1846: Einmarsch der USA in Mexiko

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TexMex1846

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1846 marschierten die USA unter diversen Vorwänden in Mexiko ein und bemächtigten sich fast der Hälfte des mexikanischen Territoriums: Kalifornien, Utah, Arizona, New Mexico, Texas verleibten sie sich ein.Staaten die heute als "amerikanisch" bezeichnet werden. Remember the Alamo? Müssen die USA dieses Territorium nicht eigentlich an Mexiko zurückgeben?
 
Durch eine immer stärker werdende Einwanderung aus den englischsprachigen Staaten gerieten die wirtschaftlichen Interessen nordamerikanischer Farmer und Landbesitzer in den Vordergrund.

Von der einwandernden Minderheit zur kulturellen, wirtschaftlichen und zu guter Letzt zur politischen Hegemonie.
 
Durch eine immer stärker werdende Einwanderung aus den englischsprachigen Staaten gerieten die wirtschaftlichen Interessen nordamerikanischer Farmer und Landbesitzer in den Vordergrund.

Von der einwandernden Minderheit zur kulturellen, wirtschaftlichen und zu guter Letzt zur politischen Hegemonie.
Ja, das war der Vorwand.
 
Müssen die USA dieses Territorium nicht eigentlich an Mexiko zurückgeben?
Wo sollte eine solche Verpflichtung herkommen? Der völkerrechtliche Grundsatz, dass Gewalt nicht zu Grenzverschiebungen führen soll, gab es Mitte des 19. Jh. noch nicht. BTW, ich bezweifle, dass die Menschen, die in diesen Staaten leben, begeistert von einem Anschluss an Mexiko wären; inkl derer, die in Mexiko geboren wurden...
 
1846 marschierten die USA unter diversen Vorwänden in Mexiko ein und bemächtigten sich fast der Hälfte des mexikanischen Territoriums: Kalifornien, Utah, Arizona, New Mexico, Texas verleibten sie sich ein.
Wobei Texas bereits seit 1836 ein unabhängiger Staat gewesen war und sich erst später den USA anschloss.
Staaten die heute als "amerikanisch" bezeichnet werden. Remember the Alamo? Müssen die USA dieses Territorium nicht eigentlich an Mexiko zurückgeben?
Und Mexiko dann an die Ureinwohner?
 
Ja, das war der Vorwand.
Vorwand impliziert, dass es einer näheren nach außen gerichteten Rechtfertigung bedurft hätte, um in Mexiko zu intervenieren und Teile des Landes abzuspalten oder ihnen zur Abspaltung zu verhelfen.

Wer aber hätte sich darüber beschweren sollen? Die europäischen Großmächte, die genau diese Art von Politik auf der gesamten Welt trieben?
 
ad Shi:
Möchte widersprechen.

1. Trivia
In der ersten Fassung des Brettspiels "Risiko" konnte man noch den Auftrag "Vernichten sie die blauen (roten, grünen,...) Armeen." erhalten. Aber schon in der zweiten Version des Spiels lautete der selbe Auftrag dann deutlich emphatischer "Befreien Sie die Welt von den blauen (roten, grünen,...) Armeen."

2. Außenpolitisch/diplomatisch
Schon richtig, Machtpolitisch konnten die USA am nordamerikanischen Kontinent damals tun, was sie wollten, weil sie keine ernstzunehmende Konkurrenz zu fürchten hatten. Aber einfach zu sagen "Wir tun das, weil wir können" macht einfach diplomatisch keinen schlanken Fuß. Ein bißchen Märchen erzählen und eigene Interessen nicht ganz offen auszusprechen, kostet nicht viel und macht es anderen leichter, weiterhin freundlich zu bleiben (was wirklich los ist, sagt den anderen Mächten ohnehin ihr nachrichtendienstlicher Apparat).

3. Innenpolitisch
Sobald öffentliche oder veröffentlichte Meinung existiert, sollte sich Regierungshandeln nicht allzuweit vom selbstgewählten nationalen Selbstbild entfernen um nicht innenpolitische Querelen auszulösen. Selbstbild der USA war das einer freiheitsliebenden Gesellschaft, die sich unabhängig gemacht hatte, gerade weil sie sich nicht in (europäische) Großmachtstreitereien und Kriege hineinziehen lassen wollte. Da konnte man natürlich nicht brachial einen Expanionskrieg vom Zaun brechen und den blutigen Aggressor mimen, da mußte - um diesen Widerspruch zu übertünchen - natürlich ein "moralisches Deckmäntelchen" (einer meiner Geschichtslehrer zu ähnlichen Fällen) her.

