Soziale Frage - Ursprung in Frankreich? Bewertung der Lösungsvorschläge? Quellen finden?

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Lisa-Pisa

Gast
Hallo,
Ich halte in einiger Zeit eine GFS (Präsentation die wie eine Klassenarbeit zählt) in Geschichte mit der Leitfrage: Wer löste die soziale Frage? Hierbei schaue ich mir die Lösungsansätze des Marxismus, Staat, Unternehmen und Gewerkschaften an.
Laut meinem Lehrer soll ich hierfür mit Quellen arbeiten jeweils, also für jede einzelne Lösung. Wie finde ich Quellen hierzu, im Internet lässt sich nicht wirklich etwas finden…
Bei der Bewertung der einzelnen Vorschläge soll ich mir Kategorien überlegen, damit man die Lösungen miteinander Vergleichen kann? Was für Kategorien sind hier sinnvoll? Mir persönlich fällt nur die Effektivität ein…
Inwiefern liegt der Ursprung der sozialen Frage in Frankreich? Also inwiefern entstand die Frage von Frankreich aus?
 
Ich verstehe nicht ganz – warum sollte der Ursprung der "Sozialen Frage" im historischen Kontext (oder gar der Schlüssel zu ihrer Lösung) in Frankreich liegen?

Besteht die Aufgabenstellung darin, nur Frankreich zu betrachten?

Denn alle europäischen Länder erlebten an der Schwelle zur Industrialisierung großes soziales Elend, das bis weit ins Industriezeitalter andauerte, vielfach sogar bis ins 20. Jahrhundert. Die Lösungsansätze waren von Land zu Land sehr verschieden. Teilweise griff der Staat ein, regelmäßig auf den Druck der erstarkenden Arbeiterbewegung hin; in manchen Ländern kam den Kirchen und reichen Philanthropen eine größere Bedeutung zu als dem Staat.

Das ist eine sehr vielschichtige Frage.
 
Ich verstehe nicht ganz – warum sollte der Ursprung der "Sozialen Frage" im historischen Kontext (oder gar der Schlüssel zu ihrer Lösung) in Frankreich liegen?

Besteht die Aufgabenstellung darin, nur Frankreich zu betrachten?

Denn alle europäischen Länder erlebten an der Schwelle zur Industrialisierung großes soziales Elend, das bis weit ins Industriezeitalter andauerte, vielfach sogar bis ins 20. Jahrhundert. Die Lösungsansätze waren von Land zu Land sehr verschieden. Teilweise griff der Staat ein, regelmäßig auf den Druck der erstarkenden Arbeiterbewegung hin; in manchen Ländern kam den Kirchen und reichen Philanthropen eine größere Bedeutung zu als dem Staat.

Das ist eine sehr vielschichtige Frage.

Meine Aufgabenstellung bezieht sich eigentlich größtenteils auf Deutschland aber mein Lehrer meinte ich solle auch auf den Ursprung der Frage in Frankreich kurz zu sprechen kommen… Ich habe dazu im Internet aber irgendwie nichts bekommen und dachte ich frage mal nach…
 
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Die Preußischen Reformen hätte es ohne Napoleon nicht - oder zumindest nicht zu diesem Zeitpunkt - gegeben, somit liegt der Ursprung der Stein-Hardenbergschen Reformen, zu denen die Aufhebung der Leibeigenschaft gehört ("Bauernbefreiung") gewissermaßen in Frankreich.
 
Mir fehlen in der obigen Nennung die Kirchen - die evangelische wie die katholische - als Akteure. Man denke nur an die Bodelschwinghschen Anstalten oder an Franz Hitze (freilich spät, bereits im Kaiserreich, ins 20. Jhdt. fortschreitend) bzw. die päpstliche Enzyklika Rerum Novarum.

[Edit: Falscher Enzyklikenname, siehe Beitrag von @Stradivari ]
 
Zuletzt bearbeitet:
Die Preußischen Reformen hätte es ohne Napoleon nicht - oder zumindest nicht zu diesem Zeitpunkt - gegeben, somit liegt der Ursprung der Stein-Hardenbergschen Reformen, zu denen die Aufhebung der Leibeigenschaft gehört ("Bauernbefreiung") gewissermaßen in Frankreich.
Das ist für die preußischen Ostgebiete sicherlich zutreffend.

