Sah ein Knab' ein Röslein steh'n, Röslein in Laurins Garten

Ich wiederhole mich nur ungern: P. Diaconus musste unter Druck Karl d. Gr. Franken-freundlich schreiben - im Sinne von: die Sieger schreiben die Geschichte. Das waren am Ende die Karolinger. Solche Überlieferungen sind mit besonderer Vorsicht zu genießen. Wenn die Franken mit einer derartigen Übermacht von rund 14 Heeren und zusätzlichen byzantinischen Heeren so siegreich gewesen wären, warum haben dann die Merowinger das Langobardenreich nicht gleich kassiert? Am Ende zogen die Byzantiner aufgrund der hohen merowingischen Verluste ab, die großteils aufs Konto von Herzog Evin ging. Es kam zum Waffenstillstand, Friedensverhandlungen und Gefangenenaustausch, die Evin mit Brunihild führte. Die "ausdrücklich" genannten trentinischen Castra (davon 4-5 unbedeutend kleine) entsprechen nur einem Bruchteil der tatsächlich über 80 vorhandenen, um die Schmach auf diese Weise besser kaschieren zu können, die ihnen die "Trentiner" unter Evin zufügten. Bedeutende wie Tridento, Castelfeder (damals vermutlich Eninga) oder Formigar (Kaiserkogel/Sigmundskron) wurden beispielsweise nicht erwähnt.
Paulus Diaconus spricht nicht von 14 Heeren, sondern von 20 Herzögen, die über die Alpen zogen. Wenn einem Dux das Aufgebot mehrerer Grafschaften/pagi und deren Grafen/Comites unterstand, jeder Heerbann eines Pagi nur aus 50 Heerfolgepflichtigen bestände, hätte das fränkische Heer eine Größe von 4000 - 6000 Kriegern, bei höherem Gefolge pro Grafschaft auch bis zu 10.000 Krieger (ich stütze mch bei der Berechnung auf das karolingische Aufgebot, für die Merowinger ist mir die Wehrverfassung nicht bekannt).

Paulus Diaconus schrieb über einen verlustreichen und im Ergebnis erfolglosen Feldzug der Merowinger, einer Vorläuferdynastie der Karolinger, diesen Wechsel der Dynastien benennt Paulus Diaconus im Kapitel VI.:
„Zu dieser Zeit begannen in Gallien, da die Könige der Franken von ihrer gewohnten Tapferkeit und Klugheit herabsanken, jene, die als die Hausmeier (maiores domus) des königlichen Palastes erschienen, die Macht des Reiches auszuüben und alles zu tun, was Könige zu tun pflegen; da es ja vom Himmel so gefügt war, dass das Reich der Franken auf deren Nachkommen übertragen werden sollte.“
Warum sollte er in seiner Berichterstattung über Ereignisse vor fast dreihundert Jahren gezwungen sein merowinger-freundlich zu schreiben?

Im Kapitel III über die Zeit der Kriege zwischen Langobarden und Merowingern bis 591 n.Chr. zählt er viele Siege der Langobarden auf, er verschweigt auch katastrophale Niederlagen der Franken nicht ((III, 29). Den Feldzug von 590 schildert er mehr als Niederlage der Franken, denn als Sieg (III,31), sie brechen den Feldzug wegen der Ruhr, Hunger, und weil sie gegen die verschanzten Langobarden nichts ereichen können, wieder ab.Wo wird eine Schmach kaschiert?

Ich erwähnte weiter oben in einem Beitrag, dass bei den Ausgrabungen des Castros von San Marino/Lumaso, ein Brandhorizont festgestellt wurde, der nach der Radiocarbondatierung zum Krieg von 590 passen könnte. Auch auf Castelfeder scheint es einen Brandhorizont des 6./7.Jahhunderts zu geben: "Diese erste Befestigungsanlage scheint durch einen Brand, der sich im Bereich der Kuchelen feststellen lässt, zerstört worden zu sein. Im 7. Jahrhundert wurde im Areal zwischen der Kapelle und den Kuchelen ein Gräberfeld angelegt." (wikipedia)

Paulus Diaconus
listet in (III, 31) die Festungen (castra) im Trentino auf, die im Jahr 590 von den Franken zerstört wurden. Diese Liste folgt einer logischen geografischen Abfolge. Der Historiker Richard Heuberger merkte an, dass die Liste von 590 sehr präzise und linear dem Vormarsch der Franken das Etschtal hinab nach Süden bis Volano (oder Volargne) folgt. Nach der Erwähnung von Volaenes (historisch meist mit Volano bei Rovereto identifiziert) führt die Liste nicht weiter flussaufwärts, wird die südliche Grenze des territorium Tridentinum erreicht, verlässt sie das Haupttal der Etsch und die direkt angrenzenden Gebiete (wie Cimbra / Val di Cembra und Vitianum / Vezzano), und fächert sich in die westlichen (castrum Ennemase) und östlichen Seitentäler (Valsugana-Tal, im Text als Alsuca bezeichnet, mit zwei Festungen) auf.

Wenn es achtzig langobardische Befestigungen gibt (Diaconus Liste enthält nur größere Befestigungen, Castrum genannt, und anfangs füng kleinere, Castello bezeichnet), dann wirken die genannten 14 geschiffenen Festen doch nicht wie eine maßlose Übertreibung. Er erwähnt sogar, dass sich die Langobarden in Pavia und anderen Orten verschanzt hatten: "Nachdem das fränkische Heer drei Monate lang durch Italien gezogen war, ohne Fortschritte zu erzielen und sich an seinen Feinden zu rächen, da diese in stark befestigten Stellungen lagerten, und nachdem es, wie bereits erwähnt, den König, an dem Rache hätte genommen werden sollen, der sich in der Stadt Ticinus (Pavia) verschanzt hatte, nicht erreichen konnte, beschloss es, geschwächt durch die Unwetter und den Hunger, in die Heimat zurückzukehren."

Ein Kandidat für einen der hier genannten stark befestigten Plätze könnte Ibligo auf dem Monte Santina sein, ein Castrum, das Diaconus 610 im Zusammenhang mit einen Einfall der Awaren beschreibt. Im Übrigen: Herzog Evin wird im Zusammenhang mit 590 nicht erwähnt, auch nicht bei Gregor von Tours.
 
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Fürstbistümer sind doch eine Besonderheit des Heiligen Römischen Reiches? Gibt es denn Belege für ein Hochstift Trient im Langobardenreich?
Soweit ich @Sternbach hier verstehe, meint er mit "damals" die Entstehungszeit der mittelalterlichen Gedichtfassungen, nicht die Langobardenzeit.
"damals" betrifft den letzten historischen Hintergrund und die Abfassungszeit von Laurins Rosengarten: das Interregnum.
Dass Brombeerhecken als Annäherungshindernisse an Wälle und Mauern vielleicht gar nicht so ungern gesehen waren, ist durchaus plausibel. Sie sind nicht unüberwindbar, aber man muss sie erst mal aus dem Weg schaffen und jeder, der im Garten schon mal Brombeeren hatte, weiß wie hartnäckig die sein können. Aber warum Laurins Rosengarten davon Zeugnis ablegen soll, ist bislang noch nicht wirklich plausibel gemacht worden. Zumal ja auch Witege mit Leichtigkeit den Rosengarten zerstört. Laurins Rosengarten wäre also wenn, dann eher ein Zeugnis für die Unwirksamkeit der Pflanzen als Schutzwall. Aber darum geht es ja in Laurins Rosengarten überhaupt nicht.
Im Virginal (eine Vorgängerversion des Laurin) wird der Status der Effektivität bewundert, z.B. wollten die Feste schon viele Kaiser haben… oder die Wurfmaschinen (blide) kamen nicht nah genug heran, um Türme zu treffen…

Im Laurin wird der Status der Eroberung oder kurz nach der Eroberung geschildert. Dabei wird die schwierige Eroberung literarisch kompensiert und sarkastisch ins Gegenteil verdreht. Die militärische Stachelhecke wird zum Rosengarten, der Burggraf zum Gartenzwerg… Die Sieger schreiben die Geschichte, gerade so wie es ihnen gefällt. Am Ende wollen sie sich nur lustig darüber machen. Literarisch betrachtet genial, etwas Tragisches so komisch zu verzerren, dass kaum jemand dahinterkommt, was damit gemeint war.