4. Conclusio
"Vorwände" für den vom Zaun gebrochenen Krieg waren notwendig; außenpolitisch/diplomatisch vielleicht nur, weil man sich an "Gepflogenheiten" halten wollte, innenpolitisch - weil es eben ein eklatanter Bruch des ansonsten vertretenen Selbstverständnisses war - umsomehr, um die eigene Bevölkerung wenn schon nicht zu mobilisieren, sondern sie zumindest ruhig zu stellen (auch der Soldat kämpft besser mit Moral im Rücken). Nach Kriegsende konnte man sich dann immer noch für die "Guten" halten, die halt - "tüchtig", wie sie sind - Erfolg hatten und alsbald wieder nahtlos ans eigene freiheits- und friedensliebende Narrativ anknüpfen.
 
In der ersten Fassung des Brettspiels "Risiko" konnte man noch den Auftrag "Vernichten sie die blauen (roten, grünen,...) Armeen." erhalten. Aber schon in der zweiten Version des Spiels lautete der selbe Auftrag dann deutlich emphatischer "Befreien Sie die Welt von den blauen (roten, grünen,...) Armeen."
Nun, das mag ja sein, aber was hat ein Brettspiel nun mit dem mexikanisch-amerikanischen Krieg zu tun?

2. Außenpolitisch/diplomatisch
Schon richtig, Machtpolitisch konnten die USA am nordamerikanischen Kontinent damals tun, was sie wollten, weil sie keine ernstzunehmende Konkurrenz zu fürchten hatten.
Der ernsthafte Konkurrent in Nordamerika hieß damals nach "Großbritannien". Das dieser Konkurrent damals noch ernst zu nehmen war, hatte er im Krieg von 1812-1814 bewiesen.
Aber einfach zu sagen "Wir tun das, weil wir können" macht einfach diplomatisch keinen schlanken Fuß.
Diplomatie ist erstmal nur dann notwendig, wenn es potentielle Gegenspieler gibt, die irgendwie dazwischen funken können. Der einzige Akteur der dazu faktisch in der Lage gewesen wäre, wäre Großbritannien gewesen. Allerdings ein US-Amerikanischer Fokus auf den Südwesten, auf Mexiko und das Erreichen der Pazifik-Region im Süden, bedeutete für das britische Empire, dass potentielle Gefahr für die eigene Herrschaft in Kanada erstmal abnehmen würde. Insofern die potentielle Expansion der USA sich räumlich von den britischen Positionen weg bewegte konnte London damit leben.
Und warum genau hätten sich die USA da für irgendeine andere Macht besonders interessieren können? Auf dem amerikanischen Doppelkontinent gab es niemanden, der militärisch mithalten konnte und die übrigen europäischen Großmächte, die nicht "Großbritannien" hießen konnten so weit in Übersee nur mit sehr begrenzten Mitteln und Truppenkontingenten agieren.
Das französische "Mexiko-Abenteuer" Napoleon III. 20 Jahre später zeigt das ja.
Die anderen europäischen Mächte hätten da noch weit weniger Möglichkeiten und wahrscheinlich auch kein wirkliches Interesse gehabt. Russland besaß damals natürlich noch Alaska, aber die Tatsache, dass man das einige Jahre später an die USA verkaufte, dürfte das eher geringe Interesse an dieser Region verglichen mit dem Schwarzmeer-Raum und Zentral- wie Ostasien belegen.

