Mesolithische Spanier - Sonnenbank unnötig

Dieses Thema im Forum "Frühzeit des Menschen" wurde erstellt von Luziv, 27. Januar 2014.

  1. Dieter

    Dieter Premiummitglied


    Sicher, denn sonst hätte es keine Depigmentierung gegeben. So ist eben Evolution.
     
  2. Peppermint Pig

    Peppermint Pig Mitglied

    Da es ja in dem Thema ursprünglich um die Hautfarbe ging, mal ein Beitrag von mir dazu.
    Die Frage ob helle oder dunkle Haut wird häufig versucht anhand des MC1R Gen zu beantworten. Bei einer Untersuchung - http://mbe.oxfordjournals.org/content/24/3/710.abstract -, die eine konvergente Evolution der hellen Haut bei Europäer und Ostasiaten bewiesen hat, zeigte das MC1R-Gen dagegen als einziges der untersuchten Gene kein Signal für eine potenzielle positive Selektion. Andere Untersuchungen zeigten zumindest eine regionale Rolle dieses Gens in Zusammenhang mit rotem Haar, heller Haut, Sommersprossen und Melanomrisiko in europäischer und europäischstämmiger Bevölkerung in erster Linie von den Britischen Inseln und vom MC1R 92*G Allel ist bekannt, dass es eine geringere Affinität für Alpha-MSH als das Wildtyp-Allele MC1R besitzt, was darauf hindeutet, dass es zu den normalen Schwankungen in der Pigmentierung beiträgt.
    Ich versuche hier mal diese Untersuchung http://mbe.oxfordjournals.org/content/24/3/710.full.pdf verständlich zusammenzufassen.
    Die Untersuchung weist auf die Bedeutung von mehreren Genen bei der Ausprägung des Pigmentierungs-Phänotyp und eine komplexe Evolutionsgeschichte mit starker positiver Selektion hin. Polymorphismen in zwei Genen, ASIP und OCA2, dürften eine gemeinsame Rolle bei der Gestaltung heller und dunkler Pigmentierung auf der ganzen Welt spielen, während Polymorphismen in den Genen SLC24A5, MATP und TYR eine herausragende Rolle in der Evolution zu heller Haut bei den Europäern, aber nicht bei den Ostasiaten gespielt haben. Diese Ergebnisse weisen gleichzeitig und klar daraufhin, dass Europäer und Ostasiaten hellere Haut unabhängig und durch unterschiedliche genetische Mechanismen entwickelt haben und stützen so den Fall einer konvergenten Evolution des Phänotyp mit geringerer Pigmentierung bei Europäern und Ostasiaten. Das starke Selektionsignal in den Genen SLC24A5 und MATP und im geringeren Maße im TYR-Gen unterstreicht die aktive Rolle von Selektion, d.h., dass es sich nicht einfach um "the relaxation of functional constraint" handelt. Die Auswertung der Daten über weitere 28 Gen-Loci, die für einen Einfluß auf die Pigmentierung infrage kommen identifizierte mehrere Gene, die Anzeichen natürlichen Selektion zeigen. Insbesondere 2-Gene (ADAM17 und ATRN) zeigten spezifisch ostasiatische Signaturen in einer Stärke vergleichbar mit denen für MATP und SLC24A5 bei den Europäern. Das ADTB3A Gen dagegen zeigt eine starke positive Selektion bei Afrikanern.
    Die Untersuchung von 7 SNPs in 6 Pigmentierungs-Genen (TYR, MATP, SLC24A5, MC1R, ASIP, OCA2) in 6 Populationen (Europäer, Ostasiaten, Indianer, Südasiaten, Insel-Melanesier und Westafrikaner ergaben bei 5 SNPs in 5 Genen signifikante Unterschiede bei mindestens einer Population gegenüber einer anderen. Die restlichen 2 SNPs, beide im MC1R Gen, zeigten keine so signifikanten Unterschiede zwischen den Populationen.
    ASIP A8818G
    - signifikanter Unterschied zwischen Westafrikanern und Südasiaten
    - signifikanter Unterschied zwischen Westafrikanern und Indianern
    - signifikanter Unterschied zwischen Westafrikanern und Europäern
    - erhöhter Unterschied zwischen Westafrikaner und Ostasiaten aber nicht so signifikant wie bei den anderen genannten
    Das Verteilungsmuster des ASIP 8818*G-Allels (Allel verbunden mit dunklerer Pigmentierung) deutet aber eher auf eine Rolle bei der Divergenz zwischen Afrikanern und Nichtafrikanern als zwischen dunkel- und hellpigmentierter Bevölkerung hin.