Pall von Pallhausens Buch ist am Schreibtisch entstanden; er stützt sich auf Bücher, Landkarten und (insbesondere bei Etymologien) auf seine reichlich sprudelnde Phantasie.
Im Rahmen seiner Recherchen ist er nicht einmal in die Nähe der fraglichen Gegend gekommen ("... ich kam aber nicht weiter, als bis nach Mittenwald oder an die Scharnitz.") und kann demzufolge auch kaum Kontakte zu ortskundigen Schatzsuchern geknüpft haben.
Entscheidend ist: aus seiner Schilderung geht hervor, das er ortsunkundig ist, aber Informationen eines Ortskundigen benutzt. Informationen eines Ortskundigen lassen sich nicht so zufällig erfinden.

Wobei ich nach nochmaliger genauer Lektüre zur Auffassung komme, dass Pallhausen Endidae an derselben Stelle lokalisiert wie die modernen Archäologen.
Eindeutig nein: er verlässt Neumarkt über das Oberdorf und fährt den alten Weg Richtung Unter-Montan. Dann: "In der Gegend von Endide wurde ein hübsches Opferbild des Bacchus ausgegraben." Dieser Fund wird auch dementsprechend Castelfeder zugeordnet.
Zur Lokalisierung schreibt Pallhausen: "Endide, jetzt ein Dorf Ennye, auch Enn genannt. [...] Ober Endide ist noch ein Ort, Villa genannt."
Das lässt sich nur dadurch erklären, dass er nicht bemerkt hat, dass Egna/"Ennye" lediglich ein anderer Name für Neumarkt ist.
Mit "Ennye" ist Schloss Enn und dessen Dorf ("Montana" "Montagna" ab dem 13. Jh.) gemeint. Dabei verwendet er den älteren/ältesten Namen von Montan, dem des Schlosses. Anstelle "Ober" müsste es aber "Unter" heißen. Denn unter Montan befindet sich tatsächlich Vill. Ober Neumarkt befände sich Mazon und nicht Vill. "Gleich neben Endide [Bereich Unter-Montan] liegt die uralte Felsenburg Castellum foederis in Ruinen." Castelfeder befindet sich nicht gleich neben Neumarkt, aber Unter-Montan schon.

Auch hier liegt Wikipedia falsch: Rose (Heraldik) – Wikipedia . Die Heckenrose ist weiß bis zartrosa, und nicht rot.
Nein, die Heraldik verwendet keine botanischen Fachausdrücke wie Rosa Gallica officinalis.

Beispiel: Die rote Rose von Lancaster war sehr wahrscheinlich abgeleitet vom Vorbild einer Sorte der Rosa gallica, der Rosa Gallica officinalis (Apothekerrose). Die Weiße Rose von York hatte die Rosa Alba Semiplena zum Vorbild, eine Kreuzung aus Rosa canina var. froebelii und Rosa damascena. Die Heraldische Tudor-Rose war eine Kombination der beiden Wappenrosen von York und Lancaster, die die Vereinigung der Häuser Tudor (ein Zweig des Lancaster-Hauses) und des Hauses von York symbolisierte (Heirat von Henry VII Tudor und Elizabeth of York) 1485.

Die fünfblättrige heraldische Rose hat meiner Ansicht nach Rosa Gallica zum Vorbild, die schon von den Römern kultiviert wurde.

links Rosa Alba Semiplena (White Rose of York) , Mitte Wappen der Tudor-Rose, rechts Rosa Gallica officinalis, (Red Rose of Lancaster)
Auch hier im Wappen der Tudor sind zwei fünfblättrige Rosen kombiniert, eine weiße und eine rote. Was noch am Ende des Spätmittelalters gilt, war erst Recht im Hochmittelalter der Fall: Reduktion aufs Wesentlichste.
Belege ersparen? Dies widerspricht dem Sinn dieses Forums.
Dass Castelfeder sich einst im langobard. Hzm. Trient befand und dann zum Hzm. Bayern kam, braucht es keine eigene Belege. Die findet man auch im Netz.

Ulrike Kindl sieht drei Quellen, aus denen durch die moderne Verknüpfung (sie nennt es Klitterung) eine neue Version der Laurins-Sage entstanden ist:

1. das mittelalterliche Spielmannslied um Laurín, auch als der sogenannte “Kleine Rosengarten” (um 1250) bekannt;
2. das ätiologische Sagenmotiv des Alpenglühens der deutschtirolerischen Sagentradition;
3. Sagenmotive um das Alpenglühen aus der ladinischen Überlieferung;
4. das Dolomitenmassiv des Rosengarten, wo Laurins Zaubergarten (heute) lokalisiert wird.
Ich beziehe mich ausschließlich auf die Dietrichepen, die keine Spielmannslieder sind, sondern aus dem Kriegeradel stammen.
2, 3, 4 sind spätere Nachdichtungen.
Märe – Sage – Marketing -
König Laurins Rosengarten zwischen mittelhochdeutscher Spielmannsdichtung und ladinischer Sagentradition, Ulrike Kindl,
https://www.micura.it/upload-ladinia/files/567.pdf

Das mittelalterliche Spielmannslied entstand im bairisch-mitteldeutschen Sprachraum und gehört zur Dietrich-Epik. Der Autor ist unbekannt. Wo das Abenteuer spielt bleibt ungenau, Laurin wird jedoch als Kühnster aller Männer "ze Tirol in dem tanne" (Vers 304) beschrieben. Zwischen Rosengarten und Laurins Kristallpalast im Berg liegt eine weite Reise., die die von Laurin eingeladenen Ritter zurücklegen müssen.
Der Fachwelt ist der Autor vielleicht noch unbekannt, mir hingegen ist er schon länger bekannt: Nikolaus II. von Enn, der letzte Besitzer von Castelfeder aus dem Hause der Edelfreien von Enn, ehe er dieses Areal alter Burgen (area castri veteri) 1280 an Graf Meinhard II. von Tirol veräußert. Er verrät sich durch die Unterzeichnung im ältesten noch erhaltenen Laurin-Schrift- und Textzeugen, dem Laurin L16, durch eine Federprobe mit den ersten Laurin-Versen der älteren Vulgat-Version: Discreto viro Nicolao in Egn
Möchtest du der Geschichtsklitterung des beginnenden 20.Jahrhunderts eine weitere hinzufügen? Ja dann, dann benötigst du keine Belege.
Damit ist diese Deine Darstellung und Unterstellung widerlegt. Frau Prof. Kindl würde es auch gut tun, sich einmal besser zu informieren bzw. zu recherchieren.
 
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Entscheidend ist: aus seiner Schilderung geht hervor, das er ortsunkundig ist, aber Informationen eines Ortskundigen benutzt. Informationen eines Ortskundigen lassen sich nicht so zufällig erfinden.

Könntest Du die Stelle zitieren oder verlinken, wo er Informationen eines Ortskundigen erwähnt? Im von mir verlinkten Abschnitt über Endidae ist nichts dergleichen zu finden.

