Europa vor dem 1. Weltkrieg

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Nationalstaaten" wurde erstellt von Alexander187, 31. Dezember 2004.

  1. hatl

    hatl Premiummitglied


    "Das ist mein Krieg" (Hurrah), Iswolsky Nov. 1914.
    Ich denke das hat möglicherweise weniger Bedeutung als es zunächst scheint.
    Während der ersten Marokkokrise war er noch Gesandter, wurde dann steil nach oben Außenminister.
    Während der Bosnischen Annektionkrise machte er wohl eine so unglückliche Figur, dass er anschließend zum Botschafter degradiert wurde.
    Die Umstände waren, wenn ich es recht verstehe, geeignet demütigend zu sein.
    Na, da hat er wohl einen Groll gehabt.
    Und wenn man sich anschaut was für Suppe im ersten Jahr des Krieges ganz allgemein in den Köpfen brodelte, könnte das noch in der internationalen Bandbreite liegen.

    Die russische Haltung zur 1. Marokkokrise ist vielleicht am einfachsten zu verstehen.
    Russland ist im inneren hochgefährlich destabilisiert, taumelt am Abgrund des unmittelbaren Zusammenbruchs, und hätte wahrlich ganz andere Probleme, gäb es da nicht einen üblen Umstand:
    Russland befindet sich zudem in einer gefährlichen finanziellen Schieflage.
    Witte ist der russische Krisenmanager dieses Jahres und er verhandelt verzweifelt mit Frankreich über einen Großkredit.
    In seinen Memoiren beschreibt er wie das Ende der "verwünschten" Algeciras-Konferenz herbeisehnte. Denn der Abschluss der Konferenz wurde von Frankreich zur Voraussetzung des Kredits gemacht.
    -- Witte - Memoirs - Chapter XI - The Loan That Saved Russia
    (Übrigens das Buch gibt es antiquarisch auch auf Deutsch)

    Ansonsten aber versteh ich die Haltung der unmittelbaren Spieler überhaupt nicht.
    Als junger Mann war ich mal in Marokko und frag mich ehrlich warum jemand Marokko haben wollte.:)
     
  2. hatl

    hatl Premiummitglied

    Das ist auch ein sehr interessanter Punkt.
    Die "Geheimdiplomatie", als solche, ist ja die Kunst der Intrige.
    Da stellt sich die Frage der übergeordneten Organisationsfähigkeit.

    Danke für den Hinweis.
    Die "Geheimdiplomatie" ist wohl ein wichtiger Bestandteil des Gemisches, das Europa explodieren ließ.
     
    1 Person gefällt das.
  3. Turgot

    Turgot Neues Mitglied


    Iswolsky hat im Zuge der Annektionskrise wiederholt die Weltöffentlichkeit massiv angelogen und schwere, unwahre, Vorwürfe gegen seinen österreichisch-ungarischen Amtskollegen Aehrenthal erhoben. Iswolskys Agieren als unglücklich agieren hieße den Wolf zum Schäfchen zu degradieren. Es ist ohnehin recht erstaunlich, das ein Mann wie Iswolsky Außenminister wurde. Er hatte zuvor keine große Botschaft geleitet und in der Sängerbrücke auch keine praktische Erfahrung sammeln können. Schlimm war, das dieser Mann dann auch noch Botschafter in Paris wurde, wo er dann fortlaufend gegen den Zweibund sein gift verspritzen konnte.

    Vor Iswolsky Amtsantritt war die Politik Russlands auf dem Balkan defensiv und ging äußerst kooperstiv mit Österreich-Ungarn vor. Die Russen haben es sowohl Wien als auch Berlin schlecht gedankt, das diese die jahrelange Verlegenheit der Russen nicht entschieden für eigne Vorteile ausgenutzt haben.
     
  4. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    In Marokko herrschte damals Bürgerkrieg, bzw bürgerkriegsähnliche Zustände, und Krieg verlangt nach Kriegsgerät. Schneider- Creusot und Krupp waren stark in marokkanische Händel involviert, während andere Vertreter der Schwerindustrie Interesse für die Ausbeutung der Eisenerzvorkommen hatten. Wegen der Armut der Bevölkerungsmehrheit beschränkten sich die europäischen Importe auf Luxusartikel für den Hofstaat. Dazu wurden Nähmaschinen, Feuerzeuge, Fahrräder, Kinematographen, Bauteile für Telegraphen und natürlich Waffen nach Marokko importiert, die man sowohl an den Sultan wie an Aufständische und konkurrierende Freischärler verkaufte. Eigentlich überwog in Marokko der britische Einfluß, und mit Hilfe der Briten wäre es für Deutschland ein Leichtes gewesen, Marokko zu besetzen. In einer geheimen Zusatzklausel der britisch-französischen Entente verpflichteten sich die Briten zur Preisgabe Marokkos zugunsten Frankreichs. Für die Unterstützung in Marokko entschädigtigten sich die Briten durch Mitunterzeichnung der französischen Marokkoanleihen. Starkes Interesse für das Comitee´ Marocaine bekundete neben Schneider- Creusot auch das Haus Rothschild.
     
