Hinrichtungsarten

Dieses Thema im Forum "Sonstiges in der Neuzeit" wurde erstellt von Lisa96, 15. Dezember 2012.

  1. Lisa96

    Lisa96 Gesperrt


    Hallo,
    ich bin Lisa. Wir machen in der Schule gerade ein Projekt zu Formen der Hinrichtung. Ursprünglich haben wir über Länder wie die USA gesprochen, in denen es die Hinrichtung ja teilweise heute noch gibt. Jetzt sollen wir in Gruppen herausfinden welche Hinrichtungsformen es früher gegeben hat. Meine Gruppe hat die Frühmoderne bekommen. Das ist glaub ich das selbe wie die Frühe Neuzeit, deshalb frage ich hier. Wir haben schon gegooglet und herausgefunden, dass es zu der Zeit auch in Deutschland (oder dem Gebiet) Hinrichtungen gab und auch einige Arten gefunden. Unsere Lehrer mögen aber Wikipedia nicht. Wir sollen lieber mit Büchern arbeiten, als mit dem Internet. Könnt ihr uns vielleicht helfen herauszufinden in welchen Büchern wir etwas darüber finden können? Vielleicht gehen auch seriöse Internetseiten, aber Bücher sind bestimmt besser.
    Wir haben bisher die Arten Steinigung, Erhängen, Kreuzigen und Verbrennen gefunden.

    Ich hoffe ihr könnt uns helfen! Liebe Grüße Lisa
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Diese Hinrichtungsarten hat es zwar alle mal gegeben bzw. gibt es in einem Fall auch heute leider noch, aber in der Frühen Neuzeit? Zwei der drei genannten Arten der Hinrichtung kenne ich nur aus der Antike. Da würde ich noch mal nachrecherchieren. Eine ganz wichtige Hinrichungsart fehlt auch noch und die Zuordnung der Hinrichtungsarten zu bestimmten Verbrechen und/oder Bevölkerungsschichten.

    Schau mal, ob du unter dem Namen Dirk Fass etwas findest.
    Ach ja: Wo man etwas zu Hinrichtungen findet, das ist bei Arnold von Harff, einem rheinischen Ritter der im 15. Jhdt. nach Santiago de Compostela gepilgert ist und der diverse Hinrichtungsarten beschrieben und aufgezeichnet hat (wenn ich mich jetzt nicht völlig vertue). Arnold von Harffs Reisebericht ist auch modernisiert herausgegeben.
     
  3. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied



    Richard Van Dülmen, Das Theater des Schreckens

    gibt Auskunft über das Szenario mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Strafrituale, Exekutionsarten und die Bedeutung "spiegelnder Strafen".
    Richard Van Dülmens Werk ist gut lesbar, auf dem aktuellen Stand der Kriminalitäts- und Rechtsgeaschichte.

    In diesem Zusammenhang kommmt man will man tiefer in die Thematik eintauchen nicht an diesem Werk vorbei:

    Michel Foucault, Überwachen und Strafen- die Geburt des Gefängnis.

    Beide, Foucault wie Van Dülmen sind als TB günstig zu haben.

    Einige interessante sozialgeschichtliche Hintergründe sind darin zu finden:

    Franz Irrsiegler/ Arnold Lasotta Bettler und Gauner, Dirnen und Henker- Außenseiter in einer mittelalterlichen Stadt.

    Ein weiterer schon älterer Klasssiker sollte in einer guten UB verfügbar sein:

    Gustav Radbruch/ Heinrich Gwinner, Die Geschichte des Verbrechens.

    Radbruch und Gwinner waren namhafte Juristen und Rechtshistoriker in der Weimarer Republik, einige ihrer Thesen gelten als überholt, und manche Passagen wird man nicht unwidersprochen stehen lassen wollen, die Materialfülle, die die beiden ausbreiten verdient Respekt, und gut lesbar ist der Schmöker auch.


    Last, but not least gebe ich euch den Tipp, euch mal die Webseite des Kriminalmuseums in Rothenburg anzusehen, das Arbeitsblätter an Schüler versenden kann.