    OCA2 A355G
    - signifikanter Unterschied nur zwischen Europäern und Westafrikaner
    Allel OCA2 355*A verbunden mit geringerer Pigmentierung tritt mit den höchsten Frequenzen in Europa und Asien auf, ist aber auch in der indianischen Bevölkerung relativ häufig (18-34%) und tritt auch in viel niedrigeren Frequenzen (0-10%) unter Bantu sprechenden afrikanischen Gruppen auf. Im Gegensatz dazu hat das Allel welches mit dunklerer Pigmentierung verbunden ist, eine gemeinsame Hochfrequenz in Afrika südlich der Sahara und den Insel-Melanesiern. Eine bemerkenswerte Ausnahme ist die relativ leicht pigmentiert San Bevölkerung im südlichen Afrika, wo das Allel für hellerer Pigmentierung überwiegt (93%), was auch an der geringen Stichprobengröße (n = 14) liegen kann. Die weite Verbreitung des Allels für hellerer Pigmentierung legt nahe, dass es sich weder zwangsläufig um eine neue Mutation handelt, noch dass sie auf ein bestimmtes geographisches Gebiet beschränkt ist. Die Befunde weisen darauf hin, dass dieses Allel bei Ostasiaten und Europäern einen Teil des Phänotyp für helle Haut erklärt.
    TYR A192C
    - signifikanter Unterschied zwischen Europäern und allen anderen 5 Populationen - nicht aber zwischen diesen
    Allel TYR 192*A verbunden mit geringerer Pigmentierung hat eine Frequenz von 38% in der europäischen Bevölkerung, aber nur eine Frequenz von 14% bei Nicht-Europäern.
    MATP C374G
    - sehr großer Unterschied zwischen Europäern und allen anderen 5 Populationen - nicht aber zwischen diesen
    Allel MATP 374*G verbunden mit geringerer Pigmentierung hat eine Frequenz von 87% in der europäischen Bevölkerung, aber nur eine Frequenz von 17% bei Nicht-Europäern.
    Das weitgehende Fehlen des Allels MATP 374*G in der untersuchten afrikanischen Bevölkerung südlich der Sahara stimmt mit der Annahme der Entstehung dieser Mutation außerhalb Afrikas nach der Trennung der modernen Asiaten und Europäern überein.
    SLC24A5 A111G
    - sehr großer Unterschied zwischen Europäern und allen anderen 5 Populationen + signifikanter Unterschied zwischen Südasiaten und Ostasiaten
    Allel SLC24A5 111*A verbunden mit geringerer Pigmentierung hat eine Frequenz von 100% in der europäischen Bevölkerung, aber nur eine Frequenz von 46% bei Nicht-Europäern. Wobei die Häufigkeit außerhalb Europas insbesondere auf die hohen Frequenzen in geographisch benachbarten Bevölkerungen in Nordafrika, dem Nahen Osten und Pakistan entfielen (im Bereich von 62% bis 100%).
    Im Gegensatz zu MATP 374*G wurde das SLC24A5 111*-Allel in niedrigen Frequenzen in mehrere Sub-Sahara-Bevölkerungen einschließlich der westafrikanischen Mandenka und Yoruba, der südafrikanischen San und Süd-West-Bantu gefunden. Die relativ hohen Frequenzen dieses Allel in Zentralasien, Nahem Osten und Nordafrika ergibt sich wahrscheinlich durch Vermischung mit europäischer Bevölkerung. In ähnlicher Weise kann sich die Anwesenheit dieses Allel (wenn auch in niedrigen Frequenzen) in einigen Sub-Sahara-Bevölkerungen aufgrund jüngerer Vermischung mit europäischer und zentralasiatischer Bevölkerung erklären. Alternativ könnte dieses Allel in der alten Bevölkerung existiert haben und wurde von den Vorfahren der modernen Ostasiaten verloren, aber bei den Vorfahren der europäischen Bevölkerung erhalten und stieg dann nach der Trennung der europäischen und ostasiatischen Vorfahren bei den Europäern auf Hochfrequenz.
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. März 2015
  3. Peppermint Pig

    Peppermint Pig Mitglied


    Ich hoffe, ich habe keine Verwirrung gestiftet. Das MATP-Gen in der oben genannten Veröffentlichung entspricht dem SLC45A2-Gen in anderen Veröffentlichungen.
     