  5. hatl

    hatl Premiummitglied

    Vielen Dank für die Erläuterung.
     
  6. Turgot

    Turgot Neues Mitglied

    Ein paar Worte zur unmittelbaren Vorgeschichte der Annektionskrise

    Ende Feburaur 1908 führte der englische Botschafter in Petersburg Nicolson aus, "daß England kein Interesse mehr daran habe, daß Konstantinopel türkisch bleibe", da die Engländer Herr in Ägypten seien und dadurch die Starße nach Indien beherrschten.

    Am 02.Juli 1908 machte Iswolsky Aehrenthal das Angebot, das Österreich-Ungarn Bosnien, die Herzegowina und sogar Novibazar endgültig annektieren könne. Als Gegenleistung erwarte er (Iswolsky) die Dardanellen, konkret die Revision der Meerengenkonvention von 1871. Es ging um die ausschliessliche Durchfahrt russischer Kriegsschiffe.
    Iswolksy glaubte die Zustimmung der Großmächte sicher sein zu können. Nicolson hatte sich ja bereits entsprechend geäußert, von Deutschland und Frankreich erwartete er keinen nennenswerten Widerstand.

    Iswolsky weilte im September/Oktober in Karlsbad um dort zu kuren. Nach dem Desaster der Annektionskrise bestritten Zar und Stolypin, das Iswolsky überhaupt autorierst gewesen sei, ein Treffen mit dem Außenminister der Donaumonarchie zu arrangieren und er hätte angeblich keine Verhandlungsvollmacht gehabt. Sein Adlatus Carykow brachte Licht ins Dunkel und behauptet das Gegenteil. Es gab ein entsprechendes Papier, das auch gebilligt worden sei. Aus diesem Papier geht hervor, das dass Arrangement aber von den europäischen Mächten zu billigen sei.

    Jedenfalls trafen sich Iswolsky und Aehrenthal am 16.September in Schloss Buchlau auf Einladung von Berchtold. Aus den Unterlagen Aehrenthals geht klar und deutlich hervor, das die Annektion und die Frage der Meerengen nicht so mitienander verknüpft waren, wie Iswolsky später behauptet hat. Die beiden Herren einigten sich darüberhinaus auch über die Unabhängikeit Bulgariens und das Kreta zu Griechenland kommen solle. aehenthal informierte Iswolsky auch über den mutmaßlichen Zeitpunkt der Annektion, nämlich in den ersten kommenden Tagen des Oktober, also kurz vor den Zusammentritt der Delegationen. Auch diese sollte Iswolsky später mehrfach gegenüber alles und jeden vehement bestreiten.

    Die Publikation der diesbezüglichen Schriftverkehrs durch Bestuzew bestätigt aber Aehrenthal im großen und ganzen. Iswolsky sandte nämlich am 16.September einen Bericht an Carykow, der ganz klar dokumentiert, wie dreist Iswolsky die Welt belogen und Aehrenthal zu unrecht beschuldigt hat. So heisst es dort beispielsweise, "Ich habe mit absoluter Sicherheit festgestellt, daß die österreichisch-ungarische Regierung sich unwiderruflich für eine Annexion Bosniens und der Herzegowina entschlossen hat. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird Baron Aehenthal die Annexion, die am 06.Oktoer zusammentreten werden, bekanntgeben. Das Dokument wirft auch ein peinliches Licht auf den Zaren. In der Antwort von Carykow heisst es nämlich:" Seine Majestät ist außerordentlich erfreut über die von Ihnen erzielten ergebnisse und schätzt insbesondere die von euch geäußerte Ansicht, daß die Gegenleistung, den Meerengenstatur zu uneren Gunsten zu verändern, nun günstig ist, auch ohne daß es nötig wäre, auf die Liquidierung des Osmansichen Reiches zu warten."