    Das Kriminalmuseum
     
  4. schwedenmann

    schwedenmann Aktives Mitglied

    Frühe Neuzeit

    Hallo


    Da gabs als Hinrichtungsarten auf dem Gebiet der BRD (Hängen, Enthaupten (Schwert, Beil, Guillotine), Rädern, Verbrennen, also eine ziemliche "bunte Mischung".


    mfg
    schwedenmann
     
  5. Lisa96

    Lisa96 Gesperrt

    Oh wow das ging aber schnell. Vielen, vielen Dank!
    Wir wollen Montag nach der Schule in die Stadtbibliothek. Dann haben wir ja schon einiges wonach wir suchen können. Vielleicht kann uns ein Mitarbeiter dort auch noch helfen, wenn wir uns nicht zurecht finden.

    Wegen der Arten müssen wir dann wirklich noch einmal nachsehen. Vielleicht haben wir das mit den Hinrichtungsarten falsch verstanden. Aber das war ja auch nur im Internet nachgesehen. Vielleicht sollen wir deshalb lieber Bücher lesen :red:

    Der Tipp zu den Zuordnungen zu bestimmten Straftaten ist auch toll, das wusste ich noch gar nicht. Wir hatten uns schon gefragt wer aussucht welche Strafe bei wem angewendet wird.

    Scorpio, was heißt UB?
    Meinst du die Bücher, die du aufgezählt hast, gibt es in der Bücherei, oder sollte ich die lieber direkt bestellen, wenn die gar nicht viel kosten?

    Vielleicht gibt es ja noch mehr Tipps und wenn nicht, haben wir schon eine schöne Liste an Büchern nach denen wir suchen können. Ganz ganz vielen Dank!!
     
  6. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Ich habe einen Fall von 1770. In Neubrandenburg wurde die Raubmörderin Dorothea Götterich am 19. Dezember durch Rädern hingerichtet. Sie hatte ihre Gastwirtin mitsamt deren drei Kinder mit einer Axt erschlagen. Es sind siebzig Hiebverletzungen an den vier Opfern gezählt worden.
    Über die Hinrichtung wurde ein Bericht angefertigt, der dem Urteil in den Akten beigefügt ist:

    "Inzwischen hat der Pastor von Schroeder von Anckershagen bei der Meleficantin sich eingefunden, und derselbe begleitete sie bis an den Kreis auf dem Markte.
    Kurz vorher hatten die Gerichtspersonen sich an dem Tische niedergesetzt; es musste aber der Anfang der gerichtlichen Handlung um deswillen verschoben werden, weilen der Scharfrichter nicht gegenwärtig war, und in währender Zeit, dass solcher aufgesucht ward, unterhielt der Pastor von Schroeder die arme Sünderin mit tröstenden Unterredungen. Man erfuhr hiernächst, dass der Scharfrichter am Kreise gestanden und er um deswillen nicht hereingetreten sei, weil er seine Kinder mit in den Kreis hat hereinbringen, die Wache ihm aber solches nicht hat verstatten wollen.
    Als die Maleficantin von dem Polizeidiener nunmehr ihrer Fesseln entledigt werden sollte, so fand es sich, dass die Fußschelle verrostet und aller Mühe ohngeachtet nicht los zu machen war, deshalb nur die Kette herausgezogen, die Schelle aber um den rechten Fuß gelassen werden musste, welche sie auch anbehalten, die jedoch bei der Zerstoßung des Fußes keine Hinderung gemacht hat.
    Übrigens bezeigte die Meleficantin vor dem peinlichen Halsgerichte in ihrem Gesichte keine Furcht oder Angst, sondern ein geruhiges Wesen, welches mit ihrer sonstigen natura einer Unempfindbarkeit völlig übereinstimmte, und als der in dem abgehaltenen Protocollo beschriebene actus vollendet war, so machte sie gegen die Gerichtspersonen eine Verbeugung und sagte: „Ich bedanke mich für die gnädige Strafe; unser Herr Gott gebe, dass sie an mir ein exempel nehmen!“ Hierbei mag auch gemerkt werden, dass der Stab sich nicht wollen zerbrechen lassen, sondern zuletzt gegen den Tisch gestoßen und dergestalt gebrochen werden musste. Da solcher etwas kurz und dick, auch nur bloß eingeschnitten, die Spille aber nicht eingekerbt war, so hatte dieser Umstand seine natürliche begreifliche Ursachen, und aus diesem schwerlich gebrochenen Stabe ein omen auf den hiernächst erfolgten schweren Tod zu nehmen, würde nur eine Art eines Aberglaubens verraten.

