Was geschieht, wenn ich einfach nur gehindert werde, Wasser und Brot aufzunehmen?
Wasser ist kein Problem, jedenfalls nicht in Germanistan, sonstige Nahrungsmittel können es, wenn mit dem Tross vorhandene Vorräge verloren gehen natürlich schon sein, jedenfalls, wenn die Gegend dünn genug besiedelt und landwirtschaftlich unproduktiv genug ist, dass fouragieren nicht ohne weiteres möglich ist, bzw. jedenfalls nicht, ohne die Truppen sehr weit auseinander zu ziehen und im Gelände zu verteilen, was sie natürlich anfällig machte.
Aber wie genau wolltest du ein römisches Heer daran hindern, irgendwo in einer an Flüssen und Bächen reichen Region frisches Wasser aufzunehmen?
Das würde vorraussetzen sämtliche Fließgewässer in der näheren Umgebung von 1-2 Tagesmärschen flächendeckend zu besetzen und zu überwachen. Dafür bräuchtest du technisch gesehen ein Millionenheer.
Geh mal davon aus, dass Wasserrationen zummindest für 1-2 Tage vorhanden waren und bei Gelegenheit kontinuierlich aufgefüllt wurden, nicht erst dann, wenn gar nichts mehr vorhanden war, dafür ist Wasser einfach zu kritisch, während bei Fehlen sonstiger Nahrung immerhin noch der Rückzug angetreten werden kann, in der Erwartung, wenn auch unter Strapazen und Erschöpfung noch erhebliche Strecken zurücklegen zu können.
Und: Römer mußten Schlachten annehmen, wo und wann auch immer
Wie kommst du zu dieser Annahme?
Eine Armee muss dann eine Schlacht annehmen, wenn sie droht von überlegenen Feindkräften eingekreist zu werden (um sich zu entziehen) oder wenn sie weit im Feindesland operiert und der Feind Nachschubrouten angreift, von denen sie abhängig ist und ohne deren Bestand sie sich auch nicht mehr zurückziehen kann.
Alle anderen Situationen sind erstmal völlig offen und abgesehen davon, könnte allenfalls politischer Druck einen Heerführer/Armeebefehlshaber dazu zwingen eine Schlacht unter ungünstigen Bedingungen anzunehmen wobei letzteres vor allem ein Problem der Moderne ist, dass vor allem dann stark auftritt, wenn es so etwas wie eine politisierte Öffentlichkeit gibt, die die Verteidigung bestimmter Punkte/Orte/Landstriche erwartet oder die angesichts immer höherer Kosten für militärische Operationen irgendwann man zählbare Ergebnisse sehen möchte.
Aber das sind vor allem Probleme ab dem 19. und 20. Jahrhundert.
Während des 2. Punischen Krieges, nach der Niederlage von Cannae sahen sich die Römer nicht mal gezwungen eine (Entscheidungs)Schlacht in ihrem direkten Hinterhof auf der Italischen Halbinsel anzunehmen, sondern dem wurde lange aus dem Weg gegangen.
Das man Fabius Maximus dafür das zu unterlassen den Beinahmen "Cunctator" verliehen/verpasst hat legt zwar nahe, dass das von den Zeitgenossen kritisiert wurde und unpopulär war, aber offensichtlich war es über eine längere Zeit durchhaltbar, keine Schlacht anzunehmen, obwohl ein Feind gerade römisches Kernland auf der italischen Halbinsel bedrohte/versüstete.
Warum genau hätte ein römischer Heerführer irgendwo in der Provinz oder im erst halb zum Imperium gehörenden "Barbaricum" eine Schlacht annehmen müssen?
Je länger eine Schlacht dauert und folglich daran hindert, Proviant aufzufüllen, weil mein Gegner mich dazu zwingt, desdo mehr wird meine Lage immer schlechter.
Das funktioniert so nicht, jedenfalls nicht in einer Gegend, die über genügend Fließgewässer verfügt und wenn der Gegner sonstige Nahrungsmittel in großem Stil im Tross mitführt.