    Eigenartig und befremdlich ist, das Russland und ganz besonders Iswolksy nach dem Fiasko sehr wütend auf das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn waren. Nur, an diesen Mächten sind die Wünsche Russlands gar nicht gescheitert, sondern an den eigenen Verbündeten Frankreich und den Wunschpartner Großbritannien. Aber das war für die Bewertung anscheiende nicht ganz so wichtig.

    Abschließend noch ein Satz zur angeblichen deutschen Kriegsdrohung. Die Russen und Iswolsky haben diese so nicht empfunden; das geht klar aus ihren Äußerungen hervor. Sir Edward Grey hatte in jenen Tagen gegenüber den deutschen Botschafer fast die gleiche Worte verwendet, als er (Grey) zu ihm von den englischen - Österreichisch-ungarischen Verhandlungen über eine von Serbien in Wien abzugebende Note sprach. Grey meinte, wenn sein vermittlungsvorschlag fehlschlage, zieh er sich zurück und lasse den Dingen ihren Lauf und die verantwortung falle österreich-Ungarn zu. Nachzulesen in der Großen Politik Band 26/2 Dokument Nr.9466 und in den Britschen Dokuemten Vol. V. Nr.739. Jedenfalls wurde aus Grey seiner Ausführung keine Kriegsdrohung unterstellt.

    Quellen u.a.: Skrivan, Schwierige Partner,
    Hantsch, Berchtold
    Molden, Aehrenthahl
    Miege, Rußland und die bosnische Annektionkrise
    Rathmann, Die Balkanfrage 1904-1908 und das Werden der Triple Entente.
     
    1 Person gefällt das.
  7. hatl

    hatl Premiummitglied

    Nachdem im July 1908 die erste jungtürkische Revolution stattfand und die neue Regierung ein Reformprogramm für das Osmanische Teich ankündigte, war für Österreich und Russland die Zeit gekommen ihre eigenen imperialen Interessen zu beschleunigt zu verfolgen.
    Man fürchtete den Erfolg der Jungtürken.

    „Die Österreicher und Russen, Rivalen um die Großmachtdominanz auf dem Balkan versuchten einige ihrer Ziele zu erreichen bevor die Reformen der Jungtürken Wirkung zeigen würden. Im September 1908 vereinbarten der östrreichisch-ungarische Außenminister, Alois Aehrenthal, und der russische Außenminister Izvolsky, gegenseitige Unterstützung der jeweiligen Ziele auf dem Balkan. Die Österreicher wollten Bosnien-Herzegowina annektieren, welches sie seit 1878 besetzt hielten. Die Russen wollten die Kontrolle der strategischen Meerengen die das schwarze Meer mit dem Mittelmeer verbanden [Bosporus und Dardanellen; Anmerkung durch mich]. Bevor die Russen die Sanktionierung der Großmächte für ihr Ziel erlangen konnten, handelte Österreich einseitig.“

    .. indem sie Bosnien-Herzegowina annektierten.
    Das Verlangen der Russen dies rückgängig zu machen hatte keinen Erfolg (und wohl auch wenig Aussicht darauf).

    „Das einzige Zugeständnis das Österreicher machten war die Rücknahme der Besetzung des Sandjak von Novi Pazar. Die Krise um die Annektion war eine diplomatische Niederlage Russlands. Sie begannen Wege für die Wiederherstellung ihrer Position auf dem Balkan zu suchen“


    Zitiert: Richard C. Halls – The Balkan Wars - Seite7, Übersetzung durch mich.

    Und folgt man Clark (Schlafwandler - Seite 126) so stellt sich das ähnlich dar. Iswolsky ist jedenfalls der Verlierer des Spiels.
    „Dem russischen Außenminister waren zwei schwere Fehleinschätzungen unterlaufen: Erstens hatte er angenommen, dass London seine Forderung einer Öffnung der Meerengen unterstützen würde. Und er hatte zweitens die Wirkung der Annexion auf die russische nationalistische Meinung unterschätzt.“

    @Turgot,

    nun scheint es Dir ja auch verwunderlich wie dieser Iswolsky Außenminister werden konnte.
    Danach war er es jedenfalls nicht mehr, sondern wurde degradiert, jedoch immerhin Botschafter in Paris. Vielleicht war er da immer noch dem Peter-Prinzip zuzuordnen.
    Als Außenminister hatte er wohl versagt...
    .. und die Wege des Herrn Autokraten Nikolaus sind schwer ergründlich.
    Zumal dieser nicht nur wankelmütig ist, sondern zudem ein politischer Idiot. (ich denke, das kann man sachlich so feststellen
    und es ist m.E. das was du als "peinliches Licht auf den Zaren" bezeichnest, eine Grundbeleuchtung des Nikolaus ;))

    Wenn man sich aber im Ergebnis anschaut, wer wen reingelegt hatte, dann kann man schon annehmen, dass Iswolsky der war, der sich als Gelackmeierter empfand, und nicht Aehrenthal.
     
