B ... wie Bäderarchitektur, Betonbunker: Borkum

auf der Höhe des nordwestlichsten Punkts rechts in den Dünen versteckt die Batterie Oldenburg
bezugnehmend auf #37-40 noch zur Batterie Oldenburg:
- diese wurde 1916-18 gebaut
- sie hatte zwei 25,4cm Geschütze und damit die schwersten/größten nach den 8 28cm Haubitzen der Batterien Watt und Wiesen
Bildschirmfoto 2026-02-24 um 19.08.57.png

der rechte der beiden Geschützbrunnen (a - emplacement de piece betonne) ist teilweise, also ruinös, erhalten (google maps "ehemalige Geschützstellung") und ulkigerweise führt ein Wanderweg in die Dünen und zum Aussichtspunkt "nordwestlichster Punkt Deutschlands" über den Rand des Geschützbrunnens.
Die eingezeichneten Gleise sind eine Abzweigung von der Ostlandbahn, die Abzweigung ungefähr beim heutigen Übergang der Hindenburgstraße in den Barbaraweg.
Später (Wiederbewaffnung) wurde links eine dritte Geschützstellung hinzugebaut, sodass die Batterie drei Geschütze hatte.

(mit Anbau versehen und ausgebaut, aber auf Privatgrundstück ist der Mannschaftsbunker (d - abri pour la troupe) erhalten, wahrscheinlich als Geräteschuppen genutzt auch einer der beiden Munitionsbunker lins (b - abri a munitions betonen))
 
Zuletzt bearbeitet:
Zur Ergänzung warum es davon nur zwei Geschütze gab:

Größere Kaliber dauern in der Herstellung. Da diese ( 25,4cm) Geschütze nicht von der Kaiserlichen Marine verwendet wurden gab es auch keine Bestellungen. Hier ein weiteres größeres Kaliber im Kriege zu produzieren war unter den Kriegsbedingungen nicht sinnvoll.
 
@Mittelalterlager in #26 ist die Liste der Geschütze. Während des Kriegs wurde nicht nur auf Borkum die Bewaffnung umgruppiert, manche Geschütze wurden an die Front verlagert, zahlreiche Beutegeschütze wurden in die Festungen gebracht usw. Die acht 28cm Haubitzen waren schon vor dem Krieg in der Watt- und in die Wiesenbatterie installiert, die beiden russischen 25,4cm Kanonen wurden mit großem Aufwand nach Borkum gebracht (der Transport war schwierig, es gibt 2 Fotos davon; man musste die Bahntrasse verstärken, weil die Dinger zu schwer waren). Kurios: auch ein russischer Eisengitterzaun wurde nach Borkum verfrachtet :)
 
Zur weiteren Info und Erklärung:
Die Fertigung eines 28 cm Rohres nimmt rund 1 Jahr Zeit in Anspruch, bei größerem Kaliber verlängert sich der Zeitrahmen entsprechend. Auch die Rohrabnutzung ist recht groß, bei den 28ger für die "Nassau-Klasse" rund 300 Schuß.
Aus der Bauzeit und der Abnutzung ergibt sich auch der militärische Sinn des Einsatzes von schweren Beutegeschützen.
 
Als ich kürzlich zu den 1900 und 1904 gelegten transatlantischen Telegrafiekabeln von Deutschland nach Amerika recherchierte
@Naresuan zu den Ende des 19. Jhs. verlegten Kabeln gibt es noch was für das Jahr 1891:
1890 brach die Faraday in die Karibik auf, wo die Inseln Saint Croix mit St. Lucia, Saint Lucia mit Grenada und Grenada mit Trinidad verbunden wurden. Im folgenden Jahr erfolgte eine erste Kabelverbindung zwischen Bacton in der englischen Grafschaft Norfolk und der deutschen Insel Borkum.
(zitiert aus Belle Époque – Wikipedia )
Dieses Kabel hatte auf Borkum seinen Anschluss in der Verwaltung (Rathaus Telefonzentrale) - ob und wie die erst um 1911 gebaute Fernleitungszentrale der Festung (siehe #35), welche primär die innermilitärische Kommunikation (Feuerleitung, Befehlsübermittlung etc) verknüpfte, mit dem Kabel nach England und via Leitung nach Emden mit dem Atlantikkabel verbunden war, weiß ich nicht. Ob die Telefonkommunikation auf der Festungsinsel spätestens mit Kriegsbeginn 1914 bis Kriegsende 1918 dann komplett vom Militär wenn nicht betrieben, so überwacht/kontrolliert war?
 