Anstelle "Ober" müsste es aber "Unter" heißen.

Mit soliden Informationen eines Ortskundigen wäre dieser Fehler nicht passiert.

Mit "Ennye" ist Schloss Enn und dessen Dorf ("Montana" "Montagna" ab dem 13. Jh.) gemeint. Dabei verwendet er den älteren/ältesten Namen von Montan, dem des Schlosses. Anstelle "Ober" müsste es aber "Unter" heißen.

Der älteste Name ist 1215-18 bezeugt: "in villa Montana", da gab es das Schloss möglicherweise noch gar nicht.
Dann hat Pallhausen also nicht nur oben und unten verwechselt, sondern auch noch den Namen des Schlosses mit dem des Dorfes.

Wie man es auch dreht und wendet: Pallhausen kannte sich in der Gegend nicht aus und hat Stuss geschrieben.
 
"Zudem gibt es im ganzen Alpenraum zahlreiche Bergnamen, die mit <ros-> oder <rosa-> gebildet werden. In näherer Umgebung des Dolomitenberges: im Rittner Gebiet (der “Rosengarten” ist eine unwegsame Schlucht bei Dreikirchen); bei Imst (auch da ist der “Rosengarten” eine Schlucht), südöstlich von Innsbruck liegt das “Rosenjoch” (eine steile, mit felsigen Schrofen durchsetzte und früher vereiste Rinne); cf. zingerle 1918. Beispiele aus dem gesamten Alpenraum: Monte Rosa (Zentralalpen), Piz Roséc und Piz Rosátsch (Engadin), Plan de Roses (Wallis). Etymologisch liegt all diesen Namen vermutlich eine vorrömische Wurzel *ros- oder *ruza- zugrunde, mit der Bedeutung “Felsgeröll, Mure, Gletschermoräne” (cf. dazu den ladinischen Ausdruck roa für “Felsrinne, Geröllhalde”)." Ulrike Kindl, s.o.

Dass ladinisch roa mit einer Wurzel *ros- oder *ruza zu verbinden ist, halte ich ohne weitere Belege für eine steile These.

Ich würde ladinisch roa mit dem rätoromanischen rova/rovina (daraus alemannisch Rüfe) 'Erdrutsch' verbinden, das in zahlreichen Toponymen zu finden ist:
 
Dass ladinisch roa mit einer Wurzel *ros- oder *ruza zu verbinden ist, halte ich ohne weitere Belege für eine steile These.

Ich würde ladinisch roa mit dem rätoromanischen rova/rovina (daraus alemannisch Rüfe) 'Erdrutsch' verbinden, das in zahlreichen Toponymen zu finden ist:
@Sepiola: ist eine Entwicklung von rova/rovna/rovina zu Rosa/Rose möglich?

In der von dir verlinkten Etymologie steht "Als Rofna, Rofla, Rona ist der Worttyp in bündnerischen Toponymen reichlich bezeugt." Mir fiel gleich der Rofan ein, ein Gebirgsstock in den Ostalpen. Die Wortbedeutungen „Erdschlipf“, „Rüfe“ oder „Geschiebefläche“ verweisen auf Geröll- oder Geschiebeablagerungen im Gebirge.
 
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Im Virginal (eine Vorgängerversion des Laurin) wird der Status der Effektivität bewundert, z.B. wollten die Feste schon viele Kaiser haben… oder die Wurfmaschinen (blide) kamen nicht nah genug heran, um Türme zu treffen…

Im Laurin wird der Status der Eroberung oder kurz nach der Eroberung geschildert. Dabei wird die schwierige Eroberung literarisch kompensiert und sarkastisch ins Gegenteil verdreht. Die militärische Stachelhecke wird zum Rosengarten, der Burggraf zum Gartenzwerg…
Also im Virginal ist von keinem Rosengarten die Rede, wohl von einem Garten, in dem Gras und Blumen wachsen und in dem eine Linde steht, die 1000 Mann Schatten bietet.
Ich verstehe auch deine Argumentation gar nicht. Im Virginal kommt Laurin doch überhaupt nicht vor. Die inhaltlichen Gemeinsamkeiten vom Laurin und Virginal erstrecken sich über drei Punkte:
  1. es handelt sich um Dietrichs-Epik
  2. es geht um die Rettung von Frauen
  3. die Handlung findet in den Alpen/Tirol statt
Ansonsten sind natürlich im Dresdner Heldenbuch (Mscr. M 201, früher als M 103 geführt) sowohl Virginal als auch Laurins Rosengarten zu finden.
Das wäre dann die vierte Verbindung der beiden Texte, dass wir sie aus einer Werkstatt in einem Manuskript vorliegen haben.

Die Sieger schreiben die Geschichte, gerade so wie es ihnen gefällt. Am Ende wollen sie sich nur lustig darüber machen. Literarisch betrachtet genial, etwas Tragisches so komisch zu verzerren, dass kaum jemand dahinterkommt, was damit gemeint war.
Das ist doch wieder so ein unsinniges Argument.
Was hat Theoderich der Große - das historische Vorbild des Dietrich von Bern - denn bitte mit der Epik des Hochmittelalters zu schaffen?
Das älteste Fragment der Dietrichs-Epik, ist das Hildebrandslied aus dem 8. Jhdt. Da ist das Ostgotenreich seit zwei Jahrhunderten Geschichte.

"Die Sieger schreiben die Geschichte" ist ein Scheinargument. Der Laurin ist nicht von den Siegern geschrieben worden, sondern 700 Jahre nach Theoderich. wie soll auch das wenig heldenhafte Niedertrampeln des Rosengartens als Geschichtsschreibung der Sieger verstanden werden?

Wenn niemand dahinter käme, was gemeint sei - außer dir natürlich und ich verbeuge mich vor deiner großen Weisheit - dann wäre auch irgendwie der Witz weg.
 
Der Fachwelt ist der Autor vielleicht noch unbekannt, mir hingegen ist er schon länger bekannt: Nikolaus II. von Enn, der letzte Besitzer von Castelfeder aus dem Hause der Edelfreien von Enn, ehe er dieses Areal alter Burgen (area castri veteri) 1280 an Graf Meinhard II. von Tirol veräußert. Er verrät sich durch die Unterzeichnung im ältesten noch erhaltenen Laurin-Schrift- und Textzeugen, dem Laurin L16, durch eine Federprobe mit den ersten Laurin-Versen der älteren Vulgat-Version: Discreto viro Nicolao in Egn
Das sollte sich doch überrpüfen lassen. Die Handschrift ist einsichtbar in der Österreichischen Nationalbibliothek Handschriftencensus | Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 636 zu Wien. Ich kann es leider nicht lesen.
 
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48v

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49r:
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Ich sehe da allerdings noch keinen Zusammenhang zwischen 48v und 49r. Das sind zwei völlig verschiedene Hände, die HS ist eine Sammel-HS mit disparaten Texten.
 
Ich sehe da allerdings noch keinen Zusammenhang zwischen 48v und 49r. Das sind zwei völlig verschiedene Hände, die HS ist eine Sammel-HS mit disparaten Texten.
Es gibt eine wissenschaftliche Bearbeitung der Handschrift des Lazius Wolfgang Lazius – Wikipedia :

Wolfgang Lazius (1514‒1565) : Geschichtsschreibung, Kartographie und Altertumswissenschaft im Wien des 16. Jahrhunderts,

Wien [2021] Herausg. Donecker, Stefan -Inhalt: https://d-nb.info/1219919918/04

Darin enthalten ist ein Artikel von Norbert KÖSSINGER Die Nibelungenlied- und Laurin-Zitate bei Wolfgang Lazius (S.273)
 
"damals" betrifft den letzten historischen Hintergrund und die Abfassungszeit von Laurins Rosengarten: das Interregnum.

