Dauerte die Varusschlacht nur einen Tag?

Tag 1: die eh schon durch Topographie, Regen (mimimi) und im Sturm herabstürzende Baumkronen gebeutelten Römer werden von den Germanen, denen erstaunlicherweise herabstürzende Baumkronen nichts anhaben können, angegriffen. Die Römer schlagen ein Lager auf und verbrennen einen Teil ihrer Wagen.
Tag 2: die Römer erreichen freies Gelände.
Tag 2 oder 3: die Römer geraten wieder in den Wald, Slapstickszenen mit Zuckerrömern und elbenhaften Germanen.
Tag 4: während die Römer von den Unbilden des Wetters behindert werden, trotzen die Germanen erneut der Physik (einige Forenteilnehmer sind jetzt auf der Palme)

Tag 2 oder 3: Es lässt sich nicht entscheiden, ob Cassius Dio hier von zwei Tagen spricht, oder nur von einem. Die Frage ist, ob das wichtig ist. Wer Cassius' Darstellung aufgrund seiner scheinbaren Ausführlichkeit für ein detailliertes Verlaufsprotokoll der Schlacht hält - egal ob man meine sehr skeptische Haltung zu Cassius Dio teilt, oder weniger kritisch mit Cassius umgeht - der überschätzt diese Quelle in ihrer Aussagekraft.




Ohne Cassius Dio. Also, wenn man nur Florus und Tacitus berücksichtigt und versucht, diese beiden zu harmoniseren, dann ist man gezwungen, das zweite Lager im ersten zu suchen. Das haben auch einige Leute versucht.
kleiner Auszug aus dem Thread:Wohin bestellte Varus.....
 
Nur sollte man einen durchschnittlichen Legionär nicht unbedingt mit einem modernen Leistungssportler vergleichen und das langfristige Tragen einer Rüstung nicht mit der kurzen Anstrengung eines Hindernis-Parcours. Wenn die Legionäre der Varusschlacht tagelang nicht mehr aus ihren Rüstungen herauskamen, wirkt auf die Dauer jedes zusätzliche kg ermüdend. Dazu noch die Größe und somit Sperrigkeit der Schilde.

Außerdem gibt es genügend Belege aus der antiken Literatur, dass Schwerbewaffnete nicht so beweglich und flink waren wie Leichtbewaffnete. Das kann doch nicht alles erfunden gewesen sein.
Behauptet ja auch niemand.
Allerdings würde ich schon meinen, dass ein durchschnittlicher Legionär ziemlich durchtrainiert gewesen sein dürfte. Gerade auch, was das Gewicht seiner Rüstung und Waffen anbelangte.

Ich war einige mal mit bis zu 30 kg Gepäck über Wochen hinweg wandern, die Eingewöhnungseffekte nach der Startphase des Abkotzens (trotz Vorbereitung) kannte ich irgendwann, und dennoch blieb jedes zusätzliche Kilogramm stets spürbar. Wenn ich dann bspw. an Sherpas denke die Gewichte weit über diesem Maß tragen.
Inkatrail: Die Quechuas, welche den Reisenden ihr Gepäck tragen, laufen vorne weg und wenn die Wanderer ankommen, sind die schon mehr oder weniger fertig mit Zeltaufbau und Essen machen. (Wurde mir berichtet, ich habe den Inkatrail selber noch nicht gemacht). Hier spielt natürlich auch die Höhe eine Rolle, der Inkatrail führt zwar zu Machu Picchu, was relativ niedrig liegt, aber über sehr hohe Berge.
 
Zuletzt bearbeitet:
Naja, der Tag der Abreise aus dem Lager (Marschlager, Sommerlager oder Lager Nr. 25?) ist nicht zwingend dasselbe wie Tag 1 der Schlacht.

Es wäre durchaus möglich, dass Varus ganz friedlich einige Tage durch Südniedersachsen, Ostwestfalen oder Nordhessen (denn, bösartigerweise, war für die Römer auch die Werra die Weser...) getingelt war, bevor der erste Germanenspeer der sumpfigen oder sonnigen Idylle ein ungutes Ende bereitete.
 
Naja, der Tag der Abreise aus dem Lager (Marschlager, Sommerlager oder Lager Nr. 25?) ist nicht zwingend dasselbe wie Tag 1 der Schlacht.

