300 - Frank Miller

Meine Informationen sind: endloses Schlachtengetümmel und eine Verherrlichung der europäisch-spartanischen Großtat an den Thermophylen gegenüber den persischen "Horden aus Asien".

Der Film steht damit in guter Tradition zu bekannten amerikanischen Machwerken, die vor unkritischem Patriotismus und heldenhafter Selbstaufopferung nur so strotzen. Der betreffende Rezensent machte eine mentale Nähe zum Kampf der amerikanischen Armee im Irak aus !
 
Der betreffende Rezensent machte eine mentale Nähe zum Kampf der amerikanischen Armee im Irak aus !

Die Vermutung liegt nahe, aber ich denke Märtyrer- und Helden-Verfilmungen sind zu jeder Zeit anzutreffen. Naja ....

Ich habe letztens ja "Flags of our Fathers" gesehen, und ich werde einen Teufel tun mir bald etwas anzusehen, was mir potentiell auf die Nerven gehen könnte.
 
hab den Film gesehen und mir kam eigentlich nie der Gedanke dass es sich um sowas wie Propaganda handeln könnte. Weiss nicht wie "vorbelastet" ich bin, da ich halt die Comics schon gelesen hab die Grundlage für den Film sind ( da gab es btw noch keine US-Soldaten im Irak, oder hat Frank Miller hellseherische Fähigkeiten?), aber Iran/Irak/ US-Soldaten oder gar Rassisten kamen mir nie innen Sinn.
Ich glaube ich kenn die Rezension die Dieter hier anspricht und ich finde es wird dabei versucht auf biegen und brechen eine politische Botschaft in den Film zu bekommen.

Also sieht man davon ab, dass es kein historischer Film ist sondern eine Comicverfilmung, wie Spiderman oder Superman, so finde ich sogar, dass das was man von Sparta erwartet recht gut getroffen wurde und beide Hauptakteure, Xerxes wie Leonidas erscheinen mir recht zwiespaltig. Der eine agiert aus seinem Glauben als König der Könige der andere ganz in der Tradition griechischer Heroenepen.

Als Fazit würd ich sagen, willst du von gut geschnittenen Kampfszenen unterhalten werden ist der Film was für dich, stehst du nur auf tiefgründige Dialoge und sieht in jedem Film eine politische Botschaft würd ich abraten das Geld für ne Karte zu zahlen.

P.S.: Deutsche Syncro ist zum Kotzen^^
 
Der Film steht damit in guter Tradition zu bekannten amerikanischen Machwerken, die vor unkritischem Patriotismus und heldenhafter Selbstaufopferung nur so strotzen. Der betreffende Rezensent machte eine mentale Nähe zum Kampf der amerikanischen Armee im Irak aus !
Da der Film genau wie bei SinCity eine quasi 1:1 Übernahme des Comics ist, kann man zumindest zum 3. Golfkrieg keinen bezug sehen, da der Comic bereits 1989 veröffentlicht worden ist.


Ich habe letztens ja "Flags of our Fathers" gesehen, und ich werde einen Teufel tun mir bald etwas anzusehen, was mir potentiell auf die Nerven gehen könnte.
Der war allerdings wirklich nervig...


Wenn euch SinCity gefallen hat, dann könnt ihr 300 bestimmt bedenkenlos anschauen. Wer einen Historienfilm erwartet oder nicht viel Gewalt sehen kann, sollte es wohl lassen.
 
Gerade weil ja hier auch heftig über dieses Thema diskutiert wurde werde ich mir den wohl mal ansehen, auch wenn ich mit allerfeinstem historischem Müll rechne. Was meint ihr dazu, oder hat jemand noch mehr Infos?

Rechne mit allerfeinstem Unterhaltungskino, dessen Zielgruppe keine historisch interessierten sind oder sein sollen (außer sie sind auch an Actionfilmen interessiert). Ich vermute, der Film muss weniger Historikerkritik über sich ergehen lassen als Troja.
 
