Arno Breker Ausstellung in Schwerin

Dieses Thema im Forum "Ausstellungen | Historische Sehenswürdigkeiten" wurde erstellt von Arne, 12. Juli 2006.

  1. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    Als Ersatz für den verweigerten Archiv-Einblick genügt der von Arne hereingestellte Artikel ! Herrlich aufschlußreich !!!, erinnert mich an die Zustände der Familie Wagner in Bayreuth und ihre verschlossenen Schatzkästlein der Geschichte.........:)
     
  2. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Ähnlich hat sich auch der SPIEGEL v. 17.07.2006 geäußert.

    In den von der Familie zurückgehaltenen Unterlagen sollen sich auch Hinweise befinden, die Brekers andere Seite während der NS-Zeit belegen soll. So, dass er Verfolgten geholfen haben soll.

    Nach dem Krieg hat der Verleger Peter Suhrkamp erklärt, Breker habe ihn aus em KZ herausgeholt.
     
  3. Arne

    Arne Premiummitglied

    Steht im WELT-Artikel. Pablo Picasso soll er auch geholfen haben.
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Mal ganz naiv: womit wäre der Familie mehr geholfen, als ihre "studierte Kunsthistorikerin", ihreszeichens Breker-Tochter das Archiv edieren zu lassen, muss ja nicht auf einmal sein. Damit jedenfalls würde die Familie letztlich glücklicher sein, als dieses ewige Geplauschel über den Nazi-Vater. Gerade die erwähnten Unterlagen würden ihren Vater zwar nicht unbedingt vom Naziwahn freisprechen, aber ihn doch von der menschlichen Seite zeigen - und die Familie selbst wäre vom Rechtfertigungsdruck befreit.
     
  5. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied


    ....das wäre so, als ob man J. Ratzinger als Lektor der noch zu veröffentlichenden Geheimarchive des Vatikan bestellen würde....:devil: da sollten doch noch ein paar Chorknaben von außerhalb mitmachen dürfen :rofl:
     
  6. Mercy

    Mercy unvergessen

    Zwsichenfrage.
    Gibt es von Breker ein Original aus der Zeit vor 1933?
     
  7. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

  8. Mercy

    Mercy unvergessen

    Die sind aber nicht mehr alle vorhanden. :motz:
     
  9. Arne

    Arne Premiummitglied

  10. Mummius Picius

    Mummius Picius Premiummitglied

    Hm, schwierig. Arno Brekers Werke zeugen eindeutig von technischer Meisterschaft und einem starken Gestaltungswillen, will sagen: man kann nicht abstreiten, dass sie Kunst sind, denn sie sehen aus wie Kunst, fühlen sich an wie Kunst und riechen nach Kunst. Das gilt für einige Vor-Nazi und andere Nach-Nazi-Werke ganz insbesondere.

    Aber, und das hängt ihm an wie der Leni Riefenstahl, er hat halt mit den Nazis geschmust, und deshalb ist sein Hauptwerk besudelt wie mit Unrat. Man kann ein Kunstwerk nicht aus seinem Kontext reissen und zur Anschauung ins Kunstmuseum stellen - nicht aus diesem Kontext. Mein alter Kunstgeschichte-Prof Walter Grasskamp hat einmal in einem sehr anschaulichen und schönen Vortrag dazu referiert, Breker (und Co.) gehören ins Museum,. aber ins zeitgeschichtliche - dem schliesse ich mich an.
     
  11. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied


    Brekers Menschenbild paßte eben in die neue Zeit. Sein klass.Ideal hat er ja nie verlassen, der braune Zeitgeist ist sozusagen zu ihm gekommen.
    Die griechische Kultur aber mit ihren ausgewogenen Proportionen hat er in "Großer Zeit " aufgenordet, sie der völkisch-rassischen Ideologie gangbar gemacht mit seine handwerkl. Meisterschaft und durch Überproportionierung den leeren Ausdruck seiner Weke selbst erzeugt.
    L. Riefenstahl konnte wahrscheinlich mit Recht ihr ganzes Leben sagen , daß sie völlig unpolitisch sei. Wie ein Auftrag an eine Werbeagentur , hat sie mit Instinkt und Phantasie die mit dem neuen Medium des Films verbreitete Ästhetik des german. Wesens als das des "neuen Menschen " unter die Bevölkerung gebracht, wie dies alle Bildhauer zusammen es nicht geschafft hätten.
    So sehe ich den Unterschied zwischen A. Breker, auf den die nationalsozialist. Kulturträger zukamen und er ihnen entgegen,
    L. Riefenstahl schmiß sich da eher ran, Ehrgeiz ordnet da genaues hingucken schonmal unter, solche gabs ja auch !
     
