Sah ein Knab' ein Röslein steh'n, Röslein in Laurins Garten

ich hân mêr goldes dan iuwer dri
(...)
Dass er her drei Personen anspricht, ist etwas seltsam, da zu dem Zeitpunkt nur Witege und Dietrich anwesend sind, Hildebrand und Wolfhard sowie später Dietleib von Steier sind ja noch gar nicht anwesend.
"Ich habe mehr Gold als euer drei." = "Ich habe mehr Gold als drei von eurer Sorte."

Sagen mir zwar nur mein Mittelaltermarktsprech-Kenntnisse, aber ergäbe Sinn.

Laurin raubt sie hier mithilfe eines Tarnumhangs oder einer Tarnkappe, und schwingt Künhilt vor sich auf das Pferd.
Dass, da nur rehgroß, jetzt eigentlich zusammenklappen müsste...

Es erleichtert mich zutiefst, dass die Fantasy-Autoren des Mittelalters in ihrem world building genau so große Lücken haben wie die der Gegenart... scnr...
 
"Ich habe mehr Gold als euer drei." = "Ich habe mehr Gold

Dass, da nur rehgroß, jetzt eigentlich zusammenklappen müsste...

Es erleichtert mich zutiefst, dass die Fantasy-Autoren des Mittelalters in ihrem world building genau so große Lücken haben wie die der Gegenart... scnr...
Die mittelalterlichen Versepen-Schmiede halten sich leider nicht an Aristoteles' poetische Vorgaben, logische Brüche sind fast der Normalfall.
 
In der nachfolgende Abbildung ist auch nicht die körperliche Größe des "Zwergs"/Rekruten gemeint und das noch im 16. Jh.! Hätte der Rekrut ein Pferd wäre auch das klein. Nur im Verhältnis zum Vorgesetzten wurde der Rekrut in einem sozial niederen Status gestellt und nicht im Sinne einer Märchenfigur etc. - Landsknecht mit noch unausgebildeten, verkleinerten Rekruten. Niklas Stoer, Nürnberg 1540:
Anhang anzeigen 26912
Da wäre ich mir nicht so sicher, was du schreibst.

clas winttergrön
sun Heinz wo her yetz in dem schne
thond dir die weyssen schnocken nie we,
wo hast den alten Han ergriffen
hat nicht die pewrin auf pfiffen
mit einer gabel hinder dir
thumel dich nur und volgstu mir
Ich will ein Kriegsmann aus dir machen
das du darffst nym Semel pachen

Auch wenn man den Sohn nicht wortwörtlich nimmt (das wäre wohl etwas leichtfertig), so wird doch das junge Alter des Hühnerdiebs, der noch vor der Bäurin reißaus nimmt, hingewiesen. Und Kindersoldaten sind ja nun auch keine Erfindung der jüngeren Gegenwart.
 
Auch wenn man den Sohn nicht wortwörtlich nimmt (das wäre wohl etwas leichtfertig), so wird doch das junge Alter des Hühnerdiebs, der noch vor der Bäurin reißaus nimmt, hingewiesen. Und Kindersoldaten sind ja nun auch keine Erfindung der jüngeren Gegenwart.
Das sieht doch jeder, dass das kein Kind ist. Der Kleine hat eindeutig die Statur und das Gesicht eines Erwachsenen.
Bist du sicher, dass du den Laurîn jemals gelesen hast?
Ja, aber du verstehst ihn anders als ich. Du scheinst nicht zu merken, dass der Dichter in fast allen Punkten gerne übertreibt. Ihr nehmt die Requisiten viel zu ernst/realistisch und seid nicht in der Lage, hinter die Masken zu blicken. Insbesondere die Rosengarten-Episode geht Richtung Fastnachtsspiel, wo politische Themen auf satirische Weise reflektiert werden.

