Bin ich jetzt als Rechter angezählt, weil ich genauer Hinterfrage?
Du machst ja Späße, wieso das? :winke:=)
Mir war nur wichtig, auf die damalige Diskussion hinzuweisen. Und bei "Vergleichen" die seinerzeitigen Schriften nur mit Vorsicht anzufassen.
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Bin ich jetzt als Rechter angezählt, weil ich genauer Hinterfrage?
Du machst ja Späße, wieso das? :winke:=)
Mir war nur wichtig, auf die damalige Diskussion hinzuweisen. Und bei "Vergleichen" die seinerzeitigen Schriften nur mit Vorsicht anzufassen.
Oben in #9 ist völlig zutreffend ausgeführt, dass man die Militärdiktatur der OHL (Primat des Militärs) und das Ausmaß der Unterordnung (und Opfer) der eigenen Zivilbevölkerung unter die Kriegsführung nicht mit den USA oder GB vergleichen kann.
Schau Dir doch noch mal oben die ersten Beiträge an, von Melchior von thanepower.
Was ist Dir daran unklar?
Es war sowohl den theatralischen Untersuchungsausschüssen der Weimarer Republik als auch der republikfeindlichen Rechten sehr wichtig, die "totale" Kriegsführung der Allierten gegen das Deutsche Reich zu belegen, sozusagen die Fortentwicklung des "sauberen" Kabinettkrieges zum Volkskrieg durch alliiertes Verschulden.
...
Gegenwärtige österreichische Regierungsinstitutionen:In Frankreich und England wird der Erste Weltkrieg noch heute als der "Große Krieg" erinnert. Dies verweist auf seine exzeptionelle Bedeutung für die moderne europäische, aber auch globale Geschichte. In der Tat war der Erste Weltkrieg nicht nur, wie man es nach seinen Entstehungszusammenhängen vermuten könnte, ein europäisches Großereignis, sondern er entwickelte sich in kürzester Zeit auch zu einem weltumfassenden, globalen Geschehen. Und seine Dynamik blieb darüber hinaus keineswegs auf die äußere Ausweitung begrenzt. Vielmehr brachte dieser Krieg auch in seinen vielfältigen Erscheinungsformen eine so außergewöhnliche Intensivierung mit sich, dass es heute üblich geworden ist, im Ersten Weltkrieg den ersten "totalen Krieg" der modernen Geschichte zu erkennen
und nicht zuletzt das britische IRON AND STEEL DEPARTMENT OF THE MINISTRY OF MUNITION (Kapitel VIII (b) Labour and Machinery bzgl. Einsatz von Arbeitskräften und Kriegsgefangenen):
Mit dieser Ideologisierung erreichte Wilson eine breite Zustimmung für einen Krieg in einer„guten Sache": Wer konnte, wer wollte im 20. Jahrhundert gegen das Selbstbestimmungsrecht von Völkern in Europa sein? Die Ideologisierung förderte ein manichäisches Denken: eine Zuordnung und Einstufung in „gut" und „böse".
Die Ideologisierung des Krieges war eine Facette des demokratischen Krieges. Bedeutsam war vor allem, dass der demokratische Charakter die Schwierigkeit zur Beendigung des Krieges exponentiell steigerte: Mit Ausnahme der gesellschaftlichen Lage in Russland vor Ausbruch der Oktoberrevolution war die Zustimmung zur Weiterführung des Krieges nicht
nur bei den Regierungen, sondern auch bei den „Völkern" bis zum Herbst 1918 grundsätzlich ungebrochen.
Thanepower hat oben den Literaturstand betr. Totalitätsdiskussion, die nichts mit dieser alten Vergangenheitsbewältigung zu tun hat, und die dort vorgeschlagenen methodischen Kriterien und Antworten sehr gut aufgerissen. Das sollte man sauber von seinerzeitigen Zuordnungen trennen.
Den Literaturstand ?
Sorry, aber immer wenn absolute Wahrheiten verkündet werden, sind Zweifel geradezu Bürgerpflicht.