Ein bißchen Märchen erzählen und eigene Interessen nicht ganz offen auszusprechen, kostet nicht viel und macht es anderen leichter, weiterhin freundlich zu bleiben (was wirklich los ist, sagt den anderen Mächten ohnehin ihr nachrichtendienstlicher Apparat).
Wozu, wenn es bei den anderen Akteuren keine generell pazifistisch eingestellte öffentlichkeit gibt und Krieg gemeinhin als legitimes Mittel der Politik gilt und Eroberungen/Imperialismus ohnehin?
Märchen erzählen war in einem näherungsweise demokratisch verfassten Land, wie den USA vielleicht innenpolitisch notwendig um den Weg für die Expansion frei zu machen, aber in den 1840er Jahren ganz gewiss nicht außenpolitisch.
Die einzige potentielle Veto-Macht Großbritannien dürfte wie gesagt froh gewesen sein die USA eine andere Expansionsrichtung einschlugen als den Nordosten, als ständig expandierendes, globales Empire, wäre Fundamentalkritik an Krieg und Eroberungen schlicht unglaubwürdig gewesen und abgesehen davon wurden ja auch die gegenseitigen wirtschaftlichen Abhängigkeiten durch die steigende Nachfrage der nordenglischen Industrie nach US-Amerikanischer Baumwolle immer größer.

3. Innenpolitisch
Sobald öffentliche oder veröffentlichte Meinung existiert, sollte sich Regierungshandeln nicht allzuweit vom selbstgewählten nationalen Selbstbild entfernen um nicht innenpolitische Querelen auszulösen. Selbstbild der USA war das einer freiheitsliebenden Gesellschaft, die sich unabhängig gemacht hatte, gerade weil sie sich nicht in (europäische) Großmachtstreitereien und Kriege hineinziehen lassen wollte. Da konnte man natürlich nicht brachial einen Expanionskrieg vom Zaun brechen und den blutigen Aggressor mimen, da mußte - um diesen Widerspruch zu übertünchen - natürlich ein "moralisches Deckmäntelchen" (einer meiner Geschichtslehrer zu ähnlichen Fällen) her.
Ich würde sagen hier idealisiert du die US-Amerikanische Gesellschaft der 1840er Jahre ein wenig.

Das Selbstbild der USA war das einer freiheitsliebenden Gesellschaft, dass ist richtig. Damit war aber nicht unbedingt eine universelle Freiheit gemeint, sondern in aller erster Linie mal die eigene Freiheit und das durchaus auch auf Kosten anderer, denn sowohl der Fortbestand der Sklaverei, in den Staaten, die sie nicht abgeschafft hatten als auch die fortgestzte Verdrängung der indigenen Gruppen waren ja damals durchaus noch weitgehend konsensfähig.
Zum Selbstbild der USA, gehörte auch schon immer die Vorstellung vom eigenen Pioniergeist, die mit der Vorstellung einer eigenen, imperialen "Zivilisierungsmission", immer ganz gut vereinbar war.

Und dann kamen natürlich die realen Gegebenheiten dazu.

Die Republik Texas war nach 1836 von den USA und mehreren anderen Staaten anerkannt, daraunter Frankreich und Großbritannien anerkannt worden, nicht aber von Mexiko.
So lange Texas de facto eigenständig blieb, war das eine Art eingefrohrener Konflikt, der sich in dem Moment in einem Krieg zwischen Den USA und Mexiko entlud, in dem die USA Texas den Beitritt anboten und ein Großteil der Texaner sich dafür aussaprach.

So lange die Republik Texas eigenständig war, war es auf mexikanischer Seite möglich an der Fiktion festzuhalten, dass es sich bei Texas nach wie vor um eine rebellische, gleichwohl zum Mexiko gehörende Provinz handle, die man bei Zeiten wieder einsammeln würde.
In dem Moment in dem Texas versuchte den USA beizutreten, war der mexikanische Anspruch aber herausgefordert, weil damit klar sein musste, dass nach diesem Schritt jeder Gedanke an eine Wiederherstellung mexikanischer Hoheit über das Territorium illusorisch sein musste.

