Ich bin als Kind zu 100 Prozent mit Alemannisch aufgewachsen.
Leider ist Alemannisch langsam auf dem Rückgang bei uns.
Hab mich gefreut, als ich die Sprache meiner Kindheit in der Schweiz hörte und verstand.
Find es schade, dass der Begriff Alemannisch dort so verpönt ist.
Aus eigener Erfahrung - ich bin in Basel aufgewachsen und habe die längste Zeit meines Lebens auch dort gelebt - kann ich Dir versichern, dass der Begriff Alemannisch in der Schweiz nicht verpönt ist, sondern eben in der alltäglichen Beschreibung des "schwyzerdütschen" Dialekts (den es eigentlich gar nicht gibt) lediglich nicht in Gebrauch ist.
In der Region Basel hingegen wurde und wird gelegentlich tatsächlich behauptet, dass man "alemannisch" spricht, wobei der Begriff allerdings meist lediglich in lokalchauvinistischem Zusammenhang (etwa an der Fasnacht) verwendet wird. Häufig will man sich damit von der Restschweiz abgrenzen (man spricht jenseits des Juras kein niederalemannisch) und seine Zugehörigkeit zum "Dreieckland", d.h. zu Südbaden und dem Oberelsass demonstrieren. In ähnlichem (chauvinsitischen) Zusammenhang habe ich den Begriff tatsächlich auch schon in Südbaden und dem Elsass gehört. Und es ist offenbar tatsächlich so - ich denke in diesem Zusammenhang an Äusserungen meines Grossvaters - dass der Urheber dieses "lokalpatrioitschen" Begriffs wie Sepiola sagt, Johann Peter Hebel ist, auch wenn meine elsässischen Kollegen manchmal den Begriff "alemannisch" für "elsässisch" zwar verwenden, aber Hebel nicht kennen.
Mit dem oben angesprochenen, ebenso lokalchauvinistischen "Dreieckland" ist im Übrigen kein niederalemannisch-sprachiges Dreieck zwischen Deutschland, Schweiz und Frankreich sondern die "keltische" Region zwischen dem Belchen (Schwarzwald), dem Grand Ballon (Grosser Belchen, Vogesen) und dem Bölchen (Jura) gemeint. Belchen soll - so meinen zum Mindesten Heimatforscher - ein keltischer Begriff sein (Beim Beleuns !

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Ansonsten ist es auch in andersprachigen Regionen im Alltag nicht üblich, für den örtlichen Dialekt den offziellen oder wissenschaftlichen Begriff zu verwenden. Im Fall der Schweiz beispielsweise habe ich jedenfalls noch keinen Tessiner erlebt, der mir erklärte, dass er einen lombardischen Dialekt spreche.
Warum sich Johann Peter Hebel zum Mindesten in Basel selbst - etwa an der Fasnacht - manchmal bis heute einer gewissen Popularität erfreut, könnte der folgende Gedichtausschnitt erklären:
Mer geehn nit under will mer sufe, Wir gehen nicht unter weil wir saufen,
Mer sufe will mer undergeehn Wir saufen weil wir untergehn.