  4. Peppermint Pig

    Peppermint Pig Mitglied

    Die von mir oben zusammengefasste Arbeit wurde übrigens durch die Untersuchung von Mikiko Soejima, Yoshiro Koda "Population differences of two coding SNPs in pigmentation-related genes SLC24A5 and SLC45A2" bestätigt. Population differences of two coding SNPs in pigmentation-related genes SLC24A5 and SLC45A2. - PubMed - NCBI

    Bei einer Untersuchung Comprehensive candidate gene study highlights UGT1A and BNC2 as new genes determining continuous skin color variation in Europeans. - PubMed - NCBI an 5860 Niederländern wurden 14185 SNPs (single nucleotide polymorphisms) in 281 Genen untersucht, die möglicherweise bei der Pigmentierung der menschlichen Haut eine Rolle spielen. Bestätigt wurde diesbzgl. eine starke Verbindung zu mehreren bekannte Genen für Hautfarbe einschließlich HERC2, MC1R, IRF4, TYR, OCA2, and ASIP. Zwei neue Gene für Hautfarbe konnten identifiziert werden. Genetische Varianten auf UGT1A waren signifikant verbunden mit dem Farbton und Varianten in BNC2 waren signifikant assoziiert mit der Farbsätigung.
    Um das Gen BNC2 handelt es sich auch bei dem schon oben von mir Zitierten,
    wie aus der Veröffentlichung "Resurrecting Surviving Neandertal Lineages from Modern Human Genomes" von Benjamin Vernot, Joshua M. Akey https://articuloscientificos.files.wordpress.com/2014/02/doc18.pdf hervorgeht.
     
  5. Peppermint Pig

    Peppermint Pig Mitglied

    Wer etwas mehr über die Genetik, Biologie, Geschichte und Analyseverfahren bzgl. Augen-, Haar- und Hautfarben erfahren möchte, dem empfehle ich die auf deutsch geschriebene Dissertation von Melanie Harder - "Rekonstruktion humaner Pigmentierungsmerkmale mittels SNP-Analyse", in der auch der Frage nachgegangen wird, wie die Augen-, Haar- und Hautfarben unsere Vorfahren aussahen, in welcher Zeit der Ursprung der heutigen europäischen Pigmentierungsdiversität anzunehmen ist und der Fokus abschließend speziell auf die Ausprägung der blauen Augenfarbe gerichtet wird.
    Entweder hier - MACAU: Rekonstruktion humaner Pigmentierungsmerkmale mittels SNP-Analyse : Entwicklung eines molekulargenetischen Analyseverfahrens sowie dessen Anwendung an degradierter DNA mit große Zusammenfassung und dann unten auf Diss_Harder_Version_UB.pdf klicken
    oder gleich zur Dissertation -
    http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&frm=1&source=web&cd=1&ved=0CCEQFjAA&url=http%3A%2F%2Fmacau.uni-kiel.de%2Fservlets%2FMCRFileNodeServlet%2Fdissertation_derivate_00004306%2FDiss_Harder_Version_UB.pdf%3Bjsessionid%3DDC557118D97CB9251AA95C21FD1D1126&ei=4b0JVbHTNovfPfm0gOAL&usg=AFQjCNH_uMd2rTZAYWw5XU8yyIjx-pTZkA

    Um besser mit dem von mir oben zusammengefassten Beitrag vergleichen zu können, werde ich oben die SNP-IDs ergänzen. Huch, sehe gerade, man kann seine alten Beiträge gar nicht ändern.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. Mai 2015
    1 Person gefällt das.
  6. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Erstaunlich - und das will die Dame alles aus der DNA herauslesen? :grübel:
     
  7. Heine

    Heine Aktives Mitglied

    Zur Einordnung und Diskussion ein paar Zitate aus der Zusammenfassung der Arbeit:

     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Mai 2015
  8. Heine

    Heine Aktives Mitglied

    Carolus und silesia gefällt das.
  9. Peppermint Pig

    Peppermint Pig Mitglied

    1.
    Da es vor rund 14.500 Jahren am Ende der Eiszeit einen tiefgreifenden Wandel der europäischen Bevölkerung gab, sagt ein 10.000 Jahre alte Mann nichts über das Aussehen der Eiszeiteuropäer. „Es sieht so aus, als ob die europäischen Jäger und Sammler in dieser Periode starker Erwärmung weitgehend durch eine Bevölkerungsgruppe aus einer anderen mütterlichen Abstammung ersetzt wurde“, sagt Adam Powell. https://www.mpg.de/9920206/bevoelkerungswandel-europa-eiszeit

    2.
    Bei scinexx http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-22398-2018-02-09.html steht nicht dunkelbraune bis schwarze Haut, sondern dass er eher einem Afrikaner als einem heutigen Europäer ähnelte und die Forscher in seinem Genom genetische Marker für die Hautpigmentierung fanden, wie sie heute bei den Bewohnern des südlichen Afrika vorkommen. Das könnte heißen, dass er selbst bei ganztätiger Sonnenstrahlung eher karamelbraun wie die Ureinwohner Südafrikas die Khoisan (älteste heute existierende Menschengruppe) war und nicht wie ein zur Bantusprachfamilie gehörender „Schwarzafrikaner“, die sich erst mit der Landwirtschaft aus einem relativ kleinem Gebiet großflächig verbreiteten. Nach Wiki waren dauertrockene und winterfeuchte Gebiete im Südwesten des Kontinents den Kulturpflanzen der Bantu nicht zuträglich und wurden so zum Rückzugsgebiet der hellerhäutigen Khoisan.
     
  10. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Hier wurde offensichtlich ungenau übersetzt, denn auf Englisch heißt der Satz auf der Seite des Natural History Museum London, das hier als Quelle angegeben wird:
    However, Cheddar Man has the genetic markers of skin pigmentation usually associated with sub-Saharan Africa.
    Cheddar Man: Mesolithic Britain's blue-eyed boy


    Nebenbei: "Bantu" und "Khoisan" sind sprachliche Kategorien und haben nichts mit dem Aussehen und schon gar nichts mit Hautfarbtönen zu tun.

    Versuch mal, die abgebildeten Personen nach Aussehen und Hautfarbe den Sprachgruppen "Bantu" und "Khoisan" zuzuordnen. Viel Spaß!


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  11. Peppermint Pig

    Peppermint Pig Mitglied

    Sie sehen auf alle Fälle süßer aus.
    Wenn du wissen willst, wie Khoisan aussehen, musst du Fotos nehmen, von welchen, die noch ihre Lebensweise (Jäger) beibehalten haben. Da du sonst nicht weißt ob es Mischlinge sind. Oder du siehst Dir die Filme "Die Götter müssen verrückt sein I + II" an.

    Ich wiederhole mal, was ich schon geschrieben habe.
    Nach Wiki waren dauertrockene und winterfeuchte Gebiete im Südwesten des Kontinents den Kulturpflanzen der Bantu nicht zuträglich und wurden so zum Rückzugsgebiet der hellerhäutigen Khoisan.
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  12. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    "Khoisan" ist ein sprachwissenschaftlicher Begriff. Man kann allenfalls feststellen, wie sich Khoisan-Sprachen anhören, nicht wie sie aussehen.

    Auflösung meines "Rätsels":

    Zu den Khoisan sprechenden gehören Damara und Nama (Bild 1, Bild 4 und Bild 6)
    Bantusprachig sind hingegen die Xhosa (Bilder 2+3 sowie Bild 7)
    Eine isolierte Sprache, die nicht mit den Bantu-Sprachen verwandt ist, aber Ähnlichkeiten mit den Khoisan-Sprachen hat, ist Sandawe (Bild 5)
     
  13. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Es ist schön, wie ihr aneinander vorbeiredet.
     
  14. Idomenio

    Idomenio Mitglied

    Meines Wissens nach hatten ursprünglich alle Menschen braune Haut, schwarze Haare und braune Augen, so wie heute noch die meisten. Die anderen Kolorationen sind erst durch Mutationen entstanden.
    Die helle Hautfarbe hat sich in Europa erst mit der Ausbreitung der Landwirtschaft vor etwa 7000 Jahren herausgebildet. Blaue Augen sind älter. Laut einer Studie stammen möglicherweise alle heutigen blauäugigen Menschen von einer Person ab, die vor etwa 12,000 Jahren um das Schwarze Meer herum gelebt hat.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Februar 2018
    Heine gefällt das.
  15. Dion

    Dion Aktives Mitglied

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