In dem Fall wäre es allenfalls möglich zu versuchen dem Gegner dem Tross abzunehmen um ihn zum Rückzug zu zwingen (entspräche der typischen Manöver-Kriegsführung des 18. Jahrhunderts), was allerdings auch nur dann funktioniert, wenn die Gegend zu wenig Nahrungsmittelüberschüsse produziert, als dass die Armee "aus dem Land" leben könnte.
Ansonsten überleg einfach mal, was das für Anforderungen stellen würde.
Du bräuchtest im Grunde genommen eine enorme zahlenmäßige Überlegenheit, um einen Gegner so zu fesseln, dass er sich nicht bewegen und zum nächsten rückwärtigen Fließgewässer absetzen kann und um die eigenen Angriffe überhaupt aufrecht erhalten zu könnnen.
Ich weiß nicht, ob du dich jemals mit Blankwaffen, oder entsprechenden Atrappen versucht hast, aber es ist damit de facto kräftemäßig überhaupt nicht machbar, stundenlang ununterbrochen anzugreifen. Bei modernen Feuerwaffen, deren Anwendung nicht dermaßen kraftzehrend ist, mag das anders aussehen.
Häng dir entsprechendes Gewicht um und gib dir mal mit Schwert und Schild gegen irgendwen nen Trainingskampf und du wirst sehen, dass du bereits nach 10-15 Min ziemlich erschöpft bist, wenn du versuchst unter großem Kraftaufwand dauernd anzugreifen, während Defensive weit weniger kraftraubend ist.
Das heißt um kontinuierlichen Druck auf Verteidiger aufrecht erhalten zu können, müssten sich diejenigen, die Angreifen dauernd fliegend abwechseln und ablösen. Natürlich kann ein entsprechend gerüsteter Kämpfer, wenn er sich verausgabt hat, auf dem Schlachtfeld stehen bleiben und eine defensivere Haltung einnehmen um Kraft zu sparen und sich für die nächste offensive Phase zu regenerieren, aber er kann nicht Dauerangriffe vortragen.
Wenn keine enorme zahlenmäßige Überlegenheit gegeben ist, bedeutet das, dass deine römische Armee vielleicht vielleicht in Summe ein paar Stunden in defensiver Haltung aushalten kann, dabei deutlich weniger Kräfteverschließ hat, als der Angreifer und sich dann, spätestens im Schutz der hereinbrechenden Dunkelheit absetzen und auf die letzte bekannte Fließwasserquelle zurückfallen lassen kann.
Um die zu erreichen und dort Wasser zu fassen, hat deine römische Armee, wenn sie es schafft zumindest teilweise unentdeckt in der Dunkelheit abzurücken einen zeitlichen Vorsprung und den tendenziell kürzeren Weg, sie ist weniger erschöpft, als die Angreifer, die sich den Tag über verausgabt haben und wenn sie eine Nachhut detachiert, die noch ein Verzögerungsgefecht führt und langsam kämpfend zurückweicht, kann sie ihren Vorsprung noch vergrößern.
Sofern ihr nicht der Rückzugsweg blockiert ist wird deine römische Armee wieder Wasser gefasst haben, bevor es deinen Angreifern gelingt, sie einzuholen.
Auf Varus bezogen heißt das nur, daß, egal ob er 15 Feldflaschen mit Wasser und 3 Butterbrote hatte, irgendwann in der Dauerschlacht hatte er sie nicht mehr....und dann hatte er Hunger und Durst, von den Tieren ganz zu schweigen.
Das Problem ist nur, dass sich eine "Dauerschlacht" nicht durchhalten lässt, sofern der Gegner nicht kräftemäßig unterlegen und von den Rückwegen abgeschnitten ist, oder man ihm (Wüstengegend o.ä.) die einzige Wasserquelle weit und breit verwehrt, so dass Rückzug für ihn keine Alternative ist und er angreifen muss.