Es wäre durchaus möglich, dass Varus ganz friedlich einige Tage durch Südniedersachsen, Ostwestfalen oder Nordhessen (denn, bösartigerweise, war für die Römer auch die Werra die Weser...) getingelt war, bevor der erste Germanenspeer der sumpfigen oder sonnigen Idylle ein ungutes Ende bereitete.

Nein nein, die 20.000 Germanischen Bogenschützen lauerten direkt vor dem Lagertor im dichten Urwald.
20:00 Uhr war das ganze beendet und die Germanen zur Tagesschau zu Hause.
 
Naja, der Tag der Abreise aus dem Lager (Marschlager, Sommerlager oder Lager Nr. 25?) ist nicht zwingend dasselbe wie Tag 1 der Schlacht.

Es wäre durchaus möglich, dass Varus ganz friedlich einige Tage durch Südniedersachsen, Ostwestfalen oder Nordhessen (denn, bösartigerweise, war für die Römer auch die Werra die Weser...) getingelt war, bevor der erste Germanenspeer der sumpfigen oder sonnigen Idylle ein ungutes Ende bereitete.
Wenn man die Textstelle bei Dio liest, kann man schon auf den Gedanken kommen, es sei der Tag des Lagerauszuges und der ersten Scharmützel.

Aber dies alles und noch viel mehr: Thread Wohin bestellte.....

Schon merkwürdig, daß Dio nichts über die Trips nach Nordhessen, Ostwestfalen etc. berichtet hat...aber man muß Dio ja nicht alles glauben.
Ich bin dann mal weg.
 
Schon merkwürdig, daß Dio nichts über die Trips nach Nordhessen, Ostwestfalen etc. berichtet hat...

Inwiefern ist das merkwürdig? Er schreibt ja noch nicht einmal, in welche Richtung Varus marschiert ist, geschweige denn, welches denn die "entfernten" Völkerschaften waren, gegen die er ziehen wollten.
Wenn wir nicht Tacitus hätten, hätten wir wahrscheinlich Hunderte von hypothetischen Varusschlachtfeldern östlich der Weser...
 
Wenn man die Textstelle bei Dio liest, kann man schon auf den Gedanken kommen, es sei der Tag des Lagerauszuges und der ersten Scharmützel.
Eigentlich nicht.
  1. Das Sommerlager ist eine Chimäre. Varus wurde - laut Cassius Dio - an die Weser gelockt. Das heißt nicht, dass er dort die ganze Zeit an einem Fleck saß und sich von den Germanen bewirten ließ.
  2. Ausmarsch aus dem Lager. Die Verschwörer geben Geleit.
  3. Die Verschwörer beurlauben sich, um Hilfstruppen heranzuführen. Diese sind aber tatsächlich keine Hilfstruppen, sondern der Feind (aber womöglich als Hilfstruppen angeworben und so gerüstet.
  4. Die Garnisonen/Vexillationen werden niedergemacht.
  5. Varus selbst wird angegriffen.
Das ist etwas viel für einen Tag, Geleit geben, Truppen einsammeln, Vexillationen niedermachen. Klar, auch die Verschwörer können sich aufgeteilt haben und verschiedene Gruppen gleichzeitig verschiedene Angriffe getätigt haben, Inguiomer die nördlichen Vexillationen, Segestes die südlichen Garnisonen, Arminius und Segimer die Hauptstreitmacht, alles möglich, aber auch in einem solchen Falle: Geleit geben, sich beurlauben, Truppen einsammeln.

Schon merkwürdig, daß Dio nichts über die Trips nach Nordhessen, Ostwestfalen etc. berichtet hat...aber man muß Dio ja nicht alles glauben.
Ich bin dann mal weg.
Nun... welche Begriffe hätte er dafür gehabt und hätten wir sie verstanden? Mal angesehen davon: Selbst wenn man Cassius Dio alles glaubt, was er schreibt (wovon ich ein weiteres Mal abrate), dann ist das immer noch kein detailliertes Verlaufsprotokoll der Schlacht. Er ist die ausführlichste Quelle, er fabuliert dazu, aber er berichtet nicht minutiös. Ja selbst, dass manche meinen, dass die Schlacht anstatt der bei Cassius angegebenen 4 Tage drei Tage dauerte, weil er nicht explizit einen Lagerbau nennt und zweiter und dritter Tag nicht wirklich voneinander getrennt sind, du hast mich oben zitiert:


Tag 1: die eh schon durch Topographie, Regen (mimimi) und im Sturm herabstürzende Baumkronen gebeutelten Römer werden von den Germanen, denen erstaunlicherweise herabstürzende Baumkronen nichts anhaben können, angegriffen. Die Römer schlagen ein Lager auf und verbrennen einen Teil ihrer Wagen.​
Tag 2: die Römer erreichen freies Gelände.​
Tag 2 oder 3: die Römer geraten wieder in den Wald, Slapstickszenen mit Zuckerrömern und elbenhaften Germanen.​
Tag 4: während die Römer von den Unbilden des Wetters behindert werden, trotzen die Germanen erneut der Physik (einige Forenteilnehmer sind jetzt auf der Palme)​
Tag 2 oder 3: Es lässt sich nicht entscheiden, ob Cassius Dio hier von zwei Tagen spricht, oder nur von einem. Die Frage ist, ob das wichtig ist. Wer Cassius' Darstellung aufgrund seiner scheinbaren Ausführlichkeit für ein detailliertes Verlaufsprotokoll der Schlacht hält - egal ob man meine sehr skeptische Haltung zu Cassius Dio teilt, oder weniger kritisch mit Cassius umgeht - der überschätzt diese Quelle in ihrer Aussagekraft.​
 
Nein nein, die 20.000 Germanischen Bogenschützen lauerten direkt vor dem Lagertor im dichten Urwald.
20:00 Uhr war das ganze beendet und die Germanen zur Tagesschau zu Hause.
• 20.000 Germanischen Bogenschützen
• direkt vor dem Lagertor
• im dichten Urwald.
• 20:00 Uhr war das ganze beendet
• Germanen zur Tagesschau zu Hause.

Ich bin erschüttert!
 
Hat jemand Kontakt zu der Gladiatorenschule Amor Mortis? Waren am Wochenende in der APX.
Man sollte Mark Schrader mal fragen wie Kämpfe mit scutum und gladius auf der einen Seite
und ein Kämpfer mit handlicher Lanze („ GER, Frame, Framea“) Ausgehen würden.
Handliche Lanze gegen Kurzschwert mit großem Schild.
 
Wenn man die Textstelle bei Dio liest, kann man schon auf den Gedanken kommen, es sei der Tag des Lagerauszuges und der ersten Scharmützel.
Persönlich habe ich bei Dio den Eindruck, dass zwischen dem Aufbruch aus dem Lager (sei es nun DAS Sommerlager oder EIN Sommerlage (also ein Lager, an dem man nicht den ganzen Sommer über bleibt, dass aber auch kein reines Marschlager ist, sondern ein Lager, in dem man eine gewisse Zeit bleibt) oder falls man schon auf dem Rückweg an den Rhein war das letzte Marschlager vor der Kursänderung) eine gewisse Zeit, vermutlich ein paar Tage, vergehen. Vielleicht kann man das auch anders interpretieren, aber was man auf jeden Fall nicht machen kann, ist, wie @westfale die expliziten Angaben zur mehrtägigen Schlacht bei Cassius Dio verwerfern, da das alles nur Geschichten seien und dann andererseits aus impliziten Angaben, die man so oder so interpretieren kann, schließen, nach Dio hätte die Schlacht am ersten Tag nach dem Auszug aus dem Lager begonnen.

Wenn wir solche expliziten Angaben zur mehrtägigen Schlacht verwerfen, die ja absolut plausibel sind, die gegen kein Naturgesetz verletzten oder andere Erkenntnissen widersprechen, dann müssen wir Cassius Dio insgesamt verwerfen und dann damit leben, dass wir praktisch nichts über den Ablauf der Schlacht wissen, außer das, was man archäologisch nachweisen kann.

Im Übrigen bin ich der Ansicht, dass wahrscheinlich zwischen dem Zeitpunkt, an dem Varus von dem vermeintlichen Aufstand erfuhr und dem Aufbruch aus dem Lager auch noch etwas Zeit vergangen ist. Man muss so etwas ja auch zumindest ein bisschen vorbereiten. Es sei denn, er wäre tatsächlich schon auf dem Rückweg an der Rhein gewesen und hätte auf dem Marsch dann einfach nur die Richtung geändert. Selbst dann würde ich aber erwarten, dass zumindest noch ein Mindestmaß an Planung erfolgt, bevor man den neuen Kurs einschlägt.
 