Aber wenn man den gesamten deutschen/deutschsprachigen Raum in den Fokus nimmt, inwiefern gab es noch besonders ausgeprägte Formen der Leibeigenschaft westlich der Elbe oder in den österreichischen Territorien und Teilen des süddeutschen Raumes, wo Joseph II. und andere Monarchen die Leibeigenschaft bereits vor Napoléon oder zeitgleich mit der französischen Revolution abschafften?

D'accord, man könnte einwenden, dass die an deren Stelle tretende Grunduntertänigkeit eine Milderung aber keine vollständige Befreiung darstellte, aber andererseits, wurde die auch durch die Stein-Hardenbergschen Reformen nicht erreicht.
Relikte wie Teile der Hand- und Spanndienste, die Patrimonialgerichtbarkeit und die übrigen "Junker-Privilegien" hielten sich ja auch in Preußens Ostprovinzen bis 1848 und damit einen guten Teil der bäuerlichen und unterbäuerlichen Schichten in de facto abhängigkeit und mindestens partieller Unfreiheit.
 
Liebe Fragestellerin/lieber Fragestellung!
Die von dir geschilderte Fragestellung erscheint mir mehr als "dubios". Weil ich (im Gegensatz zu meiner Schülerzeit) nicht mehr annehme, dass LehrerInnen generell ohnehin "keine Ahnung haben" und mysteriöse Dinge verlangen, eine Bitte: Könntest du die genaue Fragestellung für deine Arbeit hier einstellen (eventuell direkt abtippen); das bisher angeführte (auch abgesehen von der "Frankreich"-Frage) erscheint doch eher erratisch, weil du vergleichen sollst, was einerseits eine Weltanschauung/Ideologie (Marxismus) und andererseits gesellschaftliche Gruppen (Unternehmen/Gewerkschaften) bzw. das gesellschaftliche Ganze (Staat) aussagen. Das kann nur zu einem Tohuwabohu führen.
Zusätzlich ist - auch wenn man es auf Deutschland beschränkt - oftmals nicht einmal klar, ob ein und der selbe obig genante Akteur immer dieselben Ziele vertritt. Zumindest ist davon auszugehen, daß deutsche Fürsten vor 1870, das deutsche Kaiserreich, die Weimarer Republik, NS-Deutschland, die DDR sowie die BRD (alle miteinander "Staat") recht unterschiedliche und oft konträre Strategien in ihrer Sozialpolitik verfolgten. "Staat" müßte also zumindest auf einen konkreten eingeschränkt werden.
Eine Fragestellung, die zuerst auf weltanschaulicher Ebene die Vorstellungen von Marxismus, Liberalismus und von mir aus christlicher Soziallehre vergleicht und in der Folge versucht zu analysieren, wie konkrete gesellschaftliche Akteure - die ja zumindest einer dieser Weltanschauungen immer nahestehen - versucht haben, das in die Praxis umzusetzen, erschiene mir deutlich sinnvoller.
Um dich vorerst nicht ganz im Regen stehen zu lassen: Lies dir zum marxistischen Zugang einfach einmal das "Kommunistische Manifest" (unter diesem Stichwort leicht zu ergoogeln) durch.
 
Ich kann leider nicht viel genaueres zu meiner Aufgabenstellung sagen… Meine Leitfrage ist: Wer löste die soziale Frage?

Mein Lehrer meinte lediglich zu mir ich solle mir ein paar Lösungsansätze heraussuchen (laut meinem Lehrer sind meine ausgewählten Lösungsansätze genau die, welche er ebenfalls gewählt hätte) und diese dann erläutern, analysieren, vergleichen, sowie bewerten. Bei der Vorbesprechung der GFS erwähnte er dann den Ursprung der Frage in Frankreich, dass ich mich dazu genauer informieren solle und diesen dann am Anfang in meine Präsentation mit einbauen soll. Ich denke tatsächlich mittlerweile dass er damit meinte, dass in Frankreich durch die Französische Revolution der Gedanke, dass man gegen diese Lebensbedingungen der Menschen etwas tun könne, als allererstes aufkam und sich dieser dann verbreitete (Ich bin wie gesagt kein Experte in diesem Thema, verzeiht mir falls ich es nicht genau getroffen habe).