Daher wieder mal einen Schwenk zum tatsächlich Faktischen, der sogenannten "Federprobe" des L16-Textzeugen auf Blatt 49:
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Ich weiß nicht, ob die ger. Mediävistik noch immer glaubt, dass es sich hierbei um eine Federprobe handelt. Falls ja, muss sie auch in diesem Punkt irren. Dazu folgende Perspektiverweiterung über die "Rückseite", die wieder interessante Spuren zu bieten hat:
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Oben links lese ich: "Drama" darunter etwas in Richtung "Alplur(i)n". Es muss der Titel-Versuch des Epos gewesen sein. Im Hintergrund ist ein anderer Titel gelöscht worden: Das erste Wort scheint mit einem "L" begonnen zu haben und hat die Länge von Laurin. Das zweite Wort darunter ist leserlicher, beginnt mit einem "G" und endet mit "en", und könnte Garten geheißen haben. In der Fußzeile etwas wie: "hanc luri(n)us [oder luranis] inspitu..."
1793134207966.png

In diesem Zusammenhang mit den ersten Laurinversen davor scheint das ursprünglich ein spezielles Titelblatt gewesen zu sein: Die Seite mit den beiden Probetiteln war die eigentliche Vorderseite und die Seite mit den ersten Laurinversen die Rückseite der Titelseite mit dem Beginn des Epos, das der Dichter dann abgebrochen hat. Damit kann es sich hier nicht um eine sogenannte "Federprobe" handeln, sondern um eine Art fehlgeschlagener Startversuch in der Anfangsphase der Laurin-Dichtung. Ein einfacher Kopist hätte nämlich nicht zuerst an zwei verschiedenen Titeln herumprobiert und schließlich bei den ersten Versen doch abgebrochen. Denn er musste nur mehr von der Vorlage abschreiben.

Normalerweise überleben einfache Federproben auf einem Blatt vielleicht einige Wochen und werden dann entsorgt. Wichtige Notizen gelangen in ein Buch oder Notizblock und werden länger aufbewahrt. Genau das muss auch mit diesem ursprünglich ersten Blatt eines Laurin-Versuchs passiert sein: Der Dichter schnitt dieses erste Pergamentblatt aus dem Pergamentblock und legte bzw. band es inmitten seiner Schriftensammlung. Fazit: Demnach gehörte diese Schriftensammlung entweder dem Dichter selbst oder jemandem aus seinem näheren Umfeld. Niemand anders hätte zu einem solchen Ur-Titelblatt des Dichter Zugang und Interesse gehabt, dieses (zur Erinnerung) aufzubewahren. Dieser Vorgang lässt sich auch an der jetzigen Außenseite dieses Blattes erkennen, die ursprünglich die Innenseite darstellte, an der der Entnahmeschnitt noch deutlich sichtbar ist. Die aktuelle Innenseite dieses Blattes entsprach der Außenseite.

Damit bekommt die vorangestellte Signatur des Nicolao in Egna (und Schwager des Mailänder Statthalters) eine weitere Relevanz im Zusammenhang mit der Laurin-Dichterschaft. Ein Nicolao in Egra des 14. oder 15. Jh. hätte neben der Erwähnung von Florenz dann eine noch geringere Plausibilität.
 
Ja, aber du verstehst ihn anders als ich. Du scheinst nicht zu merken, dass der Dichter in fast allen Punkten gerne übertreibt. Ihr nehmt die Requisiten viel zu ernst/realistisch und seid nicht in der Lage, hinter die Masken zu blicken. Insbesondere die Rosengarten-Episode geht Richtung Fastnachtsspiel, wo politische Themen auf satirische Weise reflektiert werden.
Darf ich das frei heraus so sagen? Wenn du noch mehr Böcke schießt, hat Zwergenkönig Laurin bald keine Reittiere mehr.

Man liefert dir den Begleittext auf dem Präsentierteiller und du bist immer noch nicht in der Lage, ihn zur Kenntnis zu nehmen. Wenn du die alten Drucke nicht lesen kannst, kein Problem, aber das du die Texte nicht zur Kenntnis nimmst.....
 
was steht da.png


Ein d sieht eigentlich anders aus, du musst nur auf derselben Seite mal ein wenig runter schauen, da hast du mehrere -D-
deus
deus qui deus qui corda fidelium Sancti Spiritus

(Wenn man das googelt, kommt man darauf, dass es sich um einen Auszug aus einem Gebet handelt, wobei dieses natürlich nicht deus qui deus qui corda lautet, sondern nur deus qui corda. Aber vermutlich ist dein Nicolaus von Egn, dieses Multitalent, auch der Verfasser dieses Gebets...

Was du als *Drama liest, beginnt mit keinem D. was du als -r- liest, ist ein -p- es sei denn, der Schreiber hätte plötzlich ein griechisches rho verwendet. Das -m- könnte man u.U. gelten lassen. obwohl es sich eher um zwei Buchstaben zu handeln scheint. Das erste "-a-" scheint auch nicht unbedingt ein a zu sein und das zweite "-a-" könnte fast dazu veranlassen, das Wort mal auf den Kopf zu drehen, ob es da nicht mehr Sinn ergibt.