Was die Propaganda angeht, waren die USA hier von Anfang an im Vorteil, weil es den Wunsch nach Anschluss an die USA in Texas einmal realiter gab und weil mindestens ein Teil der europäischen Staaten die Republik Texas auch anerkannt hatte.
Unter diesen Gegebenheiten war es ziemlich leicht, zunächst mal zu beanspruchen, für die Freiheit und das souveräne Recht der Texaner ihr eigenes Schicksal zu bestimmen in den Krieg zu ziehen und die mexikanische Seite als despotisch darzustellen.
Innenpolitisch besorgte die real vorhandene Stimmung in Texas selbst die Rechtfertigung, außenpolitisch hatten Großbritannien und Frankreich mit der Anerkennung von Texas bereits erklärt, dass ihrer Meinung nach Mexiko keine Rechte mehr an diesem Territorium hatte, folglich war schon auch von diesem Punkt her nicht zu erwarten, dass sich diese beiden Akteure auf die mexikanische Seite schlagen würden, wenn es wegen der von Mexiko aufrecht erhaltenen Ansprüche auf Texas zum Konflikt mit den USA kam.

Was die sonstigen über Texas hinausgehenden Gebiete angeht, die seitens der USA annektiert wurden:

Es handelte sich dabei um Gebiete, die von spanischer/mexikanischer Seite kaum erschlossen waren, in denen es nur einige kleinere europäisch/mexikanisch geprägte Siedlungen und Missionsstationen gab und de facto ein Großteil des Gebiets von indigenen Gruppen bewohnt wurde.
Diese Annexion, nachdem der Krieg wegen der causa Texas einmal lief, ließen sich relativ problemfrei mit dem Pioniermythos und der üblichen kolonialen rhetorischen Figur rechtfertigen, dass es sich, da kaum bewohnt ja quasi um Niemandsland handelte, dass man für die Zivilisation im Besitz zu nehmen gedenke.

Um das rechtfertigen zu können, musste nicht viel mehr an Rechtfertigung her, als im Ideenrepertoire des 19. Jahrhunderts ohnehin vorhanden war.

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Es gab in den USA durchaus Kritik an der (perspektivischen) Süd-West-Ausdehnung der USA.
Die beruhte aber zu einem Großteil nicht auf prinzipiellen Bedenken gegen Kriege und Eroberungen, sondern darauf, dass ein so großer Gebietszuwachs für die USA, das sorgsam austarierte innenpolitische Gleichgewicht zwischen freien Staaten und Sklavenstaaten durcheinanderbringen würde, was dann mit dem Beitritt Kaliforniens zu den USA, der den "Missouri-Compromise" da facto bereits kippte (bevor er mit dem Dred Scott-Urteil dann auch de jure endgültig hinfällig wurde), durchaus auch passierte
 
4. Conclusio
"Vorwände" für den vom Zaun gebrochenen Krieg waren notwendig; außenpolitisch/diplomatisch vielleicht nur, weil man sich an "Gepflogenheiten" halten wollte, innenpolitisch - weil es eben ein eklatanter Bruch des ansonsten vertretenen Selbstverständnisses war - umsomehr, um die eigene Bevölkerung wenn schon nicht zu mobilisieren, sondern sie zumindest ruhig zu stellen (auch der Soldat kämpft besser mit Moral im Rücken). Nach Kriegsende konnte man sich dann immer noch für die "Guten" halten, die halt - "tüchtig", wie sie sind - Erfolg hatten und alsbald wieder nahtlos ans eigene freiheits- und friedensliebende Narrativ anknüpfen.
Unter dem Umstand, dass Texas nicht nur von den USA, sondern auch bei den größten Playern in Europa als souverän betrachtet wurde und der Wunsch vieler Texaner zu den USA zu gehören durchaus real war, war es kein Problem das zu verkaufen.

Und im Punkto Mobilisierung: Was musste denn da groß mobilisiert werden?
Die USA hatten in diesem Krieg an die 80.000 Mann unter Waffen und davon dürfte noch ein erheblicher Teil aus Leuten aus Texas bestanden haben, die keiner zu motivieren brauchte, weil sie schon dadurch motiviert waren, nicht unter mexikanische Kontrolle zu fallen.

Das waren (gemessen an Europa) eher lächerliche Größenordnungen.
Zum Vergleich: als es 1859/1860, also nur knapp 15 Jahre später zum Krieg Sardinien-Piemonts und Frankreichs gegen Österreich um die Vorherrschaft in Norditalen kam, war alleine das kleine Königreich Sardinien dazu in der Lage etwa 65.000 Mann aufzubieten, 6 Jahre später im Krieg Preußens gegen Österreich und die deutschen Mittelstaaten konnte allein das Königreich Bayern ein Heer von about 70.000 Mann aufbieten.