Oben in #9 ist völlig zutreffend ausgeführt, dass man die Militärdiktatur der OHL (Primat des Militärs) und das Ausmaß der Unterordnung (und Opfer) der eigenen Zivilbevölkerung unter die Kriegsführung nicht mit den USA oder GB vergleichen kann.
Danke sehr für den instruktiven Aufriss und die Abgrenzungen.:winke:
[...]
Diese Sicht führt uns zu der Entwicklung, die von der Zeit der Revolutionskrieg, dem Amerikanischen Bürgerkrieg, zum WW1 und zum WW2 führt und den Beginn des Totalen Krieges und seine Eskalationsstufen beschreibt.
[...]
ich könnt´s nicht besser formulieren! Besten Dank!Danke sehr für den instruktiven Aufriss und die Abgrenzungen.:winke:
vielleicht noch ein banaler Aspekt als Ergänzung: für eine Kriegsführung wie in den Jahren 1914-18 müssen freilich auch erst einmal die technischen und "logistischen" Bedingungen vorhanden sein. In diesem Sinne schufen indirekt (oder anders gesagt: weitenteils unbeabsichtigt) der technische Fortschritt, die Industrialisierung etc. und ihre Auswirkungen erst die Bedingungen zu einem massenhaften totalen Krieg.(...)
Da die Diskussion über den Totalen Krieg von der Systemkrise des Jahres 1917 ausging, (...)
... bei dem eben auch Bevölkerung "in der Größenordnung von" ein paar Großstädten "draufgehen" ließ - mit den deutschen Opfern übrigens auch die Deportierten und Kriegsgefangenen in großer Zahl durch Hunger und Seuchen).
thanepower schrieb:Der Ludendorffsche Totale Krieg hat keine Legitimation, außer dass das "Niederwerfen" die totale Vernichtung des Gegners alle Mittel rechtfertigt.
eingegangen werden.<obestehenden Unterschied der westlichen Demokratien und der autokratischen Systeme (DR, 3. Reich, Imperiales Japan, Sowjetunion etc.)
(ich weiß nicht so recht, wie aussagekräftig diese Aufstellung ist...)Der "Totale Krieg" ist weder an bestimmte Waffen, Gesellschaftsformen noch Zeiträume oder Orte gebunden. Weltweite Beispiele für "Totale Kriege" finden sich z. B. in dieser Aufstellung von Dr. Stetson Conn, demnach war der dritte punische Krieg mit der Auslöschung Karthagos der erste "Totale".<o></o
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... Es geht um Verdun und das "Weißbluten" Falkenhayns.<o></o
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Da haben nun Heerscharen von "Forschern" über Sinn und Zweck gegrübelt und ihre Schlussfolgerungen gezogen und publiziert, z. B. "Wie Verdun zum blutigen Mythos wurde" oder "Der Wille zur Bewegung", aber anscheinend hat immer nur einer vom anderen abgeschrieben. Auf die eigentlich naheliegende Idee, die Archive zu durchforsten und sich Klarheit zu verschaffen kam man wohl nicht - bis auf Olaf Jessen.
(ich weiß nicht so recht, wie aussagekräftig diese Aufstellung ist...)
ich bin mir auch nicht sicher, wie sinnvoll es ist, den letzten punischen Krieg (oder irgendeinen anderen mörderischen Krieg aus Antike und Spätantike, z.B. den erbittert geführten Gotenkrieg) mit dem Ersten Weltkrieg zu vergleichen: schon allein die Quellenlage bzw. der Umfang und Detailarmut oder -reichtum der Quellen ist doch sehr verschieden. Und zuletzt scheint mir doch für eine "totale Kriegführung" wesentlich zu sein, dass die technologischen und logistischen Bedingungen vorhanden sind (und das ist meiner Ansicht nach eigentlich erst ab der Industrialisierung der Fall)
Damit will ich nicht in Abrede stellen, dass einige antike und mittelalterliche Kriege quasi mit der Absicht, einen totalen Krieg zu inszenieren, eine totale Ausradierung des Gegners anzustreben, geführt worden waren - aber war man damals in der Lage, eine solche Absicht in die Tat umzusetzen?