Doch Propaganda (Spoiler)

Also ich hab den Film auch gesehen und kann nur sagen, dass er sehr wohl eine politische Botschaft, ja sogar gesellschaftliche Ideologie, beinhaltet.
Diese vertritt eine äußerst bedenkenswerte Auffassung von Freiheit und Selbstbestimmung. Diese spielt vor allem rechten Kreisen und militanten USA-Rufern in die Hand. Die Gesellschaft von Sparta war militant und auch die Aussondierung schwacher Säuglinge wird im Film gezeigt. Weiterhin werden ist die Gesellschaft vom Körperkult geprägt. Als ein missgeborener Spartaner Leonidas bei seinem Kampf unterstützen will, lehnt dieser ihn ab. Dies wäre ja alles nicht so schlimm, wenn die Spartaner nicht die Helden dieses Films sein würden oder wenn sie doch wenigstens innerhalb des Films für ihre Haltung bestraft werden würden, aber nein. Der Film zeigt sie als gloreiche Sterbende und endet mit einem Bild einer Spartanischen Armee, die sich an den Persern rächen wird. Die Perser hingegen werden als monsterähnliche Wesen gezeigt.
Zwar sind die Perser verhandlungsbereit und diplomatisch, doch Leonidas tötet sogar einen Botschafter einfach so. Naja, man muss halt stark sein.
Rassismus zeigt sich dann auch bei den Frauen der Spartaner, wenn die Königin sagt nur wir gebären wahre Männer (klingt so ein bischen nach 30er und 40er Jahre). Diplomaten auf der Seite von Sparta sind auch böse und der weise Rat der Alten natürlich auch, gut sind eigentlich nur die muskelbepackten hirnlosen Kämpfer, die in jedem zweiten Satz für Ehre und Vaterland sagen ohne Nachzudenken. Wenn ein Sohn stirbt wird nicht reflektiert über die Grausamkeit und Sinnlosigkeit des Krieges, sondern nur laut "Rache" geschrien. Freedom is not free (kommt einem auch so ein bischen bekannt vor). Also ehrlich mal: Der Vergleich zu den Amis und Irak ist echt offensichtlich.
Nun zu guter letzt noch ein i-Punkt auf die ganze rechte Ideologie:
Der Krüppel den Leonidas ablehnt wird zum Verräter und es wird nicht deutlich gemacht, dass Leonidas die verhindern hätte können durch seine Akzeptanz, sondern es ist eher so ein der ist hässlich also ist der eh böse.
Toll!!! Also ich kann den Film nur weiterempfehlen. Er ist wirklich unterhaltsam und regt zum Nachdenken an. Ich frag mich echt wie weit wir jetzt schon sind, dass solche menschenverachtende Popaganda geduldet wird.
 
was ich dann nur zum kotzen finde (wenn es so ist, wie du es sagst, ich seh den film ja erst noch) ist das alles in den historischen rahmen reinzubasteln. woher beziehen die otto normalbürger ihre allgemeinbildung? blöd zeitung und film. na toll.. ich warte dann drauf dass der erste kommt und mir sparta anhand von 300 erklären will..wird sicher witzig :)
 
wenn man nach der strategie vorgeht, überall Ideologien zu suchen und sie auf heutige Begebenheiten Anzuwenden bzw. Auszulegen, dann fällt alles was nur halbwegs in der griechischen Welt spielt unter dieses Gebiet. Heroenkult, die besonderen Lebensumstände in Sparta usw. sind und waren nunmal Bestandteil der griechischen Antike.
Um auf genaue Bsp. aus dem Film nochmal einzugehen.
A) Ephialtes ist kein Spartaner, sondern nur der Sohn eines verstoßenen Spartiaten. Er ist verkrüppelt und wird nicht in die Phalanx aufgenommen, weil er in deren Kampfesweise einfach nicht seinen Soll erfüllen kann.
B) Sowohl Xerxes als auch Leonidas sind für mich in dem Film durchaus negativ portraitiert. Leonidas mit dem Zwang heroisch unterzugehen um seinen Namen der Welt zu hinterlassen (das Ganze hat mich an die Szene aus Troja erinnert in der Archilles mit seiner Mutter spricht) und Xerxes mit dem selbstherrlichen Auftreten und manipulieren aus seine Weltmachtstellung heraus.
Was man den Film ankreiden kann, warum gerade die Ephoren alte, verkrüppelte notgeile Männer sein müssen hat sich mir nicht erschloßen, aber das passt auch so in keinerlei Ideologie. Und wenn man das ganze schon auf die Goldwaage legt in pukto aktuellen Bezug, dann find ich es schon fast dreist die Perser als verhandlungsbereit und diplomatisch zu bezeichen wenn die Diplomatie "Unterwerfung oder Tod" heißt.
 