Das Aufgebot der USA im Krieg gegen Mexiko, entsprach also dem, was auch eine, industriell/wirtschaftlich eher rückständige Mittelmacht in Europa durchaus hätte aufbieten können, nur eben mit den ungleich größeren Ressourcen, die den USA zur Verfügung standen.

Dafür musste niemand, der nicht aus den Grenzgebieten kam (aber möglicherweise schon deswegen ein Interesse am Krieg hatte), groß zum Kriegsdienst herangezogen werden, da reden wir Über Truppenstärken, die sich anders als im Bürgerkrieg 15 Jahre später durchaus aus Rekrutierung von Freiwilligen zusammenbringen ließen.
Und was die Kostenfrage angeht: Da es letztendlich auch um die Eroberung von Territorium ging, dass größtenteils von indigenen Gruppen bewohnt wurde, deren Rechte auf Eigentum an dem Land in den USA ohnehin so gut wie niemand anerkannte, stellte sich auch dieses Problem nicht wirklich, da bei erfolgreicher Eroberung, die US-Regierung das gewonnene Territorium ja an Personen versteigern konnte, die sich im Westen als Farmer, versuchen wollten.
Das wäre natürlich bei einem Krieg in Europa so nicht machbar gewesen, aber in eigem Gebiet, in den ohnehin de facto mit der Vertreibung von weiten Teilen der alteingesessenen Bevölkerung kalkuliert werden konnte, war das (neben potentiellen Repatationsforderungen gegen Mexiko, das ja durchaus reich an Edelmetallen ist), ein Mittel die Kosten für den krieg langfristig einzutreiben.

Kurzfristig dürfte die Finanzierung eines derartig kleinen Heeres (gemessen an den Verhältnissen der USA) relativ einfach über Kredite zu machen gewesen sein, jedenfalls ist mir von Steuererhöhungen wegen des Mexiko-Krieges nichts weiter bekannt.

Eine Bevölkerung eines Landes hat vor allem dann etwas gegen Kriege, wenn sie befürchten muss, im von Kriegshandlungen betroffenen Gebiet zu leben, wenn sie fürchtet zum Kriegsdienst verpflichtet zu werden, oder dass sie eine deutlich spührbare Erhöhung der Abgabenlasten tragen muss.
Das alles war beim Mexikanisch-Amerikanischen Krieg, nicht gegeben.
Das es weiten Teilen einer Bevölkerung schlicht egal ist, ob Krieg geführt wird, so lange das keine Auswirkungen auf das eigene Leben hat, lässt sich mehr oder weniger an fast jedem europäischen Kolonialkrieg durchdeklinieren.
Oder auch tagesaktuell in Russland beobachten, wo in den Hauptstädten die Bevölkerung das Angebot der Regierung den Krieg einfach zu ignorieren, jahrelang durchaus bereitwillig angenommen hat.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ob es möglich gewesen wäre, den Krieg allein als Eroberungskrieg zu rechtfertigen, wage ich nicht zu sagen. Präsident Polk nutzte jedoch andere Argumente: Zunächst hielt er am von Texas erhobenen Anspruch auf die Rio-Grande-Grenze fest, nachdem der Staat Anfang 1845 den USA beigetreten war. Dann schickte er Truppen in die Region und nach Kalifornien, um die Mexikaner zu provozieren. Auch drängte der Präsident General Taylor dazu, möglichst nah an den Rio Grande heranzurücken und dort ein Fort (Fort Texas) zu errichten. Ende April 1846 hatten diese Nadelstiche schließlich Erfolg und eine mexikanische Reitereinheit griff im umstrittenen Gebiet zwischen Rio Grande und Rio Nueces eine amerikanische Patrouille an. Im Mai begannen die Mexikaner dann auch mit der Belagerung von Fort Texas.

Polk ersuchte den Kongress nun am 13. Mai, den Kriegszustand zwischen beiden Ländern festzustellen, nachdem Mexiko die Grenze zu den USA überschritten, deren Territorium besetzt und das Blut von Amerikanern auf amerikanischem Boden vergossen habe. Es gab im Kongress einige wenige Gegenstimmen, die Polks Darstellung offen anzweifelten, aber letztlich gewann er die Abstimmung in beiden Häusern mit übergroßer Mehrheit.

