Oft lesen wir Fragen, nach dem Schema "Was wäre, wenn...?" bzw. "Was wäre wenn nicht..."?
Diese Fragen sind nicht seriös beurteilbar, weil wir eben nur die Geschichte in ihrem tatsächlichen Geschehen bzw. der Überlieferung davon beurteilen können und ggf. Handlungsoptionen beurteilen können, die ein Akteur* gehabt hätte.
Wir wissen aber, dass die Geschichte oft von mehr oder weniger zufälligen Ergebnissen abhängt, manche Dinge auch ganz anderes aussehen könnten. Das können wir schon an unseren eigenen Biographien sehen. Und so sehe ich die Frage "Was wäre nicht, wenn..." als im Gegensatz zur Frage "Was wäre wenn...." für zumindest legitimer.
Ich habe heute an anderer Stelle aus einem historischen Sachbuch des deutsch-schweizer Romanisten und Literaturwissenschaftlers Georg Bossong (er ist Deutscher, war aber lange Prof. an einer Schweizer Uni) zitiert, wo es sinngemäß heißt, dass, wenn der Zweite Punische Krieg anders ausgegangen wäre, auf der iberischen Halbinsel (PI) heute keine romanischen, sondern semitische Sprache gesprochen würden.
Trotzdem hat mich diese Stelle angeregt, darüber nachzudenken, was den eigentlich die Konseuqenz wäre, wenn Rom den Zweiten Punschen Krieg verloren hätte.
Hier haben wir alo zunächst drei verschiedene mögliche Konsequenzen:
Ich konzentriere mich nun auf Option 2: Hannibal oder andere Mächte hätten das geschlagene Rom zerstört:
Die Sprache Latiums wäre nicht die im Westmittelmeerraum dominante Sprache geworden, wir würden uns heute vielleicht aufgrund ein paar alter Inschriften an sie erinnern, sie hätte einen ähnlichen Status wie das Etruskische.
Rom hätte niemals Judäa geerbt/erobert.
Wie wäre die Geschichte Judäas ohne römische Besatzung weitergegangen? Gäbe es ohne römische Besatzung heute das Christentum? Wenn es das Christentum gäbe, wäre es nach Europa gekommen und zur Weltreligion geworden? Wenn es das Christentum nicht gegeben hätte: Hätte ein mekkanischer Handelsgehilfe dann einen Anlass gehabt, dort eine neue Religion zu etablieren, den Qur'ān zu "verfassen", also gäbe es den Islam ohne Christentum? Bzw. ohne Konflikte zwischen Christentum und Judentum bzw. interkonfessionelle christliche Konflikte?
Und wenn es den Islam gäbe, hätten die Muslime bei ihrem Eroberungszug so ein relativ leichtes Spiel gehabt, weil sie im Prinzip das marode, von internen, interkonfessonellen Konflikten geplagte oströmische nur aufrollen mussten und das nach Osten in das sassanidische Reich**?
Ohne Christentum und ohne die römisch-griechische Kultur seit Augustus: hätte es Renaissance, Barock, Aufklärung in dieser Form gegeben?
Welche Sprachen wären heute in Europa prädominant? Würden wir heute Iberisch, Punisch, Baskisch oder Keltisch zu den meistgelernten Fremdsprachen in Europa zählen? Würden wir heute von Portugal bis nach Tschechien (die Staaten würden in dieser Form natürlich nicht existieren) vielleicht Keltische Idiome sprechen?
Wen würden wir heute als Entdecker Amerikas nennen? (Da fällt doch allen als erstes Kolumbus ein und nicht die Wikinger oder andere!)*** Wer hätte den "Wettlauf" - wenn wir das mal so greifen wollen - "gewonnen": Ein Asiate, z.B. ein Chinese, Koreaner oder Japaner oder ein Europäer? Wo würde der wohl her kommen?
Welche Sprachen hätten sich dann in den Amerikas etabliert? Ein keltisches Idiom? Ein Germanisches? Ein Semitisches > Punisches? Japanisch? Chinesisch? Koreanisch?
Hätten Turkvölker ohne Islamisierung Kleinasien und davon ausgehend den Balkan erobert?
Ohne Christentum und Islam: Hätten sich trotzdem monotheistische Religionen durchgesetzt, wären wir jetzt religiöser oder säkulärer?
Hätten ohne Christentum und Islam mehr oder weniger kriegerische Konflikte die letzten 2.200 Jahre geprägt? Haben sich diese beiden Religionen eher positiv auf Krieg und Frieden oder negativ ausgewirkt?****
Diese Fragen sollen nicht beantwortet werden, denn sie sind seriös nicht beantwortbar. Aber ich glaube, sie zeigen, was für ein Rattenschwanz an Verändungeren an einzelnen, mehr oder weniger zufälligen historischen "Entscheidungen" hängen.
*Akteur: das kann eine Person sein, aber auch eine ethnisch, religiös oder anderweitig zusammengesetzte Gruppe, ein Staat....
**von eventuellen internen Problemen des Sassanidenreichs habe ich keine Ahnung, daher lasse ich die hier mal als Begründung für die Schwäche der Armeen weg.
***Ja, ich unterstelle, dass ein Europäer oder Asiate wohl als Entdecker Amerikas bekannt wäre, kein Afrikaner oder umgekehrt ein Amerikaner als Entdecker Eurasiens und Afrikas. Es steht jedem frei, das zu kritisieren.
****Mir ist natürlich klar, dass es immer Leute geben wird, die Religion als Begründung für einen "gerechten" Krieg verwechseln mit dem tatsächlichen Effekt der jeweiligen Religion.
Diese Fragen sind nicht seriös beurteilbar, weil wir eben nur die Geschichte in ihrem tatsächlichen Geschehen bzw. der Überlieferung davon beurteilen können und ggf. Handlungsoptionen beurteilen können, die ein Akteur* gehabt hätte.