  8. hatl

    hatl Premiummitglied

    "Kalter Krieg" könnte man sagen.
    Ich hab den Eindruck, dass sozusagen permanent das vorhanden war, was wir heute als "Kalten Krieg" bezeichnen.

    Ich versuche ein Bild zu malen:
    Wenn etwas explodiert nennt man das Sprengstoff.
    Nimmt man den als technischen Begriff, dann sind die einzelnen Substanzen relativ harmlos, im Gegensatz zum Gemisch.
    Nachdem Europa, und auch andere Teile der Welt, eine sehr plötzliche Verwüstung erlebten, ist dieser bildliche Vergleich vielleicht hilfreich ein erkennbares Muster zu zeigen.

    Und jetzt brauen wir mal fröhlich eine Bombe:
    Wir mischen Intrigen/Geheimdiplomatie mit Kaltem Krieg,
    geben den Imperialismus hinzu,
    rühren den Nationalismus hinein,
    geistige, wirtschaftliche und demografische Umbrüche ebenso,
    auch technische und militärische Neuerungen nicht gekannten Ausmaßes,
    und nicht zu knapp bemessen, den Niedergang des Adels.

    Es bleibt doch ein Rätsel.
    Denn wollte man so eine Bombe bauen, könnte man sich kaum sicher sein, dass sie auch losginge.

    So wie ich es verstehe, war das was Du zitierst, schon ein länger bestehender Zustand im Umgang der später involvierten Nationen untereinander.
     
  9. Turgot

    Turgot Neues Mitglied

    @hatl

    Iswolsky hat sich als der Gelackmeierte gefühlt?

    Wenn er das gewesen sein sollte, dann nicht durch die Zweibundmächte, sondern durch seinem Zaren, Stolypin und vielleicht auch seinem neuen Freund Großbritannien.

    Iswolsky wollte sein "Haut" retten und ging zu diesem Zwecke sehr aggressiv gegen Aehrenthal vor.
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. Januar 2015
  10. Turgot

    Turgot Neues Mitglied

    @hatl

    Iswolsky ist erst im September 1910 von seinen Posten als Außenminister zurückgetreten. Er war also noch zwei weitere Jahre in Amt und Würden und ob der Botschafterposter in Paris, immerhin der wichtigste Verbündete des Zarenreichs, eine Degradierung war, das möchte ich bezweifeln. Dann hätte Nikolaus ih auf einen weitaus unwichtigeren Posten versetzten müssen, dort, wo er weniger Schaden anrichten hätte können.

    Es gibt genügend andere Beispiele wo Staatssekretäre des AA auf Botschafterposten gewechselt haben und dies nicht als Degradierung empfunden hatten. Diese Posten waren nämlich auch erheblich fetter dotiert.

    Was mich doch überrascht ist, das diese obige Ausführung von mir

    Sir Edward Grey hatte in jenen Tagen gegenüber den deutschen Botschafer fast die gleiche Worte verwendet, als er (Grey) zu ihm von den englischen - Österreichisch-ungarischen Verhandlungen über eine von Serbien in Wien abzugebende Note sprach. Grey meinte, wenn sein vermittlungsvorschlag fehlschlage, zieh er sich zurück und lasse den Dingen ihren Lauf und die verantwortung falle österreich-Ungarn zu. Nachzulesen in der Großen Politik Band 26/2 Dokument Nr.9466 und in den Britschen Dokuemten Vol. V. Nr.739. Jedenfalls wurde aus Grey seiner Ausführung keine Kriegsdrohung unterstellt.

    kein Echo gefunden hat. Die fast gleich lautende Ausführung von Bülow gegenüber Iswolsky hingegen ein ganz erhebliches.
     
    1 Person gefällt das.
  11. Turgot

    Turgot Neues Mitglied

    Okqy, dann eben nicht. Ich klinke mich dann hier aus.
     
  12. hatl

    hatl Premiummitglied

    Etwas Geduld darf schon sein. :pfeif::winke:
     
  13. hatl

    hatl Premiummitglied


    Ich kann da doch keine Uneinigkeit unserer Betrachtungen erkennen.
    Wenn er sich in der misslichen Lage sah, seine "Haut retten" zu müssen, dann könnte man schon sagen, dass er sich als "der Gelackmeierte gefühlt" haben kann.
    Ich vermute, dass der Umstand eines Handelns von Ö-U, im Sinne einer Schaffung von vollendeten Tatsachen, noch bevor Iswolsky seine Pläne umsetzen konnte (falls diese überhaupt umsetzbar waren), diesen brüskierte.
    Das ist aber auch eine Spekulation.

