Auf den ganzen Kladderadatsch kann ich jetzt nicht eingehen, denn ich habe tatsächlich zu wenig Zeit. Dennoch nehme ich mir die, den Laurîn zu lesen.
Genau das Gefühl habe ich auch, wenn ich
@Sternbach Beiträge lese. Beim Felsbild wurde es richtig peinlich, ich habe es ignoriert.
Bei mir entsteht wiederholt das Gefühl, Antworten auf Fragen zu bekommen, die gar nicht gestellt wurden, Ablenkungsmanöver etc.
Beispiele für die Schwierigkeiten der Diskussion.
Doppelte Standards: Sternbach ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass Meinhard II. exkommuniziert wurde. Es ging ihm darum das außergewöhnliche Unrecht, dass Meinhard II. den Ennern angetan hat, plakativ darzustellen. Er nennt aber nicht den expliziten Grund der Exkommunikation. Jetzt könnte man das politische Instrumentarium der Exkommunikation genauer betrachten, Meinhard II. gehörte zur Stauferpartei, dessen Kaiser wie Friedrich II. exkommuniziert wurden, der trotz erfolgreichem Kreuzzug. Das Mittel wurde tausendfach vom Papst angewandt.
Als ich jedoch auf den Kreuzzug gegen Ezzelino III da Romano hinwies, den Ghibellinenführer Mitte des 13.Jahrhunderts in Norditalien, der 1254 von Papst Innozenz den IV. exkommuniziert wurde, und darauf, dass ihn in der Schlussphase selbst historische Verbündete verließen, sprach Sternbach von päpstlicher Propaganda. Was gegen Meinhard II. recht war, kam jetzt ungelegen.
Antworten auf Fragen, die nicht gestellt waren: @Sternbach hat jedoch gar nicht auf eine bestimmte Frage geantwortet: ich hatte mehrfach nachgefragt, ob es eine Rezeption der Sage, lokal, oder des Konflikts zwischen Meinhard II. und dem Trentiner Ministerialen im Mittelalter gegeben hat - entweder als Rosengarten-Volkssage, oder bei mittelalterlichen Chronisten. Ich stellte die auch literarische Rezeption der Figur des Ezzelino II. da Romano dem Fehlen einer Rezeption des Trentiner Konflikts gegenüber, nicht nur zahlreiche Chronisten berichteten, er wurde sogar literarisch verarbeitet. Letztlich ist Shakespeares Romeo und Julia ein Endfluss der Verarbeitung eines blutigen und zerstörerischen Konflikts zwischen Papst und Kaiser und ihren Anhängern in Italien.
@Sternbach antwortete daher nicht auf die Frage nach der Rezeption, sondern verschob sie auf eine andere Diskussion, die sicher auch interessant ist - wie propagandistisch wirksam war Propaganda, konnte sich ein Tyrann alleine auf Gewalt stützen, um nicht antworten zu müssen:
es gibt keine lokale Volkssage, die einen Rosengarten zum Inhalt hat, und der politische Konflikt Meinhard/Enner wurde im Mittelalter nicht breit rezipiert.
Zirkelschlüsse: besonders deutlich wird dies bei der Auseinandersetzung um die Tiroler Grenze:
Du hast es wieder nicht verstanden: ich bezog mich nur auf Salurn, weil hier die Tiroler Grafen Stellung bezogen haben. Daher können die Hinweise auf Tiroldes tanne sich wennschon nur auf Salurn bezogen haben.
@Sternbach zählt seine Meilen ab der Salurner Klause. Nimmt er tatsächlich den Inhalt des Verkaufsvertrags zwischen Nikolaus II. an Meinhard II. von 1287 nicht wahr? "
Nikolaus von Enn verkauft gegen Zahlung von 3000 Pfund kleiner Veroneser Herzog Meinhard von Kärnten alle seine Besitzungen vom Fluss Avisio aufwärts nach Westen und Norden in der Gegend des Nonstales und bei der Etsch."