Im Virginal (eine Vorgängerversion des Laurin) wird der Status der Effektivität bewundert, z.B. wollten die Feste schon viele Kaiser haben… oder die Wurfmaschinen (blide) kamen nicht nah genug heran, um Türme zu treffen…

Im Laurin wird der Status der Eroberung oder kurz nach der Eroberung geschildert. Dabei wird die schwierige Eroberung literarisch kompensiert und sarkastisch ins Gegenteil verdreht. Die militärische Stachelhecke wird zum Rosengarten, der Burggraf zum Gartenzwerg… Die Sieger schreiben die Geschichte, gerade so wie es ihnen gefällt. Am Ende wollen sie sich nur lustig darüber machen. Literarisch betrachtet genial, etwas Tragisches so komisch zu verzerren, dass kaum jemand dahinterkommt, was damit gemeint war.
Hier muss ich aber doch nochmals nachfragen. Aus Deiner Sicht steht Laurins Kristallpalast im Bergesinneren für das Langobardenreich und der Rosengarten für die Art der Befestigung langobardischer Städte oder Burgen durch Brombeerhecken und andere Gewächse? Weil die Eroberung des Langobardenreiches 773/74 mühevoll gewesen war, hätte die Erinnerung daran sich knapp 500 Jahre gehalten, bis die hochmittelalterliche Heldendichtung das Thema aufgriff?

So wurde das Ganze - neben der historischen Erinnerung, die sich ja ebenfalls erhalten hat - als Heldenabenteuer erzählt. König Desiderius wurde darin zu einem Zwerg, König Karl zu Dietrich von Bern, das Befestigungswerk zu einem Garten, den ein Gefolgsmann Karls/Dietrichs zertrampelt, um den Kampf mit Laurin/Dietrich in Gang zu setzen (anders kommen sie in dem Gedicht ja gar nicht an den Zwergen heran, wobei es durchaus gereicht hätte, einfach nur den Faden aufzutrennen, ohne gleicht alles kaputtzutreten). Der Hauptteil der Geschichte um Laurin und Dietrich hätte eigentlich gar nichts mit alldem zu tun, und bald nach der Abfassung des Gedichts wären die ganzen Hintergründe in Vergessenheit geraten?

Ist das nicht etwas weit hergeholt?
 
Im Laurin wird der Status der Eroberung oder kurz nach der Eroberung geschildert. Dabei wird die schwierige Eroberung literarisch kompensiert und sarkastisch ins Gegenteil verdreht. Die militärische Stachelhecke wird zum Rosengarten, der Burggraf zum Gartenzwerg… Die Sieger schreiben die Geschichte, gerade so wie es ihnen gefällt. Am Ende wollen sie sich nur lustig darüber machen. Literarisch betrachtet genial, etwas Tragisches so komisch zu verzerren, dass kaum jemand dahinterkommt, was damit gemeint war.

Nun ist die "Katze doch halbwegs aus dem Sack", und die Widersprüche werden nicht weniger, sondern vermehren sich sogar.

Der (angeblich) verzerrte tragische historische Kern
Wieso sollten die Sieger die Geschichte geschrieben haben, wenn ein Edelfreier von Enn der Autor des Rosengartens wäre? Warum sollte der Sieger etwas ins Komische verzerren, wenn er seinen Sieg doch öffentlich feiern kann? Ist der "kleine Rosengarten" denn überhaupt komisch?
Warum sollte ein Sieger wollen, das der wahre Kern verborgen ist? Müsste nicht eher der Verlierer, der unterjocht wurde, seine Opposition verbergen, und seine Geschichte so erzählen, dass sie nicht justiziabel ist?

Zuerst nennst du fränkisch-langobardische Konflikte des sehr frühen Mittelalters als historischen bzw. politischen Kern des Epos, und wechselst dann en passant ins Hochmittelalter: ich nehme an, dass die Auseinandersetzungen zwischen dem Grafen von Tirol Meinhard II. (1239-95) und den Edelfreien von Enn zwischen 1266 und 1294 gemeint sind, bei denen die Enner als Verlierer vom Platz gingen. (Im verlinkten Text Seiten 171-179). https://www.academia.edu/5607482/Die_Edelfreien_von_Enn_Mit_einem_Urkundenanhang

Ich möchte mich mit Sternbachs Uminterpretation des Epos beschäftigen, den er an geschichtliche Ereignisse anpasst, und nicht aus dem Epos selbst erschließen kann. Nach seiner Vorstellung ist die siegreiche "germanische" Partei in Dietrich verkörpert, vulgo Graf Meinhard II. aus dem bairischen Geschlecht der Meinhardiner- die jedoch schon seit 1077 Lehensgüter in Istrien und Friaul erworben haben, und im 12.Jahrhundert ihren Stammsitz nach Görz verlegten - die "lombardische" Verliererseite vertritt Ezzelin I. von Enn,und wird im Epos nach Sternbachs mutmaßlicher Auffassung von König Laurin repräsentiert. Ezzelin wird 1266 auf seiner Burg Montan von Graf Meinhard II. und Albert IV von Tirol belagert und umstellt, und kapituliert am 13.September 1266, und unterzeichnet einen zweijährigen Waffenstillstand. 1269 kommen die Enner nach einer erneuten Kapitulation unter "das Joch der Grafen von Tirol" (W.Landi, S.175), von der prekären Abhängikeit schließlich zum Vasallenverhältnis, als Ezzelin 1276 in Meran Meinhard II. Treue schwor als Dank für die erhaltenen Lehen. Doch findet sich im Minne-und Aventure-Epos überhaupt eine literarische Form eines solchen machtpolitischen und ökonomischen Konflikts um Landbesitz und Einfluss?

Die Eroberung des Rosengartens, die keine ist
Dietrich und Witige reiten aus, um ein Abenteuer zu bestehen, und die Schwester eines Kampfgenossen, Dietleib von Steier zu befreien, die von Laurin entführte Jungfrau Künhilde. Dietleib und Hildebrand (und Wolfhart?) folgen den beiden Recken. König Laurin wirbt in seinem Palast um Künhilde, die ihn jedoch nicht heiraten will, weil er kein Christ ist. Die Helden von Bern haben vor dem Aufbruch gehört, dass König Laurin einen wundersamen Rosengarten hat, der außerordentlich schön ist, und der nur von einem seidenen Faden umgeben ist. Laurin wird sich an jedem rächen, der wagt den Garten zu betreten oder nur den Faden zu zerreißen. Dietrich und Witige sehen die Übertretung des Verbots (Tabu) als Chance an, König Laurin herauszufordern.

Angekommen am Rosengarten sind Dietrich und Witige alleine. Niemand verteidigt die Umhegung, es gibt keine Burg und keine Mauer. Dietrich ist in Anbetracht der Schönheit und der Süße des Dufts der Rosen so beeindruckt, dass es ihm als Frevel erscheint den Garten zu zerstören. Er entscheidet sich ritterlich gegen die Übertretung des Verbots. Witige jedoch besteht auf die Bestrafung Laurins, und zerreißt den seidenen Faden und zertrampelt die Rosen. Erst jetzt taucht der berittene König auf, fordert Genuugtung und besiegt Witige im Kampf, und fordert seinen linken Fuß und seine rechte Hand als Sühne. Das nimmt Dietrich nicht hin, er bietet ein Wergeld an, doch will er nicht zulassen, dass seinem Gefolgsmann Schaden an Leib und Leben zugefügt wird.