    Hiernächst griff der Scharfrichter sie an, und wie ihm untersaget war, derselben die Hände zusammenzubinden, welches sonsten wohl zu geschehen pfleget, solches aber nicht allein unnötig und überflüssig, sondern auch der armen Sünderin bei dem Gehen nur lästig ist, als ward derselben eine Leine um den Arm gebunden, an welcher einer von den Scharfrichterknechten sie führte. Bei dem Hinweggehen aus dem Kreise fing die bestellte Currende- Schule an zu singen, und zugleich ward die kleine Glocke der Marienkirche geläutet, auf welches Zeichen die beiden Herren Pastores Jacobi und Zander sich auf dem Markte wieder einfanden, die arme Sünderin in der Mitte nahmen, und die Schützenzunft begleitete solche, und ward der Weg bei der Apotheke vorbei aus dem Friedlandschen Tor genommen.

    Bei dem Weggang der Maleficantin stunden die Gerichtspersonen von dem Tische auf, und obzwar sonsten wohl gebräuchlich gewesen, beim Aufstehen die Stühle umzustoßen, so war dennoch solches dermalen nicht practicable, weil die Menge der Zuschauer sich zu nahe an die Stühle herangedränget hatte und mithin zu deren Umwerfung kein Platz war.

    Bei dem Kellerwirt Prießen war zwar auch bestellet worden, eine Bouteille Wein und Glas bereit zu halten und dem Scharfrichterknecht verabfolgen zu lassen; in Betracht es gewöhnlich ist, dass der Knecht eine Bouteille Wein nachträgt, damit auf Verlangen eines matt und schwach werdenden Maleficanten ihm unterwegens ein Labetrunk gereichet werden könne; weilen aber der Scharfrichter vor Anhebung der gerichtlichen Handlung nach der von fremden Zuschauern gänzlich eingenommenen Gerichtsstube nicht gerufen und ihm ein und andere ordres nicht gegeben werden konnte, so ward sogleich verabsäumt, die Abforderung der Bouteille Wein ihm kund zu machen, welche derohalben auch unterblieben ist.

    Gewöhnlich sind die Maleficanten, aus dem neuen Tor nach dem Galgenberge gefähret worden, von jetzt aber ward darunter eine Veränderung gemacht und diese arme Sünderin aus dem Friedlandschen Tore gefähret, damit sie bei dem Hause, worin der Mord geschehen war, vorbeizugehen und sich zu Beugung ihres Herzens der begangenen Tat zu erinnern Gelegenheit haben möchte, welcher sie sich auch in dem Maße bedienet, dass sie in der Gegend des Hauses auf die Knie niedergefallen ist, ihr Verbrechen nochmalen öffentlich bekannt und ihre Reue bezeuget hat.
    Weil in Ansehung des tiefen Weges ein Wagen für die Hr. Hr. Pastores nahe am Friedlandschen Tore bereit hielt, so bedienten selbige sich auch dieses Wagens, um vom Tor ab bis an die Scheunen zu fahren, zumalen in solcher Zeit die Currende-Schüler einen Gesang singen mussten; inzwischen ward doch die Maleficantin nicht allein von dem Hr. Pastor Sensen zu Warlin begleitet und bei obgedachtem Niederfallen ihr tröstlich zugeredet, sondern da auch der Hr. Pastor Jacobi bei Aussteigung aus dem Wagen wahrnahm, dass die Maleficantin sich in der Gegend des Hauses aufhielte, so kam er zurück und betete über und für sie.