  12. Mummius Picius

    Mummius Picius Premiummitglied

    Man darf auch nicht vergessen, dass Monumentalismus die ganze Epoche - und das nicht nur in Deutschland - prägte; wer sich mal z. B. amerikanische Bahnhöfe jener Zeit anschaut, findet da leicht muskelbepackte Karyatiden und fackelschwingende Allegorien im Gebälk. Über den "sozialistischen Realismus" der Sowjetunion müssen wir sowieso kein weiteres Wort verlieren.

    Der Vergleich Riefenstahl = Werbeagentur passt wie ein Handschuh. Breker, als ganz offizieller Vertreter der "Hochkultur" (wie glücklich er da gewesen sein muss) hatte längst nicht den "Impact" der Arbeiten Riefenstahls, auch wenn sich die politische Führung alle Mühe zur Umerziehung gab, so dass auch heute noch die Flohmärkte überquellen von ästhetisch-künstlerischen Traktaten der Nazizeit (voll mit Modellfotos und Softporno-Nacktarierinnen).

    Breker sah sich ganz ohne Zweifel als den Schaffer der Pergamon-Altäre der Neuzeit. Aber in diesem Sinne ist sein Werk ein Zitat, und ein verfälschtes obendrein. Man kann ein klassisches Kunstwerk nicht "besser machen", nur plagiieren; die Rückkehr zu einer (hypertrophen) klassischen Formensprache kehrt 2.400 Jahre Entwicklungsgeschichte unter den Teppich, eine denkbar wacklige Grundlage für ein "Neues Menschenbild" … aber das hielt ja zum Glück nicht lange, interessanterweise auch in der UdSSR nicht, und in den USA und anderen Ländern auch nicht.

    Aber nochmal zurück zur Ausstellung. Wird hier rehabilitiert? Wird hier der Bedarf einer Rehabilitation geleugnet? Über beide Fragen muss man m. E. den Kopf schütteln, und ihn in der Kategorie Auswuchs seiner Zeit in die Rubrik überwiegend harmlos einordnen. Eine Kategorie, die leider Gottes viel zu leer ist.
     
  13. Arne

    Arne Premiummitglied

    Sorry, aber meinst du nicht, daß sich das beim kritischen Lesen ziemlich arrogant anhört? Wer bestimmt, wann die Spitze einer Kunstentwicklung oder auch nur die richtige Richtung erreicht ist?
    Ich kann sagen, was mir gefällt, vielleicht auch einschätzen, was hohe Kunstfertigkeit im handwerklichen Sinn erfordert, aber ich maße mir keinesfalls an, beurteilen zu können, was die richtige, echte Kunst ist.
     
  14. Mummius Picius

    Mummius Picius Premiummitglied

    Grundlegend für den Nazi-Bombast, den Soz. Realismus und auch den "Empire" Monumentalismus der USA (und anderer Länder) war, dass zuerst die Ideologie kam, und dann die Kunst nach Massgabe der Ideologie gestrickt wurde. Solcherart Kunstrichtungen hatten immer eine beschränkte Haltbarkeitsdeuer, nämlich die der zugehörigen Ideologie (das Beispiel funktioniert übrigens auch in der Antike, die Kaiserkultverehrung bildete viele solcher "Blasen" in der Kunstgeschichte).

    Bitte verwechsle nicht meine Kritik an Brekers Schaffen mit einem Angriff auf den individuellen Geschmack. Den lasse ich selbstverständlich jedem. Und ich habe auch nicht Brekers technisches Können angezweifelt. Wer das tut, soll's erst einmal besser machen. Aber Kunst ist eben nicht nur Technik und Gefälligkeit, dahinter stehen Aussagekraft, Innovation, Gestaltungswille, nicht zuletzt aber auch, ob man der Menschheit mit seinem Werk weiter geholfen hat (ich hoffe, Theo Adorno dreht sich bei diesem Liebig-Konzentrat seiner Kunstphilosophie nicht im Grabe herum). Wenn du nun die wirklich bekannten und anerkannten Werke genau prüfst, wirst du feststellen, dass sie genau das getan haben.
    Bei Brekers Arbeiten kann ich das nicht feststellen. Sie sind schön wie leere Flaschen; das kann nur Leute zufrieden stellen, die gerade nicht durstig sind.
     