Gibt es ein Genre "Comicverfilmung"? Comics umfassen schließlich selber mehrere Genres, genauso müssten sich Pornos und Rosamunde-Pilcher-Filme mit der "Unerträglichen Leichtigkeit des Seins" unter dem Label "Liebesfilme" drängeln.
Wir haben mittlerweile eine Tradition von Marvel-Filmen, eine von DC-Filmen, neben einer ganzen Reihe von Filmen nach Comics, bei denen die Vorlage nicht ganz den medialen Überflug hatte wie die der Großverlage ("Shawn of the Dead" gehört dazu). Frank Miller hat eine sehr spezielle, eigene Sprache: gewalttätig, düster, desperat mitunter, wobei ich allerdings "300" als Comic nicht halb so fantasy-beladen in Erinnerung habe, wie er in den Trailern - und hier in den Rezensionen bzw. der Diskussion - rüberkommt. Leichenberge, Superspartaner, das typisch millersche Oszillieren zw. schwarzweissen Formen und Details ... vielleicht liegt der erste größte Unterschied in der deutlichen "Buntfilm" Anmutung; "Sin City" (Film) war da deutlich näher am Original. Hätte vielleicht den "300" auch gut getan.

Zu den Inhalten des Filmes und seiner Sprache sag' ich noch nix, denn ich habe den Film noch nicht gesehen. Das wird auch erst irgendwann nach Ostern was werden, denn zu Ostern ist Gemüthlichkeit angesagt.
 
300

Also mir ist natürlich auch klar, dass man auf fast alles eine Ideologie stulpen kann. Meist wird dies dadurch erleichtert, dass in fast allem auch eine Ideologie steckt. Ich denke niemand wird mir widersprechen, wenn ich sage es gab eine Ideologie bei den Spartanern. Diese Ideologie (des Krieges, des Rassismus und der Menschaussortierung) nimmt der Film auf (natürlich nicht 1:1) und verherrlicht sie. Dies kritisiere ich. Weiterhin ist es glaub ich nicht schwierig den Bogen zu Irak spannen. Ich hab auf deinen Thread hin nachgeforscht und folgendes gefunden:
  • epd Film 4/2007 S. 41: „Die Schlacht bei den Thermopylen […] als bildgewaltiger, blutgesättigter Comic, dessen politische Parallelen in der Gegenwart ambivalent bleiben.“
  • film-dienst: „Einem Comic nachempfundenes Historiengemetzel, das sich in der Präsentation von Muskeln, Waffen und Blut gefällt und in seiner unreflektierten Haltung gegenüber faschistoidem Gedankengut leicht als Propagandafilm verstanden werden kann.“
Deike Stagge von „Filmstarts“ glaubt, dass „das an faschistische Propaganda erinnernde Blut und Ehre-Gerede“ bei einigen Kritiken auf Widerstand stoßen wird. Der Film mache daraus aber „völlig überzogenen Heldentrash im Comicstil, der von seinem Schauwert gut leben kann.“

Nun möchte ich noch genauer auf deine Hinweise eingehen:
- die Aussage, dass Epilates nur der Sohn eines Ausgestoßenen ist, bestätigt nur mehr den Rassismus Punkt
- die Ablehnung macht schon Sinn, also dass er nicht fähig ist in der Phalanx zu kämpfen, da hast du Recht. Mir stieß ja nur die Art der Ablehnung auf. "Du kannst NICHTS machen, nur die Toten zählen". Ich muss allerdings zugeben, dass dieser meiner Argumentationspunkte allein genommen nicht wirklich überzeugen kann. Da hast du gut aufgepasst :)
-ich freue mich ja wenn du denkst, dass Leonidas negativ porträtiert ist, allerdings hinterfragst du ihn dann mit deiner eigenen Ideologie. Der Film an sich belohnt ihn stets in seinem Tun. Seine Entscheidung den Boten ohne Grund zu töten, sein auf die eigene Achse Unternehmung mit den 300, seine Ablehnung gegebüber Ephialtes, seine Ablehnung gegebüber Xerxes Angebote bleiben ohne filmischen Kommentar. Der Film stellt all seine Handlungen als richtig und gut dar und im Ende wird er mit Ruhm und der Vertreibung der Perser durch die Übermenschen belohnt (das was er immer wollte). Ich hoffe du siehst nun was ich meinte. Übrigens die Frage Unterwerfung oder Tod ist eine sehr interessante, die der Film leider nicht halb so gut stellt wie du. Ich geb dir Recht insofern, dass dies vielleicht nicht die beste Entscheidung ist aber dem Tod vielleicht doch vorzuziehen.
 
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Rassismus zeigt sich dann auch bei den Frauen der Spartaner, wenn die Königin sagt nur wir gebären wahre Männer (klingt so ein bischen nach 30er und 40er Jahre).
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Dieser Ausspruch wurde Gorgo von Plutarch (+um 120) in den Mund gelegt. Inwiefern sie das, ca. 2300 Jahre vor Gründung der NSDAP, zu einer Rassistin macht wage ich nicht zu beurteilen.

Jago schrieb:
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Also ehrlich mal: Der Vergleich zu den Amis und Irak ist echt offensichtlich.
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Ach ja? Die Spartaner haben die Invasoren zurückgeschlagen.
 