    Bevor sie nach diesem Hause hinkam, zeigte ihr der Sohn des Hr. Pastors Stocken den ohnweit von ihr reitenden Vater der ermordeten Hoffmann, den Schulmeister Benglin aus Gendelin, und frug selbige, ob sie ihn auch zu sprechen verlangte; wozu selbige sogleich willig war, ihn zu sich rief, mit beiden Händen anfasste und mit vielen Tränen bat, ihr diese Beleidigung zu vergeben, und würde sie ihn nicht eher loslassen, bis er ihr solches versprochen. Dieser durch solche unerwartete Anrede sehr gerührte alte Mann konnte vor Wehmut und Tränen nicht sogleich antworten, versicherte aber hiernächst, dass er ihr solches vergebe, wofür sie sich denn bedankte und ihn bat, ein Vaterunser für sie zu beten.
    Bei Anlangung auf dem Galgenberge ward die Maleficantin neben dem Kreise von ihrem Beichtvater nochmalen eingesegnet, und ob sie zwar ein Verlangen äußerte und frug, ob nicht noch ein Gesang gesungen werden würde, so ward ihr solches doch ausgeredet und sie ermahnet, ihrem Tode entgegen zu gehen, worauf sie ihr Gesangbuch dem Polizeidiener hingab und von dem Scharfrichterknecht nach dem zum Rädern bestimmten Platz hingefahrt ward..."
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Dezember 2012
    1 Person gefällt das.
  7. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    "...Und dieweil in der Kirchenordnung die Prediger dahin angewiesen sind, dass, wenn sie den armen Sünder nach dem Orte der Rechtfertigung begleitet und ihm auf sein Verlangen nachmalen die Absolution daselbst gesprochen und ermahnet haben, sie ihn alsdann dem Herrn Christo befohlen sein und den Scharfrichter weiter mit ihm nach gefällten Urteil handeln lassen sollen, so blieben auch obgedachte beide Hr. Hr. Pastores zurück und näherten sich nicht dem Platz der Execution.
    Es brachte inzwischen der Scharfrichter und dessen Gehilfen wohl eine Viertelstunde dabei zu, bevor sie die Ualsticanlin in gehörige Stellung legten, Hände und Füße festbanden und die Bracken darunter brachten, welche etwas zu hoch von Holze zu sein schienen, und weshalb die Erde etwas weggestochen ward.
    Alles dieses litt die arme Sünderin mit erstaunlicher Gelassenheit und ohne die Farbe zu verändern oder zu zittern. Bei dem langen Aufenthalt trat der Hr. Pastor von Schroeder wieder zu ihr und redete ihr zu und frug, wie ihr zumute wäre, worauf sie geantwortet: „Angst, Angst!“ und als er weiter gefragt, ob sie ihren Heiland noch im Herzen hatte, so erwiderte sie: „O, wenn ich den nicht hätte!“
    Nachdem endlich alle praeparatorien vollendet waren, so schritte der junge Mühlhausen zur wirklichen Execution und ließ das auf die Schulter gelegte Rad auf das linke Bein fallen; denn man kann nicht sagen, dass er damit eigentlich geschlagen oder dem fallenden Rade noch eine besondere force gegeben hätte (es war solches seine erste Execution, die er verrichtete, und seine jungen und schwacher Körper versprachen nicht viele Kräfte). Der Knochen war nicht sowohl gebrochen als gespalten, und die arme Sünderin schrie heftig: „Ach Herr Jesu, o mein Bein!“ Bei den ferneren Stößen auf den rechten Arm, linken Arm und rechten Fuß, auch bei allen übrigen Stößen gab selbige ganz und gar kein Laut von sich, und man hörte kein Seufzen oder Stöhnen von ihr.
    Es lasset sich hiervon die Ursache nicht mit völliger Gewissheit entdecken. Von einer Ohnmacht und Unbesinnlichkeit sah man keine Merkmale, Ob nach der Meinung des Hr. Doktor Hempels die Heftigkeit des Schmerzens nach dem ersten Schlage einen solchen unordentlichen Verlauf des succi nervei bewirket habe, wodurch eine Art der Lähmung des organi vociveri entstanden (denn durch den über die Brust angelegten und scharf angezogenen Strang hat die Brust dergestalt nicht beklemmet werden mögen, dass sie nicht schreien können), oder ob sie mit Fleiß und aus vorgenommener Überlegung sich des Schreiens enthalten, bleibt dahingestellet, so viel aber ist gewiss, dass sie die Zähne und Lippen zusammengebissen, und es scheinet fast, dass sie der Natur Gewalt angetan und über die Schmerzen hat siegen wollen.

