Was Göring betrifft, so hätte ich eine Frage an unseren "Jägermeister"
@Scorpio.
Es wird immer wieder gesagt, dass Göring das modernste und moderateste Jagdgesetz aufgestellt habe, das heute noch gültig sei. Stimmt das? Mich würden dabei die Kernpunkte dieses Gesetzes interessieren, gar nicht so sehr die Einzelheiten, die ich ohnehin nicht verstehe.
Kann es sein, dass sich Göring, der sich um Menschenleben wenig kümmerte, sich immerhin um die Tiere scherte (die er ja dann alsdaselbst abgeschossen hat)? Hat ihm ein kapitaler Hirsch vielleicht sogar Respekt abgenötigt?
(Falls dieses Thema hier nicht passen sollte, dann bitte verschieben.)
Ich bin da auch kein Fachmann. Soweit ich weiß stammte das neue Jagd- und Tierschutzgesetz das 1934 erlassen wurde noch auf Vorlagen, die in der Weimarer Republik ausgearbeitet wurden oder gar noch älter waren und auf Verordnungen aus dem Kaiserreich basierten.
Dazu gehörte zum Beispiel das Verbot des Singvogelfangs, des sogenannten Dohnenstiegs, das 1908 oder 1909 erlassen wurde. Die Gegend um Leipzig war berühmt für ihre Lerchen, die mit Schlagnetzen und Dohnen in großer Zahl gefangen wurden. Wacholderdrosseln, die sogenannten Krammetsvögel waren vielerorts eine geschätzte lokale Delikatesse. Das Verbot wurde während des 1. Weltkriegs
Heinrich Heine erwähnt sie gut gebraten mit Apfelmus als Element der "altgermanischen" deutschen Küche, bei der ihn sentimentale Erinnerungen begleiten, als ihm in Hagen u. a. Krammetsvögel zum Mittagessen serviert werden.
Verboten wurde die Parforcejagd mit der Meute auf Fuchs, Rot- und Schwarzwild. Strengstens verboten wurden Tellereisen und Drahtschlingen. Verboten wurde die Jagd mit Armbrust oder Bogen. Insgesamt kann man schon sagen, dass das neue Jagd- und Tierschutzgesetz sicher mit vielen unnötigen Grausamkeiten aufräumte, sicher auch von Leuten verfasst wurde, die zumindest Ahnung hatten von der Jagd. Andererseits kann man durchaus vieles der deutschen Jagdgesetze auch sehr kritisch sehen. Die Hetzjagd zu Pferd auf Hirsche und Schwarzwild mag man als grausam ablehnen, bei der Fuchsjagd wurde der Fuchs nicht geschossen oder mit einem Hirschfänger abgefangen sondern von der Meute getötet, die ihn ziemlich übel zurichtete. Das Verbot von Tellereisen wie man sie für Bären oder Wölfe verwendete, die unsachgemäß gestellt auch für Menschen gefährlich waren, mochte sinnvoll gewesen sein.
Grundsätzlich aber sind moderne Tellereisen, meiner Meinung nach zu Unrecht verrufen. Moderne Tellereisen erlauben den selektiven Fang, erlauben das Zurücksetzen von Fehlfängen und für Bestandserhebungen und Forschungsprojekte etwa von Wolfspopulationen sind sie praktisch unentbehrlich, um Tiere lebend zu fangen und unbeschadet zurücksetzen zu können.
David Mech, ein anerkannter Wolfs-Experte hat Wölfe auf Ellesmere Island alle mit Tellereisen gefangen. Mech hat sich dabei auf Wolfspopulationen konzentriert, die nie gejagt wurden, die keine Ahnung von Fallen haben. Italienische Wölfe oder Wölfe in Russland hätte er vermutlich nie gekriegt, weil sie eben sehr schlau und erfahren sind und nicht leicht in Fallen gehen.
Bei Drahtschlingen und Tellereisen, kriegen deutsche Waidmänner Schnappatmung, das ist ungefähr so moralisch wie Babyrobben den Schädel einschlagen und sie anschließend abhäuten. Grundsätzlich aber können Tellereisen, und ich spreche nicht von den Bärenfallen" wie man sie aus alten Western kennt, durchaus sinnvoll sein, um Tiere lebend zu fangen und unbeschadet zurückzusetzen, um Fehlfänge lebend zurückzusetzen.
Das Jagdgesetz/Tierschutzgesetz von 1934 war sicher im Großen und Ganzen durchdacht, hat in einigen Fällen mit grausamen Jagdpraktiken aufgeräumt, etwa die Hetzjagd mit der Meute auf Rot- und Schwarzwild, Verbot, Füchse und Dachse zu fangen und sie für die Hundeausbildung zu verwenden (Schliepplatz), Verbot Rehwild mit Schrot zu beschießen, Fang von Greifvögeln mit dem Habichtkorb, Verbot von Giftködern.
Das Jagd- und Tierschutzgesetz von 1934 hat aber auch dazu beigetragen, dass viel altes Brauchtum und jagdliches Wissen in Vergessenheit geriet, weil es kriminalisiert wurde. Der Personenkreis von Leuten, die den Wald nutzen durften, die Tiere fangen oder jagen durften wurde eingeschränkt. In den Nachkriegsjahren unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg da griff man auf alte Jagdtechniken zurück, die nun verboten waren. Die Forstleute wussten davon, Pastoren wussten davon, aber man sprach nicht darüber, wenn mal ein Reh oder ein Hase mit der Drahtschlinge am Pass oder Wechsel gefangen wurde oder ein Wildschwein in der Saukuhle.
Das neue Jagd- und Tierschutzgesetz von 1934 verbot einige Methoden, die man als grausam betrachten kann. Es gibt aber auch eine Reihe von Verordnungen, die recht paternalistisch und dogmatisch sind. Warum darf man nicht mit Bogen/Armbrust jagen? In vielen anderen Staaten ist die Jagd mit Armbrust und Bogen ganz selbstverständlich legal, und es wird Wild sicher damit erlegt.
Vieles was nach deutschen Jagdbräuchen illegal ist, ja als extrem verwerflich gilt, ist anderswo völlig legal, ohne dass sich jemand deshalb einen Kopf macht. So manche Jagd-Tricks, die die Älteren noch kannten, waren eigentlich eher Wilderer-Tricks. Tricks auch, bei denen altehrwürdige Forstleute Schnappatmung bekommen. Vieles gilt heute als hochgradig illegal und verwerflich, durchaus auch zu Recht. Dennoch ist dadurch auch altes Wissen, wie man mit simplen Hilfsmitteln, Wild überlistet, wie man den Wald nutzt in Vergessenheit geraten, das durchaus es wert war, bewahrt zu werden.