John_ausTexas

Neues Mitglied
Hallo zusammen!

ich bin John aus der Gegend von Austin, Texas. Aufgewachsen bin ich zwischen Texas und Louisiana – und ausgerechnet dort, in Louisiana, habe ich in der High School Deutsch gelernt. Später habe ich in der US Army gedient und mir eigentlich eine Versetzung nach Deutschland gewünscht. Bekommen habe ich stattdessen die Mojave-Wüste in Kalifornien, wo ich beim National Training Center als Artillerist diente – dort wurden Einheiten unter anderem für einen möglichen Krieg in Mitteleuropa trainiert.

Für den Kalten Krieg interessiere ich mich schon lange, insbesondere für die Geschichte Deutschlands in dieser Zeit – sowohl die Bundesrepublik im Westen als auch die DDR im Osten. Ich freue mich darauf, hier mitzulesen und mit euch ins Gespräch zu kommen

Viele Grüße,
John
 
Hallo John,
erstmal Grüße nach Texas und - wow! - ich verblasse vor Neid: dein Deutsch ist exzellent, dagegen wäre mein Englisch trotz vieler Schuljahre peinlich... :)
Du wirst hier Blockbildung und Kalter Krieg vielerlei zu deinem Interessengebiet finden. Falls du mal einen "Ausflug" zu den "Krauts" planst: in der Rhön und entlang der hessisch-thüringischen Grenze gibt es viele Kalter-Krieg-Hinterlassenschaften, auch museal aufbereitet, z.B. Point Alpha mit sehenswertem Museum. Die Wälder und Berge der Gegend sind voller "westlicher" Sperrmittelhäuser, Sprengschächte etc und voller "östlicher" Beobachtungstürme und -bunker. Gib einfach Bescheid, wenn du Fotos davon sehen willst (ob die sehenswert sind, ist eine andere Frage...), wir sind beim Geocaching oft genug über solche Bunker gestolpert und ich hab sie immer fotografiert :)
 
Hi John,
und willkommen!
Ich, in militärischen Aspekten wenig bewandert, staune über Teil 2 deines folgenden Satzes:
Bekommen habe ich stattdessen die Mojave-Wüste in Kalifornien, wo ich beim National Training Center als Artillerist diente – dort wurden Einheiten unter anderem für einen möglichen Krieg in Mitteleuropa trainiert.
Abgesehen von der Tabernas-Halbwüste in Andalusien (als Drehort u.a. für europäische Westernfilme genutzt) ist Europa wüstenfrei, mutet für mich Laien verwunderlich an, dass in der Mojave-Wüste für mögliche Konflikte in Europa trainiert wurde.
 
Hallo John,
erstmal Grüße nach Texas und - wow! - ich verblasse vor Neid: dein Deutsch ist exzellent, dagegen wäre mein Englisch trotz vieler Schuljahre peinlich... :)
Du wirst hier Blockbildung und Kalter Krieg vielerlei zu deinem Interessengebiet finden. Falls du mal einen "Ausflug" zu den "Krauts" planst: in der Rhön und entlang der hessisch-thüringischen Grenze gibt es viele Kalter-Krieg-Hinterlassenschaften, auch museal aufbereitet, z.B. Point Alpha mit sehenswertem Museum. Die Wälder und Berge der Gegend sind voller "westlicher" Sperrmittelhäuser, Sprengschächte etc und voller "östlicher" Beobachtungstürme und -bunker. Gib einfach Bescheid, wenn du Fotos davon sehen willst (ob die sehenswert sind, ist eine andere Frage...), wir sind beim Geocaching oft genug über solche Bunker gestolpert und ich hab sie immer fotografiert :)
Ich hatte das Glück, eine Deutschlehrerin aus dem Bundesstaat Wisconsin zu haben, wo es viele deutschsprachige Familien gibt, die im 19. Jahrhundert eingewandert sind. Ihr war es wichtiger, uns das Sprechen und die Kommunikation beizubringen, als sicherzustellen, dass unsere Verben korrekt konjugiert waren!

Mein schriftliches Deutsch ist korrekter als mein gesprochenes, und wenn ich Schwierigkeiten habe, mich auszudrücken, greife ich zu den Übersetzungstools, die es heutzutage gibt. Beim Sprechen denke ich oft, dass ich wahrscheinlich wie Tarzan klinge, da meine Grammatik ziemlich schlecht ist. Mir wurde jedoch gesagt, dass mein gesprochener Deutschakzent recht gut sei, wenn auch eine etwas fade Schulversion.