Zumindest auf offizieller Ebene bemühte sich Polk also sehr wohl darum, einen Kriegsgrund jenseits des Rechts der stärkeren Bataillone zu finden. Ja, er stellte die USA sogar als angegriffene Seite dar, die nur amerikanisches Gebiet verteidige und einen Kriegszustand feststelle, den Mexiko herbeigeführt habe.
 
Zumindest auf offizieller Ebene bemühte sich Polk also sehr wohl darum, einen Kriegsgrund jenseits des Rechts der stärkeren Bataillone zu finden. Ja, er stellte die USA sogar als angegriffene Seite dar, die nur amerikanisches Gebiet verteidige und einen Kriegszustand feststelle, den Mexiko herbeigeführt habe.
Vor allem schuf er erstmal Tatsachen, bevor er irgendwas begründete.

Denn nachdem es zum bewaffneten Zusammenstoß mit Mexiko gekommen war, musste ja jeder der sich im Nachgang gegen einen Krieg aussprach, damit kalkulieren, dass man ihn als Verräter brandmarken würde.

Das ist im Grunde eine ähnliche Situation, wie die Thematik Kriegskrdedite 1914.
De facto war der Krieg vom Zaun gebrochen, bevor das eigentlich dafür zuständige Parlament gefragt worden war und de facto waren dessen Möglichkeiten sich einem Krieg tatsächlich noch entgegen zu stellen begrenzt, als es dann gefragt wurde.

Insofern würde ich Polks Verhalten weniger als Versuch betrachten wollen, den Krieg zu rechtfertigen, als viel mehr die Zustimmung des Congresses de facto durch das Schaffen von Tatsachen zu erpressen.
 
Werter shi #8 & 9:
1.
Vorerst danke für die überaus ausführlichen Anmerkungen zu meinem Beitrag.
Ich fühle mich sehr wahrgenommen.
2.
Inhaltlich wollte ich nur auf die durchgängige Nutzung von Vorwänden für agressive kriegerische Handlungen hinweisen, die sich durch die Geschichte ziehen. Besonders seit dem 19. Jahrhundert scheint sich die Strategie, den Agressor als bemitleidenswerten Verteidiger (seiner selbst, unschuldiger Dritter oder wenigstens der Moral) darzustellen zu einer wahrhaft eigenständigen "Kunstform" entwickelt zu haben. Diesbezüglich verweise ich nur schnell und exemplarisch aus dem Gedächtnis auf Vorfälle wie die Emser Depesche, die vorgebliche Sprengung der "Maine", den Tongkin-Zwischenfall oder den angeblichen Überfall auf einen schlesischen Radiosender. Auch der Einsatz "Brüderlicher Hilfe" gehört in die selbe Kategorie.
Das 21. Jahrhundert bietet auch schon einen reichen Erfahrensschatz an solchen Kunstgriffen, die ich Ihnen als Zeitzeuge wohl nicht weiter erläutern muß.
Persönlich fällt mir eigentlich kein neuerer Konflikt ein, in dem sich nicht zumindest eine Partei (manchmal sogar beide) dieser Art von Kriegsmarketing bedient hätte.
3.
Stellt sich die Frage, warum Staaten so etwas tun. Meine These, es gäbe dafür sowohl außen- wie auch innenpolitische Gründe, ist wahrlich nicht sehr gewagt: Was außer Politik nach innen und nach außen betreiben denn Staaten sonst noch ?
Im übrigen:
Unter #11 zeichnen sie doch selbst die Strategie der Regierung Polt nach, durch pure Provokation kriegerische Handlungen heraufzubeschwören, gerade um eine wichtige innenpolitische Instanz - den Kongreß - unter Druck zu setzen und dessen potentiellen Widerstand gegen die Kriegspolitik auszuhebeln.
4.
Schade, daß Ihnen mein "Trivia" nicht gefallen hat. Für mich zeigt es eine wichtige Tendenz dieses Kriegsmarketings recht klar auf: Krieg schmackhaft zuzubereiten.

Edit: Grammatikalisches Gemurks entwirrt
 
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