Zu dem Aufbau meiner Präsentation, bzw. meinen Lösungsansätzen: die Ansätze der Kirche werde ich ebenfalls kurz erwähnen, mich allerdings auf die vier Lösungsansätze des Marxismus, Staat, Unternehmen und den Gewerkschaften konzentrieren.

Ich verstehe den Unterschied zwischen einer Ideologie wie dem Marxismus und den anderen Ansätzen, die eher praktische Ideen oder Lösungen darstellen. Dennoch hat mir mein Lehrer bei der Vorbesprechung explizit den Marxismus als Lösungsansatz genannt (welchen ich näher betrachten soll), vermutlich weil er auf die soziale Frage eine umfassende und systematische Antwort gibt. Während der Marxismus eine Ideologie ist, die viele Lebensbereiche umfasst, konzentriere ich mich in meiner GFS auf seine konkreten Ansätze zur Lösung der sozialen Frage, wie die Forderung nach der Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln oder die Einführung des Klassenkampfs als Mittel des gesellschaftlichen Wandels.

Noch kurz zu meiner Gliederung:
Ich werde mit einem kleiben Zitat und mehreren Bildern starten und die Klasse aktiv verschiedene Fragen stellen und anschließend auf die soziale Frage überleiten. Anschließend werde ich diese definieren und auf den Ursprung in Frankreich (?) Eine näher eingehen. Ich werde danach noch kurz die Lebensbedingungen der Arbeiter, etc. beleuchten. Ausgehend von diesen „Problemen“ werde ich die verschiedenen von mir ausgesuchten Lösungsansätze miteinander vergleichen, analysieren, bewerten, etc. Schlussendlich werde ich noch einen kleinen Teil über die „neue Soziale Frage“ erzählen und mein Fazit geben
 
Liebe Fragenstellerin/Lieber Fragesteller,
will dir in deine Arbeit eh nicht dreinreden und begnüge mich damit, daß - nach deiner Antwort zu schließen - meine Argumentation prinzipiell angekommen ist. Nur noch ein paar Anmerkungen und dann meinerseits eine Frage:
•
Frankreich erlebte zwischen 1789 und 1870 mehrere zumindest stürmische und revolutionäre Zeiten, in denen zwar nicht immer, aber gegen Ende dieser Periode immer häufiger, auch die "soziale Frage" in den Auseinandersetzungen eine Rolle spielte. Verglichen mit der - abgesehen von 1848 - gemächlicheren, meist im Biedermeier verharrenden politischen Entwicklung weiter im Osten war das natürlich aufsehenerregender und spektakulärer, sodaß man dortselbigst vielleicht der Ansicht sein konnte, die "soziale Frage" schleiche sich heimlich von Westen kommend über den Rhein. Tatsächlich wäre allerdings zu erörtern, wann genau in welchen Gebieten die Voraussetzungen zur Stellung der Frage (großräumigere Industrialisierung, Ausbildung einer dezitierten Arbeiterschaft, Verelendung etc.) überhaupt vorhanden waren.
•
Marxismus als die wahrscheinlich bedeutendste Ideenwelt innerhalb dessen, was man generell als "Arbeiterbewegung" bezeichnet, kümmert sich vordringlich und im Kern um ökonomische Fragen - im Vergleich dazu ist alles andere eher Beiwerk: Insofern berührt die Frage, der du dich widmen sollst, den zentralen Kern dieser Weltanschauung. Anzumerken wäre hier allenfalls noch, dass marxistischen Gedankengut ohnehin auch an der Wiege der Gewerkschaftsbewegung (und auch der SPD, auch wenn sie sich heutzutags dafür eher geniert) steht.
•
"Einführung des Klassenkampfes" klingt - polemisch überspitzt - wie: "Guten Tag liebe Kinder, das ist der Klassenkampf. Der geht ab heute mit Euch in die Klasse!" In marxistischer Terminologie ist das Wort tatsächlich nur ein Synonym für Auseinandersetzungen zwischen ökonomisch Besser- und Schlechtergestellten oder - martialisch ausgedrückt - Unterdrückern und Unterdrückten.
•
Die Leitfrage "Wer löste die soziale Frage?" erscheint mir im übrigen etwas zu optimistisch. "Ist die soziale Frage überhaupt gelöst?" erschiene mir - angesichts aller Veröffentlichungen zur weiter bestehenden globalen Ungleichheit - deutlich redlicher.
•
Und zum Schluß noch meine ernstgemeinte Kenntnis-Frage: Und was ist jetzt die "neue soziale Frage"? Noch nie davon gehört.
 