Diese Definition setzt eine entsprechende Staatsgewalt voraus, welche tatsächlich in der Lage sein muss, das Verhalten der überwältigenden Mehrheit seiner Bürger in hohem Maße zu beinflussen.Als totaler Krieg wird eine Art der Kriegsführung bezeichnet, bei der die gesellschaftlichen Ressourcen umfassend für den Krieg in Anspruch genommen werden, insbesondere für eine industrialisierte Kriegsführung
Und es geht hier zudem auch um die Fähigkeit eine Motivation hervorzubringen, die eine Gemeinschaft so stark durchdringt, dass sich daraus eine allgemeine Geschlossenheit ergibt.Und zuletzt scheint mir doch für eine "totale Kriegführung" wesentlich zu sein, dass die technologischen und logistischen Bedingungen vorhanden sind (und das ist meiner Ansicht nach eigentlich erst ab der Industrialisierung der Fall)
(Nummerierung durch mich)Der totale Krieg enthält folgende ihn kennzeichnende Elemente:[5]
[1] totale Mobilisierung: Freisetzung zusätzlicher Kräfte für die Front (Frauen übernehmen z. B. Arbeiten der Männer), Verstärkung der Rüstungsanstrengungen
[2] totale Kontrolle: Gleichschaltung des Volkswillens, Propaganda
[3] totale Methoden: Verknüpfung von verschiedenen Waffentechniken und -systemen, Missachtung internationaler Konventionen
[4] totale Kriegsziele: totale militärische Unterwerfung der Gegner, totale politische Entmachtung der Gegner.
..
<?xml:namespace prefix = "o" ns = "urn:schemas-microsoft-com(ich weiß nicht so recht, wie aussagekräftig diese Aufstellung ist...)
<oIm Ludendorffschen Sinne wird die Legitimation des Totalen Krieges dem "Volk" als Souverän unterworfen. Seine Interessen, wer immer diese definiert, bestimmen die Kriegsziele. Und die Politik hat die optimalen Voraussetzungen zu schaffen, damit der Krieg erfolgreich geführt werden kann.
<oDer Ludendorffsche Totale Krieg hat keine Legitimation, außer dass das "Niederwerfen" die totale Vernichtung des Gegners alle Mitte rechtfertigt.
<oUm das ergänzen, ist der Osten zu erwähnen:
- in Rumänien (1917) plünderte man sukzessive die eingelagerte Jahresernte ...
<oDie inflationären "Totaler-Krieg"-Vergleiche haben mit der aktuellen Forschungsdebatte zum Zweiten und Ersten Weltkrieg nichts zu tun (siehe oben Napoleon, meinetwegen nun auch Karthago, und im Rahmen eines dominierenden "extermination of the enemy"-Ansatzes des Militärhistorikers Conn finden sich sicher auch Beispiele von Horde A gegen Horde B: "winning by knockout rather than points").
(Hervorhebung von mir)<o...Das Problem ist vielmehr der Kontext der Quellen, nach denen Falkenhayn Positionierung vor Verdun diejenige war, dass das Reich von innen 1916/17 kollabiert, während man noch für drei Jahre militärische Mittel habe, alles an der Front durchzustehen (Afflerbach)...
<o... Das Problem ist also der hier die Politik diktierende militärische Tunnelblick, der - vom Fakt der Niederlage her gedacht - in einem nicht mehr zu gewinnenden Krieg (unbenommen der Legionen von Sandkastenspielen über Gewinnbarkeit 1916/18), bei fehlenden politischen Konsequenzen bis hin zur Unterdrückung derselben mittels Diktatur, in der Folge Millionen ziviler und militärischer Opfer auf immer neue operative Ideen aufgetürmt hat: das Weißbluten des Deutschen Reiches (und Europas), inkl. der verheerenden Kriegsfolgen 1919/23 in humanitärer, ökonomischer und politischer Hinsicht. Auch der Faschismus ist in dieser Hinsicht ein Kind des Krieges, und nicht seines (zu späten) Friedensvertrages....
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