    Weil die auf die Brust gegebenen fünf bis sechs Stöße den sonstigen Erfolg, dass das Blut zum Halse herunterfließet, nicht hatten (welches teils daher entstehen mochte, weil die Maleficantin stark gebrüstet war, teils auch der junge Mühlhausen dem Rade keine force geben konnte), so ward dem Scharfrichter zur Endigung der Pein der Meleficantin zugerufen, dass er an solcher die Genickschläge verrichten solle. Indem hierbei die Stränge, womit die Arme und Beine an den Pfosten festgebunden waren, aufgelöst werden mussten und der Strang um die Brust losgelassen ward, so hatte die Maleficantin noch so viel Kraft, dass sie gleichsam sitzend sich aufrichtete. Sie ward hiernächst auf das Gesicht, die Bracken aber nicht genau unter den Hals gelegt; inzwischen und obzwar der erste Schlag auf die Schulter fiel, so trafen dennoch die übrigen fünf bis sechs Stöße den Nacken; jedoch auch dadurch ward ihr Leben und Empfindung nicht genommen; es ward deshalb selbige abermalen umgekehrt, auf den Rücken gelegt, und es wurden sodann ihr viele Stöße auf die Brust gegeben. In Betracht aber, dass auch diese Schläge nicht den erwarteten Erfolg hatten, so ward abermalen der Versuch gemacht, ihr auf die Art das Leben zu nehmen, dass sie wieder auf den Bauch gelegt und die Stöße in den Nacken zu verschiedenen Malen wiederholet wurden.

    Es behielte jedoch die arme Sünderin noch immerhin Leben und Empfindung, welches offenbarlich zu erkennen war, da selbige wiederum auf den Rücken gelegt ward.
    Indem nun dieselbe mehrere Schmerzen und Pein empfinden musste, als sie nach der Absicht des Urteils leiden sollte, so vereinbarten der Hr. Rat Fischer und der Hr. Rat Wulffleff sich dahin, den Vorschlag des Hr. Doctor Hempel befolgen und ihr den großen zur Befestigung des Kopfes auf dem Rade destinierten Nagel in den Kopf treiben zu lassen.
    Denn obzwar hierdurch eine ganz ungewöhnliche Handlung vorgenommen ward und es den Anschein einer Grausamkeit hatte, dieser lebenden Person diese Marter zuzufügen, dass ihr ein Nagel in den Kopf getrieben werden sollte, überdem auch solches dem Urteil zu widersprechen scheinet, nach welchem sie mit dem Rade vom Leben zum Tode gebracht werden sollen, so war hiergegen auch zu erwägen, dass es gleichfalls ein ganz ungewöhnlicher und außerordentlicher Fall war, dass so viele Nacken- und Bruststöße nicht vermögend waren, ihr das Leben zu nehmen, und es waren nichts als Triebe des menschlichen Mitleids, welche es veranlassten und zur wirklichen Notwendigkeit machten, durch eine kürzere Pein die längeren Schmerzen und den Tod zu befördern.

    Es ward sonach dem Scharfrichter anbefohlen, den Nagel der an der Erde auf dem Rücken liegenden Maleficantin in den Kopf zu schlagen. Der Knecht musste deshalb solchen nebst den Spitzhammer von dem Rade herholen, und dieser setzte solchen Hammer mitten auf den Kopf und trieb ihn mit dem Beile ziemlich tief herein, welchen er hiernächst herauszog und den Nagel dergestalt hereinschlug, dass er eine Handbreit noch hervorragte. Bei dieser schmerzhaften Handlung bemerkte man nicht, dass die arme Sünderin sich im mindesten regte; desto mehr aber musste man erstaunen, dass sie kurz nachher beide Arme in die Höhe hob und mit den Händen sich in die Haare nahe bei dem Nagel fasste, gleichsam als ob sie solchen wieder herausziehen wollte. Ja, ihre Empfindung war noch so lebhaft, dass sie mit der einen Hand einiges aus der Nase nach dem Munde laufende Blut abwischte. Und ob zwar die Knochen der Unterarme wirklich gebrochen waren, so fand sich dennoch, dass sie, durch die Heftigkeit des Schmerzens angetrieben, allemal den Oberarm mit der größten Geschwindigkeit in die Höhe hob, wodurch der geschmetterte Unterarm, der sonst wirklich ohne Bewegung war, zum Kopf hingeschlenkert ward, die Hände hingegen, deren tendines nicht verletzt waren, konnte sie bewegen.