Die Preußischen Reformen hätte es ohne Napoleon nicht - oder zumindest nicht zu diesem Zeitpunkt - gegeben, somit liegt der Ursprung der Stein-Hardenbergschen Reformen, zu denen die Aufhebung der Leibeigenschaft gehört ("Bauernbefreiung") gewissermaßen in Frankreich.
Löste die Bauernbefreiung denn die Soziale Frage? Verstärkte sie nicht vielmehr das Elend, jedenfalls kurzfristig, durch die beschleunigte Landflucht?
 
Liebe Fragenstellerin/Lieber Fragesteller,
will dir in deine Arbeit eh nicht dreinreden und begnüge mich damit, daß - nach deiner Antwort zu schließen - meine Argumentation prinzipiell angekommen ist. Nur noch ein paar Anmerkungen und dann meinerseits eine Frage:
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Frankreich erlebte zwischen 1789 und 1870 mehrere zumindest stürmische und revolutionäre Zeiten, in denen zwar nicht immer, aber gegen Ende dieser Periode immer häufiger, auch die "soziale Frage" in den Auseinandersetzungen eine Rolle spielte. Verglichen mit der - abgesehen von 1848 - gemächlicheren, meist im Biedermeier verharrenden politischen Entwicklung weiter im Osten war das natürlich aufsehenerregender und spektakulärer, sodaß man dortselbigst vielleicht der Ansicht sein konnte, die "soziale Frage" schleiche sich heimlich von Westen kommend über den Rhein. Tatsächlich wäre allerdings zu erörtern, wann genau in welchen Gebieten die Voraussetzungen zur Stellung der Frage (großräumigere Industrialisierung, Ausbildung einer dezitierten Arbeiterschaft, Verelendung etc.) überhaupt vorhanden waren.
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Marxismus als die wahrscheinlich bedeutendste Ideenwelt innerhalb dessen, was man generell als "Arbeiterbewegung" bezeichnet, kümmert sich vordringlich und im Kern um ökonomische Fragen - im Vergleich dazu ist alles andere eher Beiwerk: Insofern berührt die Frage, der du dich widmen sollst, den zentralen Kern dieser Weltanschauung. Anzumerken wäre hier allenfalls noch, dass marxistischen Gedankengut ohnehin auch an der Wiege der Gewerkschaftsbewegung (und auch der SPD, auch wenn sie sich heutzutags dafür eher geniert) steht.
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"Einführung des Klassenkampfes" klingt - polemisch überspitzt - wie: "Guten Tag liebe Kinder, das ist der Klassenkampf. Der geht ab heute mit Euch in die Klasse!" In marxistischer Terminologie ist das Wort tatsächlich nur ein Synonym für Auseinandersetzungen zwischen ökonomisch Besser- und Schlechtergestellten oder - martialisch ausgedrückt - Unterdrückern und Unterdrückten.
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Die Leitfrage "Wer löste die soziale Frage?" erscheint mir im übrigen etwas zu optimistisch. "Ist die soziale Frage überhaupt gelöst?" erschiene mir - angesichts aller Veröffentlichungen zur weiter bestehenden globalen Ungleichheit - deutlich redlicher.
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Und zum Schluß noch meine ernstgemeinte Kenntnis-Frage: Und was ist jetzt die "neue soziale Frage"? Noch nie davon gehört.
Danke für deine ganzen Informationen / Anmerkungen! Ich werde mich auf jeden Fall in den kommenden Tagen nochmals mehr damit auseinandersetzen.