Hat jemand Kontakt zu der Gladiatorenschule Amor Mortis?
Ich nicht, habe lediglich vor 12 Jahren mal eine Aufführung der Gruppe gesehen.
Man sollte Mark Schrader mal fragen wie Kämpfe mit scutum und gladius auf der einen Seite
und ein Kämpfer mit handlicher Lanze („ GER, Frame, Framea“) Ausgehen würden.
Handliche Lanze gegen Kurzschwert mit großem Schild.
Ich denke, dass auf Ebene des Gladiatorenkampfs eine fifty-fifty-Gewinnchance gegeben sein dürfte, da eine Bevorteilung einer Seite aufgrund von Waffe/Wappnung die Gladiatorenpaarung Retiarius-Secutor vermutlich nicht hätte entstehen lassen.
Ich denke auch, dass ein Einzelkampf á la Gladiatoren nur bedingte Rückschlüsse ermöglicht auf das was sich in einer Schlacht zuträgt, bei der gerade auf der einen Seite die Legionäre auf den Kampf im Verband trainiert waren, und diesen sicher so lange es irgend ging versucht haben dürften aufrecht zu erhalten, selbst bei anzunehmender zunehmender Zersplitterung der Legionen, Kohorten, Contubernia im Varus-Arminius-Ereignis.
 
Die Gladiatoren Gruppe ist schon hart im nehmen. Legionäre im Verband (Schildkröte) vielleicht auch kleiner,
sind schwer zu besiegen. Aber als Einzelkämpfer gegen einen oder zwei Germanen mit Lanze umgeben von Bäumen
wird es der Legionär sehr schwer haben zu überleben.
 
Das ist sicher richtig, aber diese Situation bestand für die Masse der Römer erst, nachdem Varus Legionen zerschlagen und die Sache entschieden war. Wie es dazu kam, ist aber die interessante Frage.
 
...zwar schrieb immerhin Kafka
denn wir sind wie Bäume
aber zeitnäher urteilte Obelix
Der Wald ist aber auch in einem schlechten Zustand, überall hat's Bäume
und so langsam gehen mir die Bäume auf den Keks... Spezielle Baumtruppen sind nicht überliefert, und sowohl knorrige als auch sentimentale Eichen sind gleichermaßen german. wie röm. Soldateska im Weg, bieten allerdings beiden auch gleichermaßen ggf Deckung.
...Tolkiens Baumbart & Co. wird wohl nicht von Arminius rekrutiert gewesen sein ;)
 
Kleine Halb-OffTopicFrage:

Es wurde doch vor ein paar Jahren ein Stand(?)lager bei Höxter gefunden.

Ist das Lager schon zeitlich genauer eingeordnet worden?

Kann dazu im Web nix finden.
 
Kleine Halb-OffTopicFrage:

Es wurde doch vor ein paar Jahren ein Stand(?)lager bei Höxter gefunden.

Ist das Lager schon zeitlich genauer eingeordnet worden?

Kann dazu im Web nix finden.
Vermutlich weil dieses Lager nur in der Phantasie von Eigenbrötlern bestand. Die meinten, das Westwerk von Corvey sei eigentlich das Tor eines Römerlagers. Und wollten die lateinische Inschrift (ein Zitat aus einem mittelalterlichem Kirchenlied) als römische Bauinschrift lesen.
 
@Reineke
Wieso soll das erst für die Römer bedrohlich geworden sein, nachdem sich die Legionen aufgelöst hatten?
Wenn z.B. eine Legion auf dem Marsch, wo auf beiden Seiten des Weges große Bäume stehen,
( noch mal : „auf dem Marsch“) angegriffen werden! Was machen die Legionäre?
Gepäck wegwerfen, Scutum vom Rücken nehmen. Und dann? In Formation zwischen den Bäumen Aufstellung nehmen? Hat jemand die Zeit gestoppt, wie lange das gedauert ,und der Germane mit seinem GER oder Frame
vor ihm steht. Das Ende ist Nahe.
Den GER oder der,die Frame ist meiner Meinung nach kein Wurfspieß oder Speer.
So viele Schwerter sollen in Germanien nach Cristus nicht gefunden worden.
Wie also soll der Angriff auf den Zug stattgefunden haben sollen.
 
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