Das zweite Wort kann ich zwar auch nicht sicher entziffern, aber was du als "A" liest, ist mit großer Sicherheit eine st-Ligatur (ſt)

1793139726252.png
 
Darf ich das frei heraus so sagen? Wenn du noch mehr Böcke schießt, hat Zwergenkönig Laurin bald keine Reittiere mehr.
:D
Man liefert dir den Begleittext auf dem Präsentierteiller und du bist immer noch nicht in der Lage, ihn zur Kenntnis zu nehmen. Wenn du die alten Drucke nicht lesen kannst, kein Problem, aber das du die Texte nicht zur Kenntnis nimmst.....
Das "Problem" ist, dass ich auch zwischen den Zeilen lesen kann, muss und will. Mir reicht nicht allein das, was man so auf den ersten Blick lesen (sehen) kann - wie: der klein dargestellte Mann ist wohl ein "Kindersoldat".
Ein d sieht eigentlich anders aus, du musst nur auf derselben Seite mal ein wenig runter schauen, da hast du mehrere -D-
deus
deus qui deus qui corda fidelium Sancti Spiritus
Das konnte ich zu 80 % entziffern, ist aber in diesem Kontext ohnehin sekundär… Deshalb bin ich nicht darauf eingegangen. Die Schriftart ist auch nicht dieselbe - das D daher nicht 1:1 vergleichbar.
(Wenn man das googelt, kommt man darauf, dass es sich um einen Auszug aus einem Gebet handelt, wobei dieses natürlich nicht deus qui deus qui corda lautet, sondern nur deus qui corda. Aber vermutlich ist dein Nicolaus von Egn, dieses Multitalent, auch der Verfasser dieses Gebets...
Wie gesagt, erhielt er wie alle Nikolause von Enn eine theologische und juristische Ausbildung.
Was du als *Drama liest, beginnt mit keinem D. was du als -r- liest, ist ein -p- es sei denn, der Schreiber hätte plötzlich ein griechisches rho verwendet.
Solche Fälle sind mir auch schon bei Übersetzungen griechischer Kartenvorlagen untergekommen.
Das -m- könnte man u.U. gelten lassen. obwohl es sich eher um zwei Buchstaben zu handeln scheint. Das erste "-a-" scheint auch nicht unbedingt ein a zu sein und das zweite "-a-" könnte fast dazu veranlassen, das Wort mal auf den Kopf zu drehen, ob es da nicht mehr Sinn ergibt.
Mir scheint eher "m" und zweites "a" wurden beim Nachziehen höher ausgeführt.
Das zweite Wort kann ich zwar auch nicht sicher entziffern, aber was du als "A" liest, ist mit großer Sicherheit eine st-Ligatur (ſt)
Danke, es muss auch nicht "Drama" etc. heißen. Entscheidender ist wie die Situation von Blatt 49 zustande kam, nämlich, das was bisher als L16 "Federprobe" interpretiert wurde, muss in Wirklichkeit ein (erster) abgebrochener Startversuch des Laurin-Epikers gewesen sein. Dann war die "Rückseite" der sogenannten "Federprobe" die ursprüngliche Titelseite. Dementsprechend lässt sich dort auch eindeutig ein Herumbasteln an verschiedenen potentiellen Titeln erkennen. Dazu passend auch der Entnahmeschnitt an der aktuellen Außenseite.
 
muss in Wirklichkeit ein (erster) abgebrochener Startversuch des Laurin-Epikers gewesen sein
muss also in Wirklichkeit sein (eine ebenso schöne, wie seltene Versteckweise von Konjunktiv und Spekulation)
...was daraus für Laurin folgt? tja:
hat Zwergenkönig Laurin bald keine Reittiere mehr.
er ist seit geraumer Zeit schon Fußgänger - freilich als König in seiner Tracht ein dennoch respektabler Anblick, ganz wie der Passant in Verdis "il Poveretto":
Passegger, che al dolce aspetto
;):D
(mich würde ja nicht wundern, wenn demnächst der Joseph Grün wegen seines Namens zum Gärtner im Rosengarten und Brombeerhag wird)
 
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