Dietrich besiegt Laurin in einem hin und her wogenden Kampf, letztlich versöhnen sich Dietrich und Laurin auf die Intervention von Hildebrand hin. Bis hier ist es ein Zweikampf, keine Eroberung, ein mit Waffen und Worten ausgetragener Rechtsstreit um Ehre, Schuld und Strafe. Dietrich sagt zum Beispiel zu Laurin, dass der Schaden nicht unwiederbringlich wäre, die Rosen würden im nächsten Jahr wieder blühen und wachsen, gesteht also Schuld ein, und findet die Bestrafung Witiges nur zu hart. Dietrich und Laurin begegnen sich auf Augenhöhe, König Laurin erscheint als edler Gegner, der auch für Dietleib ein möglicher Bräutigam seiner Schwester und Schwager ist, ein Mann von Adel. Laurin ruft Dietleib an, dass er ihm, als Dietrich ihn im Kampf töten will als Ehemann seiner Schwester an:"nu hilf mir, degen hêre, durch aller vrouwen êre." (Vs. 941–946)
Auch hier wieder die edle Pflicht ehrenvoll zu handeln, für seine Schwester und ihre Frauenehre einzutreten.

Nach der Versöhnung und Friedensschluss (Verse 1239-1244) folgen die Ritter Laurin auch auf sein (unterirdisches) Schloss Im Palast stellen die Ritter fest, dass Laurin Künhilde nach allen höfischen Sitten tadellos behandelt habe. Beim Festmahl tritt sie wie die Hausherrin auf.
König Laurin trauert jedoch trotzdem um den geschändeten Rosengarten, auch ein Pfand von Künhilde, ein von ihr geschenkter Ring tröstet ihn nicht. Und so ist der Tabubruch am Rosengarten Auslöser von unritterlicher Überwältigung der schmausenden und trinkenden Helden mittels Betäubung. Laurin handelt nicht mehr ehrenvoll, und wird nach seiner Niederlage als Gefangener nach Bern geführt, in einer Version um dort zum Christentum bekehrt zu werden, in der jüngeren Vulgata-Version wird er zu Dietrichs Hofnarr "und der viel kleine Laurín der muoste ze Berne ein goukelær sîn." (Laurin A, Vs. 1573–1574)15
Das Zwergenvolk wird zwar besiegt, aber nur weil es unehrenhaft gehandelt hat, Tyrol wird nicht erobert, nur ausgeraubt, als Strafe für den Frevel am Gastrecht. In einer Fortsetzung, der Walberan-Fortsetzung, wird Laurin nach seiner Taufe zum hohen Gast in Bern und schließt Freundschaft mit seinem ehemaligen Gegner Dietrich.

Das zentrale Thema des Epos sind Tugend, Ritterlichkeit, Minne und Ehre in einer patriarchal und hierarchisch strukturierten Gesellschaft. Ein politischer Konflikt, eine militärische Burgeroberung: all das kann ich nicht herauslesen. Der Schlusskampf beginnt als Gefangenenbefreiuung und endet mit der Eroberung des Schlosses. Ein Ausbruch, keine Belagerung, ein Handstreich, kein Krieg.
 
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@Sepiola: ist eine Entwicklung von rova/rovna/rovina zu Rosa/Rose möglich?

Eine reguläre sprachliche Entwicklung ist auszuschließen.

Es kann bei Ortsnamen zu volksetymologischen Umdeutungen bzw. Verballhornungen kommen, diese folgen dann natürlich nicht lautgesetzlichen Regeln. Solche Umdeutungen sind dann aber auf lokale Einzelfälle begrenzt und müssten dann auch jeweils nachgewiesen werden.

Was haben Winter und Thur in Winterthur zu suchen?

Dabei kam es manchmal zu volksetymologischen Anpassungen. Wird ein Teil eines Wortes oder eines Namens nicht mehr verstanden, kommt es vor, dass die Sprecherinnen und Sprecher ihn an ein ähnlich tönendes, aber etymologisch falsches Wort angleichen.

Für Winterthur ist bereits um 856 die alemannische Form Wintarduro belegt – der nicht mehr verstandene Wortteil Vitu- wurde volksetymologisch an das alemannische Wort wintar «Winter» angepasst. Später wurde auch der zweite Wortteil verändert und an den Fluss Thur angelehnt (der nicht durch Winterthur fliesst).

Weitere Beispiele für volksetymologisch abgewandelte Ortsnamen sind Weinfelden (im ersten Namensteil steckt nicht der Wein, sondern der alemannische Personenname Wino) oder Herzogenbuchsee / Münchenbuchsee (die Namen haben weder mit Buchen noch mit Seen zu tun, sondern gehen auf lat. *ad buxa «bei den Buchsbäumen» zurück).
 
Könntest Du die Stelle zitieren oder verlinken, wo er Informationen eines Ortskundigen erwähnt? Im von mir verlinkten Abschnitt über Endidae ist nichts dergleichen zu finden.
Nachfolgend die topographische Textanalyse für topographisch weniger vertraute des Gebiets. Die entscheidenden Passagen fett hervorgehoben:

"Nun kommen wir gleich außer Neumarkt [Anm.: nach Verlassen von Neumarkt Oberdorf: 1-2 min Autofahrt oder 4-5 min Kutschenfahrt] auf die Römerstation Endide, jetzt ein Dorf Ennye, auch Enn genannt [Anm.: Dorf unterhalb Schloss Enn, heute Montan (Unter-Montan), früher Herrschaft von Enn]. Die Benennung bezeichnet in keltischer Sprache ein Wirthshaus und ist nächst verwandt mit dem griechischen Endion = Diversorium und Endiodi = intus domi. In der Gegend von Endide wurde ein hübsches Opferbild des Bacchus ausgegraben und nach Innsbruck gebracht [Anm.: Wieder ein Ortshinweis auf Castelfeder und Unter-Montan], wo wir es vielleicht sehen werden. [...] Ober [Anm.: Unter] Endide ist noch ein Ort, Villa genannt, wo Kaiser August sich öfter belustigt haben soll. Gleich neben Endide liegt die uralte Felsenburg Castellum foederis in Ruinen, wo ich oben erzählt habe. [Anm.: Wieder ein dritter und entscheidender Ortshinweis, dass er sich bzw. Endide gleich neben der uralten Felsenburg Castelfeder befindet.]"

Da letzte Endidae-Lokalitätsbehauptung eher gegen die damalige Gelehrtenmeinung (auf Castelfeder) gerichtet ist, die teils bis in die 1980er angenommen wurde, musste sie von einem speziellen ortskundigen Informanten stammen: 1. Das Castelfeder-Areal ist seit dem Mittelalter bis Ende des 18. Jhds. als größtes Fundgebiet Südtirols bekannt (Graf Wolkenstein, Graf Brandis, A. Roschmann). Es muss hier also von einer längeren Schatzgräber-Tradition mit entsprechend ortskundiger Erfahrung ausgegangen werden, aus der resultierte: Nicht auf Castelfeder sondern daneben kamen/kommen eine Menge Römerfunde (=Endide-Hinweis?) zutage. 2. Um zu einem ähnlich genauen Lokalisierungsergebnis zu kommen hätte Pallhausen oder andere die Strecke genauer vermessen müssen, was damals eher unwahrscheinlich war. 3. Dass Pallhausen diese ungewöhnliche (gegen die geltende Gelehrtenmeinung gerichtete) Endidae-Lokalisierung einfach so erfunden hat, ist ebenfalls eher unwahrscheinlich.
​
Mit soliden Informationen eines Ortskundigen wäre dieser Fehler nicht passiert.
Wenn viel fremde Informationen verarbeitet werden müssen, halte ich solche Schnitzer - insbesondere bei viel "Zettelwirtschaft", Überarbeitung und Zeitdruck - für sehr wahrscheinlich.
Der älteste Name ist 1215-18 bezeugt: "in villa Montana", da gab es das Schloss möglicherweise noch gar nicht.
Dann hat Pallhausen also nicht nur oben und unten verwechselt, sondern auch noch den Namen des Schlosses mit dem des Dorfes.
Das ist hier nicht so entscheidend: Entscheidender ist, dass Castelfeder (Alt-Enn) und Montan (Neu-Enn) früher (vor dieser Unterscheidung) zur alten Herrschaft Enn gehörten.

