100 Jahre alter Fund im Dachstuhl

recognite1

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Guten Tag,
bei der Erneuerung des Daches unseres Hauses aus dem Jahr 1910, fanden die Dachdecker ein Buch, das an einen Sparren genagelt worden ist. In der Nähe wurden auch handgeschmiedete vierkantige Eisennägel entdeckt. Das Buch ist an sich recht gut lesbar, aber ich werde nicht schlau daraus. Es enthält viele Namen von Orten, die hier in der Nähe liegen. Dazu tauchen womöglich Familiennamen auf und ein Haufen Zahlen. Leider keine Einheiten oder Datumsangaben. Nur ein Datum habe ich entdeckt, aber einen Reim kann ich mir darauf nicht machen: 13. Februar 1831. Das Buch ist restlos beschrieben.

Ich frage mich, welche Schrift das ist, wann das Buch entstanden sein könnte, wer es "verfasst" hat und natürlich, was der Inhalt zu bedeuten hat. Besonders wunder mich die Aufbewahrung am Sparren.

Könnt ihr mir weiterhelfen?
 

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Das ist eine Rechnungskladde.
"Den 13ten Februari 1831 habe ich von Joachim Löter ein Ort Land gepachtet auf 6 Jahr...", dann sind regelmäßige Zahlungen vermerkt.
Bei den anderen Seiten müsste man schauen, ob es eine Überschrift gibt, um die Zahlen zuordnen zu können.
 
Wow, vielen Dank für die Transliteration! Sehr interessant. Ich habe mal das ganze Buch eingescannt. Vielleicht fällt dem einen oder anderen beim Durchfliegen gleich etwas Auffälliges ins Auge.
Das Buch war übrigens recht unzugänglich AUF den Sparren zwischen zwei Dachlatten, direkt unter den Ziegeln festgenagelt worden. So schnell finden, sollte es wohl niemand. Es handelt sich um einen Bauernhof.

--> zum Digitalisat
 
Nachdem ich alles kurz überflogen habe, kann ich sagen, dass es ein Notizbuch war, dessen Inhalt wohl nur für den Besitzer von Nutzen war. Manche Seiten sind schlicht mit Rechenoperationen bekritzelt. Oft ist der vorhandene Text durchgestrichen, oft ist er überschrieben (die alte Notiz wurde nicht gebraucht, aber für irgend eine Addition wurde dann mit dickem Bleistift darübergeschrieben).

Die meisten Seiten enthalten Listen mit Familiennamen (dahinter oft der Ortsname) und Zahlen.

Manchmal sind Waren lesbar: "Brantewein", "Roggen" "1 Ballen Tuch", "Coffe", öfters finden sich Bemerkungen "... hat von mir empfangen", "Ich habe bezahlt", "Abgeliefert habe ich", außer der Jahreszahl 1831 habe ich noch einige wenige weitere Daten (um 1820) gesehen.

1910 war das Büchlein für niemanden mehr von aktuellem Wert.
 
Ich danke dir. Kannst du dir vorstellen, warum so ein Buch an so einen Ort angebracht wurde? Ich dachte vielleicht als eine Art Glücksbringer oder eine Tradition. Aber das Buch ist ja demnach damals um 1910 schon ein Antiquariat gewesen. Warum nagelt man es an einen Sparren???

Ab Seite 19 gibt es im Tabellenkopf Beschriftungen, die vll klären können, was die Zahlen zu sagen haben. Kannst du das lesen? Oben links steht immer dasselbe.

Die Rechnungen sind tatsächlich oft Multiplikationen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ab Seite 19 gibt es im Tabellenkopf Beschriftungen, die vll klären können, was die Zahlen zu sagen haben. Kannst du das lesen?
Das sind Abkürzungen, die mir nichts sagen. Oben auf der Seite steht meist "Weitzen" oder "Roggen"

Das hier (S. 23) würde ich als "W?s Schl Weitzen" lesen. Vielleicht hat sonst jemand eine Idee?

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Als Platzhalter, weil kein zugesägtes Stück Holz zur Hand war. Und, wie Du siehst, hat es 115 Jahre gehalten.

Ich kann ja den Gedanken weiterspinnen: "Wenn das Buch nicht mehr lesbar ist, weil es durch das Dach geregnet hat, bin ich als Dachdeckermeister zur Ehre verpflichtet. Und, wenn kein Krieg dazwischen kommt, trinken wir beide in 20 Jahren ein Bier auf gute Dachdeckerarbeit, und Du zahlst..."