Die Leitfrage soll auch eher bezwecken, dass man sich mit den einzelnen Lösungen auseinandersetzt - schlussendlich werde ich in meinem Fazit auf jeden Fall sagen, dass sie nie so wirklich gelöst wurde. Wie genau ich das formuliere stellt sich dann in den nächsten Tagen raus :)

Zu deiner Kenntnis Frage: Die neue soziale Frage beschreibt quasi die sozialen Probleme, die unsere heutige Gesellschaft prägen. Dazu gehören neue Formen der Armut, das Problem bezahlbaren Wohnraums, die Ausgrenzung bestimmter Gruppen wie Migranten oder sozial Schwacher sowie die Herausforderungen, mit denen ältere Menschen, alleinstehende Eltern oder Menschen in unsicheren Arbeitsverhältnissen konfrontiert sind. Aber auch die Auswirkungen der Digitalisierung spielen eine Rolle.
 
ad Lisa-Pisa:
Danke für die schnelle Antwort. Für mich "alten Knacker" heißt das eigentlich: die "neue" soziale Frage ist irgendwie eh die "alte" (oder zumindest deren Cousine)...
 
Inwiefern liegt der Ursprung der sozialen Frage in Frankreich?
Hat vielleicht etwas mit der französischen Revolution zu tun. Vor allem mit den Schriftstellern, die sich sozialen Fragen widmeten.

Frühsozialismus – Wikipedia
Bekannte Frühsozialisten waren Henri de Saint-Simon, Robert Owen, Charles Fourier, Pierre-Joseph Proudhon, François Noël Babeuf und Étienne Cabet. Das Ende der Französischen Revolution bildet den Anfang des modernen Sozialismus.
Im 17. und 18. Jahrhundert erlaubte der technische Fortschritt im Manufaktur- und Verlagswesen bereits eine Massenherstellung von Produkten, noch ohne maschinelle Produktionsmittel. Dies veränderte die Lebensbedingungen und Interessenlagen für immer größere Bevölkerungsteile enorm.François Noël Babeuf (1760–1797) war wahrscheinlich der erste Autor, der den Sozialismus als Staatsform anstrebte. Er gründete dazu während der Französischen Revolution die verschwörerische Société des égaux („Gesellschaft der Gleichen“


Jean-Jacques Rousseau – Wikipedia
In dessen Folge erklärt Rousseau die soziale Ungleichheit aus der Herausbildung der Arbeitsteilung und der dadurch ermöglichten Aneignung der Erträge der Arbeit vieler durch einige wenige, die anschließend autoritäre Staatswesen organisieren, um ihren Besitzstand zu schützen. Rousseau wurde mit dieser wahrhaft revolutionären Schrift einer der Begründer des europäischen Sozialismus.
 
Löste die Bauernbefreiung denn die Soziale Frage? Verstärkte sie nicht vielmehr das Elend, jedenfalls kurzfristig, durch die beschleunigte Landflucht?
Löste die Sklavenbefreiung in den USA die soziale Frage ? Wäre beides besser unterblieben ?

Die Bauernbefreiung war für den Aufbau einer Industriegesellschaft nötig. Billige Arbeitskräfte in der Stadt waren nötig.
 
Wäre beides besser unterblieben ?
Das sagte ich nicht.

Allein man kann meiner unbedarften Ansicht nach die Bauernbefreiung nicht als Teil der Lösung der "Sozialen Frage" bezeichnen, wenn sie weder dazu beitrug, das Problem zu lösen, noch in dieser Absicht erfolgte. Mit der Bauernbefreiung reagierten die Eliten teils auf den revolutionären Druck aus der Bevölkerung selbst, teils orientierten sie sich an abstrakten naturrechtlichen und philosophischen Idealen. Die sozialen Folgen dürften nicht viele Stimmen vorausgesagt haben.