Dass ladinisch roa mit einer Wurzel *ros- oder *ruza zu verbinden ist, halte ich ohne weitere Belege für eine steile These.

Ich würde ladinisch roa mit dem rätoromanischen rova/rovina (daraus alemannisch Rüfe) 'Erdrutsch' verbinden, das in zahlreichen Toponymen zu finden ist:
@Sepiola: ist eine Entwicklung von rova/rovna/rovina zu Rosa/Rose möglich?

In der von dir verlinkten Etymologie steht "Als Rofna, Rofla, Rona ist der Worttyp in bündnerischen Toponymen reichlich bezeugt." Mir fiel gleich der Rofan ein, ein Gebirgsstock in den Ostalpen. Die Wortbedeutungen „Erdschlipf“, „Rüfe“ oder „Geschiebefläche“ verweisen auf Geröll- oder Geschiebeablagerungen im Gebirge.
Eine reguläre sprachliche Entwicklung ist auszuschließen.

Es kann bei Ortsnamen zu volksetymologischen Umdeutungen bzw. Verballhornungen kommen, diese folgen dann natürlich nicht lautgesetzlichen Regeln. Solche Umdeutungen sind dann aber auf lokale Einzelfälle begrenzt und müssten dann auch jeweils nachgewiesen werden.
Dazu eine Ergänzung gemäß ritterzeitlichem Kontext: Die Etymologie zum "Rosengarten"-Gebirge kommt natürlich aus der geologischen Ecke und bedeutet "Felsengarten" "Felsenreich" (zu frz. roche, mhd. roschen „Felsen“, wird später Ros[ch]en...garten). Die in diesem Zusammenhang zusätzlich legendäre Versteinerung der Rosen in ein Felsengebirge kann als tautologisch volksetymologische Erklärung/Verarbeitung interpretiert werden. Weitere dazu passende Toponyme im nächsten Blickfeld (Südtiroler Unterland): "Rosszähne" (Felszähne) und "Rosssprung" (Felssprung). Zum letzteren Fall erklärt die Volkssage dies über einen gewaltigen Ritter, der in seiner Flucht mit dem Ross vom Felsen gesprungen ist. Wer die Topographie aber genauer kennt, weiß, dass ursprünglich der dort vorhandene große Felsspalt (Sprung) gemeint war. Damit müssten in den hier erwähnten Fällen in erster Linie die Felsen gemeint gewesen sein, die ja auch deutlich beeindruckender sind, als Erdrutsche, Geröllhalden, Muren etc.
 
Also im Virginal ist von keinem Rosengarten die Rede, wohl von einem Garten, in dem Gras und Blumen wachsen und in dem eine Linde steht, die 1000 Mann Schatten bietet.
Ich verstehe auch deine Argumentation gar nicht. Im Virginal kommt Laurin doch überhaupt nicht vor. Die inhaltlichen Gemeinsamkeiten vom Laurin und Virginal erstrecken sich über drei Punkte:
  1. es handelt sich um Dietrichs-Epik
  2. es geht um die Rettung von Frauen
  3. die Handlung findet in den Alpen/Tirol statt
Ansonsten sind natürlich im Dresdner Heldenbuch (Mscr. M 201, früher als M 103 geführt) sowohl Virginal als auch Laurins Rosengarten zu finden.
Das wäre dann die vierte Verbindung der beiden Texte, dass wir sie aus einer Werkstatt in einem Manuskript vorliegen haben.
Habe den historisch-topographischen Zusammenhang oben kurz erklärt...

5. Es kommen doch Rosen vor: vil rotschen ungehiure stiezen umbe und umbe dran: (viel Rosen ungeheuer stoßen (wachsen) rund herum daran:
6. Die Feste wird hier sogar beim Namen genannt: Arone/Oran (Heidelberger/Dresdner Fassung), die sich indirekt auf die Urpfarre Auer bezieht (1190-1234: Aura, Aure, 1215-18: Ore). Heidelberger Virginal, Strophen: 185-190; Dresdner Virginal, Str.: 60,9-61,4; Wiener Virginal, Str.: 308-313.
7. Nikolaus II. von Enn wohnte zuletzt im Schloss Auer.
8. Bei genauer historisch-topographischer Kenntnis und Analyse lassen sich sogar Zusammenhänge vom Eckenlied über Virginal bis zum Laurin (und Goldemar) erkennen, die zu keinem anderen historischen Gebiet so gut passen würden, als auf die Herrschaft Enn.
....​
Was hat Theoderich der Große - das historische Vorbild des Dietrich von Bern - denn bitte mit der Epik des Hochmittelalters zu schaffen?
Das älteste Fragment der Dietrichs-Epik, ist das Hildebrandslied aus dem 8. Jhdt. Da ist das Ostgotenreich seit zwei Jahrhunderten Geschichte.

"Die Sieger schreiben die Geschichte" ist ein Scheinargument. Der Laurin ist nicht von den Siegern geschrieben worden, sondern 700 Jahre nach Theoderich. wie soll auch das wenig heldenhafte Niedertrampeln des Rosengartens als Geschichtsschreibung der Sieger verstanden werden?
Ich erwähnte bereits, dass die HE/DE/TS nicht historisch-chronologisch geschrieben wurde, sondern dass diese Infomationen zu neuen Geschichtssagen zeitlich zusammengestaucht wurden, und in die jeweilige Entstehúngszeit, -region und den aktuell brisanten Ereignissen angepasst wurden. Aktuell geht es um die Eroberungen der Tiroler Grafen im Interregnum.
Ich sehe da allerdings noch keinen Zusammenhang zwischen 48v und 49r. Das sind zwei völlig verschiedene Hände, die HS ist eine Sammel-HS mit disparaten Texten.
Das kommt dabei heraus, wenn man nicht über den näheren historisch-topographischen Kontext der Entstehung Bescheid weiß. Die Edelfreien von Enn waren beispielsweise höhere Ministerialen des Fürstbistum Trient. Die Nikolause waren hauptsächlich Rechts- und Kirchengelehrte und in der Verwaltung bzw. Diplomatie tätig. Dies würde auch mit den übrigen Texten übereinstimmen, die aus einer Sammlung von Arengen und religionsphilosophischen Traktaten bestehen.

48v: Ein persönlicher (lateinisch/mittelhochdeutscher) Text mit eigener Feder in freier gotischer Gebrauchsschrift (Notula).
49r: Dann folgt ein Feder- und Schriftwechsel für einen formalen Text (Laurin-Verse) in weniger gebräuchlicher Textualis, der nur auf den ersten Blick einen geringeren Zusammenhang vermuten lässt.

Die HS (Cod. 636) lässt sich außerdem philologisch aus dem oberitalienischen-mittelhochdeutschen Raum Ende des 13. Jhds. verorten: Sie muss bei der Tiroler Übernahme der Herrschaft Enn in die Hände der Grafen von Tirol gekommen sein, und mit der letzten Gräfin Margarete von Tirol in ihr Wiener Exil, wo sie nach ihrem Tod in die Wiener Hofbibliothek gelangt sein konnte.