Vielleicht findet aber noch einer der geneigten Leser die Hannoveraner Zunftordnung von 1537, in der geschrieben steht, dass beim Bau einer Brücke ein Hund eingemauert, beim Decken eines Dachs aber ein Rechnungsbuch festgenagelt werden soll....
 
Ja, sowas in der Art habe ich mir erhofft.
Übrigens hatte das Buch keine statische Aufgabe. Es war da einfach nur platziert.
 
Dann hat das Buch recht wenig mit dem Hof zu tun, obwohl die erwähnten Orte alle in der Nähe liegen.
Was ist das für eine Schrift? Sütterlin dürfte es ja nicht sein.
 
Auch wenn es nur ein Notizbuch ist, ist es schon sehr interessant. Ich würde mich seeeeehr freuen, wenn jemand noch versuchen würde den Rest des ersten Bildes meines 1. Beitrags zu transkribieren, weil es der einzige zusammenhängende Text ist. Auch die Neugierde der Dachdecker gilt es zu stillen.
Also bis zum Wort "Jahr" kann ich alles nachvollziehen, ab dann ist Ende bei mir.
 

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Leider kann ich auch nicht alles entziffern.

"Den 13ten Februari 1831 habe ich von Joachim Löter ein Ort Land gepachtet auf 6 Jahr waß zwischen Cardel[?] Balek[...?] und Stof[...?] Lötern liegt und jährlich 16 rt Cur[ant?] und gleich 16 rt aus bezahlt
den 19. May wieder 8 rt bezahlt und
den 21ten Julius wieder 8 rt bezahlt."
 
Danke dir!! Sollten das Orte sein, dann befinden die sich leider nicht in der Nähe. Keines davon sagt mir irgendetwas. Schade.
Was bedeutet das rt? Ist das eine Einheit?
 
Danke dir!! Sollten das Orte sein, dann befinden die sich leider nicht in der Nähe. Keines davon sagt mir irgendetwas. Schade.

Das könnten auch Hofnamen sein. Der Name(nsteil) Lötern wird sich wohl auf den Namen des Grundeigentümers Joachim Löter beziehen. Die Schreibweisen können sich geändert haben, außerdem ist auch mit Lesefehlern meinerseits zu rechnen. (Statt "Balek..." könnte es z. B. auch "Balck..." heißen usw.)

Was bedeutet das rt? Ist das eine Einheit?

Ich würde das als Reichstaler verstehen.
 
Spannend. Also könnte man es so interpretieren, dass die Pacht jährlich 16RT kostete, er aber gleich für dieses Jahr 16RT bezahlt, und zwar einmal 8RT im Mai und nochmal 8RT zwei Monate später?
 
Dann hat das Buch recht wenig mit dem Hof zu tun, obwohl die erwähnten Orte alle in der Nähe liegen.
Was ist das für eine Schrift? Sütterlin dürfte es ja nicht sein.
Seite 61 sind einige Worte in Sütterlin geschrieben, Sütterlin wurde erst um die Zeit des Dachdeckens Standard, daneben hat ein Kind Schreibübungen gemacht.
Das Buch könnte tatsächlich mit einem vergessenem Handwerkerbrauch zusammenhängen, wie Padela_cencienta schrieb.
 
Ich glaube, das, was Padela-cencienta schrieb, war mit etwas Sarkasmus versehen.
Sütterlin wurde erst um die Zeit des Dachdeckens Standard
Also meinst du, gegen 1911 wurde das Dach gedeckt?
Wie kommst du darauf, dass es ein Kind war, das da schrieb. Was liest du da? Ich lese "Nimmer" auf der linken Seite.
 
Ich glaube, das, was Padela-cencienta schrieb, war mit etwas Sarkasmus versehen.

Also meinst du, gegen 1911 wurde das Dach gedeckt?
Wie kommst du darauf, dass es ein Kind war, das da schrieb. Was liest du da? Ich lese "Nimmer" auf der linken Seite.
Hast du doch selbst geschrieben, Haus aus 1910, auf Seite 61 die Worte in Sütterlin sind von einem Erwachsenen geschrieben, rechts die Kringel sehen wie von einem Kind oder Schüler aus.

Keine Ahnung, ob hier was ironisches geschrieben wird,
habe es aber mal bei der Aufarbeitung eines alten Sekretärs erlebt, dass der Tischlergeselle einen Brief in den Sekretär eingebaut hat, indem er sich für seine AQrbeit entschuldigt hat, dass sie nicht bessser geworden sei, aber die, ich glaube es war die Platte, die verzogen war, und deswegen seine Arbeit nicht perfekt geworden ist, ein Grruß an die Nachfolgenden Wandergesellen quasi, kam nach circa 90 Jahren wieder ans Tageslicht.
 
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