Scorpio
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Ich suche nach absurden Verboten, Gesetzen und Vorschriften aus der Zeit des Nationalsozialismus.
Ich lese gerade "Das Dritte Reich des Traums" von Charlotte Beradt. Da taucht das Motiv absurder Verbote und erfundener Ämter öfter auf. Ich lese aus dem Buch jedenfalls eine große Unsicherheit: Was ist erlaubt und wer ist von Verfolgung betrroffen? Diese Unsicherheit manifestiert sich in den Träumen der 1930er Jahr.
Ich habe gefunden, dass Juden ihr Auto nicht benutzen durften, Kaugummi Kauen war regional als undeutsch verboten, Verbot von Schreibmaschinen. Bestimmte Hunderassen durften keine deutschen Namen bekommen. Eben Verordnungen die auf absurde Weise in den Alltag der Menschen eingriffen.
Vielen Dank
Juden durften nicht nur ihr Auto nicht benutzen, sondern es wurde ihnen ab einem bestimmten Zeitraum verboten, überhaupt ein KfZ oder auch nur ein Fahrzeug zu besitzen.
Es verging kaum ein Tag oder eine Woche, in der nicht ein neues Verbot, ein neuer Erlass herausgejagt wurde. Mitunter widersprachen sich die Verordnungen. Systematisch wurde die Schraube enger und enger gezogen. Juden durften keine KfZ besitzen, keine Fahrräder, keine optischen Geräte, allenfalls eine Brille. Musikinstrumente mussten abgegeben werden, aus allen Vereinen waren sie rausgeschmissen worden. Sie durften keine Waffen besitzen, mit der Jagd war natürlich Schluss. Auch mit der Jagd des kleinen Mannes, dem Angeln war Sense, natürlich durften sie auch keine Angel oder Rolle mehr besitzen oder behalten, sie durften die deutschen Gewässer nicht mehr betreten, nicht mehr darin baden, den deutschen Wald nicht mehr betreten. Mit allen Hobbys war es Essig, selbst wenn sie unter sich blieben. Sie durften nicht mehr boxen und ringen, kein Jiu-Jitsu mehr trainieren, auch kein Krav Maga mehr. Juden in Polen, die sich nicht vermöbeln lassen wollten, hatten diese Kampfkunst einst entwickelt.
Schwimmbäder und Kinos, Bibliotheken, Theater, Cabarets waren Juden fortan verschlossen, dort wurde ihnen der Strom abgeklemmt und hier war ihnen der Fahrstuhl verboten, auch öffentliche Verkehrsmittel. Kein Park, kein See, kein Museum oder Theater mehr, in der Juden nicht vor die Nase gehalten wurde, dass sie unerwünscht waren. In der Anonymität der Großstädte konnten Juden es eher riskieren, mal gegen eine Verordnung zu verstoßen, in der Provinz war das kaum möglich, irgendeinen, der es gesehen hatte, einen, der es meldete, den gab es immer. (Opportunismus und Übereifer mal wider)
Wenn man sich so manche Verordnungen ansieht, fragt man sich, wer kommt auf so etwas? Zwischen 1933-1945, so weit würde ich gehen, gab es nichts, das zu abgeschmackt, zu niederträchtig, zu kleinlich gewesen wäre als dass sich nicht irgendein kleingeistiger, niederträchtiger Bürokrat gefunden hätte, es in ein Gesetz, eine Verordnung zu gießen.
Natürlich gab es Verordnungen- wo selbst ein niederträchtiger Mensch sagen würde, das wäre mir zu blöd, das wäre unter meiner Würde!", aber absurd war es nicht. Es war höchst perfide, und es wurde systematisch die Schraube von allen Seiten die Schraube angezogen.
Als Jude in D zu leben, das hieß, dass es selbst die kleinen privaten Freiräume, wo man Atem holen konnte, nicht mehr gab, nicht mehr geben sollte. Es gab viele Juden, die optimistisch waren, die sich nicht unterkriegen lassen wollten. Ein Viehhändler kehrte 1935 sogar zurück, er glaubte, dass der Spuk bald vorbei gehen würde. Er hatte eine treue Stammkundschaft, besuchte die Bauern auf den Höfen, und mit wem sie Viehhandel trieben, das wollten sich die Bauern nicht von der NSDAP vorschreiben lassen. 1935 gab es noch einen Richter, der anordnete, dass ihm sein Schächtbesteck zurückgegeben wurde. Das letzte Lebenszeichen stammt von 1941 aus Isbica-vermutlich kam er in Auschwitz um.
Über Jahre wurde so die Schraube angezogen, es sollte keinen Lebensbereich mehr geben, keinen Winkel oder eine Nische, die übersehen wurde, und jede Woche kam eine neue Verordnung. Übereifer und Opportunismus sorgten dafür, den Juden in jedem noch so banalen Bereich das Leben zur Hölle zu machen.
Klar, da gab es nichts, was zu abgeschmackt, zu niederträchtig, nichts was zu klein oder zu unbedeutend war. Da gibt es unzählige Verordnungen, die geradezu absurd anmuten.
Aber wenn das alles auch noch so wahnsinnig war, so hatte der Wahnsinn doch Methode. Es sollte den Juden das Leben zur Hölle gemacht werden, und kein Winkel Deutschlands sollte übersehen werden, kein Lebensbereich zu unbedeutend, um nicht durch eine Verordnung Leute zu schikanieren.