Der persönliche Text (48v) zeigt Nikolaus gedrückte Stimmung: Er ist der Einzige derer von Enn, der mit den Grafen von Tirol kooperierte, und bis zuletzt in der Herrschaft von Enn blieb. Dagegen wanderten die anderen Richtung Kloster St. Gallen, Bodenseegebiet etc. aus, von wo sie wahrscheinlich in der frühen Stauferzeit ins Hochstift Trient einwanderten. Insgesamt gibt es keinen weiteren Nikolaus von Egn, der derart stringent auf Nikolaus II. von Enn passen würde (letzter Besitzer des heutigen Castelfeder Areal, den er in seiner Laurin-Dichtung als Rosengarten tarnte).​
 
​
Hier muss ich aber doch nochmals nachfragen. Aus Deiner Sicht steht Laurins Kristallpalast im Bergesinneren für das Langobardenreich und der Rosengarten für die Art der Befestigung langobardischer Städte oder Burgen durch Brombeerhecken und andere Gewächse? Weil die Eroberung des Langobardenreiches 773/74 mühevoll gewesen war, hätte die Erinnerung daran sich knapp 500 Jahre gehalten, bis die hochmittelalterliche Heldendichtung das Thema aufgriff?
Nein, das ist Deine Interpretation bzw. Märenbildung daraus. Ich kann nicht wieder auf genannte Einzelheiten eingehen, wie Laurin steht z. B. für Laurentius, dem Urpatron der Festungskapelle; der Rosengarten für eine Stachelhecke als Annäherungshindernis während der Langobarden-Baiernzeit dieser Festung etc. Ob eine solche oder Ähnliches auch anderswo eingesetzt wurde? Vielleicht, tut hier aber nichts zur Sache… Ich beziehe mich in diesem Kontext hauptsächlich auf die Inhalte der av. DE dieser Region.
So wurde das Ganze - neben der historischen Erinnerung, die sich ja ebenfalls erhalten hat - als Heldenabenteuer erzählt. König Desiderius wurde darin zu einem Zwerg, König Karl zu Dietrich von Bern, das Befestigungswerk zu einem Garten, den ein Gefolgsmann Karls/Dietrichs zertrampelt, um den Kampf mit Laurin/Dietrich in Gang zu setzen (anders kommen sie in dem Gedicht ja gar nicht an den Zwergen heran, wobei es durchaus gereicht hätte, einfach nur den Faden aufzutrennen, ohne gleicht alles kaputtzutreten).
Nein, das frühmittelalterliche Vorbild für König Laurin könnte mit dem Sturz des letzten, bairischen Herzogs Tassilo III. zusammenhängen, auf dessen kleines Reich Karl der Große es abgesehen hat. Nachdem er Herzog Tassilo III. 787 zu seinem Lehensmann degradiert hatte, ließ er 788 ihn wegen Hochverrats anklagen, zum Tode verurteilen, dann zur Blendung und zu lebenslänglichem Mönchsleben begnadigen. Es handelte sich um einen politischen Schein- und Schauprozess, um den beliebten Bayernherzog und seine Anhänger aus dem Weg zu räumen, bevor er das führungslose Herzogtum militärisch angriff. Karls Sohn Pippin (jugendlicher Dietrich) griff dabei bereits 787 mit einem großen, fränkischen Heer von Verona-Trient kommend den Süden des Herzogtums an.
Ist das nicht etwas weit hergeholt?
Wie bereits zweimal erwähnt (s.o.) werden historische Ereignisse, Figuren, Artefakte… in der DE/TS u.a. zeitlich extrem zusammengestaucht und so zu neuen historisierenden Geschichten (Mären) geformt. Im Nibelungenlied sind ebenfalls Spätantike, Früh- und Hochmittelalter zusammengestaucht. Das ist also keine Besonderheit der av. DE.
Künftig bitte (an alle) selber etwas besser zu recherchieren.
Wieso sollten die Sieger die Geschichte geschrieben haben, wenn ein Edelfreier von Enn der Autor des Rosengartens wäre? Warum sollte der Sieger etwas ins Komische verzerren, wenn er seinen Sieg doch öffentlich feiern kann?
Der Autor Nikolaus II. von Enn war der einzige Enner (s.o.) auf der Seite der Tiroler (ähnlich wie P. Diaconus mit Karl d. G.), was die Situation und Verhältnisse noch zusätzlich verkompliziert hatte.
Ist der "kleine Rosengarten" denn überhaupt komisch?
Für die Angreifer ja. Die Einleitung eines Angriffs geschah meistens über Spottreden gegen den Anzugreifenden.
Warum sollte ein Sieger wollen, das der wahre Kern verborgen ist? Müsste nicht eher der Verlierer, der unterjocht wurde, seine Opposition verbergen, und seine Geschichte so erzählen, dass sie nicht justiziabel ist?
Hier erzählt der Sieger die Geschichte, als gerechten Angriff/Krieg gegen vermeintliche "Heiden" (s.u.).
Doch findet sich im Minne-und Aventure-Epos überhaupt eine literarische Form eines solchen machtpolitischen und ökonomischen Konflikts um Landbesitz und Einfluss?
Er ist in zahlreichen Mustern und Verbindungen erkennbar, auf die ich hier nicht in allen eingehen kann: Laurin wird z. B. am Ende Gefangener/Vasall Dietrichs, je nach Version, und sein Land wird eingenommen....
Dietrich besiegt Laurin in einem hin und her wogenden Kampf, letztlich versöhnen sich Dietrich und Laurin auf die Intervention von Hildebrand hin. Bis hier ist es ein Zweikampf, keine Eroberung, ein mit Waffen und Worten ausgetragener Rechtsstreit um Ehre, Schuld und Strafe.
Das steht in Analogie zu: Belagerung, Kampfhandlungen, Verhandlungen und zweijährigen Waffenstillstandsabkommen am 13. September 1266. Die Enner lehnten dabei eine Heiratsverbindung ab (Laurin wünschte sie). Möglicherweise bot Meinhard den Ennern keine legitime Erbin an....
Dietrich und Witige reiten aus, um ein Abenteuer zu bestehen, und die Schwester eines Kampfgenossen, Dietleib von Steier zu befreien, die von Laurin entführte Jungfrau Künhilde. Dietleib und Hildebrand (und Wolfhart?) folgen den beiden Recken. König Laurin wirbt in seinem Palast um Künhilde, die ihn jedoch nicht heiraten will, weil er kein Christ ist.
Nur eine weitere Verbindung von vielen: Die venetischen Verwandten der Enner, Ezzelino III. und Alberico da Romano, fingierten einige Jahrzehnte zuvor die Entführung ihrer geliebten Schwester Cunizza (Kunhilde). Sie veranlassten ihren bekannten Troubadour Sordello da Goito Cunizza aus den ehelichen Banden des welfischen Veroneser Grafen Rizzardo da San Bonifacio zu entführen, in die sie ihr Vater Ezzelino II. gebracht hatte, um sich Bern-Verona friedlich über die Heiratspolitk einzuverleiben…. Die Affäre wurde später auch in anderen bekannten literarischen Werken verarbeitet. Diese Ezzelini spielten aber im Virginal-Epos eine größere Rolle als Jungfrauenentführer. In der Laurin-Phase waren sie bereits tot (bis auf die Schwester Cunizza auf kirchlichem Befehl hin ausgerottet).
Das zentrale Thema des Epos sind Tugend, Ritterlichkeit, Minne und Ehre in einer patriarchal und hierarchisch strukturierten Gesellschaft. Ein politischer Konflikt, eine militärische Burgeroberung: all das kann ich nicht herauslesen. Der Schlusskampf beginnt als Gefangenenbefreiuung und endet mit der Eroberung des Schlosses. Ein Ausbruch, keine Belagerung, ein Handstreich, kein Krieg.
Du verwechselst ein Epos mit normaler Geschichtsschreibung. Auch vergisst du die unterschiedlichen Rechtsauffassungen, die hier behandelt werden. Der politische Konflikt wird pauschal als Heiden-Christen-Konflikt getarnt und verdreht (Propaganda: Gegner mehrfach als heidnische Sündenböcke zu diskreditieren). Denn die Enner haben sich eigentlich nichts zu Schulden kommen lassen. Die Grafen wurden wegen dieser unrechtmäßigen Angriffe exkommuniziert. Im Regelfall wäre der Kaiser eingeschritten, der jedoch päpstlich entmachtet war. Also galt das Faustrecht. Der Laurin ist eine typische, abschließende politisch-propagandistische Rechtfertigungsschrift für die Tiroler Grafen (und ihrem Lager) ihre unrechtmäßigen Eroberungen zwischen Bozen und Trient im Interregnum, als gerechten Krieg gegen Heiden darzustellen. Erst in der Todesstunde soll Meinhard das Unrecht eingesehen haben und wünschte von seinen Söhnen die Rückgabe dieser Eroberungen, was sie aber nicht befolgten.
 
