Zur Bedeutung rechtsradikaler Einstellungen in der deutschen Gesellschaft

Dieses Thema im Forum "BRD | DDR" wurde erstellt von thanepower, 13. Oktober 2010.

  1. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied


    Ein kurzer unkommentierter Exkurs in die aktuellen Befunde der Friedrich Ebert Stiftung, auch weil es direkte Bezüge hat zum historischen Weltbild.

    Und auch, weil das Forum auf der Grundlage des GG agiert, das es zu schützen gilt.

    Spiegel
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/friedrich-ebert-stiftung-afd-rueckt-nach-rechts-ihre-anhaenger-ruecken-mit-a-1121845.html

    FES Studie
    http://www.fes-gegen-rechtsextremismus.de/pdf_16/Gespaltene%20Mitte_Feindselige%20Zust%C3%A4nde.pdf
     
  2. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Mein Beitrag stammt aus dem Jahr 2011!

    Dass sich die Situation bekanntlich geändert hat, ist eine Binsenweisheit.
     
  3. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter


    Man muss da nichts mit geänderten Situationen verharmlosen. Die rechtsradikalen Ansichten werden seit Jahrzehnten gemessen und sind schon Thema vor über 30 Jahren. Siehe links im Themeneinstieg.

    Die Relativierung auf einen angeblichen Bodensatz und seine angebliche Bedeutungslosigkeit hat ebenfalls eine jahrzehntelange Historie.

    Die Situation der Einstellungen hat sich im Gesamtumfang nicht wesentlich geändert. Die parteibezogenen Verschiebungen bzw. Konzentrationen gegenüber früher sind lediglich Ausdruck von Sammlungsbewegungen, wie den Analysen zu entnehmen ist.
     
  4. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Man muss links- und rechtspopulistische Tendenzen weder verharmlosen noch unnötig aufpusten.

    Mentalitäten und die Empfänglichkeit für bestimmte Ideologien und Weltbilder verändern sich über die Jahrzehnte. Was noch vor zwanzig Jahren als inakzeptabel galt, kann Jahre später breitere Bevölkerungsschichten erfassen. In dieser Hinsicht haben aich die genannten "Analysen" leider allzu häufig geirrt,
     
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  5. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Die bpb hat eine neue Publikation aufgelegt, die für Frankreich versucht zu erklären, wieso die traditionellen Milieus aus denen sich die Parteien rekrutierten, nicht mehr die gleiche Bindungskraft aufweisen.

    Und macht auch deutlich, wie kompliziert es mittlerweile ist, Politik nach dem traditionellen links-rechts-Schema vorzunehmen und dass vor allem auf der Rechten ein Prozess der Ausdifferenzierung von Milieus und Positionen eingesetzt hat.

    Wen es interessiert, der findet in den Thesen von Eribon sicherlich nachdenkenswerte Thesen.

    Rückkehr nach Reims | bpb
     
  6. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    In seinem Buch "Vom Wesen und Wert der Demokratie" hat sich Kelsen, als einer der demokratischen Vertreter der Staatslehre in der Weimarer Republik mit der Form und dem Wesen der Demokratie auseinander gesetzt.

    Und den freien Wettbewerb der aufgeklärten und informierten Bürger als Garanten der Demokratie benannt.

    Auch wenn er einschränkt, dass die Demokratie die "schlechteste" Form der Regierung sei, weil sie den radikalen Gegner der Demokratie durch ihre offenen demokratischen Regeln, Popper spricht von der "Offenen Gesellschaft", eine Plattform für ihre extreme Ideologie bietet. Und diesen Kreisen auch die Möglichkeit zur Organisation bietet, also die "Gelegenheits-Struktur" bereitstellt, die erst eine gewaltorientierte Politik möglich macht (vgl. Literatur im Thread zu Straßenschlachten in der Weimarer Republik)

    In diesem Sinne ist es richtig, radikale extreme und teilweise auch zynische und inhumane politische Standpunkte nicht durch Gerichte etc. zu verbieten. Es sind die aufgeklärten und couragierten Bürger einer Demokratie, die die Marginalität dieser Sichtweise verdeutlichen sollten. Und auch müssen, damit Radikale eine Minderheit in der demokratischen Gesellschaft bleiben.

    So zumindest die Sicht eines der bedeutendsten Staatsrechtler der Weimarer Republik.

    vgl. zum Demokratieverständnis von Kelsen:

    https://www.jura.uni-wuerzburg.de/fileadmin/02160100/Elektronische_Texte/Kelsen.pdf

    http://www.kj.nomos.de/fileadmin/kj/doc/2007/20073Gross_S_306.pdf
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Januar 2017
  7. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Ein neues Buch von Volker Weiss "Die autoritäre Revolte" beschäftigt sich mit den intellektuellen Wurzeln extremer nationalistischer Ideologien in Deutschland.

    Ein interessantes Buch, weil es die Tiefenstruktur dieser Ideologie beleuchtet, die deutlich über das Sujet "Pöbelnde Nazis" hinausgeht. Und eher in die Richtung des "Instituts für Staatspolitik" weist.

    Und im Rahmen seines Buches auch die historische Dimension, die Kontinuitäten und die Brüche einer sich als "revolutionär" definierenden rechtsextremen Ideologie ausleuchtet.

    Vertreter dieser Sichtweise haben auch hin und wieder im GF "Gastspiele" gegeben und ihre Vorstellungen präsentiert.

    „Wünschen wir uns die Krise!“ | Literatur - Frankfurter Rundschau

    Die historischen Wurzeln dieser Sichtweise hat Weiss bereits vor Jahren in seiner Studien "Moderne Antimoderne" näher betrachtet.

    SEHEPUNKTE - Rezension von: Moderne Antimoderne - Ausgabe 13 (2013), Nr. 9
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. April 2017
  8. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Ein französischer Soziologe, der die neue Rechts undercover untersucht hatte, kam zum Ergebnis, dass das einzige innovative an dieser Bewegung ist, ihr Verständnis der Medien. Die Fähigkeit "Buzz" zu generieren und die Aufmerksamkeit der Medien zu erhalten. Das Äquivalent von Green Peace für den Schutz des "Völkischen" zu sein.

    Das Anliegen der neuen Rechten im Bereich der medialen Öffentlichkeit ist, den Bereich der ideologischen Diskussion so zu erweitern, dass schrittweise eine Akzeptanz der Ideologie der extremen Rechten erreicht wird. Inklusive der ideologischen Gehalte, die die Voraussetzung für den Holocaust gebildet haben.

    Relevant für ein Geschichtsforum ist dabei aber das "Agenda-Setting", das in den letzten Jahren auch das Geschichts-Forum betroffen hatte.

    Auf das hervorragende Buch von Volker Weiss wurde hingewiesen und als informative Ergänzung zwei Links mit guten Beiträgen zu dem Thema.

    Sie sind zu empfehlen, wenn man die Positionen und Meinung mancher Teilnehmer im GF - auch und vor allem zwischen den Zeilen - lesen möchte.

    Das Agenda-Setting wird dann deutlich transparenter und es wird erklärlicher, warum bestimmte Konfliktlinien im GF so konträr diskutiert worden sind. Und dann mag jeder seine eigenen Schlußfolgerungen ziehen.


    Politische Mythologie: Im Geisterreich des Völkischen | ZEIT ONLINE

    Identitäre Bewegung: Die Scheinriesen | ZEIT ONLINE
     

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