Preußisch-Österreichischer Krieg 1866

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Nationalstaaten" wurde erstellt von Aishwarya, 1. Juni 2006.

  1. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter


    Das passt, wenn man "abgetreten" nur als Verpflichtungsgeschäft ansieht.

    Völkerrechtlich ist diese Vorgehensweise, "Verpflichtungen" ohne Vollzug (den man später "abhandelt") zu regeln, sinnigerweise unter dem Stichwort "Regelungsverträge" diskutiert worden. Diese stehen bilateralenn "Austauschverträgen" mit im Kern "rechtsgeschäftlichem Vollzug" gegenüber.

    Den Geheimvertrag würde ich dieser Art von Regelungsverträgen zuordnen.
    Vgl. Dahm/Delbrück, Völkerrecht, I, S. 520 ff.
     
  2. Lafayette II.

    Lafayette II. Mitglied

    Im Bezug auf Österreich-Frankreich? Alles klar.

    Interessant! Danke. Das würde passen, denn im Text des Friedens von Wien steht ja auch "Nachdem [...]dem Kaiser der Franzosen [...] abgetreten.", also es im Geheimvertrag erfolgt ist.
     
  3. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied


    Mich irritieren ein wenig diese Vertragskonstellationen. Der Vertrag zwischen Preußen und Italien scheint mir einigermaßen einleuchtend. Damit konnte Österreich von zwei Fronten angegriffen werden (und wurde es ja auch). Die französische Haltung ist ein wenig komplizierter. Durch den Geheimvertrag und die damit verbundene Neutralität Frankreichs zwischen Österreich und Frankreich verhindert ein Eingreifen Frankreichs. Nur wo und auf wessen Seite hätte Frankreich eingreifen können?

    Wien hätte ja nicht diesen Vertrag abgeschlossen um zu verhindern, dass Frankreich mit Österreich gegen Preußen in den Krieg eingetritt. Dieser Vertrag sollte m. E. nur verhindern, dass sich Frankreich mit Preußen alliiert und gegen Wien marschiert. Nur was wäre der Nutzen für Fankreich gewesen?

    Den Verlust der österreichischen Besitzungen in Norditalien wäre ein Vorteil für das Königreich Italien gewesen und hätte Österreich geschwächt. Napoleon III hatte schon vorher eine proitalienische Politik betrieben. Allerdings hatte es ihn es nicht davon abgehalten, Nizza und Savoyen für Frankreich zu gewinnen (s. Politique italienne de Napoléon III — Wikipédia ).
     
  4. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Frankreich war bis 1870 Schutzmacht des Kirchenstaates, was in der römischen Frage einen Interessenskonflikt mit der italienischen Einigungsbewegung darstellte. Möglich, dass sich Napoleon III. mit der Mittlerrolle ein Wohlwollen der italienischen Öffentlichkeit sichern wollte, um mit Blick auf Rom deeskalierend zu wirken.
     
  5. Lafayette II.

    Lafayette II. Mitglied

    Ich bin mir selbst nicht sicher, aber Napoleon III. wäre ein Bündnis mit Preußen eingegangen, wenn es im Gegenzug das Rheinland oder Teilgebiete davon erhalten hätte. So ist es mir bekannt ("Rache für Sadowa")

    Frankreich ging ja davon aus, dass bei einem Krieg zwischen Österreich und Preußen ersteres gewinnen würde. Daher hat es sich letztendlich auf den Geheimvertrag eingelassen. Es wird vermutet, dass er einfach eine größere Rolle im Machtgefüge Europas spielen wollte, um seine geschwächte innenpolitsche Position zu stärken. Einflussnahme auf die Friedensverhandlungen, seine Einbeziehung, etc. (Ich glaube, in den Gesprächen mit Österreich war auch die Schaffung eines Pufferstaats im Rheinland von Frankreichs Gnaden die Rede)
     

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