Die Industrialisierung erfolgte auch nicht etwa, um das Elend derer zu lindern, die im 18. Jahrhundert immer seltener von ihrer Arbeit hatten leben können, sondern war ein Vehikel der Emanzipation des Bürgertums und ein Wirtschaftssteuerungselement der Staaten, die sich eine ertragreichere Volkswirtschaft, höhere Steuereinnahmen und damit mehr Ellenbogenfreiheit in Krieg und Frieden erhofften. Die Industrialisierung ließ die durch Merkantilismus und Proto-Industrialisierung aufgeworfenen sozialen Probleme erst so richtig aufkochen.
 
Die sozialen Folgen dürften nicht viele Stimmen vorausgesagt haben.
Zumal diese Folgen möglicherweise auch nicht zwangsläufig Produkt der bauernbefreiung an und für sich waren, sondern teilweise auch mehr des Umstands, wie diese umgesetzt wurde.

In den meisten Fällen, erfolgte die Bauernbefreiung ja nicht in entschädigungsloser Weise für die Grundherren, sondern die Kosten wurden nicht selten in Form von Ablösungszahlungen auf die Bauern abgewälzt, die damit technisch gesehen zwar persönlich befreit aber gleichzeitig dafür mehr oder weniger in die Schuldenfalle getrieben wurden, was im Besonderen bei kleinen Bauernstellen relativ schnell Überschuldung zur Folge gehabt haben dürfte, damit den Zwang das Land zu verkaufen, was sowohl auf Proletarisierung der betroffenen Kleinbauern hinauslief, als auch auf den Verfall von Preisen für Grund und Boden und somit die stärkere Konzentration von Großgrundbesitz und Großbetrieben begünstigte.

Wäre die Bauernbefreiung in einem anderen Modus gelaufen, in dem die Kosten nicht auf die Bauern, sondern auf die Grundherren abgwälzt oder fair geteilt worden wären, wäre dieser Effekt in Richtung Herausbildung von größerem Agrarproletariat/Pauperismus wahrscheinlich wahrnehmbar weniger stark ausgefallen.

Die Bauernbefreiung war für den Aufbau einer Industriegesellschaft nötig. Billige Arbeitskräfte in der Stadt waren nötig.
Die Bauernbefreiung erfolgte doch überhaupt nicht unter diesem Gesichtspunkt, jedenfalls nicht in Westeuropa. Als die Leibeigenschaft vor allem in der ersten Dekade des 19. Jahrhunderts, Teilweise aber auch früher fiel, war in weiten Teilen der betroffenen Gebiete von Industrie noch nicht viel zu sehen.
Die ersten zarten Pflänzchen der Industrialisierung in England zeigen sich so etwa ab den 1770er-1780er Jahren, allerdings noch in sehr bescheidenen Ausmaßen und technisch noch relativ limitiert.

Richard Arkwright etwa, der sicherlich als einer der Pioniere der industriellen Erzeugung von Textilien gelten kann, fängt in den 1770er Jahren an, mehrere Spinnereien aufzubauen, die laufen allerdings zu seiner Zeit noch nicht auf Dampf, sondern noch auf Wasserkraft und waren dementsprechend z.T. noch von Witterungsbedingungen, Regenmengen, Wasserständen in Flüssen etc. abhängig und konnte auch nur in dem Maße ausgebaut werden, wie die vorhandene Wasserkraft das zuließ.
Arkwrights erste, nennen wir das mal "Protofabrik" inn Cromford bschäftigte wohl zeitweise an die 200 Arbeiter. Das dürfte kleiner gewesen sein, als so mancher nach älteren Mustern operierender Manufakturbetrieb, nicht zu Reden von größeren Schiffswerfen etc.


Die Verbesserung der Dampfmaschine durch James Watt, so dass mit Dampfkraft nicht länger nur Hubbewegungen (Dampfpumpen) möglich waren, sondern die Dampfkraft in Drehbewegungen übersetzt werden konnte, findet erst Anfang der 1780er Jahre statt, keine zehn Jahre vor der französischen Revolution.
Und hier reden wir natürlich von Prototypen, nicht von flächendeckender Umsetzung im ganzen Land.
An die dürfte schon deswegen zunächst nicht zu denen gewesen sein, weil das Transportsystem zu dieser Zeit noch massiv vom Vorhandensein von Wasserwegen abhing und Regionen mit entsprechend ungünstigem Gelände damit de facto nicht kosteneffizient erschließbar waren (wenn überhaupt) und weil die Förderung von Kohle als benötigtem Brennstoff, erstmal vorindustriellen Maßsstäben entsprach und die nötigen Mengen an Energieträgern für eine wirklich raumgreifende Industrialisierung überhaupt nicht zur Verfügung stellen konnte.
Dafür musste zunächst mal der Bergbau weiterentwickelt werden und wachsen.

