(Übrigens darf bezweifelt werden, ob diese ganzen "Robin Hoods" wirklich so altruistisch waren. Oft wirkt das "Er gibt ja den Armen und nimmt den Reichen" mehr wie eine erfundene moralische Begründung für die Taten.)
Warum auch sollte ein Bandit Geld verschenken an Arme? Geld, für das er seine Freiheit, sein Leben aufs Spiel gesetzt hat, Geld, für das seine Komplizen ihre Freiheit, ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben.
Das macht einfach keinen Sinn, ja man muss eine solche Handlungsweise als dumm bezeichnen.
Banditenleben ist teuer. Ein Bandit braucht Unterschlupf, und das kostet viel Geld. Ein Bandit muss essen und trinken, und auch Lebensmittel muss ein Bandit zu überteuerten Preisen kaufen. Er braucht Winterquatiere, Brennholz, Kleidung, und auch die gibt es nicht für lau.
Er braucht falsche Pässe, und auch dem "Flebbenfackler" muss man die Hände salben, damit er gut arbeit.
Ein Bandit braucht "kochemer Bayes" "kesse Pennen", braucht Beamte, die die Augen zu drücken, und das ist am teuersten von allen.
Er braucht Hehler und "Scherfenspieler", die ihm die Ware abkaufen, er braucht Abnehmer, und die wiederum werden ihm nur einen Bruchteil des wirklichen Wertes dafür bezahlen.
Ein Banditenleben ist knallhart, gefährlich, oft auch sehr kurz. Für alles, was ein Bandit zum leben und sterben braucht, muss er teuer bezahlen.
Wenn er schon Geld ausgibt und Geld ausgeben muss, dann gibt man es doch lieber Menschen, die dafür etwas für einen tun können.
Wenn ein Bandit gut bei Kasse ist, einen guten Coup gemacht hat, da ist es doch vernünftiger, das Geld lieber einem korrupten Beamten zu geben, der dafür einen Pass, ein Leumundgszeugnis, jedenfalls eine Gegenleistung dafür gibt, als das Geld einem armen Schlucker zu geben, der nichts für ihn tun kann, der womöglich den Banditen verrät, obwohl der ihm ein Geschenk machte.
Ein Bandit handelt nach dem Grundsatz do ut des (ich gebe, damit du gibst). Jeder andere Grundsatz wäre dumm, wäre verantwortungslos. Ein Räuber, der Beute an Leute verschenkt ohne Gegenleistung, begeht ein Unrecht gegen sich selbst und seine Kameraden, wenn er Geld, für das er "gearbeitet" hat, für das er Angst, Stress ausgestanden hat, für das er Freiheit und Leben riskiert hat verschleudert, verschenkt an Leute, die dafür keine Gegenleistung bieten können.
Wenn ein Bandit wie der Schinderhannes zuweilen eine Party für die Bauern feierte, wenn er mal einem armen Schlucker etwas Wein, Tabak, Geld gibt, dann tat er das natürlich nicht aus Barmherzigkeit, sondern in der Berechnung, dass die Bauern ihn dafür nicht verraten, dass sie ihm mal einen Tipp geben. Alles andere wäre nichts als Schwulst, die Zeiten waren zu allen Zeiten nicht so, dass ein Bandit es sich leisten kann, Geld und Gut zu verschleudern, für das er Freiheit und Leben riskierte. Es zu verschleudern, für Menschen, die einem gar nicht nützlich sind, niemals nützlich werden können.
Das muss man sich bewusst werden. Nur in der Literatur hat der edle Räuber existiert, und auch der "edle Räuber", auch Robin Hood ist am Ende dem Tode geweiht. Umverteilung zugunsten der Armen-das ist in der harten Realität nichts als eine Donquichoterie, eine Dummheit, ein sentimentales Hndeln gegen die ureigensten Interessen und die Interessen der Komplizen.
Geld an die Armen verschenken, das ist wie Geld verbrennen, es hat keinen Sinn, es hat keinen Nutzen, am Ende schadet man letztlich nur sich selbst. Wer ein Leben am Rande der Legalität führt, wer es nehmen muss, wie es kommt, wer von der Hand in den Mund lebt, der kann sich so etwas gar nicht leisten. Ein solches Verhalten wäre kontraproduktiv, wäre ein Unrecht gegen sich selbst und gegen die Komplizen.
Die Bauern mit gewildertem Wildbret zu unterstützen, zu versuchen, sich die Landbevölkerung gewogen zu machen, das ist etwas ganz Anderes, das ist eine Investition in die Zukunft. Das Wildbret, das man vielleicht nicht selbst verwerten kann, eine kleine Wohltat hier, das ist etwas ganz anderes, das sind Handlungsweisen, die nicht viel kosten, aber dafür geben die Bauern mal einen Tipp, warnen vor Razzien.
Das ist im Grunde eine Investition in die Zukunft, es kommt etwas retour, es nützt dem Banditen und der Bande, und es kostet nicht viel oder nichts. Etwas anderes gibt es nicht für einen Banditen, so haben Schinderhannes, der bayrische Hiesel oder auch Bernhard Kimmel gehandelt, sie haben damit ihr "Image" verbessert, haben sich damit Sympathisanten erworben, vielleicht auch gegen Verrat versichert. Alles es ist alles andere als Umverteilung, und ein Bandit wird auch niemals Umverteilung als reinen Selbstzweck betreiben, seine Komplizen würden niemals akzeptieren, ihren Beuteanteil zu reduzieren für arme Schlucker, die keine Gegenleistung bieten können.