Nachfolgend die topographische Textanalyse für topographisch weniger vertraute des Gebiets. Die entscheidenden Passagen fett hervorgehoben:

"Nun kommen wir gleich außer Neumarkt [Anm.: nach Verlassen von Neumarkt Oberdorf: 1-2 min Autofahrt oder 4-5 min Kutschenfahrt] auf die Römerstation Endide, jetzt ein Dorf Ennye, auch Enn genannt [Anm.: Dorf unterhalb Schloss Enn, heute Montan (Unter-Montan), früher Herrschaft von Enn]. Die Benennung bezeichnet in keltischer Sprache ein Wirthshaus und ist nächst verwandt mit dem griechischen Endion = Diversorium und Endiodi = intus domi. In der Gegend von Endide wurde ein hübsches Opferbild des Bacchus ausgegraben und nach Innsbruck gebracht [Anm.: Wieder ein Ortshinweis auf Castelfeder und Unter-Montan], wo wir es vielleicht sehen werden. [...] Ober [Anm.: Unter] Endide ist noch ein Ort, Villa genannt, wo Kaiser August sich öfter belustigt haben soll. Gleich neben Endide liegt die uralte Felsenburg Castellum foederis in Ruinen, wo ich oben erzählt habe. [Anm.: Wieder ein dritter und entscheidender Ortshinweis, dass er sich bzw. Endide gleich neben der uralten Felsenburg Castelfeder befindet.]"

Ja, genau diesen Text habe ich gelesen und verlinkt. Da steht kein Wort davon, dass er je in seinem Leben Kontakt mit einem Ortskundigen gehabt hat. Das Dorf, welches Ennye/Egna genannt wird, ist halt nicht Montan, sondern Neumarkt. Auf jeden Fall hat Pallhausen da etwas verwechselt.

Und in Deiner Interpretation wird es noch konfuser, weil er dann noch oben und unten durcheinandergebracht hat.

Alles klar, keine weiteren Fragen.
 
das bereits erwähnte Castelfeder-Areal, urkundliche Ersterwähnung 1280 als area castri veteri (Castelfeder), also ein Areal gleich mehrerer Burg- oder Festungsanlagen (s. Abb. unten, gelbes Rechteck entpricht dem Kastellplateau Endidae).
Das Urpatrozinium der frühchristlichen Festungskapelle (heute Ruine) war dem St. Laurentius geweiht und wurde vom Dichter in Kurzform Laurin auf den Titelhelden übertragen. Der Bezirk war größtenteils Lehensgebiet der Benediktinerabtei St. Laurentius des Fürstbistums Trient.
  • Woher hast Du dass das Urpatrozinium der Kapelle St. Laurentius ist?
  • Die Kapelle kenne ich nur als Barbarakapelle.
  • Sie ist mittelalterlich, keinesfalls frühchristlich, und schon gar nicht spätantik.
  • Die erwähnte Benediktinerabtei San Lorenzo in Trient wurde 1166 bis 1183 erbaut, als Neugründung von externen Benediktinermöchen.
  • Wenn Castelfeder urkundlich erstmals 1280 erwähnt wurde, wie ist dann das Patrozinium zu belegen?

Künftig bitte (an alle) selber etwas besser zu recherchieren.
Dito.

 
Zuletzt bearbeitet:
Habe den historisch-topographischen Zusammenhang oben kurz erklärt...

5. Es kommen doch Rosen vor: vil rotschen ungehiure stiezen umbe und umbe dran: (viel Rosen ungeheuer stoßen (wachsen) rund herum daran:​
Da übersetzt du aber sehr seltsam: viele ungeheuer (große) "Rotschen" stießen um und um aneinander. Daraus machst du "viele Rosen wachsen". Nein, die korrekte Erklärung für Rotschen hast du kurioserweise im Vorbeitrag geliefert.

Dazu eine Ergänzung gemäß ritterzeitlichem Kontext: Die Etymologie zum "Rosengarten"-Gebirge kommt natürlich aus der geologischen Ecke und bedeutet "Felsengarten" "Felsenreich" (zu frz. roche, mhd. roschen „Felsen“, wird später Ros[ch]en...garten). Die in diesem Zusammenhang zusätzlich legendäre Versteinerung der Rosen in ein Felsengebirge kann als tautologisch volksetymologische Erklärung/Verarbeitung interpretiert werden. Weitere dazu passende Toponyme im nächsten Blickfeld (Südtiroler Unterland): "Rosszähne" (Felszähne) und "Rosssprung" (Felssprung).

Hier eine andere Stelle aus dem Virginal:

Des antwurt ime der botte und jach:
«Ich han gelitten gros ungemach
über veilse und uber stigen,
manig grosse rotsche hoch,

die sich gegen den lúften zoch.
Dar noch muste ich sigen
wider nider in die tol,
dar in so muste ich vallen.
Die sach ich löffen uff der wal,
die grossen wurme schalle
und manig cleine getwerg,
die lieffent alle durch den walt.
Do kam ich hunder einen berg.

- über Felsen und Stiegen/Steige - manche große Felsen hoch, die sich gegen den Himmel erstreckten (gegen den lúften zoch)

Oder, andere Stelle:

Alsus sin hant den wurm erslug,
er suchte den ritter, den er truog.
Den vant er unversunen
ligen vor der steines want.
Den helm er ime abe bant.
Mit blute wol berunnen
worent ime arm und bein,
rúcke und beide siten.
Er sties in an so manigen stein,
an rotschen zu den liten,
do sin ungeverte was.
Der wise entslos ime sorgen bant
und halff dem heilde, daz er genas.

Im Übrigen habe ich mich nicht zur Identität des Nicolaus in Egn geäußert. Ich sehe nur den Zusammenhang nicht. Auf S. 48v wird Nicolaus in Egn genannt. Darunter dann ein lateinischer Text. Auf S. 49r steht dann ein einzelner mittelhochdeutscher Satz von einer völlig anderen Hand. Wie überhaupt die ganze HS ein Sammelsurium meist lateinischer Texte ist. Wie man darauf kommt, dass der mittehochdeutsche Satz von einer anderen Hand mit dem Nicolaus von Egn, der auf der vorhergehenden Seite erwähnt ist, zusammenhängt, hast du nicht wirklich plausibel gemacht.
 
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