Biturigos
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Paulus Diaconus spricht nicht von 14 Heeren, sondern von 20 Herzögen, die über die Alpen zogen. Wenn einem Dux das Aufgebot mehrerer Grafschaften/pagi und deren Grafen/Comites unterstand, jeder Heerbann eines Pagi nur aus 50 Heerfolgepflichtigen bestände, hätte das fränkische Heer eine Größe von 4000 - 6000 Kriegern, bei höherem Gefolge pro Grafschaft auch bis zu 10.000 Krieger (ich stütze mch bei der Berechnung auf das karolingische Aufgebot, für die Merowinger ist mir die Wehrverfassung nicht bekannt).Ich wiederhole mich nur ungern: P. Diaconus musste unter Druck Karl d. Gr. Franken-freundlich schreiben - im Sinne von: die Sieger schreiben die Geschichte. Das waren am Ende die Karolinger. Solche Überlieferungen sind mit besonderer Vorsicht zu genießen. Wenn die Franken mit einer derartigen Übermacht von rund 14 Heeren und zusätzlichen byzantinischen Heeren so siegreich gewesen wären, warum haben dann die Merowinger das Langobardenreich nicht gleich kassiert? Am Ende zogen die Byzantiner aufgrund der hohen merowingischen Verluste ab, die großteils aufs Konto von Herzog Evin ging. Es kam zum Waffenstillstand, Friedensverhandlungen und Gefangenenaustausch, die Evin mit Brunihild führte. Die "ausdrücklich" genannten trentinischen Castra (davon 4-5 unbedeutend kleine) entsprechen nur einem Bruchteil der tatsächlich über 80 vorhandenen, um die Schmach auf diese Weise besser kaschieren zu können, die ihnen die "Trentiner" unter Evin zufügten. Bedeutende wie Tridento, Castelfeder (damals vermutlich Eninga) oder Formigar (Kaiserkogel/Sigmundskron) wurden beispielsweise nicht erwähnt.
Paulus Diaconus schrieb über einen verlustreichen und im Ergebnis erfolglosen Feldzug der Merowinger, einer Vorläuferdynastie der Karolinger, diesen Wechsel der Dynastien benennt Paulus Diaconus im Kapitel VI.:
„Zu dieser Zeit begannen in Gallien, da die Könige der Franken von ihrer gewohnten Tapferkeit und Klugheit herabsanken, jene, die als die Hausmeier (maiores domus) des königlichen Palastes erschienen, die Macht des Reiches auszuüben und alles zu tun, was Könige zu tun pflegen; da es ja vom Himmel so gefügt war, dass das Reich der Franken auf deren Nachkommen übertragen werden sollte.“
Warum sollte er in seiner Berichterstattung über Ereignisse vor fast dreihundert Jahren gezwungen sein merowinger-freundlich zu schreiben?
Im Kapitel III über die Zeit der Kriege zwischen Langobarden und Merowingern bis 591 n.Chr. zählt er viele Siege der Langobarden auf, er verschweigt auch katastrophale Niederlagen der Franken nicht ((III, 29). Den Feldzug von 590 schildert er mehr als Niederlage der Franken, denn als Sieg (III,31), sie brechen den Feldzug wegen der Ruhr, Hunger, und weil sie gegen die verschanzten Langobarden nichts ereichen können, wieder ab.Wo wird eine Schmach kaschiert?
Ich erwähnte weiter oben in einem Beitrag, dass bei den Ausgrabungen des Castros von San Marino/Lumaso, ein Brandhorizont festgestellt wurde, der nach der Radiocarbondatierung zum Krieg von 590 passen könnte. Auch auf Castelfeder scheint es einen Brandhorizont des 6./7.Jahhunderts zu geben: "Diese erste Befestigungsanlage scheint durch einen Brand, der sich im Bereich der Kuchelen feststellen lässt, zerstört worden zu sein. Im 7. Jahrhundert wurde im Areal zwischen der Kapelle und den Kuchelen ein Gräberfeld angelegt." (wikipedia)
Castelfeder – Wikipedia
Paulus Diaconus listet in (III, 31) die Festungen (castra) im Trentino auf, die im Jahr 590 von den Franken zerstört wurden. Diese Liste folgt einer logischen geografischen Abfolge. Der Historiker Richard Heuberger merkte an, dass die Liste von 590 sehr präzise und linear dem Vormarsch der Franken das Etschtal hinab nach Süden bis Volano (oder Volargne) folgt. Nach der Erwähnung von Volaenes (historisch meist mit Volano bei Rovereto identifiziert) führt die Liste nicht weiter flussaufwärts, wird die südliche Grenze des territorium Tridentinum erreicht, verlässt sie das Haupttal der Etsch und die direkt angrenzenden Gebiete (wie Cimbra / Val di Cembra und Vitianum / Vezzano), und fächert sich in die westlichen (castrum Ennemase) und östlichen Seitentäler (Valsugana-Tal, im Text als Alsuca bezeichnet, mit zwei Festungen) auf.
Wenn es achtzig langobardische Befestigungen gibt (Diaconus Liste enthält nur größere Befestigungen, Castrum genannt, und anfangs füng kleinere, Castello bezeichnet), dann wirken die genannten 14 geschiffenen Festen doch nicht wie eine maßlose Übertreibung. Er erwähnt sogar, dass sich die Langobarden in Pavia und anderen Orten verschanzt hatten: "Nachdem das fränkische Heer drei Monate lang durch Italien gezogen war, ohne Fortschritte zu erzielen und sich an seinen Feinden zu rächen, da diese in stark befestigten Stellungen lagerten, und nachdem es, wie bereits erwähnt, den König, an dem Rache hätte genommen werden sollen, der sich in der Stadt Ticinus (Pavia) verschanzt hatte, nicht erreichen konnte, beschloss es, geschwächt durch die Unwetter und den Hunger, in die Heimat zurückzukehren."
Ein Kandidat für einen der hier genannten stark befestigten Plätze könnte Ibligo auf dem Monte Santina sein, ein Castrum, das Diaconus 610 im Zusammenhang mit einen Einfall der Awaren beschreibt. Im Übrigen: Herzog Evin wird im Zusammenhang mit 590 nicht erwähnt, auch nicht bei Gregor von Tours.
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