    Vielleicht ist das Europa am Vorabend des großen Verheerens auch von solchen Spekulationen geprägt.

    Zitate aus einem löblichen, und bewunderswerten, Studium der Quellen "Grey meinte, wenn sein vermittlungsvorschlag fehlschlage, zieh er sich zurück und lasse den Dingen ihren Lauf und die verantwortung falle österreich-Ungarn zu." sind nach meinem bescheidenen Verständnis, in einen allgemeinen Kontext zu stellen und bedürfen einer vergleichenden Interpretation.
    Und das wiederum scheint mir hier eine sehr schwer zu bewältigende Aufgabe zu sein.
    Feststellen kann man mE nur, dass diese Aufgabe am Vorabend des Ersten Weltkriegs nicht bewältigt wurde.
     
  14. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    "stimmungsvolle" Fotos von den Überresten der Sicherungsanlagen zum Schutz Londons gibt es derzeit in der Presse.

    Das sind Überreste aus den diversen "invasion scares", bei denen durch das Flottenwettrüsten der Dampf- und Panzerschiffzeiten der Eindruck aufkam, London könnte "leicht überrannt" werden. Die Anlagen verdanken diesen Hysterien ihre Existenz. Angstgegner waren zunächst Frankreich (noch ohne Tunnel :D ) und der "Great Game-Gegner" Russland (der die Invasion über Indien vorbereiten könnte :scheinheilig: ) , dann das Deutsche Reich.

    Heutzutage schwer nachvollziehbar, bei der "unbesiegten Navy".

    Ruined Redoubt “Fort” Built to Defend London – HeritageDaily – Heritage & Archaeology News
     
  15. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Ich hatte mir vor einigen Jahren auf Malta u.A. ein paar Forts aus dieser Zeit angesehen. Das waren jedoch eher kleinere Anlagen und m.M. nach nicht sehr gut durchdacht. Dort fürchtete man eine italienische Landung. In einem dieser Forts (Rinella) zur Verteidigung Valettas wurde eines der damals größten Geschütze eingebaut, die 100-Tonnen-Kanone von Armstrong, die den Italienischen Panzerschiffen der Duilio-Klasse Konter geben sollte (denen man kurz vorher dieselben Geschütze verkauft hatte).

    https://en.wikipedia.org/wiki/100-ton_gun

    Vor Kurzem war ich in Südfrankreich und konnte dort eineige Anlagen des Systems Serre de Rivieres besuchen bzw. von aussen besichtigen, die aus derselben zeit stammten.

    Zum Teil einfache Batterien, zum Teil gewaltige weitläufige Anlagen die auf schwer erreichbaren Gipfeln der Alpes Maritimes errichtet wurden. Man fragt sich ebenfalls wozu das Ganze, da dieses schon rein geographisch ein sehr leicht zu verteidigendes Terrain ist.

    Sowohl die britischen wie auch die französischen Anlagen dieser Art wurden sehr schnell obsolet, als man feststellte wie zerstörerisch die Artillerie mit den neuen Sprengstoffen wirkte ("Brisanzkrise").

    Von dem System Serres de Riviere wurden einige Forts auf Grund der neuesten Erkenntnisse modernisiert (so z.B. Douamont und Vaux die eine zusätzliche Betonschicht bekamen, der so genannte "Sargdeckel"), andere wurden aufgelassen. In Südfrankreich wurden einige dann in den 30.ern in die Ligne Maginot eingefasst und in ihnen moderne Stahlbetonbunker eingebaut.

    Ein interessantes Objekt dieser Art, das man jedoch leider nicht besuchen kann, ist Mont Agel, einem hohen Gipfel über Monaco: Als Fort im System Serres de Riviere errichtet (vorher waren dort schon einige sardische Stellungen) in den dreissigern als Festpunkt der Ligne Maginot weiter ausgebaut, spielte in den Kämpfen 1940 eine Rolle als die Italiener die Grenze überschritten und dann nochmals 1944 als es den Deutschen als Stützpunkt gegen die vorrückenden Amerikaner diente. Nach dem Krieg wurde dort eine militärische Radaranlage eingerichtet so wie eine Kontrollstelle die bis 2012 in Dienst war. Auch heute ist dort noch eine militärische Anlage.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. April 2017

Diese Seite empfehlen