Spätestens 1287 hat Meinhard II. Besitztümer nördlich des Avisio. Meinhards Söhne handeln mit dem Fürstbistum Trentin den Avisio als territoriale Grenze aus (1295). Nur passt das nicht zu seiner Meilenzählung.
s.o. In den av. DE ist weder von (Land) "Tyrol" noch von der "Burg Tyrol", sondern von dem Tyroldes walde/tanne die Rede, was auf eine Barriere/Grenze, Grenzwald/Bannwald, ähnlich eines Rosenhags hindeutet. Die Tiroler Grafen hatten im Umfeld von Salurn ab etwa 1200 einige wenige Besitzungen und zeitweise das Salurner Schloss (heute Haderburg) mit Zollstelle, woraus man zuweilen ein Tyroldes walde/tanne konstruieren konnte.
Auf meine Nachfrage, wer denn zuweilen ein Tyroldes Walde (Bannwald) konstrueren konnte, antwortete er nicht. Er selbst?
So wird kein paar Schuhe daraus, sondern nur ein Zirkelschluss: weil dort Besitz ist - konnte man dort eine Grenze konstruieren -
weil man eine Grenze konstruieren kann - muss dort Tyrol beginnen - weil dort Tyrol beginnt - beginne ich dort die Zählung - weil es in meine Hypothese passt - bestätigt es meine Hypothese - daher muss auch meine Konstruktion einer Tiroler Grenze stimmen.
Das funktioniert auch nur, wenn auch nicht nur der Versuch gemacht wird, aus einer Lokalisierung auszubrechen, dass Tyrol möglicherweise ein literarischer Terminus ist, wird von ihm praktisch grundsätzlich ausgeschlossen, und überhaupt nicht argumentativ widerlegt. Deswegen auch sein Nichtverstehen, dass niemand Interesse hat Nikloasu von Eger zum neuen Autor zu machen, oder eine alternative Lokalisierung anzubringen.
Bei durchschnittlich Geschichtsinteressierten, die ein modernes Bild des Landes Tirol haben, und nur das Ergebnis der Territorialisierung der Herrschaft ab dem 12.Jahrhundert kennen, wird das Szenario überzeugend wirken können. Das reicht um ein Werk in einem regionalen Verlag zu veröffentlichen, der sonst auf Werbung spezialisiert ist, für einen wissenschaftlichen Fachverlag reicht es nicht. (Daher denke ich auch, dass
@Sternbach umsonst auf die Veröffentlichung seiner Studie der südrätischen Straßenstationen durch die RGK wartet).
Abwertung und Uminterpretation:
Das wurde mir offensichtlich am Rosengarten, dessen mittelalterliche Rezeptionsgeschichte er überhaupt nicht einbeziehen konnte.
Da die Gleichung Rosengarten=Befestigung nicht mehr haltbar war, fing er an die Bedeutung im Text selbst abzuwerten (Fußnote, Nebenthema), aus literarischer Sicht ist es jedoch eine zentrale Szene, auf die die erste Hälfte der Erzählung und des Liedes zuläuft. Auch hier wurde umsonst auf Textexegese hingewiesen, und daher entsteht abundzu der Eindruck: hat er den Laurin überhaupt gelesen? Wie kann er die drei Spannen für die Körpergröße Laurins überlesen, bzw. das rehgroße Pferd? Für die Abstützung seiner Thesen ist er sehr großzügig, interpretiert ohne Quellen, liest "zwischen den Zeilen", und malt wie eine Kindermalerei sogar Felsformationen zu Drachen um. Natürlich wanderten dann die Lieder mit den Ennern zurück in den alemannischen Raum, um zu erklären, warum der Virginal in den ältesten Vorlagen nur in schwäbisch- elsässisch exisitiert.
Während bei der Wiener Federprobe nur Nikolaus II. Autor sein darf, muss er sicher bei folgendem Fragment wortreiche "Erklärungen" finden, warum es Nikloaus II. nicht sein muss.
Bibliotheca Palatina – digital »Cod. Pal. germ. 324: 'Virginal'
Hier das Fragment des Virignal, das nach dem derzeitigen Stand die älteste Handschrift ist: "
Die Schrift ist eine Textualis aus dem 1. Viertel des 14. Jahrhunderts. Die Schreibsprache kann als niederalemannisch/elsässisch bestimmt werden."
Ausstellungsreihe: Kostbarkeiten aus der Bibliothek: Virginal: Der Text | Universitätsbibliothek Klagenfurt, Universität Klagenfurt
www.aau.at