  15. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    Monumentalität in Architektur und bild. Kunst war schon in d. frühen Weimarer Republik ein Thema der Architektur-und Kulturästethik gewesen , wie alle Kunstrichtungen , solange es ging auch internationale Aspekte einbezogen, siehe Bauhaus.
    Vorbilder der neuen Monumentalität gab es z.B.aus dem faschistischen Italien der 20- Jahre.
    Selbst der dt. Expressionismus war als grundsätzlich moderner Stil noch bis 1935 Gegenstand kontrovers geführter Richtungskämpfe auch in oberster Etage der NSDAP. Hier hat sich ab 1935 A. Rosenberg übrigens gegen seinen Intimfeind J. Goebbels in der Leitkultur-Vorgabe innerparteilich durchgesetzt, Goebbels blieb der Film, Funk und die Theaterlandschaft für das Propagandafeld.
    Eine spezifische, vergleichbare Zentrierung von geschichtsdarwinistischen Elementen in Kunst -und Kultur wie in der "Nazi- Kultur " sehe ich nicht im Vergleich auch der o.g. stilverwandten stalinist. Epoche.
    Der "Empire - Stil " , den du meinst ,der Art-Deko Monumentalismus birgt in seiner Ästethik nicht den rassisch überhöhten und andere Rassen verhöhnenden Ausdruck, er hat andere Wurzeln.
    Hitler sah ausschließlich in der nordischen, arischen Rasse die Herren-und Kriegerrasse , welche nur den kulturschöpferischen Menschen hervorbringen kann...so mußte er dann aussehen.
    Der Klassizismus erhielt als griechisch-germanisch-preußisches Derivat die Aufgabe der neuen Monumentalität, das hat Breker begriffen und umgesetzt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. Juli 2006
  16. Arne

    Arne Premiummitglied

    Ganz richtig. Wenn ich mir die Bildermalerei der NS-Zeit angucke und vor einer endlosen Reihe langweiliger (aber technisch gut ausgeführter) Bauernbilder stehe, kann ich allerdings wenig bedrohliches in diesen Gestalten finden. =)
     
  17. Arne

    Arne Premiummitglied

    Finanziell scheint sich die Sache für das Schweriner Museum anscheinend zu lohnen. Der Run auf den Verkaufskatalog wird heute bei uns in der Zeitung erwähnt. Die geplanten 1000 Exemplare sind ausverkauft und es wird nachgedruckt, weil Bestellungen aus aller Welt eingehen...
     
  18. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

  19. Mummius Picius

    Mummius Picius Premiummitglied

    Das ist nun wirklich ärgerlich. Anstatt rumzuquengeln und das Wegsperren einer "Zur Diskussion gestellten" Ausstellung zu fordern, sollten sie selber die fehlenden professionellen Führungen organisieren.
    :motz:

    Oder sind sie am Ende keine Profis?
    :scheinheilig:
     
  20. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Ich habe die Schweriner Ausstellung soeben besucht und bin der Meinung, jeder sollte sich selbst ein Bild vom künstlerischen Schaffen des Arno Breker machen. Mancher wird die Exponate pompös finden, andere bombastisch, wieder andere werden vielleicht die naturalistische Darstellung als ästhethisch empfinden. Den politischen Kontext liefert die Ausstellung, sodass keine Gefahr besteht, eine naive Seele könnte den NS-Bezug übersehen.

    Wie auch immer: mündige Bürgerinnen und Bürger sollten selbst über das Oevre entscheiden und ich finde es inakzeptabel, dass mir jemand vorschreiben will, was ich sehen soll.

    Übrigens: Richard Wagner war ein schlimmer Antisemit. Sollte man deshalb sein Werk von der Bühne verbannen? Oder soll ich erst den Lebenslauf eines jeden Künstlers lesen und danach die Güte seines Werks beurteilen?
     

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