Als es mit der Bauernbefreiung in West- und Mitteleuropa im ausgehenden 18. Jahrhundert losging, waren Einrichtungen, die man als moderne Fabriken mit großen Einsatz mechanischer Arbeit und technischer Lösungen, im Gegensatz zu den älteren Manufakturbetrieben bezeichnen kann, selbst im absoluten Pionerland der Industrie, Großbritannien, noch Ausnahmeerscheinungen und durchaus keine Massenbetriebe vorher unbekannter Größenordnungen, deren Menschenhunger nach gesellschaftlichen Umbrüchen und Abwanderung aus der Landwirtschaft verlangt hätte.
Bis es so weit kam, dass die Industrialisierung tatsächlich größere Bevölkerungsbewegungen auslöste, dauerte es in weiten Teilen Europas bis weit ins 19. Jahrhudert hinein.

Das war für die Akteure am Ende des 18. Jahrhunderts definitiv kein Thema und im 19. Jahrhundert im Prinzip auch nicht, weil zwar die Industrie immer mehr auf zugezogene Arbeitskräfte angewiesen war, in den meisten Teilen Europas aber längt keine Strukturen mehr vorhanden waren, die dem entgegen standen.



Außerdem scheinst du so ein Bisschen die Vorstellung zu haben, dass die politischen Akteure der Zeit eine aktive, gelenkte Industrialisierungspolitik betrieben, oder das zumindest versucht hätten.
Das ist aber durchaus nicht der Fall.
Ich weiß nicht, ob man Zar Alexander II. in Russland solche Motive für die Aufhebung der Leibeigenschaft dezidiert zwecks Förderung industrieller Unternehmungen unterstellen kann.
Der erste mir bekannte Fall eines solchen Versuchs in Europa die landwirtschaftlichen Strukturen eines Landes durch eine gezielte dahingehende Politik von Seiten der Machthaber her umzubrechen, das sind die Bolschewiki, mit ihren Versuchen zur gezielten Industrialisierung der Landwirtschaft.

Da sind wir von der Bauernbefreiung im Großteil Europas zeitlich aber bereits an die 100 Jahre weg.
 
Zuletzt bearbeitet:
Und zum Schluß noch meine ernstgemeinte Kenntnis-Frage: Und was ist jetzt die "neue soziale Frage"? Noch nie davon gehört.
Lisa-Pisa hat die Frage ja schon gut beantwortet. Nur zum historischen Hintergrund des Begriffs:
"Während die sozialliberale Koalition den Erfolg ihrer sozialpolitischen Reformpolitik betonte, entwickelte insbesondere der rheinland-pfälzische CDU-Sozialminister Heiner Geißler die These einer „Neuen Sozialen Frage“. 1975 veröffentlichte Geißler ein gleichnamiges Buch, in dem er auf der Grundlage amtlicher Statistiken versuchte nachzuweisen, dass die tatsächliche Zahl der Bedürftigen weit über der Anzahl der Sozialhilfeempfänger lag. Damit wollte Geißler darauf aufmerksam machen, dass das bestehende System sozialer Sicherung mit seiner Abhängigkeit von einem Beschäftigungsverhältnis vor allem Arbeitslose nur unzureichend vor Verarmung absicherte. Geißler machte in der öffentlichen Diskussion auch auf andere Fehlentwicklungen aufmerksam, wie z.B. die Kostensteigerung im Gesundheitsbereich."
Link dazu:
 
ad clemens64:
Danke für die Info: An die Diskussion kann ich mich noch erinnern - der zugehörige Begriff war aber schon "hinüber"...
 
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