Ein der englischen Monche (die Name habe ich leider vergessen) hat in XIII Jhdt. geschrieben, dass die Sachsen alles, was fur sie fremd war mit dem Wort "valicum" beschreibt haben.
    Also die "Waliser" bedeutet einfach "die Fremden".
     
  14. TGDarmstadt

    TGDarmstadt Neues Mitglied

    Die Bevölkerungen Britanniens änderte sich in etwa so:

    Vor 43 n. Chr.: Britannien ist von Kelten besiedelt.

    43 n Chr. - ca. 450 n. Chr.: Die Römer erobern zunächst den südlichen Teil Britanniens, später auch Wales und Nord-England inklusive der schottischen Lowlands. In diesem Gebiet kommt es zu einer Vermischung der einheimischen Kelten und römischen Siedlern aus allen Teilen des Imperiums.
    In den schottischen Highlands leben auch weiterhin nur Kelten, die so wild sind, dass die Römer sie nicht unterwerfen können (ähnlich den Germanen). Deshalb bauen die Römer zwei Grenzbefestigungen, den Hadrianswall und den weiter nördlich gelegenen Antonius-Wall.

    ca. 450 - ca. 800 nach Christus.: Um 450 fahren große Stämme der Jüten, Angeln und Sachsen über die Nordsee und siedeln sich im Süden der Insel an. Sie vermischen sich mit den Kelten und Römern der römischen Provinz.
    Wales und Schottland bleiben hauptsächlich von Kelten bewohnt.

    Ab ca. 800 landen Wikinger aus Skandinavien in England. Sie gehen aber mit der Zeit in der einheimischen Bevölkerung auf.

    1066 erober Herzog William von der Normandie, ein Nachfahrer anderer Wikinger, England und entreißt den Sachsen die Macht. Dies war die letzte große Einwanderungswelle nach Großbritannien bis nach dem 2. Weltkrieg viele Nicht-Europäer aus den ehemaligen Kolonien nach Großbritannein einwanderten.
     
  15. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Diesen Begriff gibt es ja auch in anderen germanischen Sprachen, z. B. im Deutschen.
    "Welsch" wurde über Jahrhunderte für die romanisch-sprachigen Nachbarvölker verwendet, in der Schweiz ist das heute noch gebräuchlich.
    Das Pendant zu "Wales" ist z. B. das "Wallis".
     
  16. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Nun ein festes Datum kann man da nicht ausmachen. Die angelsächsischen Staatenbildungen umfasten einen Zeitraum von etwa 120 Jahren von ca. 450 bis 570.

    Zuerst wurde um 450 das Königreich von Kent durch Hengest gegründet, ab 477 wird mit Ælle der erste König von Sussex benannt und um 480 gründet Icel das Reich von Mercia. Um 520 tritt das Königreich Wessex mit seinem König Cerdic auf und 527 begründet Aescwine das Reich von Essex. Von ca. 520 bis 550 werden die Königreiche Bernica und Deira begründet die 651 von Oswiu zu Northumbria vereint werden. Als letztes der acht Angelsachsenreiche wird East Anglia um 570 begründet.

    Das Königreich Mercia ist für die Zukunft der Kelten Britanniens von besonderer Bedeutung. Den Mercia war es welches seinen Einfluss bis in das heutige Zentralengland ausdehnte. König Creoda (+593) baute die Burg Tamworth von wo es nicht mehr weit bis zu irischen See war. Dessen Sohn Pybba brachte die Midlands unter die Kontrolle Mercias. Damit wurde faktisch ein Keil zwischen die keltischen Reiche getrieben. Die südlichen (Gwynedd, Powys) wurden auf Wales beschränkt, die nördlichen Kelten gründeten Strathclyde.

    Die Landkarte Britanniens müsste ab dann ungefähr so ausgesehen haben:
    Image:British isles 802.jpg - Wikipedia, the free encyclopedia

    Der letzte, mir bekannte, keltische Herrscher der aus Wales herraus offensiv in das angelsächsische Gebiet vordrang war Cadwallon II. von Gwynedd. Allerdings war er ein Verbündeter König Pendas von Mercia in dessen Kampf gegen Bernica (Northumbria). So kämpfte er und Penda siegreich in der Schlacht von Hatfield Chase (Oktober 633) in der König Edwin von Northumbria getötet wurde. Doch Edwins Neffe König Oswald "der Heilige" von Bernica schlägt im Jahr darauf zurück und tötet Cadwallon II. in der Schlacht von Heavenfield.
    Die zukünftigen walisischen Herrscher bekämpften sich dann gegenseitig, bzw. mussten sich den Eroberungsversuchen der sächsischen und normannischen Könige Englands erwehren.
     
  17. Lugh

    Lugh Neues Mitglied

    damit wäre ja der begriff England größtenteil geklärt, aber meines wissens kommt die bezeichnung "Britannien" von den im 6. Jh.v.Christus in der großen keltischen bevölkerungswelle mitgeschwemmten "Brytonen" (die auch der Bretagne ihren Namen gaben) und welche sich dann schnell von ihrem ursprünglichem gebiet in cornwall bis hin zu landstrichen im heutigen kent ausgedehnt hatten, und sich, als die römer 54v.Chr. auf britannien landeten, schon in viele einzelstämme aufgespalten hatten (atrebaten, dumnonen, ordovizer, coritani etc.).
    doch sie alle stammten den römern zufolge dem einstigen großstamm der brytonen an, wonach die römer dieses land das "land der Brytonen", also "Britannia" nannten...
     
  18. Sheik

    Sheik Neues Mitglied

    die Bretagne hieß aber erst im Mittelalter Bretagne, in römischer Zeit war das Nord-West Gebiet Frankreichs die Aremorica, was meines Wissens auf keltische Namensgebung zurück geht. Halte auch nicht viel von dem Brytonen, sondern sehe die klassischen Ansätze mit brit-/breith- für tätowiert oder pretan für "Zinn" als namensgebend an.
     
  19. Lugh

    Lugh Neues Mitglied

    ich glaube, da haben wir uns missverstanden: natürlich hieß die Bretagne erst ab etwa 500 n.Chr. Bretagne, doch stammt der Name tatsächlich von den Briten (resultierend aus den Brytonen), die nämlich dem aremoricanischen schutzbund gegen die Germanen unterstützten; zuerts waren es nur walisische mönche, doch später (ab etwa 600) auch stammesgruppen der briten über (warscheinlich vertrieben durch angelsachsen)...
     
  20. Sheik

    Sheik Neues Mitglied

    Wo gibt es denn informationen zu diesen ominösen Brytonen? mein kleiner Pauli kennt sie z.B. nicht?
     

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