    Und als nach eingeschlagenem Nagel man vermuten konnte, dass sie tot wäre, und dieserhalb der Hr. Doctor Hempel, um sich von der Gewissheit des Todes zu überzeugen, der Maleficantin nahe ins Gesicht sähe, so hat zu seinem größten Entsetzen selbige nicht allein die Augen wieder geöffnet und den so oft mit dem Rade gestoßenen Nacken und den Kopf, worin der Nagel steckte, in die Höhe gehoben, sondern auch das Blut aus dem Munde gespuckt und vorgedachtermaßen den Mund abgewischt.
    Der Scharfrichter fing abermalen an, ihr einige Stöße auf die Brust zu geben, und nach dessen Versicherung hat die Maleficantin, sooft sie das Rad auf die Brust fallen gesehen, die Augen zugemacht und hiernächst wieder eröffnet.

    Jedoch auch auf diese wiederholten Stöße wollte der Tod nicht erfolgen, dieserwegen musste nach dem Consililo des Herrn Doctor Hempel der Nagel noch tiefer und dergestalt eingeschlagen werden, dass die Spitze dem Kinne nahe bei der Gurgel hervorkam: und nunmehr veränderte sich die Gesichtsfarbe, sie ward blass und lag ganz stille, daher man vermuten musste, es wäre das Lebenslicht ausgegangen, und der Herr Pastor Jacobi fing die Grabrede an. Nichtsdestoweniger ist bemerket worden, dass unter der Rede des Hr. Pastor Jacobi sich der Leib stark beweget, gleich einem, der stark Odem holt, der Scharfrichter legte ihr auch die Hand aufs Herz und versicherte, dass es noch schläge.

    Nach geendigter Rede ward der entseelte Körper nach dem Pfosten hingeschleppt und aufs Rad gelegt. Der Scharfrichter hatte zwar ein Brett gefordert, welches auch auf die Leiter in der Absicht gelegt war, dass der Körper auf dieses Brett nach dem Rade hinaufgeschleifet werden sollte: es hatte aber der Scharfrichter das Geschirr, mit welchem ein Delinquent an den Galgen hinaufgezogen wird, an die Leiter angebracht, den Körper darin befestiget und dergestalt aufs Rad ziehen lassen, dass daher das Brett zum Überfluss von ihm verlanget worden ist. Den Nagel zog der Knecht aus dem Kopfe der Maleficantin heraus, setzte ihr die Mütze auf und schlug hiernächst den Nagel wieder durch und in den Pfahl feste, schlang auch die Kette um die Beine und den Körper und befestigte die Enden der Kette durch eingeschlagene Krampen."
     
    5 Person(en) gefällt das.
  8. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Gern geschehen, Leuten zu helfen, die sich selbst helfen können und selbstständig denken, macht Spaß.

    Für ein Schulreferat bietet Richard Van Dülmens "Theater des Schreckens" genug Material, Literaturverweise und Informationen um gute oder sehr gute Arbeit zu leisten. Als TB habe ich vor ein paar Jahren 11, 50 Euro bezahlt. Michel Foucaults "Überwachen und Strafen- die Geburt des Gefängnis ist schon eher etwas für ein Proseminar an einer Hochschule, für ein Referat kann es aber nicht schaden, sich mit dem Begriff "Sozialdisziplinierung" auseinanderzusetzen, bzw ihn in die Diskussion einbringen.

    Das was uns an mittelalterlichen Strafritualen als grausam erscheint und auch grausam ist, macht aber in einer Gesellschaft Sinn, die keine gefängnisstrafen kennt, die kein ausgebildetes Strafverfolgungspersonal, keine Polizei kennt und der der Gedanke der Resozialisierung des Täters fremd ist. Die Exekutionen mussten grausam sein, sonst hätten sie keinen Sinn ergeben.
    Eine interessante Frage wäre die, ob die Humanisierungstendenzen in der Justiz im Zuge der Aufklärung auch Einfluss auf die Kriminalität hatten.
    Wieweit schrecken drakonische Strafen ab? Trotz Abnahme an Hinrichtungen im 18. Jahrhundert, sank in dieser Zeit die Gewaltkriminalität. Kindestötung, noch im 18. Jhd. ein häufiges Delikt, wurde nach Abschaffung, bzw. Liberalisierung der rigorosen Sittengesetze im Verlauf des 19. Jhds viel seltener.