Das erste Kabel zwischen Borkum und Cromer wurde sogar schon 1858 verlegt, war aber nur ein Jahr lang voll in Betrieb und wurde 1862 wieder aufgegeben. Das lief noch über den Leuchtturm.
Beteiligte Schiffe: "Reliance" und "William Cory" History of the Atlantic Cable & Submarine Telegraphy - CS William Cory

Danach ging es nach England eine Zeitlang über Norderney mit einer Querverbindung nach Borkum.

Die Telegrafie ins Ausland über Borkum war meines Wissens ab 1914 unterbrochen. Zum Telefon kann ich nichts sagen.
 
Guttapercha ist im übrigen kein Kautschuk, ähnlich aber mit etwas anderen Eigenschaften und von mehreren verschiedenen Pflanzen, nicht von Helvea.
 
Die Onlinesammlung der Museumsstiftung Post und Telekommunikation zeigt ein Stück des Kabels von 1858:

1914 wurde bei Dover das Überseekabel gekappt

und das war alles ein Werk der kleinen CS Alert (1890) - Wikipedia , die es schaffte, in den frühen Morgenstunden des 5. August 1914 die 5 deutschen Überseekabel zu finden und zu kappen.
siehe auch How Britain pioneered cable-cutting in World War One mit einem schönen Bild einer deutschen militärischen Fernsprechzentrale.

Die Kabel nach England wurden wohl erst im Verlauf des Krieges beschädigt bzw. unterbrochen, so dass es 1918 keine von Borkum ausgehenden, intakten Kabel mehr gab. Erst im August 1919 konnte das erste Kabel wieder repariert werden, wie Mitteilungen : Geographische Gesellschaft in München : Free Download, Borrow, and Streaming : Internet Archive 1928 berichtete.
Darin ist die Borkum-Chronik auch nicht ganz genau, wenn sie für 1919 das "1914 gekappte Überseekabel" wieder aufgebaut sieht, denn 1919 wurde lediglich die Verbindung nach England wieder hergestellt. Die deutschen Überseekabel-Verbindungen via Vigo und den Azoren konnten erst ab 1924 wieder aufgebaut werden. Die 1914 gekappten Kabel wurden von den Briten anderweitig verwendet.
 
Bei der Info der Museumssammlung könnte die Herstellerangabe eventuell ungenau/nicht ganz korrekt sein. Die angegebene Firma hatte wohl nur die Ummantelung hergestellt. Die Firma "RS-Newall" kommt hier wohl eher für den Guttaperchaleitungskern in Frage. Die sind 1858 mit den "Siemens Brothers" in Geschäftsbeziehungen getreten. Von daher ist es eher naheliegend den "ungepanzerten" Kabelteil ihnen zuzuschreiben.
 
Darin ist die Borkum-Chronik auch nicht ganz genau
ja, sie enthält einige Ungenauigkeiten/Irrtümer und wird vermutlich seit Jahren nicht mehr gepflegt - dennoch halte ich sie zu ca 90% für ok, insbesondere was den alltäglichen Kleinkram auf der im 19. Jh. zum Seebad werdenden Insel betrifft (wann welches Hotel gebaut*), Gästezahlen etc) In den Militär/Festungssachen finden sich Ungenauigkeiten: die IMKK in den 20er Jahren fehlt, die brit. Spionage fehlt, der Baubeginn der Festungsanlagen ist ungenau (tatsächlich: 1908 Erklärung zur Festung per AKO, Bau der Ostlandbahn, 1909-11 die großen Batterien und Infanteriewerke). Und wie sich gezeigt hat, finden sich bei den Elektro"Installationen" Irrtümer.
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*) erstaunlicherweise fehlt das dreieckige Hotel Fürst Bismarck
 
Bei der Info der Museumssammlung könnte die Herstellerangabe eventuell ungenau/nicht ganz korrekt sein. Die angegebene Firma hatte wohl nur die Ummantelung hergestellt. Die Firma "RS-Newall" kommt hier wohl eher für den Guttaperchaleitungskern in Frage. Die sind 1858 mit den "Siemens Brothers" in Geschäftsbeziehungen getreten. Von daher ist es eher naheliegend den "ungepanzerten" Kabelteil ihnen zuzuschreiben.
Für die Isolierung war mMn eher die "Gutta Percha Company" zuständig. Mit der fusionierte Glass, Elliot & Co. 1864.
 
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