Wir wissen aber, dass die Geschichte oft von mehr oder weniger zufälligen Ergebnissen abhängt, manche Dinge auch ganz anderes aussehen könnten. Das können wir schon an unseren eigenen Biographien sehen. Und so sehe ich die Frage "Was wäre nicht, wenn..." als im Gegensatz zur Frage "Was wäre wenn...." für zumindest legitimer.
Ich habe heute an anderer Stelle aus einem historischen Sachbuch des deutsch-schweizer Romanisten und Literaturwissenschaftlers Georg Bossong (er ist Deutscher, war aber lange Prof. an einer Schweizer Uni) zitiert, wo es sinngemäß heißt, dass, wenn der Zweite Punische Krieg anders ausgegangen wäre, auf der iberischen Halbinsel (PI) heute keine romanischen, sondern semitische Sprache gesprochen würden.
Trotzdem hat mich diese Stelle angeregt, darüber nachzudenken, was den eigentlich die Konseuqenz wäre, wenn Rom den Zweiten Punschen Krieg verloren hätte.
Hier haben wir alo zunächst drei verschiedene mögliche Konsequenzen:
- Rom wäre von einer Hegemonialmacht auf dem Italienischen Stiefel zu einer Stadt unter anderen geworden.
- Rom wäre zerstört, seine Bewohner zerstreut worden (ob nun durch Punier oder ehemalige italische Konkurrenten, sei dahingestellt)
- Rom wäre verschont geblieben und hätte seine Macht auf der Appeninhalbinsel mit Abstrichen erhalten geblieben.
Ich konzentriere mich nun auf Option 2: Hannibal oder andere Mächte hätten das geschlagene Rom zerstört:
Die Sprache Latiums wäre nicht die im Westmittelmeerraum dominante Sprache geworden, wir würden uns heute vielleicht aufgrund ein paar alter Inschriften an sie erinnern, sie hätte einen ähnlichen Status wie das Etruskische.
Rom hätte niemals Judäa geerbt/erobert.
Wie wäre die Geschichte Judäas ohne römische Besatzung weitergegangen? Gäbe es ohne römische Besatzung heute das Christentum? Wenn es das Christentum gäbe, wäre es nach Europa gekommen und zur Weltreligion geworden? Wenn es das Christentum nicht gegeben hätte: Hätte ein mekkanischer Handelsgehilfe dann einen Anlass gehabt, dort eine neue Religion zu etablieren, den Qur'ān zu "verfassen", also gäbe es den Islam ohne Christentum? Bzw. ohne Konflikte zwischen Christentum und Judentum bzw. interkonfessionelle christliche Konflikte?
Und wenn es den Islam gäbe, hätten die Muslime bei ihrem Eroberungszug so ein relativ leichtes Spiel gehabt, weil sie im Prinzip das marode, von internen, interkonfessonellen Konflikten geplagte oströmische nur aufrollen mussten und das nach Osten in das sassanidische Reich**?
Ohne Christentum und ohne die römisch-griechische Kultur seit Augustus: hätte es Renaissance, Barock, Aufklärung in dieser Form gegeben?
Welche Sprachen wären heute in Europa prädominant? Würden wir heute Iberisch, Punisch, Baskisch oder Keltisch zu den meistgelernten Fremdsprachen in Europa zählen? Würden wir heute von Portugal bis nach Tschechien (die Staaten würden in dieser Form natürlich nicht existieren) vielleicht Keltische Idiome sprechen?
Wen würden wir heute als Entdecker Amerikas nennen? (Da fällt doch allen als erstes Kolumbus ein und nicht die Wikinger oder andere!)*** Wer hätte den "Wettlauf" - wenn wir das mal so greifen wollen - "gewonnen": Ein Asiate, z.B. ein Chinese, Koreaner oder Japaner oder ein Europäer? Wo würde der wohl her kommen?
Welche Sprachen hätten sich dann in den Amerikas etabliert? Ein keltisches Idiom? Ein Germanisches? Ein Semitisches > Punisches? Japanisch? Chinesisch? Koreanisch?
Hätten Turkvölker ohne Islamisierung Kleinasien und davon ausgehend den Balkan erobert?
Ohne Christentum und Islam: Hätten sich trotzdem monotheistische Religionen durchgesetzt, wären wir jetzt religiöser oder säkulärer?
Hätten ohne Christentum und Islam mehr oder weniger kriegerische Konflikte die letzten 2.200 Jahre geprägt? Haben sich diese beiden Religionen eher positiv auf Krieg und Frieden oder negativ ausgewirkt?****
Diese Fragen sollen nicht beantwortet werden, denn sie sind seriös nicht beantwortbar. Aber ich glaube, sie zeigen, was für ein Rattenschwanz an Verändungeren an einzelnen, mehr oder weniger zufälligen historischen "Entscheidungen" hängen.
*Akteur: das kann eine Person sein, aber auch eine ethnisch, religiös oder anderweitig zusammengesetzte Gruppe, ein Staat....
**von eventuellen internen Problemen des Sassanidenreichs habe ich keine Ahnung, daher lasse ich die hier mal als Begründung für die Schwäche der Armeen weg.
***Ja, ich unterstelle, dass ein Europäer oder Asiate wohl als Entdecker Amerikas bekannt wäre, kein Afrikaner oder umgekehrt ein Amerikaner als Entdecker Eurasiens und Afrikas. Es steht jedem frei, das zu kritisieren.
****Mir ist natürlich klar, dass es immer Leute geben wird, die Religion als Begründung für einen "gerechten" Krieg verwechseln mit dem tatsächlichen Effekt der jeweiligen Religion.