    In diesem Zusammenhang fällt mir noch eine Publikation ein, die eine Schülerin Van Dülmens verfasste.

    Die Göttinger Historikerin Rebekka Habermas beschäftigte sich in diesem Buch mit dem Leben und Sterben der historischen Susanna Margaretha Brandt, die den jungen Juristen Goethe inspirierte zur Figur des "Gretchens" im Faust.

    Rebekka Habermas/ Tanja Hommen, Das Frankfurter Gretchen- Der Prozess gegen Susanna Margaretha Brandt.
     
  9. Tannhaeuser

    Tannhaeuser Aktives Mitglied

  10. Anni0802

    Anni0802 Gesperrt

    Hi Lisa,
    das ist ja wirklich interessant, dass du dich auch mit Todesstrafen in der gleichen Zeit beschäftigst. Ich denke, dass dir mit "Theater des Schreckens" schon zu einem sehr gutes Buch geraten wurde! Ich würde dir noch das Buch "Todesstrafe. Ursprung. Geschichte. Opfer." von Karl Bruno Leder empfehlen. Dort werden die einzelnen Arten der Hinrichtung gut beschrieben, außerdem liest es sich einfach. Pass aber auf, dass du nicht mit den Zeiten durcheinander kommst. Da Leder auf die Geschichte der Todesstrafe eingeht, werden auch ältere Methoden vorgestellt.

    Schwedenmann hatte dir ja schon eine Liste mit einigen Methoden gegeben. Zusätzlich solltest du noch das "Ertränken" und das "lebendig Begraben" und in besonderen Fällen das "Vierteilen" beachten. Bei der Enthauptung wäre ich bei der Guillotine etwas vorsichtig, da diese erst gegen Ende der Frühen Neuzeit eingesetzt wurde, als sich die Strafrituale bereits gewandelt hatten. Aufzählen würde ich sie aber auf jeden Fall.

    Und lass dich nicht von Ruriks Text abschrecken, es waren nicht alle Hinrichtungen so brutal. Häufig wurde darauf geachtet, dass der Sünder keine unnötigen Qualen erleiden muss, damit beim Publikum kein Mitleid mit dem Hingerichteten entsteht. Zumindest habe ich das so gelesen. Natürlich hat es wie in der Quelle von Rurik auch sehr brutale Hinrichtungen gegeben...

    Viel Erfolg bei deiner Arbeit! :winke:
     
  11. Friedemann

    Friedemann Neues Mitglied

    Hallo, kann jemand hier eine genaue Statistik über die Toten zzt. der Französischen Revolution, bzw. zzt. des Terreurs liefern?

    besten Dank!

    F
     
  12. excideuil

    excideuil Neues Mitglied

    http://www.geschichtsforum.de/617306-post3.html

    Ob es der Weisheit letzter Schluss ist, vermag ich natürlich nicht zu sagen.

    Grüße
    excideuil
     
  13. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    @ Rurik

    Wirklich ein sehr anschaulicher Bericht. Vielen, vielen Dank für die Mühe!
    Gab es in Neubrandenburg auch die Sitte, dass nach der Hinrichtung gefragt wurde, ob der Scharfrichter sein Amt beflissendlich und gut ausgeführt hat?

    Sehr interessant, dass auch detailiert die Abweichungen und Gründe dafür vom üblichen Prozedere ausgeführt wurden.
     
  14. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    2 Person(en) gefällt das.
  15. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Das war noch nicht der Letzte. 1841 wurde in Preußen der Raubmörder Kühnapfel gerädert.
     
  16. corto

    corto Aktives Mitglied

    Info aus aus Wikisource
    Bohemia: oder Unterhaltungsblätter für gebildete Stände - Google Books

    Zitat:
    Wird oftmals fälschlicherweise als der letzte offiziell durch Rädern Hingerichtete in Deutschland angenommen. Am 13. August 1841 wurde jedoch der Mörder Heida in Neisse gerädert. Siehe dazu die Meldung in: Bohemia, ein Unterhaltungsblatt, Nr. 106, 3. September 1841 (3. Seite, rechte Spalte, 2. Absatz)

    1841 bleibts aber ;)
     
    1 Person gefällt das.
  17. Nomen Nescio

    Nomen Nescio Neues Mitglied

    Wiki

    dies scheint ein schrecklicher tod gewesen zu sein.