Ist doch witzig: "In der Schlacht... blablabla... 300 Krieger gegen 1000000, wissen Sie, was eine Million ist?" - wer The Last Samurai gesehen hat, kommt ihm/ihr dieser Satz bestimmt bekannt vor.

Zum Thema: Ein Freund von mir will mich überzeugen, dass es mir als Geschichtsinteressierten bestimmt gefallen wird.
...das glaub' ich nicht, Tim...

Wie soll ich seine Einladung denn zurückweisen? Oder meint Ihr, dass ich das überlebe, ohne Amok zu laufen?
 
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Zum Thema: Ein Freund von mir will mich überzeugen, dass es mir als Geschichtsinteressierten bestimmt gefallen wird.
...das glaub' ich nicht, Tim...

Ich glaube in dem Film wird soviel Historie sein wie in Historienepen wie "Gladiator", "KoH" oder "Braveheart".
Deshalb schraube ich meine Erwartungen nicht so hoch, sondern hoffe auf ein paar gespaltene Schädel und abgehackte Gliedmaßen. :devil:

MAriat_San schrieb:
Wie soll ich seine Einladung denn zurückweisen? Oder meint Ihr, dass ich das überlebe, ohne Amok zu laufen?


Wenn dir neben der Karte auch ein paar Bier spendiert werden, überlebst du sicher.
 
ich werde wohl reingehen und einfach ignorieren dass es sich um sparta und die thermophylen handeln soll :) dann wird es sicher eine ganz nette klopperei, die filmtechnisch vielleicht sogar recht interessant ist. durch die technik die auch schon bei sincity verwendet wurde solls ja richtig spektakuläre kamerafahrten geben. von daher bin ich gespannt
 
Also willst du mir damit sagen, dass es vor der NSDAP keinen Rassismus gab oder dass der Rassismus vor der NSDAP nicht schlecht war. Zusätzlich solltest du den Film als Film sehen, der eine Botschaft ganz unabhängig von seinem Aufhänger "Sparta" rüberbringen will. Wenn nun diese Botschaft wie in diesem Fall eine unreflektierte rassistische ist, dann find ich das eben schlecht. Wenn du schon mit der NSDAP kommst, dann stell dir doch mal einen Film vor in dem die NSDAP historisch korrekt, aber eben aus der Heldensicht dargestellt wird. Dann würde man das ja auch kritisieren und auf die aktuelle politische Lage übertragen. "300" zeigt für dich vielleicht lediglich die spartanische Wirklichkeit, aber darf er dies in einem Film so unreflektiert (Spartaner = Helden, Perser = Böse)? Ein Nazi Film dürfte es nicht (Nazis = Helden, Polen = Böse)? Die alten Cowboyfilme haben es gemacht, (Cowboys = Helden, Indianer = Böse). Aber war das richtig. Auch diese Filme wurden aufgrund ihrer White-Power Aussage kritisiert.
Also deinen zweiten Kommentar hoff ich richtig zu interpretieren. Also du sagst, der Vergleich hinkt, da die Perser die Invasoren waren, wie die USA jetzt. Damit hast du zwar zum Teil recht, übersiehst allerdings einige wichtige Punkte. Sparta repräsentiert den Westen und die Perser repräsentieren den Osten (darüber dürften wir uns einig sein). Zwar sind die
Afghanen, Iraker und Iraner nicht die Invasoren, aber sie werden aus Sicht der USA sicherlich als Aggressoren gesehen, die den ersten Stein geworfen haben. Der Film soll sagen die Spartaner haben ihre Freiheit verteidigt genauso wie die USA dies jetzt für den Westen macht. Daher kommt die USA = Sparta sogar noch besser im Film weg, da dort sogar auf eigenem Land gekämpft = verteidigt wird. Überdies kann man, wenn man nun unbedingt will, die islamische Welt als Invasor der Freiheit sehen. Was meinst du dazu?
 
Zum Thema: Ein Freund von mir will mich überzeugen, dass es mir als Geschichtsinteressierten bestimmt gefallen wird.
...das glaub' ich nicht, Tim...

Wie soll ich seine Einladung denn zurückweisen? Oder meint Ihr, dass ich das überlebe, ohne Amok zu laufen?
Vermutlich wird dein Freund es als erster bereuen, dass er dich mitnahm, wenn du dich nach der xten Ungenauigkeit nicht mehr halten kannst und ihm beständig Korrekturen zuflüsterst. Ich überlege auch schon, welchen meiner Kumpels ich meine Gesellschaft in diesem Film zumuten kann.
 
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