Spanien verbietet das Ausstellen von Homo Sapiens in Museen

@dekumatland

Nein, das gehört meiner Meinung nach schon zusammen. Es dreht sich ja letztendlich beides um die Frage, welches Recht Gruppen aus den Herkunftsregionen der Objekte daran haben könnten/müssten/sollten, wie mit den Objekten verfahren wird, mitzureden.
 
Andere Länder, andere Sitten. Mag sein, dass der Matador einen bei sich daheim ausgegrabenen Westgoten aus Pietätsgründen wieder bestattet (nachdem er via Ausgrabung die Tortenruhe doch etwas gestört hat), der dt. Michel verfährt mit vergleichbaren Funden anders.
Vielleicht wäre etwas anderes Vokabular in dem Kontext angebracht.

Beim Stichwort Vokabular dachte ich im ersten Moment an die Tortenruhe...
 
Du kannst aber als plausibel annehmen, dass eine Religionsgemeinschaft aus einer Mitgliedschaft eines Menschen ein Verfügungsrecht über deren Überreste besitzt, obwohl du die Freiwilligkeit dieser Zugehörigkeit nicht positiv bestätigen kannst?
Zumindest kann ich plausibel annehmen, dass die Angehörigen einer Kulturgemeinschaft gewisse Vorstellungen teilen. Z.B. wie man mit den Überresten Verstorbener umgeht.
 
Bei Ötzi in Südtirol weiß ich nicht, was der wissenschaftliche Wert für die Museumsbesucher ist. Da kommt es mir wie Voyeurismus vor. Da würde auch eine Videoschau über den damaligen Fund und Bilder der Mumie genügen. Entscheidend sind hier doch sowieso die Fundstücke, weche er bei sich gehabt hat.

Andererseits sehe ich ein Skelett, welches aus der Römerzeit stammt und eine Pfeilspitze im Hüftknochen aufweist, als museal taugliches Objekt an. Einfach weil es dem Museumsbesucher zeigt, wie zum Beispiel ein Ort durch kriegerische Ereignisse untergegangen ist.

In einem kleinen Römermuseum habe ich vor ein paar Jahren eine Vitrine gesehen, welches das Ergebnis einer Ausgrabung einer Körperbestattung zeigte. Das gut erhaltene Skelett wurde - umgeben von Grabbeigaben - ausgestellt. Auch Schmuck und Metallreste der Bekleidung an der bei der Ausgrabung gefundenen Position waren dort zu sehen. Daneben wurde in einer Vitrine das ausgegrabene Grab einer Brandbestattung gezeigt. Da war auch für mich überraschend, wie viele Knochen da nach dem Verbrennen aufgesammelt und die Urne gelegt wurden. Nach der spanischen Vorstellung könnte man beide Vitrinen wohl nicht mehr zeigen. Es stellt sich die Frage, muss man die Originalknochen zeigen oder würde es auch einfach eine Kopie aus dem 3D-Drucker tun.
 
Die Spanier optieren dafür, dass man dort, wo menschlicher Überrest und Museumsbesucher zueinanderkommen mit Repliken gearbeitet wird.
Das ist sicher in vielen Fällen aus konservatorischer Sicht vernünftig. Allerdings gibt es auch Fälle, in welchen konservatorischer Aspekt und Präsentation nicht kollidieren - z.B. der Publikumsmagnet Moorleichen:

Die spanische Argumentation stützt sich aber nicht auf konservatorische Gründe und klammert, so weit ich sehe, die Kolonialproblematik aus: sie gibt sich primär ethisch.
 
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