    [​IMG]
     
  18. Cécile

    Cécile Neues Mitglied

    Mal noch eine andere Frage zu dem Thema.
    Mir ist in kurzer Zeit zweimal in fiktionaler Literatur des frühen 19. Jh. untergekommen, das Gehenkte überlebt hätten.
    Gab es das tatsächlich, ist das medizinisch überhaupt möglich oder war das einfach eine gruslige, gern kolportierte Urban Legend?

    Das eine mal kommt es vor bei Hebel's Kalendergeschichten, da heißt es dass einer der fälschlicherweise gehenkt wurde von einem zufällig am Richtplatz vorbeikommenden Freund abenommen wird weil er noch die Augen öffnet. Da die Henker sich nicht weiter um die Hingerichteten kümmern geht das auch problemlos und er kann gesundgepflegt werden.
    Das andere mal ist es in einer recht unappetitlichen Geschichte aus Balzac's "Tolldreisten Geschichten", da wird auf Befehl des hier auf eklige Späße fixierten Königs, der vermeintliche Leichnam eines hübschen gehenkten Jünglings in das Bett einer alten Junfer praktiziert, so er wieder zu sich kommt.
     
  19. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Es gibt auf dem Jakobspilgerweg zwei Orte, die mit einem Wunder des Hl. Jakob verbunden sind, der eine liegt in Südfrankreich (und ich habe leider seinen Namen vergessen), der andere in Spanien, Santo Domingo de la Calzada. Hier gibt es in der Kirche einen Hühnerkäfig der an die Begebenheit erinnern soll, dass im MA ein deutscher Pilger und sein Sohn auf dem Weg nach Santiago von einem Wirt betrogen wurden. Dieser wollte nämlich an deren Habseeligkeiten und versteckte daher einen Wertgegenstand (ich meine, es wäre ein wertvoller Becher gewesen, das kann aber eine Interferenz mit der Geschichte von Joseph und seinen Brüdern sein, oder die Pilgergeschichte ist hiervon inspiriert) im Gepäck des Sohnes. Er bringt den vermeintlichen Diebstahl zur Anzeige, die Häscher erwischen Vater und Sohn und der Sohn wird wegen des Diebstahls überführt und aufgeknüpft, der Vater muss alleine weiter nach Santiago ziehen. Unterwegs oder auch erst in Santiago bekommt er vom Heiligen einen Hinweis, er solle doch noch mal zu dem Vogt, der seinen Sohn zum Tode verurteilte gehen und ihn darauf hinweisen, dass sein Sohn noch lebe und dies doch bitte als Bestätigung seiner Unschuld weisen. Dies tut der Vater auch, wird aber vom gerade speisenden Vogt ausgelacht, der meint, dass der Sohn des Pilgers in den Wochen oder Monaten, die seither vergangen seien ungefähr genauso lebendig sei, wie die Hühner auf dem Teller, die er gerade verspeise. Kaum hat er ausgesprochen, gackert's plötzlich vor ihm und die Hühner hüpfen dem Vogt vom Teller. Die Hühner in der Kirche von Santo Domingo de la Calzada sollen die Nachfahren eben jener Hühner sein.
    Mit der Reformation bricht zwar die Pilgertätigkeit nach Santiago zusammen (und erlebt erst seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts eine Renaissance, nicht zuletzt wegen Paolo Coelho oder auch HaPe Kerkeling)
    aber die Geschichte wird zumindest im 16. Jahrhundert noch erzählt, steht im Prinzip in so gut wie jedem Pilgerbericht drin. Vielleicht hat sie bis ins 19. Jahrhundert, von ihrem religiösen Gehalt gelöst, überlebt?
     
  20. corto

    corto Aktives Mitglied

    So rein "aus der Lameng":

    Soetwas konnte schon vorkommen, und um das zu verhindern wurden z.b. Falltüren (england) eingeführt.
    Diese brachen dann dem Delinquenten das Genick, nachdem er den ersten halben Meter oder mehr im freien Fall fiel.
     

Diese Seite empfehlen