Was die Grenze und Orte wie OP Alpha angeht – damit kenne ich mich recht gut aus. Einer meiner besten Freunde war Mitte der 1970er-Jahre mit dem 11. ACR in Bad Kissingen stationiert. Obwohl die Spannungen an der Grenze ständig hoch waren, beneide ich ihn um seine lange Zeit in Deutschland. Ich war vor langer Zeit in der Gegend um München, möchte aber unbedingt wieder dorthin.

Ich freue mich auf weitere Gespräche hier!
 
Hi John,
und willkommen!
Ich, in militärischen Aspekten wenig bewandert, staune über Teil 2 deines folgenden Satzes:

Abgesehen von der Tabernas-Halbwüste in Andalusien (als Drehort u.a. für europäische Westernfilme genutzt) ist Europa wüstenfrei, mutet für mich Laien verwunderlich an, dass in der Mojave-Wüste für mögliche Konflikte in Europa trainiert wurde.
Auf den ersten Blick erscheint es widersinnig: Warum sollte die US-Armee in Mitteleuropa, mitten in der Mojave-Wüste, Panzerkriegsführung trainieren? Im Nationalen Ausbildungszentrum ging es nie um die Landschaft. Es ging um die Übung groß angelegter, mobiler Kriegsführung, und dafür war die Wüste schlichtweg der beste Ort, den die USA hatten.

Das Gelände von Fort Irwin ist riesig. Rund 2.600 Quadratkilometer, größtenteils leer und unbewohnt. Ganze Brigaden mit Panzern und Schützenpanzern konnten sich über reale Distanzen und mit hoher Geschwindigkeit bewegen, während Bataillone gleichzeitig über Dutzende von Kilometern verteilt waren. Das ist auf einem überfüllten Stützpunkt irgendwo im Osten der USA, umgeben von Wäldern, Feldern und Zäunen – und erst recht nicht in Deutschland selbst – schlichtweg unmöglich. Der Plan sah damals eine schnelle, groß angelegte Panzerschlacht in der Fulda-Lücke vor, und dafür braucht man vor allem Platz.

In der Wüste gibt es kein Versteck. Die Panzerbesatzungen konnten sich nicht einfach durch die Wälder schleichen oder in einem Dorf verstecken, um der eigentlichen Übung zu entgehen. Alles lag offen zutage. Das zwang die Einheiten, alles richtig zu machen: sich zu verteilen, das Gelände auszunutzen, gegenseitige Deckung zu geben und alle Teilstreitkräfte effektiv zusammen einzusetzen. Fehler, die in einem deutschen Wald unbemerkt geblieben wären, wurden in der Wüste gnadenlos aufgedeckt. Daher der Spruch: „Wer das Nationale Übungszentrum (NTC) überlebt, überlebt überall.“

Doch der wirklich geniale Aspekt des NTC war etwas ganz anderes: eine permanent stationierte OPFOR-Einheit, die nichts anderes tat, als wie ein sowjetisches Schützenregiment zu kämpfen. Kamfen mit sowjetisches Taktiken, Formationen und deren gesamter Denkweise. Sie nahmen das sehr ernst: Sowjetische Uniformen und Fahrzeuge wurden mit Umbausätzen optisch so verändert, dass sie der Ausrüstung des Warschauer Pakts ähnelten. Ein M551 Sheridan wurde in einen T-72 oder BMP umgebaut. Wenn man ihnen gegenüberstand, hatte man wirklich das Gefühl, gegen echte sowjetische Streitkräfte zu kämpfen, nicht gegen die eigenen Kameraden in Verkleidung. Einen Gegner zu haben, der einen so realistisch herausforderte – mit Lasersimulatoren und gründlichen Nachbesprechungen –, war letztendlich wichtiger als Bäume oder deren Fehlen.

Das Gelände gehörte bereits dem Staat, war weit genug entfernt für Übungen mit scharfer Munition, und niemand musste sich um Zivilisten sorgen. Es war schlichtweg groß genug für realistische Kampfdistanzen.

Die Wüste war also kein Ersatz für die deutsche Landschaft. Sie war die Bühne – weitläufig und unerbittlich genug, um genau die Art von Panzerschlacht zu proben, die damals jeder erwartete.

Ich lebte und arbeitete zwei Jahre lang, von 1986 bis 1988, in diesem Umfeld. Es war hart und gefährlich (sowohl die Umgebung als auch die vielen gepanzerten Fahrzeuge, die dort unterwegs waren). Rückblickend habe ich aber jede Minute dort genossen.
 
@John, herzlichen Dank für ausführliche Darlegung und die mir nun einleuchtenden Hintergründe. Auf meinen ersten Gedanken hin standen Wüstenszenarien einfach in erheblichem Kontrast zu Manövern der US-Army die ich als Jugendlicher im Odenwald/Kreis Bergstraße hautnah miterlebte, incl. im Wald um Orientierung bemühter bis zu sich verlaufen habender Soldaten.
 
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